2018 #28 Eine kleine Bilanz

Dieser Blog ist unseren Bootsreisen mit VAGABOND gewidmet.  Wir sind seit 2014 in den Belgien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden „binnen“ unterwegs, auf Flüssen, Kanälen und Seen.

Wenn man unterwegs ist,  gibt es viel zu sehen und zu erleben, oder besser gesagt „zu erfahren“ (!), apprendre  (französisch: wörtlich mitnehmen), leren (niederländisch): auf dem Wasser und auf Land. Land und Leute,…

Als wir mit dem Bootfahren anfingen, ging es uns zunächst um eine neue Sicht,… vom Wasser aus. Schnell merkten wir, dass diese Art zu Reisen, uns vor allem ermöglicht hat,  interessante Menschen kennen zu lernen und neue Freundschaften zu schliessen. Die „Bootsgemeinschaft“ ist sehr polyglott. Auch wenn wir „nur“ in Europa schippern, unsere Bekannten und Freunde kommen aus Australien, Grossbritannien, Neuseeland, Südafrika, USA,…  natürlich auch aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Die vielen Eindrücke geraten meistens schnell in Vergessenheit. Oft behält man nur die besonderen Momente, schöne oder schwierige, Freude oder Schwierigkeiten.

Was uns dieses Jahr besonders gefallen hat, war die Landschaft der Somme, die Marne und Champagner Region, aber auch die Städte Gent und Antwerpen. Gent ist eine alte Stadt, die wegen der vielen Studenten sehr jung und lebhaft ist. Antwerpen ist sehr aktive und reiche Stadt, die von ihrem Welthafen lebt.  Der Aufenthalt im Yacht Hafen ist äusserst angenehm.

Wie bei jedem Törn gibt es auch ein paar negative Erlebnisse oder schwierige Situationen. Hierzu zählen dieses Mal 2 Schleusenerlebniss, in Amiens (Schleuse wird versehendlich entleert…) und auf dem Canal du Nord (Schleusentor wird beim Einfahren versehendlich geschlossen…), und zwei Erlebnisse mit vorbeifahrenden Schiffen (auf der Schelde mit einem Hochseetanker und auf dem Albertkanal mit einem Sppedboat!

Fotografieren ist mein Hobby.  Jede Reise ist anders, auch wenn man oft den gleichen Kanal befährt, man sieht und erlebt immer wieder etwas neues.

2018 war ein besonderes Jahr. Als wir losmachten in Maasbracht, hatten wir geplant in Richtung Lyon aufzubrechen. Aber schon in Maastricht wurde unser Begeisterung gebremst. Die Maas (Meuse) war in Frankreich gesperrt wegen der schweren Schäden der Hochwasser im Winter. Als wir dann endlich in Paris mit vier Wochen Verspätung ankamen, fehlte es in vielen Kanälen an Wasser.  So hatten wir dieses Jahr Zeit uns „Zeit zu lassen“ in Belgien auf und an der Meuse. Die Landschaft ist wunderschön. Die besondere Lage hat dazugeführt, dass hier viele Befestigungen angelegt wurden. Heute geben sie nicht nur einen Einblick in die bewegte Geschichte dieser Region, sondern erlauben auch wunderbare Ausblicke über das Maastal.

So handelten wir nach der Devise: „Man weiss wann man wegfährt, aber nicht wann man ankommt,… „. Anstatt,  „Seine – Saône – Rhône“, heisst unser diesjähriges Fotobuch nun „Seine -Somme – Schelde„. 

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„Chat Lune“ und „Tiger“ oder andere gutbekannte Boote sind uns wieder begegnet. Es war wie immer eine Bereicherung.  So haben wir es nicht bedauert, an manchen Orten etwas länger auszuhalten; nicht nur in einer schönen Umgebung sondern auch und vor allem in guter Gesellschaft mit Guy, Marlène, Bruce, Lorette und vielen Anderen.

2018 war auch ein trauriges Jahr. Wir haben einen guten Freund verloren. Aad war einer der ersten, der uns half und immer mit guten Ratschlägen zur Seite stand. Als wir zum letzten Male vor seinem Tode ihn bei sich zu Hause besuchte, schenkte er uns eine Gewässerkarte von Berlin. Stolz und mit Wehmut zeigte er uns sein Fotoalbum einer seiner vielen Reisen mit „COMPLICE„.


2014: Frankreich

2015: Niederlande

2016:  Deutschland

2017:  Niederlande

2018: Frankreich – Belgien

 

2018 # 27 Bilder einer Reise

Jetzt wo wir wieder in unserem Hafen angekommen sind, und obwohl die Saison noch nicht zu Ende ist, haben wir Zeit, die Bilder, die wir unterwegs gemacht haben, anzuschauen.  Beim Fotografieren steht nicht das Boot im Mittelpunkt unseres Interesses sondern Land und Leute. Auf dem Wasser mit dem Boot, an Land zu Fuß und mit dem Rad. Anders als mit dem Auto, erlebt man die Umwelt direkter und intensiver.

Was bleibt, sind Momentaufnahmen, an die man sich erinnert.

