2018 #17 Auf der Seine zur Oise

Wir verlassen den Hafen Arsenal nach 4 Wochen Aufenthalt. Noch am Vorabend kommen  Guy und Marlène zu uns, die fast jedes Jahr im Sommer mit ihrer Dutch Sturdy 32 nach Paris fahren.  Häufig konsultieren wir ihren Blog, wenn wir unterwegs sind oder eine neue Reise vorbereiten. Aber dieses Mal können wir  mit ihnen unser nächstes Ziel, die Somme und den flämischen Teil Belgiens, direkt besprechen.

Am nächsten Morgen rufen wir kurz nach 8 Uhr die Capitainerie an, um die Schleusenbedienung gegen 8h30 zu bestellen.

2018-180

Wir schleusen zusammen mit einem Boot, welches uns durch Paris begleitet.

Aus Vorsicht legen wir noch den Mast, auch wenn bei normalem Wasserstand eine Durchfahrt mit stehendem Mast möglich ist.

Der Verkehr auf der Seine im Bereich von Notre Dame und dem Hôtel de Ville (Rathaus) ist im Wechselbetrieb organisiert. Als wir um 8h40 an der Ampel ankommen, ist die Durchfahrt schon freigegeben. Es bleibt wenig Zeit, um den schönen Blick auf Notre Dame zu genießen.

2018-169

Kaum sind wir aus der Einbahnstrecke herausgefahren, wartet schon ein Handelsschiff auf die Freischaltung der Bergstrecke.

2018-172.jpg

Die Strecke von Paris nach Cergy an der Oise ist rund 80 km lang. Wir sehen für die Reise 2 Tage vor  und übernachten an der „Halte de Rueil sur Seine.  Dieser Platz liegt sehr günstig. Die Pariser S-Bahn RER A ist ganz in der Nähe und direkt  am Platz gibt es einige Restaurants und  in der Nähe findet man einige Einkaufsmöglichkeiten.

Als wir ankommen, liegen dort schon 2 belgische Schiffe und ein „Dauerparker“. Der Steg liegt im „Bras de Marly“ vor der Schleuse von Bougival. Diese ist allerdings bis 2019 außer Betrieb.  Es gibt sehr wenige Übernachtungsmöglichkeiten auf dieser Strecke.  2018-176.jpg

Am nächsten Morgen fahren wir die Seine wieder eine halbe Stunde flußaufwärts, um in den anderen Flußarm zu gelangen.

Nach einer Stunde erreichen wir die Schleuse Chatou. Die Seine schlängelt sich in großen Schleifen im Westen von Paris abwärts. Die beiden Schleusen von Bougival und Chatou liegen nur einige hundert Meter auseinander, auf der Seine fahrend sind es allerdings 10km.

2018-177.jpg

Bei bestem Wetter und recht geringer Strömung fahren wir an Conflans St. Honorine vorbei.  Die Stadt ist berühmt wegen der großen Anzahl der dort liegenden Berufsschiffe. Viele Berufsschiffer kommen hierher, um ihre Rente auf dem Wasser zu verbringen.

Hier in Conflans („Zusammenfluss„) mündet die Oise in die Seine. Von dort sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Hafen von Cergy.

2018-178.jpg

In Cergy bleiben wir 2 Tage. Wir haben übersehen, dass die Schleusen am 14.Juli, dem französischen Nationalfeiertag, nicht bedient werden. Vor 4 Jahren waren wir hier für 6 Wochen. Zeit also alte Bekannte wieder zu treffen.

2018-179.jpg

2018 #16 „Changement de cap…“

Da wir wieder vor Ende September in Maasbracht sein wollen, haben wir, wie schon erwähnt, unseren ursprünglichen Plan (schwarze Linie) geändert. Anstatt von Paris aus weiter nach Süden zu fahren, ziehen wir es vor, die Rückfahrt über den Nord-Westen Frankreichs und den Westen Belgiens anzutreten (orangefarbene Strecke).

Anders gesagt aus unserer Frankreich-Tour „Seine, Saône und Loire“ wird dieses Jahr zunächst : Maas, Marne, Seine, Oise.

Vom Hafen Arsenal aus soll es auf der Seine flussabwärts bis zur Mündung der Oise gehen. Von dort führt uns die Strecke zunächst die Oise flussaufwärts zur „Somme“. Die Oise sind wie schon 2014 gefahren, allerdings in Richtung Paris, von der Aisne kommend. Die Oise ist stark befahren und bindet Frankreich über den Canal du Nord an die großen Häfen in Belgien und den Niederlande an. Sieht man mal von dem gut geführten Hafen in Cergy nahe der Oise Mündung ab, gibt es auf der Strecke wenig Häfen. Haltemöglichkeiten bieten die Schleusen oder die Kais für die Berufsschiffer. Man sollte aber auf jeden Fall das Festmachen mit den Schleusenwärtern oder Berufsfahrern absprechen. Besser ein Wort zu viel als zu wenig.

