2019 #5 Über das Hollandsch Diep

Nachdem wir abends die Karte  studiert haben, starten wir am nächsten Morgen gegen 9h in Drimmeln. Aber zunächst  lassen wir noch den Tank auffüllen. Dies senkt den Schwerpunkt, was bei schlechten Fahrbedingungen hilfreich ist und verkleinert das Risiko, dass der Tankinhalt zu stark aufgewirbelt wird…. und dadurch den Dieselfilter verstopft.

Für die Überfahrt nach Willemstad rechnen wir etwa 3h bis 3h30. Die Bedingungen sind nicht ideal: es ist kalt, es regnet, die Sicht ist etwas beschränkt, aber noch ausreichend (mindestens 6 km). Nur der geringe Wind (2 – 3 bft) ist von Vorteil.

Nach einer Stunde erreichen wir die Mündung von Amer (= Maas) und Merwerde ( = Waal). Die beiden Brücken für Zug und Auto sind in Sicht. Ab jetzt gilt es, aufmerksam den Frachtverkehr im Auge zu behalten und auf den Sprechfunk zu achten. Wir entscheiden uns, zunächst auf der Nordseite zu bleiben und orientieren uns an den roten Bojen und nehmen Kurs auf die für „Sport“ reservierte nördliche Brückendurchfahrt.

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Kurz vor der Kreuzung mit dem Dordtse Kil werden wir über VHF10 von einem Frachter angerufen. Von der Amer kommend, möchte er nach Rotterdam. Wir bestätigen unsere Fahrt zu verlangsamen, lassen ihn überholen, um in den Dordtse Kil einbiegen zu können.  Als er an uns vorbei ist, bedankt er sich und empfiehlt uns die in Richtung Volkerak fahrenden und von Norden kommenden zwei Containerschiffe abzuwarten.

Gesagt, getan! Wir warten auch diese beiden ab, und orientieren uns nun an der für Sportboote vorgesehenen nördlichen Nebenfahrrinne der durch rot und grün markierten Hauptfahrrinne.  Indem wir uns an den „Recreatie“-Bojen orientieren (rot-weiß) setzen wir unsere Fahrt fort. Da Willemstad am Südufer liegt, gilt es irgendwann, die Hauptfahrrinne zu kreuzen, um so, anschliessend sicher in der südlich gelegenen grün-grünweißen Nebenfahrrinne zum Hafen zugelangen.

Wärend wir Ausschau halten, um einen günstigen Moment abzuwarten, kommt ein Polizeiboot mit hoher Geschwindigkeit in der Hauptfahrrinne entgegen. Trotz einer Entfernung von mindestens 500m bringt es unser Boot kräftig ins Rollen. Obwohl wir alle Türen und Schubladen gesichert haben, fliegt alles was nicht „niet und nagelfest“ ist im Boot herum.  Nach einem guten Schub  Adrenalin und Kurskorrektur bringen wir das Boot wieder unter Kontrolle.

Der Verkehr ist sehr drückend. Wir müssen 6 Frachter abwarten bis wir zum Kreuzen ansetzen. Es gilt vor allem die von hinten ankommenden Boote im Auge zu behalten. Normalerweise fahren wir mit 9km/h (SOG).  Jetzt muss es schneller gehen. Also geben wir Gas, um uns schnellstmöglich die Hauptfahrrinne  verlassen zu können.

Beim Kreuzen ist extreme Vorsicht geboten!

Als wir die südliche Nebenfahrrinne erreichen, atmen wir auf. Der wunderschöne Anblick von Willemstad läßt einen schnell den Stress vergessen.

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Zum Schluss noch ein paar praktische Hinweise:

Sicherheit „first“!!!

