2022 #3 Die Vorbereitungen laufen

Die letzten Monate vor dem jeweiligen Saisonstart gleichen sich jedes Jahr, seit wir unser Boot besitzen .

Sehr früh, manchmal auch schon am Ende der abgelaufenen Saison, stellen wir uns zumindest zwei Fragen:

  • Was wollen wir nächstes Jahr unternehmen und wohin soll die Reise gehen?
  • Was wollen wir verändern oder besser machen? Was hat uns gut gefallen?

Dann, spätestens im März, muss entschieden werden, wann das Boot ins Wasser soll, also „Sommer fertig“ gemacht wird, wie unser Mechaniker sagt. Bisher war unser frühester Saisonstart an Ostern. Mittlerweile liegt das Datum eher gegen Ende April, dieses Jahr sogar Anfang Mai. Die letzten zwei Jahre war es wegen der Pandemie noch später. 2021 sind wir erst im Juni aufs Boot gekommen und haben wegen der sanitären Lage die Saison frühzeitig Anfang September beendet.

Dieses Jahr haben wir wieder zu unserem alten „Rhythmus“ zurückgefunden. Anfang April wurde somit mit dem Hafen und unserem Bootsmechaniker der Termin vereinbart, zu dem unser Vagabond ins Wasser kommt. Der 2. Mai soll es sein. Zu diesem Zeitpunkt ist im Hafen schon Hochbetrieb. Den Winter verbringt „er“ in der Halle (da wir in Frankreich leben, ist unser Schiff männlich: le bateau, le yacht,… Aber weiter wollen wir das „Gendern“ hier nicht treiben).

Da wir im Allgemeinen mehrere Monate unterwegs sind, gilt die Vorbereitung nicht nur der Reise selbst, sondern auch dem, was zu Hause noch geregelt werden muss. Im Laufe der Zeit hat sich eine „Checkliste“ entwickelt, die wir jetzt gerade wieder „abarbeiten“.

Am Anfang stehen z.B. das Umleiten der Post, das Abbestellen der Zeitungsabonnements,…. ganz am Ende das Säubern des Kaffee-Automaten. Inzwischen ist die Liste recht lang geworden, auch wenn manche Dinge einem einleuchtend erscheinen (wie zum Beispiel die Bootsschlüssel… oder die Fotoausrüstung :-)), gehen wir so auf Nummer Sicher!. Die Frage „haben wir eigentlich das Haus abgesperrt…“ ist seltener geworden.

Zwischenzeitlich ist es uns auch gelungen, einiges zu vereinfachen. Am Anfang haben wir am Ende jeder Saison das Schiff ganz leer gemacht, um dann am Anfang der Saison alles wieder mitzunehmen. Das hat sich inzwischen geändert: wir lassen einen Teil der Ausrüstung über Winter auf dem Schiff. Die anfängliche Befürchtung wegen zu hoher Feuchtigkeit, hat sich als unbegründet herausgestellt (sicherlich weil das Schiff in einer beheizten Halle überwintert). Ebenso bringen wir nicht mehr alles Erdenkbare aus der „Heimat“ mit. Dies gilt vor allem für Getränke und Lebensmittel. Als ob es in den Niederlanden oder sonst wo in Europa nicht die üblichen Dinge zu kaufen gäbe? So hat sich die Liste bezüglich des „Wohlergehens“ sehr vereinfacht! Nur Spezifisches wird noch gebunkert.

Hier ein Auszug aus der aktuellen Checkliste:

  • Informieren
    • Hafen und Mechaniker informieren,
    • Post umleiten, Abonnements aussetzen
  • Einpacken
    • Karten, Reiseführer, Bootsdokumente, Ausweise,…
    • Fotoausrüstung
    • Computer, CD player, DVDs
    • Ladegeräte, Kabel
    • Arbeitstasche und Dokumente
    • Lektüre: Bücher, Zeitschriften
    • Schlüssel: Haus, Auto, Boot
    • Medikamente
    • Körperpflege
    • Lebensmittel, Getränke
    • Kleider
  • Erledigen
    • Müll, Kompost
    • Garten, Rasen, Regensammler, Tor,…
    • Administratives : Steuererklärung,…
    • Haus
      • Wasser, Gas, Heizung, Licht,
      • Internet,
      • Kaffeeautomat
      • Türen

Am Ende der Vorbereitung steht das Packen. Da gilt eine einfache Regelung: wenn das Auto vollgestopft ist, ist Schluß! Was übrig ist, bleibt zu Hause. Es muß noch gesagt werden, dass unser Audi A1 die Sache sehr vereinfacht.

Am 2. Mai kommen wir im Hafen an. Unser Vagabond liegt an seinem gewohnten Platz. Es kann also in den nächsten Tagen losgehen.

Aber bevor die eigentliche Reise losgeht, gilt es noch ein paar Einkäufe zu machen und die wesentlichen Funktionen zu überprüfen.