Demnächst mehr.

2018 Vagabond Tour 14-06-2018.jpg

2018 #15 Paris Port L’Arsenal (2)

Unsere Planung ist seit Anfang der Reise etwas in Unordnung geraten. Da zeitlich nichts so abläuft wie wir es uns noch im Winter vorgestellt hatten, haben wir uns entschieden, einfach „noch ein paar Tage länger“ in Paris zu bleiben und die Hafenatmosphäre weiter auszukosten.

Frankreich steht bei der Fussball-WM im Halbfinale, der Nationalfeiertag liegt vor uns, Freunde aus Paris besuchen uns, Freunde im Hafen laden uns zum Tee ein…. Warum also schon weiterfahren? Heute Abend spielt Frankreich gegen Belgien um einen Platz im Finale. An der „Capitainerie“ wird für die Unterstützung der „Bleus“ (so nennen die Franzosen ihre „Mannschaft“) geworben: „Allez les Bleus„. Auch wir sind eingeladen, das Signalhorn zu benutzen. Je nach Stimmung kann es also recht lau werden heute Abend.

2018-147.jpg

Zeit genug also, um im und um den Hafen weiter auf Foto „Pirsch“ zu gehen.

Wie in vielen Häfen leben auch in Paris Leute permanent auf ihrem Boot. Sie heissen hier „les résidents“. Boote bieten im allgemeinen weniger Platz und geben weniger Gestaltungsmöglichkeiten als ein Haus mit Garten her, was jedoch die Hafenbewohner nicht daran hindert, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Das Ergebnis ist dann oft Geschmacksache. Hier eine kleine Auswahl. Der Leser kann sich hier sein eigenes Urteil bilden.

L’Arsenal liegt im alten Stadtzentrum, die Seine, der Place de la Bastille und das Marais-Viertel um den Place des Vosges sind ganz nah. Das Marais-Viertel besucht man am besten während der Woche. Samstags und sonntags sind hier nur Touristen aus aller Welt unterwegs. Wie auch anderswo, haben hier inzwischen die „großen“ Markengeschäfte, die pittoresken Geschäfte und Restaurants verdrängt.

Besonders an heißen Tagen ist der Hafen und seine nähere Umgebung ein beliebtes Freizeitziel für Pariser und Touristen.  Auch wenn es hier tagsüber ziemlich lebhaft zugeht, ist der Hafen nachts recht ruhig und sicher. Ab 20 Uhr ist der Zugang auf der Westseite nur für Bootsbesitzer möglich. Die östliche Seite wir ab 22 Uhr geschlossen. Hier liegt das Hafenrestaurant und der Park.

 

2018 #14 Paris Port L’Arsenal

Den Hafen L’Arsenal kann man über zwei Wege erreichen: entweder über den Canal St. Martin von Norden kommend, oder über die Seine.

Wir haben schon sehr frühzeitig im März einen Liegeplatz im Hafen reserviert. Trotz des vergleichbar hohen Preises sind die Plätze in der Hochsaison gezählt (Paris L’Arsenal ist fast doppelt so teuer wie Amsterdam’s Sixhaven).

Trotz der Größe des Hafens, sind freie Liegeplätze häufig Mangelware, auch wenn ein Drittel der „Residents“ im Sommer den Hafen für 3 Wochen verlassen muss, um den anreisenden „Touristen“ Platz zu machen.

Wir kommen flussabwärts auf der Seine gegen Mittag an. 10 Minuten bevor wir auf der Höhe des Hafens sind, rufen wir den Hafenmeister über UKW Kanal 9 an, und bitten ihn, die Schleuse für uns vorzubereiten.

Zeitgerecht  kommen wir an und fahren zunächst noch weiter stromabwärts, um dann gegen die Strömung zur Schleuse zu fahren. Nach der Schleusung weist uns der Hafenmeister über Funk unseren Platz zu, wo wir nun für einige Wochen liegen werden.

 

Es ist schon ein seltsames Gefühl als „Tourist“ im Hafen der Stadt zu sein, in derer nächsten Nähe man lebt und arbeitet.