  • Eindeutige Fahrmanöver
  • Radarspiegel setzen // Navigationslichter an
  • Falls vorhanden AIS im Auge halten
  • Schwimmwesten bereitlegen oder (besser noch) anlegen
  • Funk aufmerksam verfolgen und falls notwenig mit Frachtern (oder RWS oder Polizei Verbindung aufnehmen (idealerweise 2 Kanäle abhören: VHF 10 und die Blockkanäle 7 und 71)
  • Fernglas ständig benutzen (vorne und noch mehr hinten)
  • Alle beweglichen Gegenstände wegpacken, Schränke, Tisch und Schubladen verrNach einem guten Schub Adreiegeln
  • Vor der Abfahrt Motorraum überprüfen : Wasserfilter, Keilriemen, …

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2017 #12 Über die grossen Flüsse nach Rotterdam

Dieser Teil unserer Reise ist einer der abwechslungsreichsten und interessantesten. Er führt uns durch die niederländischen Provinzen Nord und Südholland, die  durch eine  bewegte Geschichte geprägt wurden. Auch heute noch spielen sie eine wesentliche Rolle für die europäische Kultur und Wirtschaft. Denken wir nur an das „Goldene Zeitalter“ und die Bedeutung des Rotterdamer Hafens für die europäische Wirtschaft und Industrie.

Wegen des schlechten Wetters entscheiden wir uns nicht nach Zeeland zu fahren.  Wir nützen eine kurze Wetterbesserung um in Richtung Norden aufzubrechen.

Die Reise vom Volkerak nach Rotterdam ist  ein wahres Ereignis. Zunächst nimmt man die Yachtschleuse der Volkeraker Schleusenanlage. Als wir morgens früh an der Schleuse ankommen, ist der Andrang noch gering und wir müssen nur kurz warten bis wir zum zweiten Mal in diesem Jahr ins Holländische Diep einfahren. Der Verkehr hier ist sehr stark, nun ist Vorsicht und Aufmerksamkeit erstes Gebot.

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Hinter Strijsensas biegen wir in den Dordtsche Kil ein in Richtung Dordrecht.

Die Nähe zum Meer ist deutlich zu spüren, wenn man wie wir von einem Hochseetanker überholt wird. Beim Einbiegen in die Oude Maas erzeugt die Schraube des Tankers recht heftige Turbulenzen, die unser Boot ordentlich zum Schaukeln bringen.

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Nach 4,5 Stunden Fahrt machen wir zum zweiten Mal im „Kon. Dordrechtsche R. & Z.V. fest, wo wir heute nicht nur Sportboote treffen…. Die Dordrechtsche Bevölkerung trainiert hier für ein Wohltätigkeitsschwimmen durch die Häfen der Stadt.  2017 Tour2-22

Wegen des anhaltenden schlechten Wetters bleiben wir 2 Tage in der Stadt. Wir nutzen die Zeit zu einem Besuch im „Huis Van Gijn“. Dieses ehemalige Patrizierhaus beherbergt heute ein Museum, das einen sehr guten Einblick in den Alltag des 1900 Jahrhunderts gibt.

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Die Fahrt von Dordrecht nach Rotterdam dauert zwar nur knapp 2 Stunden, aber die Strecke hat es in sich! Vorsichtshalber legen wir Schwimmwesten an, befestigen den Radarreflektor am Mast und schalten unser Navigationslicht an.  Ausser dem enormen Frachtverkehr, stösst man hier auch auf Passagierschiffe, Wassertaxis und schnellfahrende Fähren.

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Als wir morgens aufbrechen ist die Sicht zunächst gut. Aus dem Hafen kommend biegen wir in Richtung Norden ab. Am Zusammenfluss von Maas, Merwede und Noord sehen wir eines der grossen „Veerhaven“-Schubschiffe in Richtung Merwede flussaufwärts fahren. Diese Schiffe erzeugen eine  enorme Heckwelle. Wir verlangsamen unsere Geschwindigkeit und warten ab, bis das Schiff in Richtung Osten abgedreht hat.