Nachdem wir es uns gemütlich gemacht haben, gilt der nächste Blick dem Motorraum. Zunächst scheint alles in Ordnung. Allerdings werden wir am nächsten Morgen durch ein bekanntes Geräusch beim Frühstücken gestört. Die Wasserpumpe pumpt Luft!? Ein Blick auf die Wasserstandsanzeige bestätigt das Problem. Über Nacht hat sich der am Vortag gefüllte Frischwassertank völlig geleert…. Was ist da los?

Also, 1. / Wasserpumpe ausschalten 2./ im Motorraum nachschauen. Sofort sieht man Wasser in der Bilge. Schnell ist die Ursache gefunden.

„Sommerfertig“ heisst auch, dass der Mechaniker den Wasserboiler anschaltet. Durch das Erhitzen erhöht sich der Druck im Boiler. Zur Sicherheit dient ein Überdruckventil. Solange es funktionstüchtig ist, wird etwas Wasser nach aussen geführt. Durch Verkalkung werden diese Ventile nach einiger Zeit undicht. Dadurch gelangt Wasser in die Bilge.

Dies ist uns passiert…. Das meiste Wasser wurde nach aussen entleert, ein Teil lief in die Bilge.

Es sei noch vermerkt, dass selbst ein normal funktionierendes Ventil immer etwas Wasser verlieren kann. Deshalb haben wir einen kleinen Eimer unter dem Ventil angebracht.

So können wir den Zustand des Ventils im Auge behalten. Auch wenn wir dieses Mal zu spät kamen… Nach 8 Jahren sind solche Pannen halt nicht unüblich.

2022 #2 Es ist (bald) soweit!

Das Boot kommt am 2. Mai ins Wasser. Es wurde also langsam Zeit, sich über die diesjährige Reiseplanung Gedanken zu machen. Wann wir dann genau den Anker heben, steht noch nicht fest.

Wie jedes Jahr bei Saisonbeginn gilt es, das Boot vorzubereiten: Probefahrt, Karten, Papiere, Gasflasche, Schwimmwesten … Lebensmittel etc. Die Zeit im Hafen gibt auch Gelegenheit, Freunde und Bekannte wieder zu treffen. Vielleicht reicht es auch zu einem Besuch in der Werft bei Linssen Yachts.

Norddeutschland soll es diesmal werden!

VAGABOND 2022 Plan 1 (Maasbracht > Minden)
Vianen

Zunächst haben wir vor, über die Maas den Lek zu erreichen. Diesen Fluss kennen wir bisher nur vom Unterlauf zwischen Vianen und Krimpen aan de Lek.

Kinderdijk

Dann soll es flussaufwärts zur IJssel gehen. Die IJssel kennen wir von unserem Törn nach Friesland 2017: ein kurvenreicher und recht schnell fliessender Fluss.

Ijssel

Da wir Friesland teilweise schon zweimal bereist haben (2017 und 2019), werden wir versuchen, auf für uns neuen Wegen Richtung Deutschland zu gelangen. Genauer gesagt zum Dortmund-Ems-Kanal und weiter zum Mittelland-Kanal.

Es geht natürlich auch anders und schneller über den Waal und Rhein. Von der Maas über den Maas-Waal-Kanal bei Nijmegen auf Bergfahrt über den Waal in Richtung Deutschland. Diesen Weg hatten wir 2017 gewählt. Natürlich machbar, aber im Frühjahr ist die Strömung noch sehr stark. Für die rund 20 km bis zur Einmündung der IJssel braucht man dann schon 4 – 5 Stunden.

Dieses Jahr wollen wir es eher gemütlich angehen und neue Reviere entdecken. Vielleicht entscheiden wir uns für die Rückreise zur Rheinstrecke. Mal sehen!

Unser erstes Ziel wird es sein, auf dem Mittellandkanal bis nach Minden zu kommen. Je nach Zeitplan können wir uns dann für mehrere Varianten für die Weiterreise entscheiden:

  • zur Weser nach Bremen
  • weiter über den Mittellandkanal
    • anschliessend zum Elbe Seite-Kanal nach Lübeck oder zur Mecklenburger Seenplatte.
    • oder direkt Richtung Berlin

Bis dahin wird es aber noch einiges zu berichten geben. Jetzt erst mal aufs Boot.

2022 #1 Ein neues Jahr

Zunächst einmal, wünschen wir unseren Freunden und Lesern eine

erlebnisreiche, spannende und interessante BOOTSSAISON 2022.

Dokkum // NL Friesland

Zum Auftakt der neuen Saison 2022 noch einen kleinen statistischen Rückblick bezüglich der Benutzung unseres Blogs 2021.

Immer wieder freuen wir uns über den grossen Zuspruch, den unsere Webseite findet. Dies motiviert uns natürlich, auch im neuen Jahr über unsere Pläne und Erfahrungen zu berichten.

