2019 #28 Abstecher nach Den Haag

Da wir bisher noch nie in Den Haag waren, wollen wir unbedingt vor Ende unserer  Bootssaison  noch einen Abstecher nach Den Haag unternehmen.

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Wie vor 2  Jahren fahren  wir von Rotterdam kommend an Den Haag vorbei in Richtung Amsterdam. An einem schönen Septembertag,  nehmen  wir  während unseres Aufenthalts in Amsterdam  den Zug nach Den Haag. Auf dem Programm steht ein Besuch im Mauritiushuis und ein Ausflug  nach Scheveningen.

Der Besuch des Museums und des historischen Stadtzentrums lohnen auf jeden Fall.  Was die holländischen Meister betrifft, ergänzt das Mauritiushuis die Museen und „Artcenter“ in Delft, Haarlem und Rotterdam perfekt.

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Scheveningen kann man mit dem Boot nur über das Meer erreichen. Deshalb ist es leichter mit der Tram dorthin zu fahren.

Die Fahrt nach Scheveningen hätten wir uns sparen können! Die Pracht der alten „Seebad“- Atmosphere ist längst vergangen. Sie hat moderner Massentourismusarchitektur Platz gemacht.  Auch wenn die Uferpromenade recht aufwendig renoviert worden ist, wirkt dieser Ort wie eine Mischung aus Ibiza,  Lorient und Brighton. Auch der Yachthafen bietet nichts Besonderes.

Um gerecht zu sein, sollte man aber sagen, dass es schon Nachsaison ist, was immer, trotz schönem Wetter, einen vereinsamten und vernachlässigten Eindruck hinterlässt.

2019 #27Amsterdam – Maasbracht

Schnell oder schön ? Oder beides? Ruhig und beschaulich oder bewegt…

Alle Wege führen nach Maasbracht, möchte man sagen!

Die Saison geht zu Ende.

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Noch sind wir in Amsterdam im Sixhaven und werden versuchen (dieses Jahr), recht „zügig“ zu unserem Hafen in Maasbracht zurückzukehren. Wir sind in Maastricht Anfang Oktober verabredet und Mitte Oktober soll das Boot  aus dem Wasser kommen.  Dann geht es bis April 2020 in die Halle.

Mehrere Möglichkeiten bieten sich an, um die 230 -260km bis nach Maasbracht zurückzulegen.  Hier drei der vielen Fahrvarianten :

  1. Rot – (Rot gestrichelt):  Vecht > MerewedeKanaal > Waal >Andels. Maas > Maas  (> Zuid-Willemsvaart)
  2. Blau – Gelb – Rot:  Amsterdam-Rhein-Kanal > Waal > Sint Andries Kanal > Maas
  3. Blau – Rot: Amsterdam-Rhein-Kanal > Niederrhein > PannerdensKanal > Waal > Maas-Waal-Kanal > Maas
    Rot gestrichelt : Variante Zuid-Willemsvaart

 

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Rot: Vecht > Merewedekanal > Waal >Andels. Maas > Maas  (> Zuid-Willemsvaart)


Diese Variante ist wohl die schönste, langsamste und gemütlichste. Allerdings kennen wir diese Strecke schon (zu) gut. Wenn man sich, wie wir es gewöhnlich tun, Zeit lässt, braucht man etwa 10 Tage.

Gelb: Amsterdam-Rhein-Kanal > Waal > Sint Andries Kanal > Maas


Dieser Weg ist sicherlich der schnellste, aber auch ungemütlichste.  Zunächst ist die gelbe Strecke mit der Blauen identisch. Bis zur Maas ist der Frachtverkehr im Allgemeinen sehr drückend und es heisst, wachsam zu sein! Frachtschiffe fahren meist doppelt so schnell wie wir, zumal auf Talfahrt. Es gilt also vor allem, auf den von hinten kommenden Verkehr zu achten. Falls spezielle Freizeitbojen ausgelegt sind, sollte man auf jeden Fall diese Fahrrinne bevorzugen.  5-6 Tage sollten genügen.

Blau: Amsterdam-Rhein-Kanal > Niederrhein > PannerdensKanal > Waal > Maas-Waal-Kanal > Maas


Man verlässt den Amsterdam-Rhein-Kanal an der Kreuzung mit dem Niederrhein. Bis zum Waal muss man jetzt flussaufwärts fahren. Das stellt auf dem Niederrhein  kein größeres Problem dar, da der Fluß kanalisiert ist und die Strömung durch Schleusen geregelt wird (außer bei Hochwasser). Auf dem PannerdensKanal bekommt man dann aber, etwa 1/3 der Rhein-Strömung zu spüren. Bei unserer ersten Fahrt vor 2 Jahren auf dieser Strecke flußabwärts zur IJssel, hatten wir etwa 6 km/h Strömung. Die Strecke ist allerdings nicht sehr lange. Trotzdem muss man, vereinfacht gesagt, die Fahrzeit hier mit 2 multiplizieren.

Für uns liegt das Interesse dieser Route  in der Tatsache, dass der Niederrhein einer der wenigen grösseren Wasserwege in den Niederlanden ist, den wir noch nicht kennen…. Wir kennen hingegen den Lek, den wir gerne befahren.

Zunächst entscheiden wir uns diese Strecke zu fahren, zumal ein uns bekanntes Boot zur gleichen Zeit von Amsterdam nach Maastricht  über die gleiche Strecke aufbricht. Aber dann kommt es doch anders:  Es wird die Rot, Blau, Gelb, Rot, Rot gestrichelte Strecke.

Für die nächsten 2 Tage ist sommerliches Wetter angesagt. So wählen wir zunächst die Vecht  und profitieren vom schönen Wetter und der schönen Umgebung, bevor es dann möglichst schnell zurück zum Hafen gehen soll.