Limburg, die Ardennen, die Champagne, Paris, die Somme und Picardie, Gent, Antwerpen, Turnhout, Dessel, Hasselt,…

2018 #26 Von Antwerpen in Richtung Maasbracht

Um von Antwerpen nach Maasbracht zu fahren, hat man mehrere Möglichkeiten:

  1. über die Schelde-Mündung
  2. über die Schelde – Rhein Verbindung und dann die Maas flußaufwärts
  3. über den Albert-Kanal nach Maastricht
  4. über den Dessel-Turnhout-Schoten Kanal

Um zum Ziel zu kommen, gibt es dann je nach Startpunkt  3 Möglichkeiten:

  1. Von Norden kommend über die Maas
  2. Von Westen kommend über den Zuid-Willemsvaart und den Wessem-Nederweert Kanal
  3. Von Süden über den Julianakanal

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Bevor wir losfahren, fragen wir  noch bei unserem sehr erfahrenen Freund Aad nach der „besten“ Wahl. Wir sind mit ihm einverstanden. Wir haben Zeit und wollen die kleinen Kanäle im Nord-Osten Flanderns kennenlernen. Somit entscheiden wir uns für den Dessel-Turnhout-Schoten Kanal.

Um kurz vor 10, machen wir uns startklar wie auch einige andere Boote und warten auf das Signal zur Öffnung der Londenbrug.

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Anschließend müssen wir noch die Hebung der Sibiriabrug abwarten und können dann  auf dem Albertkanal in Richtung Osten fahren. Beim Verlassen des Hafenbereichs über den Albertkanal muß man sich über VHF 20 „abmelden“.  Was wir zunächst nicht tun, da wir denken, dies sei nur für Frachtschiffe notwendig. Nach 1 Stunde kommen wir an der Abzweigung zum Dessel-Turnhout-Schoten Kanal an und bitten über VHF 20 (wie es in unserer Karte angegeben ist) um das  Einfahren in die erste Schleuse. Die Funkzentrale fragt uns sogleich, wo wir genau sind, verlangt die FD-Nummer und weist und freundlich darauf hin, daß wir uns abmelden müssen. Was damit getan ist. Allerdings für das Schleusen brauchen wir etwas Zeit, bis wir verstehen, dass dies nur über das  Telefon möglich ist. Die Schleusen und Brücken werden auf diesem Kanal von Mitarbeitern des Kanalbetreibers bedient. Zum Ende des Kanals hin wird die Bedienung  wieder über Funk angefragt (VHF 20,…).

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Die Strecke führt zunächst an Industrie vorbei. Viele „Recycling-Firmen“ haben sich hier angesiedelt. Man findet aber auch noch bekannte Ziegelfabriken, wie Wienerberger.

2018-477Nach Osten hin geht die Landschaft langsam in Agrarland und Heide über.

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Der Kanal besitzt sehr viele Wendebecken. Viele von ihnen werden heute als Hafen genutzt.

2018-474Es sind meistens recht gut ausgestattete Klubhäfen mit einer netten Ambiente. Wir halten in Schoten, Brecht und Turnhout und im Hafen Aventura (Zilvermeer) in Dessel an der Kreuzung der Kanäle Dessel-Turnhout-Schloten / Bocholt-Herentals / Dessel-Kwaadmechelen. Der Hafen Aventura liegt in einem See. Er ist sehr gut ausgestattet, besitzt ein Restaurant und eine Tankstelle.

Turnhout ist DIE Stadt der Spielkarten. Hier werden seit Jahrhunderten Spielkarten gedruckt und heute noch ist hier der Hauptsitz der Firma Cartamundi. So kommt es, dass die Stadt auch das „Nationale Spielkartenmuseum“ beherbergt.  Wir nutzen unsere Zeit zu einem Besuch, der sich lohnt. Das nette Personal zeigt uns mit Stolz die alten Druckmaschinen. Zum Abschluss unseres Besuchs wird uns sogar die noch funktionstüchtige Dampfmaschine vorgeführt. Angetrieben wird sie allerdings nicht mehr mit Feuer und Dampf. Aber die mechanischen Teile und Schwungräder bewegen sich wie in alten Zeiten.

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Auf dem Rückweg zum Boot erlauben wir uns einen kleinen Umweg. Auch hier wie in vielen Städten lohnt der Besuch des Begijnenhof. Vielleicht einer der schönsten, die wir besuchen konnten auf unserer Reise!!

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Nachdem wir den Dessel-Turnhout-Schotenkanal verlassen haben und im Hafen Aventura an der Kreuzung der verschiedenen Kanäle übernachtet haben, entscheiden wir uns für den Albertkanal   in Richtung Maastricht. Bevor wir den Hafen verlassen, machen wir noch einen Abstecher mit den Rädern zum Kloster in Postel.

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Am nächsten Morgen brechen wir, bei schlechtem Wetter, in Richtung Hasselt auf.  Wie erwartet ist auf dem Albertkanal viel Verkehr. An einigen Brücken ist der Kanal recht eng. Wir versuchen die Frachtschiffe bei diesen Verengungen zu kreuzen.  Die Frachtschiffe fahren hier nicht so schnell wie auf dem Rhein oder auf dem Amsterdam-Rhein-Kanal und stellen keine besonderen Schwierigkeiten dar.

Allerdings gibt es auf dem Kanal einige Schnellfahrstrecken. Auch wenn man vorsichtig ist, ist man den schnell fahrenden Booten ausgeliefert. So werden wir von einem „Speedboot“ überholt, zunächst verlangsamt es seine Geschwindigkeit. Aber als es gerade auf unserer Höhe ist, gibt es wieder Gas. Wir kämpfen gute 5 Minuten, um das Boot wieder zu stabilisieren und unter Kontrolle zu bringen. Letztendlich sorgt das uns überholende Frachtschiff für eine relative Wasserberuhigung. Der Frachter bricht die hohen Wellen und Turbulenzen des Schnellbootes.