Der Hafen liegt im Zentrum der Stadt, direkt an der  Bastille.  Tagsüber und am Wochenende geht es hier sehr lebhaft zu. Abends sind die Zugänge des Hafens verschlossen, der nahe liegende Park mit direktem Zugang schliesst um 22 Uhr. Dann wird es im Allgemeinen ruhiger, auch wenn das Nachtleben um den Hafen herum weitergeht.

Seitdem die Stadt die Uferstraßen im Zentrum für den Verkehr gesperrt hat, sind die Kais ein beliebtes Ziel bei schönem Wetter für die Pariser und die Touristen . Aber auch im Hafen gibt es immer etwas zu sehen…

 

2018 #13 Auf der Marne nach Paris

Den letzten Teil unserer Marne-Fahrt nach Paris (Port L’Arsenal) legen wir in 3 Etappen zurück. Es sind recht kurze Etappen, jeweils 2-3 Stunden Fahrtzeit.

Meaux > Lagny sur Marne
Lagny sur Marne > Nogent sur Marne
Nogent sur Marne > Paris.

Wir hatten geplant, zwei Tage in Meaux zu bleiben.

2018-104

Meaux ist eine angenehme Kleinstadt mit historischem Kern. Einerseits ist es noch eine „Provinzstadt“, anderseits merkt man schon die Nähe zum Pariser Grossraum.

Leider ist der gut gelegene Anleger im Stadtzentrum zur Benutzung noch nicht freigegeben. Auch hier hat das Hochwasser im Februar große Schäden angerichtet. Die Renovierungsarbeiten sollten zum Saisonstart im April abgeschlossen sein. Als wir dort ankommen, müssen wir feststellen, daß dies noch nicht der Fall ist. Für Boote von 10 – 15m Länge gibt es ingesamt 6-8 Liegeplätze. In den üblichen Reiseführern wird von 17 Plätzen gesprochen, was völlig übertrieben ist.

2018-100

Die Stege haben zur Zeit weder Strom und Wasser noch einen Landzugang.  Trotzdem wollen wir hier übernachten.

Das Anlegemanöver erweist sich als sehr schwierig wegen der recht starken Strömung. Da die Stege quer zur Strömung liegen, werden die Boote entweder an den Steg gedrückt, oder davon weggetrieben. Schon vor vier Jahren, als wir hier zum ersten Mal anlegten, hatten wir ähnliche Schwierigkeiten, welche unserem Boot die erste „Schramme“ zuführten,…

Der 1. Steg ist zur Zeit nicht benutzbar, der 2. voll belegt und am 3. ist noch ein Platz frei auf der „wegtreibenden“ Seite. Ausserdem hat sich Einiges an Treibholz an den Stegen verfangen.  Nur unter großen Schwierigkeiten gelingt uns das Anlegen. Unsere Bug- und Heckstrahler erweisen sich wie sooft in solchen Situation als wirkungslos. Einer der am Nachbahrsteg liegenden Bootsbesitzer schaut uns zunächst amüsiert zu. Erst als wir um Hilfe rufen, bemüht er sich zu uns, um eine Leine in Empfang zu nehmen.

Da starker Regen angesagt ist und das Wasser, zu steigen beginnt, entschliessen wir uns schnell, am nächsten Morgen weiter zu fahren. Der Zugang zum Liegeplatz hat außerdem eine Höhenbegrenzung von etwa 3,50m bei normalem Wasserstand. Bei schon leichtem Hochwasser kann man so sehr schnell zum Warten gezwungen werden.

Das an unserem Steg liegende Boot hat ein Brett zum Landgang bereitgestellt. Wir nutzen diese Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Fussgängerzone und das historische Viertel der Kathedrale. Auch der dazugehörige Garten lohnt einen Besuch.

2018-106

Am nächsten Morgen rufen wir um Punkt 8 Uhr die Schleuse an. Wir müssen einen Frachtkahn auf Bergfahrt abwarten, dann geht es direkt in den Canal de Meaux à Chalifert. Die Durchfahrt dauert etwa eine Stunde und endet mit einer weiteren Schleuse, die uns wieder in die Marne führt. Die Strömung liegt nun etwa bei 4 km/h. So „gleiten“ wir nach Lagny und machen an der „Halte“ direkt auf der Marne fest.

2018-108.jpg

Hier gibt est auf dem Schwimmsteg Wasser und Strom.  Man kann kostenlos 48 Stunden liegen bleiben, jedoch Strom und Wasser sind kostenpflichtig. Man bezahlt im Verkehrsamt an der Brücke. Wir sind zunächst alleine, später gesellt sich noch ein englisches Narrowboat und eine größere niederländische  Yacht hinzu.

Da der Frachtverkehr gering ist, stört er, trotz Schwell, wenig. Man sollte dennoch darauf achten , ein paar Fender mehr zu benutzen.