  1. Amsterdam > Vecht via Markermeer (Weesp) // 3,2mh – 24km // mh := Motorstunden
  2. Vecht (Weesp) > Vecht (Maarssen)  // 3mh – 29km
  3. Vecht (Maarssen) > Amsterdam-Rhein-Kanal > Niederrhein (Wijk bij Duurstede) // 4,5mh – 32km
  4. Niederrhein (Wijk bij Duurstede) > Amsterdam-Rhein-Kanal > Waal > Maas (s’Hertogenbosch) // 5,2mh – 39km
  5. Maas (s’Hertogenbosch) > Zuid-Willemsvaart (Aarle-Rixtel) // 7mh – 48km
  6. Zuid-Willemsvaart (Aarle-Rixtel) > Kanal Wessem-Nederwert > Maas (Maasbracht) // 7,7mh – 51km

Samstags geht es dann los. Somit fahren wir vom Sixhafen aus über das Makermeer zur Vecht. Nach 3 Stunden kommen wir in Muiden an, fahren weiter  nach Weesp, in der Hoffnung einen schönen Stellplatz im Zentrum am Kai zu finden. Als wir dort ankommen, finden wir noch einen freien Platz. Es ist das erste Mal, dass wir hier festmachen. Wir sind schon mehrere Male die Vecht „rauf und runter“ gefahren, aber bisher haben wir hier noch nie halt gemacht. Es lohnt sich auf jeden Fall. Sonntags fahren wir weiter bis nach Maarssen, wo wir wieder vor der ersten Brücke anlegen. Inzwischen hat auch hier der aanUit.ner Service den Hafenmeister „ersetzt“. Wie überall, stellen wir fest, dass die Liegepreise 2019 spürbar hochgegangen sind!

Von Maarssen geht es am nächsten Tag weiter über den Amsterdam-Rijn-Kanaal nach Wijk bij Duurstede zum Passantenhafen.  Der Hafen liegt eigentlich schön am Fluss. Allerdings ist die Anlage insgesamt nicht sehr einladend. Es gibt nur 2 recht kurze Schwimmstege und nur einer davon ist mit Strom und einem Wasseranschluss ausgestattet. Der Hafenmeister kommt gegen 19h, um 16€ abzukassieren: an unserem Steg gibt es weder Wasser noch Strom. In einem Anhänger sind eine Dusche und eine Toilette untergebracht. Den Code um sie zu benutzen, wurde uns nicht vermittelt. Auch hier finden wir den Preis wie vor 2 Jahren in Schoonhoven übertrieben.

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Um 8h30 brechen wir über den Amsterdam-Rhein-Kanal in Richtung Waal auf. Das Verkehrsaufkommen ist mässig, der Kanal ist breit, es gibt keine Strömung. Die Fahrt verläuft problemlos. Gegen 10h melden wir uns auf VHF Kanal 68 bei der Verkehrszentrale  für den Waal „Zu Tal“ an. Sobald wir den Stichkanal verlassen und auf den Waal einmünden, werden wir von der Strömung erfasst und nehmen Fahrt auf. Unsere üblichen 9km/h verwandeln sich in Sekunden in 15km/h „SOG“. Es sind knappe 13 km bis zum Verbindungskanal zur Maas. Die St. Andries Sluis erreichen wir  nach 1h. Wir haben Glück, die Schleuse steht bereit und 30 Minuten später sind wir wieder in „heimischem“ Gewässer nach unserem 3- monatigen 2. Törn über die Randmeeren.

Kurz vor 13h machen wir im Hafen von s’Hertogenbosch fest, wo wir 2 Tage bleiben. Dieses Mal liegen wir nicht „hinter der Drehbrücke“ sondern hinter der „Hebebrücke“. Dieser Teil ist nicht gesichert, aber sehr ruhig gelegen. Es gibt Wasser und Strom. Vom Kai aus sind es nur ein paar Meter bis zum Clubhaus mit Dusche etc. Bis zum Bahnhof sind es 12′ zu Fuss.

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Als wir schon früh am Morgen gegen 7h30 zur Weiterfahrt von s’Hertogenbosch aufbrechen, wird unser Elan schon an der Schleuse Engelen gestoppt. Der Schleusenwärter informiert uns, dass die Schleuse ausnahmsweise erst ab 9h bedient wird. So warten wir mit 3 anderen Yachten, bis gehen 9h30 ein Frachtschiff als erstes in die Schleuse einfahren darf. Wegen der niedriegen Wasserstände werden überall die Anzahl der Schleusungen begrenzt. Nach 1h biegen wir in den Maximakanal ein. Wie ein Wunder werden wir direkt geschleust und so geht es auch reibungslos zügig voran bis zur Schleuse n°4. Dort endet das schnelle Vorankommen zunächst, als wir in der Schleuse für 1h30 wegen eines technischen Problems blockiert sind. Es wird uns mitgeteilt, dass die Kommunikation zwischen Verkehrszentrale und der Schleuse  unterbrochen ist.

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Dann geht es wieder reibunglslos weiter bis zu unserem Etappenziel in Aarle-Rixtel, einer der wenigen ruhigen Liegeplätze am Kanal. Dort scheint der Herbst schon eingebrochen zu sein. Während der Saison sind nämlich die Plätze hier gezählt. Wenn man von Maasbracht nach Tilburg oder s’Hertogenbosch unterwegs ist, macht man hier nach 5h Fahrt gerne Etappe.

Der letzte Tag unsere Reise verläuft ebenfalls problemlos. Wir nehmen alle Schleusen mit einem Frachter. Auch wenn er wegen seines beschränkten Tiefgangs langsam fahren muss, kommen wir zügig voran und erreichen unseren Hafen in Maasbracht nach 50km gehen 16h00. Für das kommende Wochenende ist Wind und Regen angesagt. Gute Bedingungen, um schon mal mit dem Saubermachen im Boot anzufangen… Die nächste Saison ist ja schon fast in Sicht.

Wir brauchen 6 Tage für diesen Weg (223km in 31h // 37km/d – 5h/d).