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Als wir in Hasselt festmachen, sind wir erleichtert. Die Fahrt war anstrengend. Im netten Stadthafen angekommen, erklärt uns der Hafenmeister, dass wir beim Festmachen, darauf achten müssen, dass das Boot „Bewegungsfreiheit“ braucht. Der Hafen besitzt keine Schwimmstege. Der durch die Frachtschiffe und Schleusen hervorgerufene Schwell führt zu Pegelschwankungen bis zu 80cm. Nach dieser ersten Überraschung erfahren wir, dass die Schleusen auf diesem sehr befahrenen Kanal sonntags nicht bedient werden. Also buchen wir gleich für 2 Tage und nutzen die Zeit zu einem Besuch im Japanischen Garten. Auch wenn es nicht die Zeit der Kirschblüten ist, der Besuch lohnt auf jeden Fall,…

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Am nächsten Morgen gegen 8h brechen wir trotz starken Windes und leichtem Regen in Richtung Maastricht auf. Direkt ab Hasselt folgen 3 Schleusen in kurzem Abstand.  Wie zu erwarten, ist der Frachtverkehr während der Woche auf diesem Kanal besonders stark. Die jeweils 3 Schleusen (2 kleine Kammern und 1 große) sind stark gefragt. Alle besitzen die gleichen Dimensionen und Ausstattungen. Wir schleusen mit 3 niederländischen Kähnen.

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Dann folgt eine lange Kanalstrecke, die abwechselnd durch Industrie-, aber auch Naturlandschaft führt. Der an den Schleusen sehr dichte Verkehr verläuft sich recht schnell und wir fahren mehrere Kilometer  ganz allein durch die Natur über den sehr breiten Kanal.

Gegen 15h machen wir in der Maastricht Marina fest. Die Saison nähert sich so ihrem Ende. Hier sind wir Ende April losgefahren. Nun schließt sich der Kreis nach 1500 km durch Frankreich und Belgien.

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Antwerpen > Maastricht: 150 km / 24 Motorstunden / 7 Tage

2018 # 25 Impressionen aus Antwerpen

Diesmal gibt’s nur Fotos! Dies gibt einen schnellen Eindruck und Überblick:  Museen, Hafen, Altstadt, Bahnhof, Tunnel… oder sonst eine sehenswerte Ecke.

Die Stadt lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Allerdings sind zur Zeit überall Baustellen. Es wird kräftig in Infrastruktur und Städtebau investiert mit viel Geschmack und Courage.

 

 

 

 

2018 #24 Im und um dem Hafen Willemdok

Napoleon haben wir das Willemdok zu verdanken. Um dort hin zu kommen, ist nicht sehr einfach. 4 Möglichkeiten stehen einem zur Verfügung. Alle sind recht anspruchsvoll und haben ihre Schwierigkeiten:

  1. Die Schelde, vom Meer kommend im Westen
  2. Die Rhein-Schelde Verbindung, die den Hafen mit Rotterdam verbindet im Norden
  3. Den Albertkanal, von der Maas kommend im Osten
  4. Die Boven-Schelde vom Süden kommend

Aber es lohnt sich, die Mühe zu machen. Man entdeckt eine weltoffene moderne Stadt im Wandel.

Seitdem hier der Yachthafen im Willemdok entstanden ist, hat sich dieses Stadtviertel stark zu seinem Vorteil verändert. Der ursprüngliche Hafen wurde irgendwann zu klein. Heute liegt der Handelshafen nördlicher, außerhalb der Stadt. Dann war dieses Viertel lange Zeit sich selbst überlassen.

Heute findet man hier luxuriöse Wohnungen, um das Hafenbecken haben sich viele Restaurants angesiedelt und nicht zuletzt ist das Museum aan de Stroom „MAS“ ein Anziehungspunkt geworden. Das kleine Restaurant „Sil’eau“ am Napoleonkai gefällt uns besonders gut zum „lunchen“.

Der Hafen ist sehr gut geführt, gut gesichert und bietet alle Serviceleistungen inklusive Kraftstoff. Selbst der Preis hält sich Grenzen,… vor allem wenn man ihn mit Arsenal in Paris vergleicht. Erstaunlich ist übrigens auch die Ruhe, nicht nur im Vergleich mit Paris.

 

2018 #23 Auf der Schelde nach Antwerpen

Die Schelde ist ein Gezeitenfluß. Die Tiede bei Antwerpen beträgt etwa 6m. Von Gent nach Antwerpen sind es rund 80km. Auf den ersten 30 km gibt es keine Anlegemöglichkeiten. Hier ist die Schelde noch recht schmal und sehr kurvenreich. Die Innenkurven sind meist versandet und man muß mit Berufsverkehr rechnen, so steht es in den Navigationsführern.

Aber zunächst heißt es mal die Reise vorbereiten. Seit unserem Saisonstart Anfang Mai lief unser Motor gute 300h. VOLVO-PENTA empfiehlt den Impeller alle 200h oder einmal pro Jahr, am Anfang der Saison, zu wechseln. Es ist also an der Zeit den den Impeller zu ersetzen, was wir noch im Hafen von Gent tun. Nach 30 Minuten läuft die Machine wieder in gewohnter Art.
Jetzt heißt es zunächst einmal die Gezeitentabelle zu studieren, um den optimalen Abfahrtszeitpunkt zu wählen.