Lagny ist kleiner als Meaux, hat aber ebenfalls seinen eigenen Charme. Die Stadt hat in den letzten Jahren einiges getan, um ihr Bild zu verbessern. Der Starkregen, und die dadurch starke Strömung macht uns die Entscheidung leicht, mindestens 2 Tage hier zu verweilen, um abzuwarten. Eine Wetterbesserung ist für die nächsten Tage angesagt. Am Nachmittag steigt das Wasser weiter.

Am nächsten Morgen haben wir keinen Landzugang mehr. Der Uferweg steht 20 cm unter Wasser. Wir hören, daß in Paris innerhalb weniger Stunden die Seine um 1,50m gestiegen ist. VNF limitiert das Navigieren auf der Seine im Stadtgebiet. Wir rufen regelmässig den Hochwasserstand ab, um die Entwicklung der nächsten Stunden mitverfolgen zu können.

Am 2. Tag abends steigt das Wasser nicht mehr. In Paris, am Messpunkt Austerlitz beginnt, das Wasser zu fallen. Trotzdem warten wir bis zum nächsten Morgen ab, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

2018-109.jpg

Morgens regnet es nicht mehr, der Wasserpegel ist leicht gefallen, allerdings ist die Strömung weiterhin stark. Wir entscheiden uns in Richtung Nogent sur Marne aufzubrechen. Um 8 Uhr passieren wir die Schleuse und biegen in den Canal de Chelles ein. Der Kanal ist etwa 8 km lang und verkürzt eine der vielen Marneschleifen. Auf halber Strecke kommen uns in dem recht engen Kanal zwei dicht aufeinander folgende Frachter entgegen. Vor allem der zweite bereitet uns einige Schwierigkeiten bei der Kreuzung im engen Kanal, da er breiter ist als die üblichen hier verkehrenden Frachtschiffe und es außerdem eilig hat.

Als wir gegen Mittag im Hafen von Nogent sur Marne ankommen, fahren wir zunächst bei immer noch starker Strömung die Tankstelle an. Sie funktioniert in Selbstbedienung. Bezahlt wird mit der Kreditkarte, wobei ein Tankvorgang auf 150€ beschränkt ist. Der Hafenmeister weist uns anschliessend einen günstig gelegenen und trotz Strömung einfach anzufahrenden Platz zu. Beim Festmachen werden wir von den „Anwohnern“ Hugo und Angelina freundlich empfangen.

2018-110

Auch hier fragen wir uns, ob wir schon, wie geplant, am nächsten Morgen nach Paris aufbrechen sollen, oder ob wir in Nogent  warten, bis die Strömung wieder unter 3-4 km/h fällt.

2018-112.jpg

Am nächsten Morgen hat die Sonne zwar Schwierigkeiten hinter den dicken Wolken hervorzukommen, aber ein kurzer Blick durchs Fenster auf die Marne genügt, um zu wissen, dass die Strömung deutlich geringer ist als am Vorabend.

2018-111

Da wir einem guten Freund die Fahrt nach Paris versprochen haben, warten wir seine Ankunft ab. Um 10 Uhr fahren wir los.  Nach kurzer Fahrt erreichen wir den ampelgesteuerten Tunnel von Saint Maur.  Beim Näherkommen schaltet die Ampel auf grün. Die Durchfahrt ist problemlos. Der Tunnel ist groß und beleuchtet.  Nach dem Tunnel müssen wir die Schleusung eines Frachters und einer grossen niederländischen Yacht abwarten. Noch eine Schleuse in St. Maurice, dann sind wir schon auf der Seine.

Die Schleuse nehmen wir zusammen mit einem Konvoi von zwei Péniches, einem englischen Narrowboat und einem Baggerschiff. Beim Herausfahren unterschätzt der Kapitän des Baggerschiffes den Wirbel der Schraube des Konvois und nähert sich unserem Boot unangenehm… Nur in letzter Sekunde gelingt es uns, Schlimmeres zu vermeiden. Das Baggerbot berührt uns an unserem „Hartgummischutz“ nur leicht. Größerer Schaden entsteht nicht.

Problemlos fahren wir anschliessend bei zunehmendem Frachtverkehr in Richtung Paris und Hafen auf der Seine flußabwärts.