 

2019 #26 Richtung Amsterdam

Als wir vor zwei Jahren in Enkhuizen waren und die Stadt nach 2 Tagen verließen, sind wir an der Küste entlang in Richtung Süden „geschippert“: zunächst nach Hoorn und Edam, dann in einer längeren Etappe nach Muiden, um die Vecht dann aufwärts in Richtung Süden zu befahren. Eigentlich wollten wir von Edam über die Kanäle  nach Amsterdam. Aber die Durchfahrthöhe ist, wegen einer feststehenden Brücke, geringer als 3 m. Also nur mit umgeklappenten Fenstern zu machen, und den „Spaß“ wollten wir uns dann doch nicht antun.

Das Wetter ist sehr instabil: abwechselnd starker Wind oder schlechte Sicht.  Wir haben vor eine Woche in Enkhuizen zu bleiben. Wieder ändern wir unseren Plan und brechen nach 4 Tagen nach Hoorn auf, um unsere „Randmeeren und Friesland-Schleife in Amsterdam wieder zu schliessen.

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Die Fahrt von Enkhuizen nach Hoorn verläuft ohne Probleme, bei geringem Wind und guter Sicht starten wir recht früh, schon vor 9h sind wir an der Schleuse zum Markermeer. Mit 6 Sportbooten werden wir sofort geschleust. Nachdem wir den betonten Kanal verlassen, behalten wir zunächst den gleichen Kurs bei. So fahren wir bis zur Sportboje G, die wir gehen 10h30 erreichen. Sobald wir an ihr vorbei sind, ändern wir unseren Kurs nach Nord-Westen (300°) und erreichen Hoorn gegen 11h.

Da wir die Stadt schon kennen, versuchen wir unser Glück im alten Gemeindehafen. Auf der Steuerbordseite sind einige schattige Plätze zu unserer Überraschung frei.

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Schnell verstehen wir den Grund. Die Brücke am Ende des ersten Hafenbeckens ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Somit muss man, um zur Stadt zu gelangen, einen grossen Umweg gehen,… Da wir unsere Räder dabei haben, stört uns dies aber wenig. So liegen wir ruhig und schattig mit schöner Sicht auf die alte Stadt. Wie beim ersten Mal gefällt uns unser Liegeplatz gut. Der Hafen und seine Umgebung bieten ständig Abwechslung:

 

Die Wetterlage bleibt instabil. Für die nächsten Tage ist wieder stärkerer Wind angesagt.

Wir enscheiden uns somit, direkt bis nach Muiden oder Amsterdam zu fahren. Die Überfahrt erweisst sich ohne Probleme. Dieses Mal, beim Verlassen von Hoorn haben wir darauf gachtet, genügend weit von der Küste wegzubleiben. Denn hier gibt es sehr viele Wasserpflanzen, die sehr schnell die Schiffsschraube lahmlegen. Also nehmen wir zunächst Kurs auf die schon erwähnte Sportboje G und dann geht es 180°C entlang des Breitengrades 5°20′ nach Süden. Nach gut 5 Stunden manchen wir in Muiden fest im gemütlichen Hafen „JH Stiching“. Unsere Tricolore wird gehisst. Wir sind für diesen Sommer das 2. Boot mit französischem Pavillon, das hier festmacht.

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Am nächsten Tag geht es über die Vecht zunächst nach Weesp. Wir kreuzen den Amsterdam-Rijn Kanal  und erreichen um 13h30 die Amstel.

Wir nutzen zum ersten Mal diesen Weg nach Amsterdam. Sobald wir im Stadtgebiet sind, wählen wir VHF Kanal 69, um uns an jeder Brücke anzumelden. Aber, nachdem wir 2 Brücken hinter uns haben, läuft alles fast automatisch. Der Brückendienst weiss schon, wo die meisten Sportboote hin wollen. Kurz vor Erreichen der IJ müssen wir noch schnell das Caprio legen, da eine Brücke anscheinend nicht bedient wird oder ausser Betrieb ist. Aber das ist inzwischen Routine,….

Es ist enfach einzigartig so nach Amsterdam zu kommen!

Wir überqueren die IJ.

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Als wir unser Glück im Sixhaven versuchen, es ist schon recht spät, sind wir überrascht, dass noch einige Plätze frei sind. Da wir dem Hafenmeister sagen, dass wir etwas läner hier bleiben werden, bekommen wir einen gut gelegenen Liegeplatz zugewiesen.

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Ganz in der Nähe liegt Laguna, eine Grand Sturdy 410 AC aus Maastricht.

 

 

 

2019 #25 Zu Besuch in Enkhuizen

Enkhuizen zählt für uns zu den Städten in den Niederlanden, denen man einen Besuch abstatten sollte. Und wenn möglich sollte man sich mehrere Tag Zeit nehmen.

Wer mit dem Boot kommt, hat die Auswahl. Mehrere Häfen bieten sich an. Der Stadthafen ist um diese Jahreszeit überfüllt. Wenn keine der wenigen Boxen frei ist, liegt man am Kai im „Pack“. Der Hafen liegt direkt im Zentrum und der Bahnhof ist gerade mal 100m entfernt.

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Wir haben, wie schon erwähnt, im Companieshaven festgemacht. Der Hafen liegt ebenfalls in Nähe des Zentrums, ist sehr gut geführt und bietet absolut jeglich erdenklichen Service inclsive Tankstelle mit umweltfreundlichem GTL Diesel. Am Wochenende ist hier allerdings sehr viel los. Permanent fahren, meistens Segler, rein und raus. Der Hafenmeister hat einiges zu tun, damit jedes Boot einen Platz findet.

2019 Tour2-190.jpgImmer ist Bewegung, manchmal sogar bis spät in die Nacht oder sehr früh am Morgen. Wir liegen am Längssteg M2 direkt am Hafeneingang.

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Oft wird Enkhuizen mit der Stadt Hoorn verglichen. Wir finden die Stadt Enkhuizen interessanter, vielleicht abwechselungsreicher, bevorzugen allerdings den Stadthafen von Hoorn (was nicht im Widerspruch zu den Qualitäten des Compagnieshavens steht!). Der Hafen in Hoorn ist weniger überfüllt als der Gemeindehafen in Enkhuizen. Hier  herrscht eher ein Ambiente wie wir es von den Randmeeren gewohnt sind. Nah ja, Geschmacksache! Beide Städte lohnen den Besuch.