Gezeiten

Unsere übliche Reisegeschwindigkeit liegt bei 9-10km/h oder bei 1600 – 1800 Motorumdrehungen/min. Ohne Gezeiten müssen wir also mit einer Fahrzeit von 8 Stunden rechnen, vorausgesetzt man will den Weg auf einmal hinter sich bringen.
Aus der Gezeitentabelle erfahren wir, daß an unserem geplanten Reisetag um 6h33 Hochwasser in Antwerpen ist. 3h30 braucht es bis zur Gezeitenschleuse in Gent. Dann ist dort der Hochwasserpegel bei 4,83m. Wenn wir also von der zurücklaufenden Flut voll profitieren wollen, müssen wir gegen 10h00 losfahren (allerdings dauert es etwa 1 Stunde bis die Strömung beim Rückfluss spürbar wird. Um 13h30 ist wieder Niedrigwasser in Antwerpen und die nächste Flute beginnt schon. Anders ausgedrückt, um ausschließlich von der Flut profitieren zu können, müsste man in Antwerpen vor 13h30 ankommen, also nach 3 ein halb Fahrstunden mit mehr als 22km/h Geschwindigkeit,… was in unserem Fall nicht realistisch erscheint. So muß man sich darauf einstellen, jeweils einen Teil der Strecke mit und gegen die Strömung zu fahren…
Der Hafenmeister weist uns darauf hin, dass wir mit einer maximalen Strömungsgeschwindigkeit von 5 – 6km/h rechnen können oder auch müssen. Er empfiehlt uns, um 8h vom Hafen loszufahren. So kommen wir gegen 9h an der Gezeitenschleuse Merelbeke an. Die Anzeige an der Schleuse zeigt an, dass das Wasser noch am Steigen ist, was durch einen grünen nach oben zeigenden Pfeil angezeigt wird. Der Pegelstand wird mit 3,83m angegeben. Erwartungsgemäß ist es noch eine Stunde bis zum maximalen Pegel.
Um kurz nach 9 fahren wir gemeinsam mit einer anderen Yacht aus der Schleuse aus und bekommen recht schnell, eine Gegenströmung von 4 – 5 km/h zu spüren. Nach einer Stunde Fahrt bei effektiven 5 – 6 km/h haben wir den Scheitelpunkt überschritten. Zunächst stabilisiert sich die Geschwindigkeit bei etwa 10 km/h. So fahren wir fast strömungsfrei eine Stunde, bis dann schrittweise die Strömung immer deutlicher wird und sich bei 4 – 5 km/h einpendelt, so dass wir  gute 3 Stunden bei 14 – 15km/h in Richtung Antwerpen fahren.
Die Strömung bekommt man leider auch auf eine zweite Art deutlich zu spüren. Mit der Hochwasserwelle schwimmen uns  sehr viel Holz, Abfall und sonstige Gegenstände  entgegen. Auf den ersten 20km gleicht unsere Fahrt eher einem Slalom. Obwohl wir sehr aufpassen, können wir nicht immer ausweichen. Irgendwann kracht es dann auch kräftig. Was wir da berührt haben, bleibt allerdings unklar. Wir sind wohl mit ein paar Kratzern davon gekommen.

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Gegen 14h30, nach etwa 50km beginnt sich unsere Fahrt wieder zu verlangsamen. Der Pegel hat sich auch schon deutlich verringert.

 

30 Minuten später bekommen wir wieder die volle Gegenströmung zu spüren. Es sind jetzt noch 15km bis zum Hafen. Inzwischen wird auch der Frachtverkehr dichter.

 

Gegen 16h30 erreichen wir die Kattendijkbrug mit Schleuse, vor der  schon 2 andere Boote auf der Schelde kreuzen. Direkt davor  gibt es absolut keine Festmachmöglichkeiten. Über Funk wird uns eine Wartezeit von 30 – 40 angegeben. Es bleibt uns nichts anderes übrig als Warteschleifen zu fahren, wobei man nah an der Schleuse bleiben sollte. Leider ist man gleichzeitig  dem starken Berufsverkehr ausgeliefert. Um in die Schleuse einfahren zu können, muß zunächst eine bewegliche Brücke einer recht stark befahrenen Straße bedient werden. Über Funk werden wir aufgefordert, so schnell wie möglich einzufahren, aber 2 sich kreuzende Frachtkähne hindern uns am schnellen Einfahren. Als wir endlich wieder am Schleusenkanal ankommen, schaltet die Ampel schon wieder auf Rot. Über Funk bitten wir noch einfahren zu dürfen, was uns mit der Aufforderung „Vite, Vite VAGABOND“ erlaubt wird.

Nach dem Schleusen erfahren wir, daß die „Londenbrug“ (das letzte „Hindernis“ vor dem Hafen) gegen 18h15 bedient wird. Der Schleusenwärter empfiehlt uns die Wartezeit in der Schleuse zu überbrücken. Gegen 18h10 kommt Bewegung auf und wir hören die Klingel der Brücke, die den Hebeprozess ankündigt. Mit uns wollen noch 8 – 10 Boote einen Platz im Hafen.

 

Als wir um 18h30 endlich den Motor nach fast 11 Stunden abstellen, ist uns noch nicht bewußt, daß uns der Hafenmeister einen der schönsten Liegeplätze im Hafen zugewiesen hat.