 

 

2018 #12 Auf der Marne

Wir sehen für die Marne 5 Reiseetappen vor:

Mareuil sur Ay > Dormans: 5h
Dormans > La Ferté sous Jouarre: 7h
La Ferté sous Jouarre > Meaux : 5h30′

Meaux > Lagny sur Marne : 2h30′
Lagny sur Marne > Nogent sur Marne

Man könnte den Weg auch in 3 unterschiedliche Abschnitte einteilen: die Champagner-Gegend (Mareuil sur Ay – Dormans), den landwirtschaftlich geprägten mittleren Abschnitt und das Mündungsgebiet im Großraum Paris (ab Meaux). Wir finden den 1. Teil am Schönsten. Über die Strecke von Meaux nach Paris berichten wir später.

Bevor wir die Champagne verlassen, suchen  wir noch in Mareuil sur Ay und Dormans zwei Winzer auf, um „vor Ort“ Champagner zu kaufen. In Mareuil sur Ay gibt es über 20 verschiedene Champagner-Erzeuger. Da wir keine Kenner sind, fragen wir einfach im Bistro um die Ecke mal nach. Dort empfiehlt man uns Philippe Benard, gerade mal 200m vom Anleger entfernt.  Nachdem Philippe Benard uns den Herstellungsprozess und die Unterschiede der einzelnen Produkte im Einzelnen erklärt, entscheiden wir uns.

2018-85.jpg

Die Weiterfahrt führt uns nach Dormans durch ein liebliches und offenes Marne Tal.

Die Schleusen auf der Marne sind breiter als das übliche Mass von etwa 5m. Drei davon haben schräge Wände. Zur Schleusung machen wir jeweils an  einem Schwimmsteg fest. Bei größeren Jachten ( circa 15m) ist beim Anlegen Vorsicht geboten.

2018-89.jpg

Wenn man Zeit hat, sollte man den Abschnitt zwischen Mareuil sur Ay und Dormans nicht im Eiltempo „abhaken“.  Häufig findet man kleine und einfache Stege, die Platz für 1 – 3 Boote bieten. Sie bieten keinerlei zusätzlichen Service, sind aber für einen kurzen Zwischenstop bestens geeignet. Sie liegen oft im Ort oder in der Nähe eines Restaurants.

2018-90.jpg

Von Dormans geht es zunächst in Richtung Chateau-Thierry. Als wir 2014 flussaufwärts gefahren sind, hatten wir hier an der Kaimauer übernachtet. Jetzt ist diese von „Dauerparkern“ belegt.

2018-98.jpg

Es wurde ein Schwimmsteg etwa 200m flussabwärts installiert.

2018-97Dort gibt es Strom und Wasser. Es ist Platz für 3 Boote. Da wir stromabwärts gut voran kommen, fahren wir bis La Ferté sous Jourre weiter. Eigentlich gibt es dort einen schön gelegenen ruhigen Anleger mit Strom und Wasser (kostenfrei!) für etwa 8 Boote.

Der Anleger ist noch von den Hochwasserschäden im Januar gezeichnet. Eine ähnliche Situation erwartet uns am nächsten Tag in Meaux. Dort sind die Arbeiten zur Wiedereröffnung noch im Gange. Landgang ist für uns nur möglich, weil ein niederländisches Boot glücklicherweise ein Brett dabei hat.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Hier ist die Landschaft weniger offen, bei dem schwülen diesigen Wetter könnte man auch irgendwo in den Tropen unterwegs sein.

2018-101.jpg

 

2018 #11 Zur Champagne, rund um Reims

Bei Berry en Bac biegt man in den Verbindungskanal zwischen den Flüssen L’Aisne und Marne ein. Die erste Schleuse wird von der dortigen Steuerungszentrale aus bedient. Die übrigen Schleusen werden über einen Drehstab, der sichtbar über dem Wasser hängt, bedient. Eine 1/4-Linksdrehung genügt, um den Mechanismus auszulösen. Außer der üblichen Grün-Rot-Ampel, blinkt hier noch zusätzlich eine gelbe Lampe (übrigens  findet man diese Drehstäbe auch schon auf dem Ardennen-Kanal nach Asfeld).

2018-74.jpg

Der „Canal de l’Aisne à la Marne“ führt zunächst durch Agrarlandschaft. Hier begegnet man schon häufiger Frachtkähnen. Da die Schleusen zwar breiter, aber nicht länger sind, kann man nicht mit einem Frachtschiff zusammen schleusen. Die Berufsschiffer haben Vorfahrt. Es kann also je nach Verkehr zu Wartezeiten kommen. Ansonsten ist der Kanal in gutem Zustand. Die Schleusen sind alle renoviert.