Wozu man sich aber auf jeden Fall Zeit nehmen sollte in Enkhuizen, ist das Zuidersee Museum, sowohl der „Binnen“ als auch das „Buiten“ Teil. Ein absolutes Muß, wenn man sich für die Geschichte und die Menschen dieser Gegend interessiert. Wir haben beides  an zwei verschiedenen Tagen besucht. Am besten geht man zuerst ins Binnenmuseum.

Weiter Informationen finden Sie in unserem Betrag von 2017.

 

 

 

 

 

2019 #24 Auf dem IJsselmeer

Bevor das IJsselmeer so war wie es heute ist, hat des mehrfach in der Geschichte seine Gestalt geändert, entweder durch die Natur oder durch Menschenhand. Es ging zunächst nicht um Landgewinnung sondern wie auch beim Deltaplan in Zeeland um die Sicherung der Landschaft vor Naturkatastophen. Hier eine Karte aus einem Klassenzimmer, dass die Niederlande zeigt, wie sie mal vor Jahrhunderten ausahen.

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Die Wettervorhersage hat weniger Wind für die nächsten 3 Tage angesagt. Wir entschliessen uns also, Stavoren zu verlassen und zur Überfahrt nach Enkhuizen anzusetzen. Der Wind soll sich gegen 11h legen.

Als wir vom geschützten Hafenbecken aufs offene IJsselmeer gegen 9h losfahren, bekommen wir sogleich die Bestätigung, dass das Wasser noch nicht so ruhig ist wie wir uns es vorgestellt haben, auch wenn der Wind nur mässig weht. Zunächst folgen wir der Betonung nach Südwesten bis zur Boje ST1.

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Weiter draussen versuchen wir den Kurs auf 180° zu halten in Richtung Süden bis zur Boje EZ-B. Unterwegs stoßen wir auf die von Fischern benutzen Markierungen ihrer Fanggebiete. Um diese zu umgehen, entscheiden wir uns, unseren Kurs leicht zu ändern und mehr westlich zu fahren (185°) in Richtung der Boje EZ-A.

Nach etwa 2 Stunden sieht man aus der Ferne den Kirchturm von Enkhuizen am Horizon. Heute sind wir nicht alleine unterwegs. Das schöne Wetter hat nicht nur uns ermutigt rauszufahren.

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Wir verlassen unseren Kurs 185° bei der Boje KG9 und biegen in den Hafenkanal ein. Hier begegnen wir einigen Seglern, Plattbodenbooten und der Fähre nach Urk.

Nach 2 h30 erreichen wir den Compagnieshaven in Enkhuizen, wo wir einen sehr schönen Liegeplatz am Eingang zum Hafen zugewiesen bekommen. Die Überfahrt war problemlos.

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Wir freuen uns schon auf die schöne Stadt mit ihren Häfen, Plätzen, Straßen und interessanten Museen. Wir werden hier etwas verweilen,…

 

 

Stavoren-Enkhuizen

2019 # 23 Spaziergang in Stavoren und Umgebung

Wer nach Stavoren mit dem Boot kommt und einen Hafen sucht, der hat die Wahl zwischen 2 Binnenhäfen und 2 Außenhäfen.  Der alte Außenhafen und der in der Stadt liegendene Binnenhafen werden von der Gemeinde verwaltet.

Wie schon erwähnt haben wir dieses Mal den alten Außenhafen gewählt. Eine Wahl, die wir nicht bedauern.

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Es ist Hochsaison auch jetzt noch ende August. Als wir vor 2 JAhren im Juni hier waren, war es regelrecht ruhig hier. Jetzt ist es amüsant zu sehen, wie sich der Hafen am späten Nachmittag täglich hauptsächlich mit Segelbooten füllt. Motoryachten sind hier eher die Seltenheit, was natürlich sehr wetterabhänig ist.

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Ganz in der Nähe des Hafens findet man einen Fischverkaufskiosk wie man ihn in allen Hafenstädten ums IJsselmeer finden kann. Auch hier gibt es das üblichen Angebot: Kibbling, Parling, Zalm,…. Wir können da nicht widerstehen!

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Auch wenn der Hafen heute vor allem von Freitzeitschiffern angefahren wird, sind trotz allem noch einige Fischer hier ansässig.

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Wer kein Handy hat mit den üblichen Wetter- und WindApps, der kann hier direkt im Hafen die Temperatur, die Windstärke und deren Richtung ablesen. Heute sind es 22°C, Wind aus Süd, 3 Bft.

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Da wir zwei bis drei  Tage hier verweilen, nutzen wir die Zeit zu einem Abstecher mit den Fahrrädern nach Hindeloopen. Das Küstengebiet wird oft auch scherzhaft  „Kölner Bucht“ genannt wegen der starken Präsenz deutscher Boote. Wir fahren also hinter dem Damm zum Hafenstädchen Hindeloopen.

 

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Ein Rundgang durch den  malerischen Ort und seinen Hafen lohnt sich. Von Stavoren aus kann man auch mit dem Zug hier her fahren.

2019 #22 Von Urk nach Stavoren

Von Urk kommend, kann man entweder über das IJsselmeer oder über die Kanäle und Seen in Friesland nach Lemmer oder Stavoren fahren.  Wir wählen die entspannte Variante über die Kanäle und planen eine einwöchige Rundreise von Urk nach Urk. Als wir nach 5 Etappen in Lemmer ankommen, entscheiden wir uns, nach Stavoren zu fahren, und nicht zurück nach Urk. Aber darauf kommen wir später zurück.

2017 waren wir schon in Friesland, damals etwas ausgiebiger im Mai bis Anfang Juni. Jetzt im August ist immer noch Ferienzeit hier. Man merkt viel stärker als damals, dass Friesland vor allem ein Urlaubsziel ist. Unzählige Charterboote kreuzen auf den Kanälen und Seen. Wenn das Wetter stimmt, kommen dann noch  sehr viele Segler dazu. Kurz, überall herrscht Ferienstimmung.