Geschafft!!! ça y est!!

 

2018 #22 Gent Gand Ghent

Die Stadt Gent bietet mehrere Anlegemöglichkeiten. Von der Leie kommend zögern wir nicht und wählen den auf dem Weg liegenden Passantenhafen „Lindenlei“. Wir kündigen uns über Funk an. Der Hafenmeister ist schon auf dem Steg und weist uns eine recht breite Box zu. Dort verweilen wir 5 Tage. Wasser und Strom sind extra. Die Übernachtung kostet 11€. Das Ambiente ist angenehm. Viele Bootsbesitzer, die hier festmachen, kennen sich, und kommen wohl öfter her, z.B. aus dem nahen Brügge.

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Der Hafen liegt in direkter Nähe zum historischen Zentrum, was wir mehrmals am Tag ausnutzen, um die Stadt näher kennenzulernen.

Der größere Stadthafen „Portus Ganda“ liegt im Osten der Stadt, etwas weiter vom historischen Zentrum entfernt. Wenn man von der Schelde kommt, ist dies eine gute Alternative.

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Morgens früh und abends, wenn die Touristengruppen nicht so zahlreich sind, ist es eine Freude durch die gut erhaltene Altstadt zu gehen. Bei einem Abendspaziergang lohnt es sich  die historischen Gebäude, die  malerisch erleuchtet oder angestrahlt, zu betrachten.

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Es wird einem nicht langweilig hier. Die Stadt bietet viele interessante Gebäude aus einer Zeit, als Gent noch eine wichtige Handelsstadt war. Sie scheint die letzten Jahrhunderte ohne großen Schaden überwunden zu haben. Die Anzahl der alten Gebäude ist schier beeindruckend!  Wegen der vielen Studenten vrmittelt  die Stadt auch einen jungen Eindruck. Heute lebt die Stadt sicherlich auch zu einem guten Teil vom Tourismus. Auch hier besteht die Gefahr einer „Touristen-Overdosis“, wie in Amsterdam oder Barcelona.

 

Wenn man sich für einen Museumsbesuch entscheidet, gilt auch hier die einfache Regel : früh am Tag und bei Sonnenschein.  Dann hat man hat die Museen fast für sich allein. Wir besuchen das Design- Museum und das MSK, „Musée des Beaux-Arts de Gand“.

 

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Mit dem Rad unternehmen wir eine Rundfahrt an den vielen Kanälen der Stadt entlang. Dies erlaubt einen Eindruck ins tägliche Leben der Stadt.

 

3 Dinge fallen uns auf:

  1. die gut erhaltene Stadt, die von einer reichen Geschichte zeugt
  2. die Tatsache, daß man kaum Französisch versteht, geschweige spricht! Englisch hat hier die zweite Landessprache neben dem Flämischen verdrängt
  3. die Studenten aus aller Welt

Unsere Freunde Guy und Marleen hatten uns noch einen guten Restaurant Tipp gegeben: das Pakhuis.  Es lohnt sich dort vorbei zu schauen, nicht nur zum Essen. Das Restaurant bietet auch etwas für den architekturinteressierten Beobachter.

 

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Von Gent aus ist man auch schnell in Brügge. Mit dem Boot ist es eine kleine Tagesreise. Dieses Mal verzichten wir darauf. Wir wollen etwas länger in Antwerpen bleiben.

2018 #21 Von der Somme nach Gent

Um von der Somme nach Gent zu fahren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Wir wählen die Strecke: Canal du Nord > Canal de la Sensée > Canal de la Deûle > Kanalisierte Leie > Alte Leie

1.Tag: Cappy > Nordausgang Tunnel de Ruyaulcourt  

Morgens  früh, gegen 8h30, fahren wir von Cappy los. Bei Peronne biegen wir in den Canal du Nord ein und fahren bis ins Unterwasser der Schleuse Clergy. Dort müssen wir leider ziemlich lange warten, da die nordwärts fahrenden Frachtschiffe als Convoi wegen ihrer Länge alleine geschleust werden.

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Ein niederländisches Boot, das wir schon in St. Valéry getroffen haben, gesellt sich zu uns. Wie wir hat es vor in Richtung Norden zu fahren. Zu zweit sind wir dann endlich an der Reihe. Die nächsten vier Schleusen nehmen wir gemeinsam und ohne grosse Wartezeit. Die Möglichkeit mit einer zweiten oder mehreren Yachten zu schleusen, sollte man immer ausnutzen.

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Gegen 16h erreichen wir den Tunnel von Ruyaulcourt. Nach 20 Minuten Wartezeit schaltet die Ampel auf grün. Zuvor haben wir uns über Funk angemeldet, hierbei wird uns die Wartezeit bestätigt und nach der Personenanzahl an Bord gefragt.

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Die Durchfahrt stellt keine besonderen Anforderungen. Die Beleuchtung ist ausreichend. Der Tunnel ist recht breit und hoch.  Die Mindestgeschwindigkeit beträgt 3km/h.  Wir versuchen die Geschwindigkeit auf etwa 4 – 5 km/h zu halten. Da wir einen Frachtkahn und eine Motoryacht vor uns haben, gelingt dies nicht immer, da wir uns manchmal im Leerlauf gleiten lassen müssen, um nicht zu nahe aufzufahren.