2018-75.jpg

Wenn man sich Reims nähert, sollte man sich vorher überlegen, ob man noch 2-3 Stunden weiterfahren möchte (oder die Zeit noch hat, bevor die Schleusen ausgeschaltet werden). In Reims zu übernachten, ist eher nicht zu empfehlen. Der Anleger befindet sich zwar nahe am Stadtzentrum,  aber ist ungeheuer laut gelegen. Die Umgebung ist nicht sehr einladend. Besser fährt man weiter bis Sillery. Dort gibt es einen kleinen angenehmen Hafen. Allerdings liegen dort immer mehr „Dauerparker“. Das Angebot auf freie Passanten-Plätze ist damit begrenzt. Von hier aus kann man leicht Ausflüge nach Reims machen. Ganz in der Nähe, neben einem großen französischen Soldatenfriedhof aus dem 1. Weltkrieg, gibt es einen Supermarkt „Intermarché“ mit Tankstelle.

2018-76

Für die 42 km von Variscourt bis Sillery bracht man 8 Stunden.

Am nächsten Tag fahren wir weiter zum Canal latéral de la Marne.

Zunächst geht es noch durch den Tunnel von Billy

Die Durchfahrt dauert etwa 30 Minuten und ist problemlos. Der Tunnel ist gut beleuchtet und belüftet. Allerdings kann es zu Wartezeiten kommen. Der 2,3 km lange Tunnel wird im Einbahnverkehr über eine Ampel von einem Steuerposten auf der südlichen Einfahrt aus gesteuert.

2018-79
Südliche Ausfahrt aus dem Tunnel de Billy mit Leitstelle

Als wir in Condé sur Marne gegen 12h30 ankommen, ist es noch recht früh und das Wetter  ausgezeichnet. Daher entscheiden wir uns bis nach Mareuil sur Ay zu fahren. Dort gibt es, ähnlich wie in Sillery eine schöne und ruhig gelegene Anlegestelle.

Ab hier ist das Marnetal vom Weinbau geprägt.  Mehr über die Champagner und den Champagner in Kürze.

2018-82.jpg

2018-84.jpg
Mareuil sur Ay

 

2018 #10 Auf dem Ardennen-Kanal

Hinter Le Chesne, von der Maas (La Meuse) kommend, beginnt die Talfahrt über die Schleusen-Treppe des Ardennen-Kanals. Kurz nach 8 Uhr brechen wir auf. Von Le Chesne aus braucht man bis zur ersten Schleuse ungefähr 30 Minuten. Die Schleusen werden hier von 7 bis 19 Uhr bedient. Die 26 Schleusen sind in Kette geschaltet. Zwischen der Schleuse 19 und 18 gibt es eine Möglichkeit, die Reise zu unterbrechen. Falls man dies tut, sollte man VNF  informieren, da die automatische Steuerung unterbrochen wird. Hier ist Platz für  3 – 4 Boote.

2018-65.jpg

Besser ist es  bis Attigny zu fahren. Es ist eine Tagesfahrt durch eine idyllische Landschaft.

2018-64

 

Wie die meisten Kanäle in Frankreich wurde auch der Ardennen-Kanal nach „Freycinet-Maß gebaut. Aber das ist schon eine Weile her!  Zwischen Le Chesne und Berry en Bac, ist Vorsicht geboten mit der Durchfahrthöhe von 3,50m. Sie wird an manchen Schleusen und Brücken NICHT respektiert.  Bei der Ausfahrt aus Schleuse n°1 berühren wir mit unserem Cabrio ein runterhängendes Rohr und beschädigen es dabei.  Auch wenn es zu spät ist, legen wir das Cabrio und fahren weiter,.. was bleibt einem auch anderes übrig.

Als wir vor vier Jahren durch die Ardennen gefahren sind, hat uns noch ein erfahrener Freund vorher gewarnt. Dieses Mal waren wir zu zuversichtlich!! Erfahrene „Frankreich-Kanal-Fahrer“ erkennt man übrigens an einer Stange am Bug. Wir zählen im Juni 2018 noch nicht dazu! Diese, meist aus Glasfaser bestehende Messlatte, dient zur Höhenangabe und ermöglicht ein Bremsmanöver bevor es zu spät ist,…

Gegen 14h30 kommen wir am schattigen Anleger in Attigny an. Dort reparieren wir unser Cabrio notdürftig mit „Powertape„. Die Wunderwaffe, seit unserer ersten Reise zur Ostern 2014 mit 13 anderen Linssen Yachten. Hier liegt man ruhig und kann sich nach dem langen Tag entspannen. Der Anleger ist kostenfrei, Wasser ist gratis. Strom gibt es keinen.