Unsere kleine Rundreise führt uns von Urk nach Vollenhove, Giethoorn, Sneek, Akkrum, Lemmer, und Stavoren, unsere Friesland Endstation für diese Saison.

Als wir kurz vor 9 in Urk  bei sehr schlechtem Wetter (schlechte Sicht, Regen und viel Wind) aufbrechen, schauen uns ein paar Skipper entsetzt zu. Als wir aber dann im Vorhafen nach Backbord zur Schleuse abbiegen, entspannen sich ihre Gesichter.

Um die Schleuse und die Brücken in Flevoland zu bedienen, muss man einen automatischen Telefondienst unter der Nummer 0031 3 20 76 76 10 anrufen. Je nach Bedarf (Brücke oder Schleuse) wird man durch die Wahl der jeweiligen Taste (Zahl) durch das Menu geführt:

  • Frage 1 : Brücke > Frage 2 : Name der Brücke > Frage 3 : voraussichtliche Ankunftszeit
  • Frage1 : Schleuse > Frage 2 : Name der Schleuse  > Frage 3 : Seite der Schleuse > Frage 4 : voraussichtliche Ankunftszeit

Der Ablauf der Schleusung und auch der Brückenbedienung verläuft reibungslos.  Der Nordoostpolder liegt etwa 5m tiefer als das IJsselmeer.

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Die Schleuse bietet kaum Platz für 2 Boote unserer Größe. Außerdem gilt es wachsam zu sein, da eine feststehende Brücke die Schleuse überspannt!! Daher kann man beim Einfahren nur bis zur Mitte vorfahren. Selbst mit gelegtem Mast, bleibt kein Platz,…

Die Fahrt über den Kanal bietet wenig Abwechslung. Am Kreuzungspunkt Richtung Lemmer oder Vollenhave in Emmelloord gibt es ein paar nette Liegeplätze für einen Zwischenstopp.

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Nach etwa 3 Stunden Fahrt geht es wieder 5m hoch und wir befinden uns  wieder auf IJssel Niveau. Jetzt versteht man besser, dass der Nordoostpolder 1942 im Wesentlichen durch Niveauabsenkung des Wasserspiegels entstanden ist.

Etwa 1 km nach der Schleuse erreichen wir den Hafen in Vollenhove.  Der Stadtbummel führt uns zum  alten Hafen, zum Park mit der Schlossruine.

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Wir fahren weiter über Blockzijl nach Giethoorn. Blockzijl ist wieder sehr besucht. Im Hafenbecken gibt es kaum freie Plätze.

In Giethoorn tanken wir und übernachten im nahe gelegenen Passantenhafen. Giethoorn ist belagert von Touristen aus aller Welt. Hier liegt das niederländische Disneyland!

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Am nächsten Tag fahren wir durch  schöne Landschaften, über Seen und Kanäle und durch nette kleine  Städte Sloten, Woudend, Ijsdre nach Echtenerbrug. Obwohl es noch früh ist, sind dort die Liegeplätze schon gezählt. Wir legen bei einem Yachtcharter an, dessen Boote am folgenden Tag zurückkommen. Aber bis dahin sind wir wieder unterwegs.

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Unser nächstes Ziel ist Sneek. Aber wie vor 2 Jahren können wir uns mit dieser Stadt nicht so sehr anfreunden. Liegt es am Wetter? Liegt es am Tag? (Sonntag?),…

Nach dem Mittagessen entscheiden wir weiterzufahren, obwohl wir einen schönen Platz direkt an der „Waterpoort“ haben, den man über die AanUit.net App bezahlen kann. Trotzdem bevorzugen wir einen Liegeplatz „Marrekrite“ in der freien Natur zu suchen und dort zu übernachten.  So fahren wir in Richtung Sneekermeer los. Da der Wind wieder stärker wird und für den folgenden Tag sogar Windstärken von 5 bis 7 bft angesagt sind, erscheint es uns weiser einen ruhigen Liegeplatz im Hafen von Akkrum anzusteuern. Wir finden für 2 Tage Platz in einer freien Box . Das Ambiente im Hafen ist äusserst angenehm. Vor 2 Jahren waren wir im Stadthafen, der etwas versteckt liegt. Er bietet wenig Platz und sollte mit einem grösseren Boot nicht angefahren werden.

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Akkrum, ein angenehmes Städtchen, hat auch einen anderen Vorteil. Die Stadt liegt auf der Bahnstrecke von Leeuwarden nach Amsterdam.

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Nach 2 Tagen geht es über die Seen und Kanäle recht „geradlinig“ nach Lemmer. Während der Fahrt dorthin bestätigt sich wieder,  dass Friesland vor allem ein Ferienland ist, das  sich in erster Linie für Natururlaub eignet. Die unzähligen Liegeplätze in der freien Natur, geben dazu genügend Möglichkeiten. Auch wenn man die absolute Ruhe im Hochsommer vergebens sucht… Wer  mit seinem Boot eher auf „Entdeckungsreise“ geht, also Abwechslung sucht, ist hier in dieser einförmigen Landschaft an der falschen Adresse. Um den Kurzvergleich zu wagen: Frankreich bietet abwechselnde Landschaft aber minimalistische oder überalterte Infrastrukturen, Friesland bietet Top Service in der freien flachen Natur.

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Auf der Hauptverbindungsachse, dem Prinzess Margrete Kanal, der in Friesland Antwerpen mit Bremerhafen verbindet, wird die Idylle dann doch manchmal unterbrochen. Aber halb so schlimm, die Fahrrinne ist recht breit, der Berufsverkehr ist nicht vergleichbar mit dem Rhein und außerdem sind die Gewässer hier strömungsfrei.

Lemmer ist wohl „the place to be“.  Sieht man mal von der Schleuse zum IJsselmeer ab, ist der Kanal zur Stadt eine Sackgasse. Es gibt einige gute Häfen vor den Brücken. Wenn man natürlich im Touristentrubel am alten Hafenbecken liegen will,  sollte man früh ankommen und das Wochenende vermeiden. Wer nicht im Doppel- oder Dreifachpack liegen will, bleibt besser dem Zentrum fern. Vom Hafen „Binnen“ aus, ist man in 10′ im Zentrum.2019 Tour2-139

 

Wie schon erwähnt, hatten wir ursprünglich vor von Lemmer wieder nach Urk zurückzukehren, und zwar über die Kanalstrecke, um anschliessend von Urk aus nach Enkhuizen überzusetzen.