Auf halber Strecke gibt es eine breite Wartezone (siehe Bild). Dort halten wir an, um zwei uns entgegenkommende Schiffe vorbeizulassen. Als die Ampel auf grün schaltet, fahren wir weiter und verlassen den Tunnel  nach etwa 70 Minuten. Gegen 17h30 machen wir am langen Wartekai auf der Nordseite des Tunnels fest. Einige Frachtschiffe gesellen sich noch dazu.

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2. Tag: Nordausgang Tunnel de Ruyaulcourt >  Schleuse Don 

Sobald der Tunnel um 6h30 geöffnet ist, fahren die ersten Frachtschiffe los.  Auch wir haben uns vorgenommen, früh aufzubrechen. Wir warten den ersten Konvoi nach Norden ab. Er verlässt den Tunnel um 7h30.

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Bei Arleux verlassen wir  den Canal du Nord  und fahren  in Richtung Douai weiter. Die Fahrt führt uns durch die nordfranzösische ehemalige Bergbauregion.

 

Wir übernachten an der Kaimauer unweit der Schleuse von Don. Nichts lädt hier zum Verweilen ein. Der Berufsverkehr ist mässig, die Schleusen werden nachts nicht bedient. Zwischen 20h30 und 7h30 ist es recht ruhig.

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3.Tag: Don > Menen (Belgien)

Gegen 8h melden wir uns an der Scheuse Don an. Ein Frachter auf Bergfahrt hat Vorrang. Wir warten 30 Minuten ab, dann können wir los. Wie am Tag zuvor  geht es weiter bis nach Lille durch Industrielandschaft.

 

Als wir Frankreich verlassen, fahren wir für einige Kilometer in den wallonischen Teil Belgiens.

An der ersten flämischen Schleuse kaufen wir eine Mautvignette für 40€, die uns erlaubt  die  flämischen Wasserwege  3 Monate zu befahren. Im Gegensatz zu Wallonien  ist der flämische Teil Belgiens  für Freizeitkapitäne nicht kostenfrei.

Hier an der Schleuse verabschieden wir uns von „Gilles“, der Yacht die uns seit Clergy auf dem Canal du Nord begleitet hat. Philippe und Mia geben uns noch schnell ein paar Restauranttipps mit auf die Reise.

Sie wollen heute auf jeden Fall noch bis Kortrijk kommen. Wir entscheiden uns nur bis Menen zu fahren, obwohl es nur noch 1h30 bis Kortrijk sind.  Der Hafen in Menen liegt sehr schön, ist aber leider nicht gut unterhalten. Der Tiefgang ist sehr gering. Nur wenige Zentimeter haben wir unter dem Kiel. Einen Hafenmeister gibt es nicht. Angeblich soll am nächsten Morgen ein Angestellter der Gemeinde vorbeischauen. Passanten halten hier wohl selten…. Jetzt verstehen wir, warum „Gilles“ die zusätzliche Fahrtzeit vorgezogen hat.

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4. Tag: Menen > Kortrijk

Die Landschaft wird hier lieblicher. Es sind nicht mehr die alten, verwahrlosten oder neuen funktionellen Industrieanlagen sondern die Natur, die die Landschaft der Leie prägen.

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Schon früh machen wir in Kortrijk fest. Dort gibt es zwar keinen Hafen aber zwei Anlegestellen im Seitenarm der Leie. Der Erste ist einfach zugänglich, liegt aber nicht sehr schön. Die Zufahrt zum zweiten Liegeplatz ist wegen der auf etwa 3m beschränkte Durchfahrthöhe nicht für alle Boote geeignet. Der aktuelle niedrige Wasserstand erlaubt uns, nachdem wir das Cabrio umgelegt haben, am zweiten Anleger direkt hinter „Gilles“ festzumachen. 8€ kostet hier der Liegeplatz inklusive Wasser und Strom.

Kortrijk ist sehenswert. Man kann hier durchaus  zwei Tage bleiben und etwas ausspannen. Wegen des bevorstehenden schlechten Wetters entscheiden wir uns jedoch weiterzufahren. Bei Regen bietet eine größere Stadt mehr Möglichkeiten. Dies ist sicherlich auch der Fall für Gent.

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5. Tag: Kortrijk > Deinze

Die Stadt Deinze liegt an der Abzweigung der kanalisierten Leie zur „Oude Leie“.  Wir machen im Clubhafen fest und tätigen noch ein paar Einkäufe im nahegelegenen „Carrefour – Market„, bevor das angesagte Gewitter losbricht und für einen gewaltigen aber lang erwarteten Temperatursturz sorgt.

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In Deinze gibt es in der Stadt hinter der Hebebrücke einen langen Anlegesteg. Als wir dort nach unserem Einkauf  vorbeischauen, ist noch Platz für zwei Boote.

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6. Tag: Deinze > Astere

Kurz vor 7h30 melden wir uns über Funk an der Hebebrücke an. Bis Gent sind es etwa 4 Stunden. Nach 20 Minuten erreichen wir die ehemalige Schleuse bei Astene. Die Hebebrücke wird noch von einem Brückenwärter von Hand bedient.

Wie schon in Deinze melden wir uns über Funk an. Allerdings bleibt unser Anruf unbeantwortet. Am nahen Steg liegt ein aus Koblenz kommendes Boot.  Der Eigner empfiehlt uns zunächst mal festzumachen, abzuwarten oder im nahe gelegenen Gasthaus nachzufragen. Die Ambiente gefällt uns so gut, dass wir uns kurzentschlossen entscheiden, dort zu übernachten. Dies ist wohl unsere kürzeste Tagestour überhaupt!  Mit den Rädern erkunden wir die nähere Umgebung. Die alte Leie ist ein Reise wert! Durchaus vergleichbar mit der Vecht in den Niederlanden.