2018-67

Da der Kanal nur noch selten von Frachtschiffen im oberen Teil benutzt wird, ist er stark mit Wasserpflanzen bewachsen. Den Wasserfilter sollte man daher mindestens täglich überprüfen und notfalls reinigen.

2018-66.jpg

Wir fahren früh von Attigny los, um von der morgendlichen Frische zu profitieren. Wir fahren weiterhin ohne Cabrio. Als wir in Rethel ankommen, ist es noch recht früh und wir entschliessen uns zunächst bis nach Asfeld weiterzufahren.

Ein Freund hat uns den Besuch der dortigen Kirche „Saint Didier“ empfohlen. Ein „Must-see“ Erlebnis, wie er sagt.

Auf dem Weg dorthin sollte man seinen Fotoapparat bereithalten. Die Schleuse n°10 „Acy-Romance“ ist ebenfalls sehenswert.  Ein Tag voller Überraschungen,…

2018-69.jpg

Gegen 14 Uhr legen wir vor der Brücke an. Dort ist Platz für 3 Boote.

2018-70

Wenn man dann vom Anleger aus an den hier überall zu findenden Silos vorbei in den Ort geht, sucht man nach dieser „Kirche“. Da wir zunächst nichts sehen, fragen wir nach. Unsere Frage wird zunächst mit einem höflichen Lächeln beantwortet, dann zeigt man uns grob die Richtung. Nach 200m verschlägt uns der Anblick fast den Atem. Ja, sowas hier „auf dem flachen Land“. Es ist wirklich ein „Must-see“ Erlebnis! So eine Kirche gibt es wohl selten.

2018-71.jpg

Auch wenn sich der Besuch der Kirche  lohnt,  überzeugt uns Asfeld zur Übernachtung nicht. Bis Variscourt sind es noch 2 Stunden. Nach kurzer Überlegung  entschliessen wir bis dorthin zu fahren. Dort gibt es einen ruhig und schattig gelegenen einfachen Anleger für  4 Boote.

2018-73.jpg

 

2018 #9 Von Charleville zum Ardennen-Kanal

Am frühen Nachmittag, am 31. Mai, informiert VNF in einem „Avis à la batellerie“, dass die Maas wieder vollständig befahren werden kann. Die Information spricht sich natürlich sehr schnell im Hafen von Charleville um. Wie man erwarten kann, nach dem langen Warten, wollen alle natürlich um 8h30 los, um um Punkt 9 an der Schleuse n°42 zu sein. Ein Versuch das Gedränge etwas zu organisieren, scheitert leider.

Der sonst oft leere Hafen hatte sich in den letzten Tagen ziemlich gefüllt.  Viele sind am Steg außerhalb des Hafens geblieben, da die Durchfahrtshöhe der Einfahrt auf 3m begrenzt ist. Etwa 18 Boote wollen nun in Richtung Süden. Die meisten in Richtung Toul. Nur 4 Schiffe wollen, wie wir, zum Ardennen-Kanal. Übrigens hat ein neuer Verwalter den Hafen seit April übernommen.  Viele Stege sind schmutzig und rutschig. Dem neuen Verwalter wäre gut daran getan, ein paar Renovierungsarbeiten zu unternehmen, damit der schön gelegene Hafen wieder an Anziehungskraft gewinnt.

2018-54.jpg
Hafen Charleville-Mézières

Wir entscheiden uns, wie auch ein paar andere Boote, unsere Abfahrt etwas zu verzögern.

Wir fahren zusammen mit einem niederländischen Boot gegen 11h los. Endlich soll es weitergehen. Doch unser Optimismus wird sehr schnell gestoppt! Die Schleuse n°42 ist „hors service“ nachdem das Schleusentor zu Berg nicht schließt. Nach 1Std Wartezeit kommt endlich der VNF-Pannendienst. Das Problem ist schnell behoben. Endlich geht es weiter.

Trotzdem entscheiden wir uns, schon in Lumes anzulegen, um am nächsten Morgen direkt bis nach Le Chesne  zu fahren. Die „Halte“ von Lumes ist eine einfache Steganlage für 6 – 8 Boote. Wasser ist kostenlos. Es gibt keinen Strom. Der Platz liegt sehr  ruhig. Bis zum Ort sind es 500m. Die nahe Bahnstrecke stört wenig. Sie ist wenig befahren.

2018-55.jpg
Lumes

Wir starten kurz nach 8 Uhr am nächsten Morgen.  Bis zur Schleuse Dom-le-Mesnil sind es 7 km.  Wir sind sicherlich die ersten, die schon unterwegs sind, das Wasser ist noch glatt wie ein Spiegel, der Frühnebel verzieht sich langsam.