Unser Friesland Trip wäre somit sehr kurz und vielleicht zu schnell zu Ende gegangen. Außerdem hat uns bei unserem ersten Besuch Stavoren besser gefallen als Urk. Zudem haben wir von dort nach Enkhuizen übergesetzt. All dies hat uns dazu bewogen unseren Plan zu ändern und noch einen Tag durch die schöne Landschaft zwischen Sloten und Stavoren zu fahren. Dieser Weg ist auf jeden Fall reizvoller als der Weg nach Urk über den Kanal im Nordoostpolder.

Nach 5 Stunden erreichen wir Stavoren.

Wir beabsichtigen im alten Außenhafen festzumachen und  dort zu bleiben, bis sich der Wind gelegt hat und die  Überfahrt für uns einfacher, also gemütlich wird.

Zunächst gilt es die Schleuse zu passieren, die das Festland vom IJsselmeer schützt. Wenn man wie wir, vom Festland kommt, ist es besser die Steuerbordschleuse zu bekommen. Die Backbordschleuse besitzt eine atypische Geometrie. Zusätzlich ist das Tor zum IJsselmeer schräg angesetzt. Die Ausfahrt wird bei schon mäßigem Wind durch eine unangenehme Seitenströmung erschwert.

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2019 #21 Hafengeld bezahlen

Inzwischen gibt es in den Niederlanden mindestens 5 verschiedene Möglichkeiten, die Übernachtung und den jeweiligen Service im Hafen zu bezahlen:

  • bar bezahlen beim Hafenmeister
  • mit einem speziellen Batch
  • mit der „Facility Card“
  • via eine Handy BuchungsApp im vorraus
  • via eine Handy BezahlApp vor Ort

Wie so oft, ist das Ergebnis das gleiche. Man hat bezahlt. Der eigentliche Zweck, Plannung und/oder Ausführung für den Benutzer, und Buchhaltung für den Anbieters ist allerdings sehr unterschiedlich:

Bar oder mit EC Karte (VISA oder andere KreditKarten werden meistens nicht akzeptiert) bezahlen bleibt wohl kurzfristig die gängigste Art. Vielleicht auch die angenehmste, da der direkte menschliche Kontakt auf jeden Fall erhalten bleibt.

Ähnlich wie der „Batch“, erlaubt die Facility-Card  (außer der Übernachtung) auch andere Service Leistungen in Anspruch zu nehmen, ohne daß Bargeld notwendig ist. Die Karte kann man in den damit ausgestatteten Häfen kaufen und aufladen. Karte oder Batch bieten im Prinzip den gleichen Service. Allerdings ist die Karte billiger und kann einfach an einem Automaten geladen werden. Es wird auch kein Pfand erhoben. Wenn man längere Zeit in einem Hafen bleibt, ist die Benutzung recht praktisch, um Strom und Wasser zu kaufen. Ausserdem werden die Karten oft auch als Schlüssel benutzt und ersetzen so die Zugangskodes.

Die Liegeplatz-Buchungs-App funktioniert wie ein Buchungssystem, ähnlich wie wir es aus dem Transportsektor kennen. Man kann im vorraus einen Platz in einem Hafen reservieren und bezahlen. Sie funktionniert nur bei Häfen, die an das System angeschlossen sind. Die Application ist recht neu und noch störanfällig. Außerdem sehen es die Hafenmeister nicht immer positiv, da sie befürchten langfristig überflüssig zu werden. Kurz gesagt: die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch. Falls sich dieser Ansatz durchsetzt wird es sicher bald mehrere Anbieter geben. Die beste wird dann ûbrigbleiben. Die Erfahrung im Internet zeigt, dass eine Anwendung nur Bestand hat, wenn sie schnell nach der Markteinführung überzeugt. Wenn nicht verschwindet sie eben so schnell. Also, wer gerne im vorraus einen Platz bucht, der sollte diese Anwendung versuchen.

Manche Städte, vor allem Gemeindehäfen und Passantenhäfen, haben ein Bezahlsystem via Handy App eingeführt. Diese Applikation ist im Gegensatz zu Blue Water kein Reservierungsystem, sondern ein Zahlsystem. Die Häfen, die diese Applikation benutzen“, haben jeden Liegeplatz mit einer eindeutigen Nummer versehen. Im algemeinen findet man die Nummer am Kai. Wenn man einen freien Platz gefunden hat, aktiviert man die App und bestätigt, dass man am angegebenen Platz liegt. Dies funktioniert über Geolokalisation.  Eventuell vorhandene Serviceleistungen am Liegeplatz (meistens Strom) können ebenfalls direkt bezahlt werden. Nach Bestätigung der Buchung erhält sowohl der Hafen als auch der Benuzter eine Bestätigungsnachricht. Gerade in Passantenhäfen, wo es keine festen Liegeplätze gibt, ist dieses Konzept von Interesse. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bezüglich der Benutzung erweisst sich das System sowohl als praktisch und zuverlässlich.  Für den Betreiber bietet dieses System im Vergleich zur „Facility Card“ interessante zusätliche Analysemöglichkeiten.

 

 

 

2019 #20 Abstecher nach Urk

Um es vorweg zu nehmen. Wir fahren vom Ketelmeer nach Urk, also keine IJsselmeerüberquerung dieses Mal. Unsere erste IJsselmeer Erfahrung haben wir vor 2 Jahren bei der Überfahrt von Stavoren nach Enkhuizen gesammelt. Damals hatten wir 3 Tage in Stavoren gewartet bis sich der Wind beruhigte für ein paar Tage legte.

Das Wetter ist sehr wechselhaft in diesem Sommer.