Nach einer Stunde setzt sehr starker Regen ein, und wir sind froh unsere Sicherheitsmaßnahmen frühzeitig getroffen zu haben. Erleichtert machen wir im kleinen zentral gelegenen Veerhaven fest. Es ist noch früh, so haben wir noch die Wahl einen schönen Platzes. Allerdings merken wir sofort, dass das Wasser sehr aufgewühlt ist und uns unruhige Tage bevorstehend. Schwankend wie auf hoher See aber schön mit einer guten Ambiente.

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Rotterdam wurde im Krieg stark zerstört. Heute ist die Stadt durch ihre zeitgenössische Stadtarchitektur geprägt. Besonders beeindruckend die Markthalle, der neue Bahnhof, die Erasmusbrücke und das Institut für Architektur. Hier ein paar Beispiele:

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Rotterdam besitzt aber auch geruhsame Gärten und Parks, die von der üblichen Hektik ablenken.

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Vor unserer Abfahrt machen wir noch einen Abstecher zum Delfthaven, der uns einen Vorgeschmack für unsere Weiterreise in das „Goldene Zeitalter“ gibt.

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Montags verlassen wir den Veerhaven und brechen  in Richtung Delft auf.

 

 

 

2017 #8 Von der Vecht zum Hollandschen Diep

Nach unseren Tagen auf dem Ijsselmeer lassen wir uns etwas Zeit, um von der Vecht aus zum Hollandschen Diep zu fahren. Das Wetter bleibt instabil. Der angesagte Sturm hält sein Versprechen.

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auf der Vecht bei Weesp

Wir warten am renovierten Passantensteg in Breukelen 2 Tage ab, bis sich die Situation verbessert und wir ohne Risiko weiterfahren können.

Auf der Vecht sind wir zum zweiten Mal (siehe 2015).

2017 Vecht > Diep
Tracking Vesselfinder

Muiden > Loenen : 3,6h / 23 km
Loenen > Breukelen  > Maarssen : 1h / 8 km
Maarssen > Schoonhoven : 5,1h / 36 km (Strömung auf dem Lek 1 – 2 km/h)
Schoonhoven > Streefkerk : 1,1h / 8 km
Streefkerk > Dordrecht : 2,2h / 19km (Strömung auf dem Lek : + 2km/h ; Nord : – 3km ; Oude Maas : – 3km/h)
Dordrecht > Strijensas :  1,8h / 15km

 

Die Fahrt auf dem Lek gefällt uns trotz starkem Regen gut. Es ist unsere erste Reise auf diesem Fluss.

Der Fluss ist hier schon sehr breit. Der Frachtverkehr ist nicht so stark wie auf dem Rhein und die Strömung ist mässig.

Vorsicht ist allerdings geboten, wenn man in den Noord in Richtung Dordrecht abbiegt. Hier kreuzen sich Frachter, Fähren, Schubschiffe auf dem Weg von und nach Rotterdam.

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Schoonhoven

 

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Streefkerk

In Dordrecht machen wir bei sommerlichen Temperaturen im „Neuen Hafen“ fest.  Die Einfahrt ist nur alle halbe Stunde  während 10 Minuten möglich. Wir kommen genau zur rechten Zeit, um 10h30 an. Nachdem wir uns über VHF Kanal 74 gemeldet haben, wird die Brücke zur Einfahrt geöffnet.

Wir profitieren vom schönen Wetter, um  einen ausgiebigen Stadtrundgang zu machen: an den vielen Häfen  und dem Ufer von Oude Maas und Merwede entlang, über den Wochenmarkt. Der richtige Ort und Moment, um Matjes Filets zu kaufen…

 

2017 Tour 1-140
Dordrecht

Von Dordrecht aus führt uns unsere Fahrt am nächsten Tag   in den Yachthafen von Strijensas. Dort bleiben wir 2 Tage und profitieren von der Umgebung. Hier am Nordufer des Hollandschen Diep findet man  reinste Natur, am Südufer die grossen niederländischen Raffinerien.

2017 Tour 1-146
Hollandsch Diep

2017 Tour 1-1502017 Tour 1-151