 

Insgesamt 8 Schleusen und einen kurzen Tunnel müssen wir bis Le Chesne nehmen. Der Weg führt uns durch eine liebliche Agrar-und Waldlandschaft.

2018-57.jpg

Es lohnt sich scheinbar auch, die Maas und den Ardennen-Kanal  „von oben“ anzuschauen.

2018-59.jpg

2018-61.jpg
La Cassine

Bei bestem Wetter und ohne Probleme beim Schleusen kommen wir um 14h in Le Chesne an. Auch wenn uns die Anlegestelle in La Cassine besser gefällt, fahren wir bis nach Le Chesne. So sind es nur noch 30′ bis zur Schleusentreppe.

Die öffentliche Anlegestelle liegt im Ortszentrum. Wasser und Strom sind kostenlos. Allerdings hat auch hier der Vandalismus dazu geführt, dass ein Strom-Wasser-Anschluss-Punkt unbenutzbar ist.

2018-60
Le Chesne

 

Ein „Dauerparker“ liegt vor uns. Heute stört er nicht. Es gibt hier nur Platz für 4 Boote. Es  ist die die letzte Anlegestelle vor der Schleusen-Treppe des Ardennen-Kanals. Im Ort findet man einen Bäcker und einen kleinen Supermarkt. Direkt am Kanal, neben der Kirche, befindet sich das Hôtel-Restaurant „La Charrue d’Or“ (links auf dem Bild). Ein Schild aus der Zeit „vor dem Euro“ am Kai weist darauf hin: „Menus de 50Frs à 140Frs„. Wer lokale und traditionnelle französische Küche mag, sollte sich ein Abendessen dort nicht entgehen lassen.

Markttag ist hier übrigens Dienstag nachmittags.

40km / 8 Schleusen / 6h

 

2018 #8 Anlegestelle Vireux-Wallerand

„Halte fluviale“  in Vireaux-Wallerand:  manche Anlegestellen mag man sehr, andere wiederum weniger. Vireux mögen wir ganz besonders.

Der erste Eindruck verrät das nicht unbedingt: ein einfacher Kai, Platz für 8 Boote, nahe an einer  Brücke über die man zum Bahnhof kommt.  Es war eigentlich Zufall als wir hier zum ersten Mal im Mai 2014 hier angehalten haben oder eher… mußten! Ein Baumstumpf war uns unweit der „Halte“ in die Schraube geraten. Damals war kein Boot am Kai. Daher gelang es uns trotz allem, recht einfach dort anzulegen.

2018-43

Dieses Jahr sind es die Sperrungen der Maas, die uns dazu veranlassen hier wieder anzulegen.  Da die Wartung – und Baggerarbeiten sich verzögern, beschliessen wir nach 3 Tagen, das Boot hier liegen zu lassen und einige Tage nach Hause zu fahren. Der Bahnhof ist nur 600m entfernt und die Verbindung nach Paris ist gut.

2018-48.jpg

Bevor wir losfahren, nutzen wir die Wartezeit, wie schon in Belgien, um die Umgebung näher kennenzulernen. Der „Trans-Ardennen-Radweg führt direkt am Kai vorbei.  Wir unternehmen einen Abstecher nach Heybes. Auch dort am Anleger ist es erwartungsgemäß sehr ruhig.

2018-49Es lohnt sich ausserdem, über die Brücke, auf der gegenüberliegenden Uferseite in Vireux zu einer ehemaligen römischen Siedlung auf der Anhöhe zugehen.

2018-44.jpg

Von der Anhöhe aus hat man eine schöne Sicht ins Maas-Tal. Die Anlegestelle liegt direkt vor einem.

Die „Halte“ bietet alle Serviceleistungen bei günstigem Preis. Waschmaschine und Trockner sowie Dusche sind vorhanden. Strom und Wasser gibt est direkt am Kai. Die Anlegestelle wird sehr gut geführt. Die Hafenmeisterin ist sehr aufmerksam und hilfsbereit. Als wir vor 4 Jahren einen Taucher brauchten, hat sie es geschafft innerhalb von 2h eine Lösung zu finden. Wegen der ruhigen Lage und der Aufmerksamkeit der Hafenmeisterin, war es für uns auch kein Problem, unser Boot dort 10 Tage alleine zu lassen.

2018-47

Man kann natürlich anderer Meinung sein, aber wer „Friten“ oder besser Pommes-frites mag, ist hier an der richtigen Stelle. Natürlich kann man darüber streiten, ob die Friten in Fumay besser sind. Wir schwören auf Vireux! Und dazu gibt es sie, direkt vor der „Haustür“.

2018-50.jpg