Laut Wettervorhersage soll sich auch heute der Wind morgens zwischen 8 und 11h etwas beruhigen (3 bft mit Böen von 4 bft). Also entscheiden wir kurz nach 8 vom Hafen Ketelmeer zu starten und fahren auf Kurs 290°C nach Westen in Richtung IJsselmeer. Im Kettelmeer ist das Wasser zunächst noch ruhig, aber als wir uns der Ketelbrug nähern, werden die Wellen stärker.

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Unter der Brücke zögern wir einen kurzen Moment: umdrehen oder weiterfahren?

Eigentlich ist es ja nur noch ein kurzes Stück von hier bis Urk. Aber bei Westwind bauen sich die Wellen an der Ostküste schnell stark auf, was wir jetzt zu spüren bekommen. Die Stadt ist in Sichtweite.

Wir ziehen die Schwimmwesten an und nehmen Kurs auf Urk, also 320°. Eine Stunde lang werden wir kräftig durchgeschüttelt. Vorsorglich haben wir alle Türen und Schubladen verriegelt. Trotzdem wirbeln einige Gegenstände durch die Luft. Eine kleine Delle im Holz der Treppe wir uns noch lange an diese Fahrt erinnern.

Wie sagte noch im Frühjahr ein Linssen Yachts Mitarbeiter, „Sie sind eher grün, als dass ihr Boot umkippt„.

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Als wir sicher und trotz Wind und Wellen problemlos nach knapp 2 Stunden im Hafen ankommen, sagt uns der Hafenmeister, es war wohl etwas windig, heute Morgen, wir hatten da 5-6 bft draußen,….

Noch am Morgen unternehmen wir einen ersten Stadtrundgang. Wir sind etwas enttäucht. Man hat uns diesen Ort so gelobt,…

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Was die Stadt trotzdem attraktiv macht ist ihre Lage und sicherlich die historische Situation, einst Insel jetzt Festland!

Rund 25 km von Enkhuizen, ist sie wie auch Stavoren ein idealer Anlaufpunkt für IJsselmeer Überquerungen. Ansonsten hat die Stadt nicht den Charme von Städten wie Elburg, Enkhuizen oder Hoorn. Zu ihrer Verteidigung muß man sagen, dass die Stadt ist kein offenes Museum ist und auch keine reine Touristenattraktion. Hier findet man noch Fischereibetriebe, eine größere Schiffswerft und einige Zulieferbetriebe.

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Erwähnenswert ist auch, daß hier die Yachten und Fischerboote im gleiche Hafen nebeneinander liegen.

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Auch wenn die Anzahl der Fischerboote sicherlich stark zurückgegangen ist, und die vielen Sportboote das Bild des Hafens prägen, bleibt die Fischerei eine wichtige Aktivität hier. Vielleicht ist es das, außer dem Anblick der Stadt vom Wasser aus mit dem weit sichbaren Leuchtturm, der ihr eine spezielle Anziehungskraft gibt.

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Wir besichtigen den Leuchtturm, ein Wahrzeichen der Stadt. Man hat nicht nur eine gute Aussicht über die Stadt und die Umgebung, sondern man erfährt auch etwas über das Funktionnieren eines Leuchtturms und die Arbeit der nieerländischen Seenotretter (in Urk gibt es eine Rettungstation).

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Wir bleiben 2 Tage in Urk, genießen die frische Luft, Kibbling und Parling, dann geht es weiter über die Kanäle…. in Richtung Lemmer oder Vollenhove. Orte die wir auch 2017 besucht haben.

2019 #19 Über die Randmeeren

Wir verlassen Amsterdam am Morgen gegen 9h00 in Richtung Osten. Bis zur Grachteneinfahrt, die zur Amstel führt, begleitet uns noch TIGER 1, Freunde aus Australien. Auch sie verlassen heute Amsterdam und brechen in Richtung Gouda auf. Wir bleiben auf der IJ und fahren weiter östlich in Richtung Schleuse.

Um von Amsterdam kommend, nach Friesland zu gelangen,  stehen einem vier Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Über das Markermeer und IJseelmeer, an der Ostküste Nordhollands nördlich fahrend bis Enkhuizen und dann nach Stavoren übersetzen (diesen Weg haben wir 2017 in der entgegengesetzten Richtung genommen; bei geringem Wind (2 – 3 bft) eine schöne Erfahrung. Die Strecke ist etwas mehr als 20km lang.)
  2. Über das Markermeer und das Ijsselmeer,  nordöstlich an Flevoland vorbei in Richtung Urk
  3. Über die Randmeeren (an den alten Fischer- und HanseStädten vorbei)
  4. Über die Vecht oder den Amsterdam-Rijn-Kanal, den Niederrijn stromaufwärts und die IJssel stromabwärts (die IJssel sind wir vom Waal kommend 2017 stromabwärts gefahren; eine schöne Erfahrung)

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Schon vor der Abfahrt, haben wir uns für die Randmeeren entschieden, da wir diese Strecke noch nicht kennen und weil sie auch windgeschützter ist.

Hier findet man  auch noch ein paar niederländische „Hanse-Städte„, aus der Zeit als das IJseelmeer noch die Zuiderzee war: Harderwijk und Elburg. Schon im 12. Jahrhundert wußte man, daß Handel und Offenheit in die richtige Richtung weisst… Weiss und Rot findet man noch heute in vielen Stadtwappen (Flaggen) der früheren Hansestädte.

Flagge der Gemeinde Elburg Elburg Résultat de recherche d'images pour "hamburg fAHNE"HamburgGdansk flag.svg Danzig

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Gegen 10h erreichen wir die Oranje-(Schutz)Schleuse. Ein Pfeil weist die „Sportboote“ zur Nordseite. Es ist erheblicher Andrang. Erst als die Schleuse mit Sportbooten „vollgepackt“ ist, beginnt der Schleusenvorgang. Nach der Ausfahrt orientieren wir uns zunächst in Richtung Hauptfahrrinne nach Nord-Osten, bevor wir in die Fahrrinne in Richtung Randmeeren an der Boije P8 nach Südosten abbiegen. Wir fahren an der Abzweigung nach Muiden an der Vecht vorbei. Die grosse Hollandse Brug wird schon sichtbar. Nach 3 Stunden machen wir im großen Yachthafen von Naarden fest. Der Hafen bietet ausser den üblichen Serviceleistungen einen Kran, ein Wassersportgeschäft und ein Restaruant, in dem wir abends essen. Für Passanten ist ein langer Steg an der Westseite des Hafens vorgesehen.