7. Tag: Astene > Gent

Leider ist starker Regen angesagt. Als wir losfahren ist der Himmel schon recht dunkel. Mehrmals wurde uns dieser Streckenabschnitt als „High light“ gepriesen. Die Leie ist hier schmal und windet sich geruhsam durch die Landschaft.  Am Ufer wechseln sich Weiden, einladende Restaurants und prachtvolle Villen ab.


34 Motorstunden / 210 km / 7 Tage / 22 Schleusen /  1 Tunnel / 4 bewegliche Brücken

2018 #20 Unterwegs auf der Somme

Die Somme erreicht man über den Canal du Nord, welcher nicht sehr einladend ist.  Der Weg dorthin lohnt sich allemal, denn die Somme ist eine Reise wert.

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Anders als die meisten befahrbaren Flüsse und Kanäle in Frankreich wird die Somme nicht von VNF verwaltet, sondern untersteht dem Département. Ein Beispiel französischer „Décentralisation“.

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Seit 2002 ist nur noch die „Somme Aval“, vom Canal du Nord bis nach Saint Valéry befahrbar. Die Somme ist kanalisiert.  Am Anfang überwiegt die Kanalstrecke bis Corbie, ab dort fährt man vor allem im Flußbett. Abgesehen von einigen geraden Kanalstrecken ist der Fluß sehr kurvenreich und schlängelt sich meist gemütlich auf 120km bis zum Meer. Überraschend stark kann auch die Strömung sein, vor allem vor und nach den Schleusen, in der Nähe der Wehre.  An manchen Stellen sind es bis zu 3km/h. Man sollte sich vor den Querströmungen in Acht nehmen.

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Hier findet man in der Form ungewöhnliche Schleusen. Sie bestehen aus zwei hintereinander liegenden Kammern. Das Schleusen erfolgt meist in zwei Etappen. Dies ist notwendig, da ein ausreichender Tiefgang nicht immer zur Verfügung steht. Durch das Doppelschleusen entsprechen sie den Anforderungen des Freycinet-Gabarit in Bezug auf die zulässige Tiefe.

Alle Schleusen und beweglichen Brücken werden vom Personal des Departements der Somme nach telefonischer Absprache bedient.

 

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Anne-Laure

Das Bedienungspersonal ist äußerst freundlich und hilfsbereit. Das Schleusen erfolgt zügig während der Bedienungszeiten (9h – 12h30 und 13h30 – 18h). Überraschenderweise  besitzen die Schleusen keine Signalisierung.

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Die Wassertiefe der Somme kann sehr unterschiedlich sein, sie schwankt zwischen 1,20m bis zu 5m. Je nach Tiefgang des Bootes kann es also knapp werden. Zwischen Abbeville und Saint Valéry, im Canal Maritime, kann es zusätzlich zu Wasserstandsschwankungen wegen des bis Abbeville zu spürenden Tiedenhubs kommen.

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Auf der Somme findet man nur noch Freizeitschiffer. Charterboote sind sehr selten. Allerdings trifft man häufig auf größere 20m Privatboote im Penichestyle, die  fast alle unter britischer Flagge fahren.

Auf der Strecke zwischen Friese und Cappy ist der Kanal zur Zeit stark von Wasserpflanzen befallen. Die Motorkühlung sollte überwacht werden. Wir reinigen hier den Wasserfilter mehrmals.

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Auf diesem Teilstück muß auch die Schraube öfter von Pflanzen und Algen befreit werden.

Bemühungen sind im Gange, um das Flussbett zu säubern.

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Abgesehen von Cappy, gibt es an der Somme keine Häfen mit den üblichen Serviceeinrichtungen.  Drei unterschiedliche Typen von Anlegestellen wechseln sich auf der gesamten Strecke ab. Wir haben an folgenden Plätzen festgemacht.

  1. Einfacher Steg oder Kai (Petit Port)
  2. Steg oder Kai mit Strom und Wasser für 2€ / 4h (Corbie, Long, Saint Valéry, Pont Rémy, Picquigny)
  3. Steg oder Kai mit Strom und Wasser für 2€ / 4h und eine Abwasserpumpe (Cappy, Amiens, Abbeville)

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Die Anlegestelle in Cappy besitzt außerdem eine Tankstelle, ein Überbleibsel der ehemaligen Charterboot-Vermietung.

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Die Liegezeit ist an einigen „beliebten“ Plätzen wie Amiens und Saint Valéry auf 3 Tage oder 72 Stunden beschränkt. In Saint Valéry wird dies auch überwacht.

Wir haben übernachtet auf

  • Talfahrt: Cappy > Orbie > Amiens > Long > Saint Valéry (3 Tage)
  • Bergfahrt: Petit Port > Pont Rémy > Long > Picquigny > Amiens > Corbie > Cappy.

2018 #19 Auf der Somme nach St. Valéry

Gegen 8h15 fahren wir vom Hafen in Peronne zunächst über den Canal du Nord  zur Einfahrt des Canal de la Somme.

2018-193In den üblichen Flußführern kann man lesen, daß die erste Schleuse des Kanals automatisch über eine Lichtschranke bedient wird. Als wir gegen 9h an der Schleuse ankommen, sind die Tore geschlossen, die Schleusenkammer leer und die Ampel auf rot! Also rufen wir den „Poste de Commandement d’Exploitation“ (PCE Somme) an. Dort erfahren wir, daß auch diese erste Schleuse von einem Angestellten der Region bedient werden muß. Eine vorherige Anmeldung ist also auch hier notwendig. Der Canal de Somme hat Freycinet-Gabarit.  Anlegemöglichkeiten sind ausreichend vorhanden. Es gibt keinen Charterbetrieb mehr und die Anzahl der Boote ist recht begrenzt. Etwa 20 Schiffe sind auf der ganzen Strecke zurzeit unterwegs. Die meisten Anleger sind mit Wasser und Strom  ausgestattet, die es für 4 Stunden zu 2€ gibt (ausreichend 2 € Münzen vorsehen!).

Wie auch auf anderen Kanälen zu sehen, ist dieses Jahr der Canal de la Somme besonders stark von Wasserpflanzen befallen. Auf der Strecke nach Cappy, unserem ersten Übernachtungsplatz, ist das Vorankommen sehr mühsam. Da der Kanal großteils auch eine beschränkte Wassertiefe hat, und dadurch noch zusätzlich der Grund aufgewühlt wird, überwachen wir unsere Motorkühlung regelmäßig. Die Schraube muß mehrmals durch Vorwärts-Rückwärts Bewegung freigemacht werden. Die Geschwindigkeit fällt nach ein paar hundert Metern immer wieder ab.

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Als wir Cappy um die Mittagszeit erreichen, sind wir glücklich. Hier erfahren wir, daß am nächsten Tag eine größere Reinigungsaktion geplant ist. Dazu werden die Schleusen geöffnet, um etwas Strömung über Nacht zu erzeugen. Am nächsten Morgen  werden die an der Oberfläche schwimmenden Pflanzen an der nächsten Schleuse eingesammelt.

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In der Nähe des Hafens befindet sich im Ort ein einfaches Restaurant, Le Graal de Cappy  Dort findet man gute traditionnelle Küche und einen netten Empfang.

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Das Wichtigste aber in der Somme ist die Natur!. Man sollte sich auf jeden Fall Zeit lassen.2018-215

Die meist geraden Kanalstrecken wechseln mit den zahlreichen Meandern der Somme ab.  Hier ist Vorsicht geboten! Es kann schon mal eng werden, wenn eine Peniche nach der nächsten Kurve auftaucht.  Nach Cappy halten wir in Corbie, Long, Abbeville, bevor wir nach Saint Valery aufbrechen.

 

Amiens bietet zwei Anlegemöglichkeiten. Flussabwärts einfahrend, gibt es direkt einen Steg.

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Er liegt im touristischen Zentrum nahe bei den Restaurants und dem historischen Zentrum.

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Wir ziehen es vor, den zweiten Liegeplatz zu nutzen, der sehr ruhig vor der Schleuse am Stadtausgang liegt.

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Die nähere Umgebung  ist nicht sehr ansprechend, bietet jedoch zum Trost ein ausgezeichnetes Restaurant. Wer französische „Hausmannskost“ schätzt und volle Teller mag, ist hier im Atelier genau richtig.  Zudem wird er von dem unterhaltsamen Chef persönlich bedient.   Da das Restaurant fern ab vom Touristenstrom liegt, trifft man hier eher Einheimische und „Kenner“. Wer sich ansonsten für Pflanzen interessiert, sollte dem Botanischen Garten auf der linken Uferseite einen kurzen Besuch abstatten.

 

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Die Weiterfahrt führt uns zunächst nach Long, ein beliebter Ausflugsort, wie wir schnell feststellen können. Es gibt mehrere Anlegemöglichkeiten.  Der Schleusenwärter empfiehlt uns den Kai im Unterwasser der Schleuse.  Sicherlich ein ruhigerer Platz als im Ort an der Schleuse.  Allerdings liegt der Steg nach einer Kurve, unweit des Wehrs  im Flußbett. Hier werden wir von einer starken Strömung im engen Flußbett erfaßt. Als wir dort anlegen wollen,  gelingt es uns nur, nachdem wir das Boot  stromaufwärts drehen.

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Auf der Rückfahrt werden wir sicherlich etwas länger verweilen, um den Ort, das Schloss und die dortige Torflandschaft zu erkunden.

Wie viele Städte und Orte haben auch Abbeville die beiden Weltkriege sehr getroffen. Nichts läßt mehr erahnen wie die Stadt vor 1916 oder 1940 aussah.

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Wir nutzen den Halt, um unsere Vorräte wieder aufzufrischen. In direkter Nähe des Kais gibt es einen Supermarkt „Carrefour“ mit Tankstelle.

Nach der Schleuse von Abbeville beginnt der „Canal maritime„. Hier muß man mit schwankenden Wasserständen rechnen. Die Schleusen -und Brückenbediener sind aber sehr hilfreich und weisen einen auf mögliche Begrenzungen hin. Einige Brücken werden noch manuel bedient.

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Nach 120 km und 6 Tagen erreichen wir am nächsten Morgen gegen Mittag den Schwimmsteg in Saint Valery. Bei unserer Ankunft wird gerade ein Platz für uns frei. Hier ist die Anlegedauer auf 72 Stunden begrenzt, die wir jetzt auch ausnutzen werden, denn die „Baie de la Somme“ hat Einiges zu bieten.

 

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