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Naarden ist eine alte Festungsstadt. Die Festungsanlagen sind noch alle erhalten. Mit dem Fahrrad ist die etwa 1,5km weit entfernte Stadt problemlos zu erreichen. Ein kurzer Ausflug lohnt sich.

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Beim Besuch des alten Rathauses erfahren wir, dass viele Niederländer hierher kommen, um zu heiraten. Angeblich werden in dem alten „Hochzeitssaal“ mehrere hundert Trauungen jährlich vorgenommen.

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Am nächsten Tag fahren wir wieder früh los. Es ist Ferienzeit und die Liegeplätze sind heiß begehrt.

Schon früh verlassen wir den Hafen, an der Boje GM58 orientieren wir uns Richtung Osten.

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Bei sehr diesiger Sicht fahren wir nach Spakenburg, wo wir gegen 11h eintreffen. Als wir noch im Hafenkanal sind, ruft uns schon der Hafenmeister zu, „wir sollen bis zum Museumshafen vorfahren. Dort wären gerade Plätze frei geworden…“ 

Im ehemaligen Fischerhafen machen wir am Kai zwischen schönen alten „Botter-Booten“ fest.

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Das Stadtmuseum bietet einen interessanten Einblick in die Geschichte der Stadt, als diese noch von der Fischerei lebte. Die Stadt lebt heute vor allem vom Tourismus.

Von Spakenburg führt uns der Weg nach Harderwijk. Es regnet und ist recht windig (4bft). Trotzdem sind viele Sportboote schon früh in beide Richtungen unterwegs.  Als wir an der Schutzschleuse „Nijkerker Sluis“ gegen 9h ankommen, müssen wir etwas warten, bis genug Boote auf beiden Seiten zum Schleusen bereit sind.

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Die Stadt Harderwijk ist seit ein paar Jahren im Umbruch. Der gesamte Hafenbereich wird umstrukturiert, um dem zunehmenden Touristenansturm gewachsen zu sein. Das hier befindliche „Delfinarium“ zieht außer den Bootsfahrern viele Familien an.

Wir liegen am Ende des Hafenkanals gegenüber vom Stadthaus, wo auch der Hafenkantor untergebracht ist. Auf dieser Seite gibt es weder Strom noch Wasser. Die Duschen befinden sich im Stadthaus.

Am nächsten Morgen legen wir uns um, auf die gegenüberliegende Seite. Dort bekommen wir Strom und Wasser. Die Stadt bietet mehrere Hafenbecken. Es ist Hochsaison und obwohl wir noch vormittags ankommen, liegen schon einige Boote im „Doppelpack“.

 

Wir nutzen den Aufenthalt, nicht nur um unseren Kühlschrank wieder aufzufüllen sondern auch um etwas „Kultur“ zu machen,… Somit besuchen wir das Stadtmuseum und  das Museum des noch lebenden niederländischen Malers Marius van Dokkum.

Im Gegensatz zu Spakenburg bietet nur noch ein kleiner Teil des Hafens einen Einblick in die Geschichte der Fischerei und des Fischhandels. Oder sollte man eher sagen, es sind die Fischverkaufskioske, die die Nähe zum Wasser und den Fischfang noch lebhaft halten.

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Die Hafenbrücke wird ab 8h morgens bis abends um 20h bedient. Kurz nach 8 brechen wir  in Richtung Elburg auf, wo wir das Wochenende verbringen wollen, weil viel Wind angesagt ist.

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Wir kommen nach knapp 2 Stunden Fahrt dort gegen 10h30 an.

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Wir finden noch einen Platz am Kai. Wir bleiben aber nicht lange allein. Schon am frühen Nachmittag liegen alle Boote im Doppel- oder Dreifach-Pack,….

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Die Stadt ist sehr sehenswert -„klein aber fein“- was die Touristen natürlich ansieht. Das Stadtbild ist authentischer geblieben als Harderwijk. Dies liegt zum einen am Hafen mit seinem Museum, an der komplett erhaltenen Festungsstruktur, und zum anderen  an den vielen Geschäften, die nicht nur Souvenirs verkaufen.

Zur Besichtigung laden ein:  das nationale Orgelmuseum, der kleine Kräutergarten, die Botterwerft und die jüdische Synagoge. Erwähnenswert ist auch der älteste noch funktionierende Seilmacher der Niederlande. Während der Woche kann man seiner Arbeit zuschauen.

 

Nach 3 Tagen verlassen wir Elburg und brechen nach Ketelhaven auf. Unsere letzte Station auf dieser Etappe über die „Randmeeren“.

Wir verlassen Elburg gegen 8h30 bei mässigem Wind und guter Sicht. Zur Zeit wird eine neue Schleuse etwa 8km weiter östlich gebaut. Der Verkehr wird steuerbords an der im bau befindlichen neuen Schleuse vorbeigeführt. Obwohl hier die Geschwindigkeit auf 6km/h beschränkt ist, müssen 2 Sportyachten zeigen, dass sie auch mit 12 oder mehr die Engstelle passieren können. Nach 1 km erreichen wir die Schleuse gehen 9h30, wo wir die Raser wieder einholen.

Der weitere Weg führt vorbei an schön und ruhig gelegenen Naturliegeplätze.

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Gegen 10h30 machen wir im gutgeführten Yachthafen Ketelmeer fest. Die Nähe zur offenen See spürt man hier sofort. Motorboote sind Seltenheit.

 

Das Wetter bleibt wohl instabil die nächsten Tage. Wir werden also unsere Weiterfahrt darauf einstellen. Ziel ist es zunächst über das IJsselmeer nach Urk zu fahren.