Mehr als 7000 Besucher haben über 27000 x Seiten angeklickt. Die Mehrzahl der Leser kommt aus Deutschland. Aber auch unsere niederländischen, schweizerischen und französischen Freunde tragen zu diesem tollen Ergebnis bei. Es sei noch vermerkt, dass via Google Translate, die Beiträge auch in anderen Sprachen zu lesen sind.

Wie sooft, sind unsere Informationen über die aktuellen Wegsperrungen in Frankreich besonders gefragt. Seit unserer ersten „Sauerkrauttour“ ist die Maas-Saar-Mosel Runde immer auf den ersten Plätzen. Natürlich nimmt die jeweils aktuelle Titelgeschichte den Riesenanteil der angeklickten Seiten ein.

Wie es dann 2022 weitergeht, ist noch recht offen. Natürlich träumen wir immer noch von einer schönen Reise nach und um Berlin. Aber, bisher, kam in der Vergangenheit immer etwas dazwischen. Das ist zwar schade, aber bedauert haben wir bisher noch keine Saison. Denn überall gibt es, etwas zu erleben…

So hoffen wir, dass 2022 wieder eine schöne, entspannende und erfahrungsreiche Bootssaison für uns alle sein wird.

Bis bald auf unserer Welle„.

Ihre VAGABOND Crew

2021 #27 Nachsaison

Auch wenn, wie so oft, das Wetter zu dieser Jahreszeit noch einladend ist,verlassen wir unseren (!) Vagabond („le bateau“ männlich in französisch und weniger pompös als „die ….Yacht) Ende September. Uns geht es nicht ums „Fahren“ (um jeden Preis), sondern ums „Erfahren“ (sprich Entdecken). Die Lust eine letzte Runde zu drehen, geht uns dieses Mal ab. Die Maas- und Meuselandschaft kennen wir inzwischen gut genug. Es ist Zeit für andere Reviere, zumal die letzten 2 Jahre Corona- und Wetter bedingt recht begrenzt ausfielen: 5x sind wir zwischen Namur und Maasbracht hin und hergefahren,…

Aber bevor wir das Boot jetzt verlassen, nutzen wir die letzten Tag zu ausgiebigen Spaziergängen in der näheren Umgebung unseres Hafens, im Gebiet der alten Maasarme um Stevensweert. Obwohl uns auch hier die Gegend inzwischen ziemlich bekannt ist, entdeckt man beim „Ergehen“ oft Neues.

Zuhause angekommen erwarten uns noch ein paar „Hausaufgaben“. Als wir uns am 14. Juli bei Hochwasser in den Hafen von Charleville-Mézières retteten, hatten wir vergessen, vor lauter Stress, die Fäkalienpumpe abzuschalten. Es war uns klar, dass wir wohl ein paar Tage festsitzen würden (es wurden dann 14 Tage…). Also leerten wir noch schnell (!) unseren Tank. Abpumpstationen haben hier noch mehr Seltenheitswert als sonstwo!

Wichtig war uns, das Boot an einen möglichst sicheren Platz zu bringen, was uns auch gelang. Der Preis war eine trocken gefahrene Fäkalienpumpe.

Es gibt einen „Ersatzteilpack“, den man bestellen kann. Der besteht aus den Lippenventilen und einer Membrane. 3 übliche Fehlerursachen hat man uns genannt:

  • Lippenventil(e)
  • Membrane
  • Zu und/oder Abflussschlauch verstopft

Recht schnell hatten wir die Lippenventile überprüft. Um sicher zu sein, dass der Ursprung der Panne die Membrane ist, muss man die Pumpe ausbauen und zerlegen. Aus Angst, nicht mehr in der Lage zu sein, vor Ort, die Pumpe wieder zusammenbauen zu können, haben wir uns entschlossen „auf Nummer sicher“ zu gehen. Wir bestellten somit eine neue Pumpe direkt beim Hersteller, die wir am Steg in Charleville-Mézières eingebaut haben.

Zuhause angekommen, war es jetzt an der Zeit der Ursache nachzugehen…. Also wurde die Pumpe in ihre Einzelteile zerlegt. Als erstes fiel auf, dass die Membrane zwar Gebrauchtspuren aufwies (seit 2014 im Einsatz), aber noch voll funktionstüchtig war. Nachdem alle Teile auf dem Tisch lagen, wurde schnell klar, dass das Getriebe „festgefahren“ war. In der Gebrauchsanweisung wird darauf hingewiesen, dass die Pumpe bis zu 20 Ltr. / Minute pumpt. Unser Fäkalientank fasst 220 Liter…. also im Extremfall 11 Minuten!!!

Anders gesagt, gehen wir davon aus, dass unsere Pumpe über eine Stunde „trocken“ gelaufen ist, sich also überhitzt haben muss. Es erscheint also schlüssig und verständlich, dass es zu diesem Ausfall kommen musste.

Der Austausch der gesamten Pumpe stellte sich als notwendig heraus. Der viel günstigere Ersatzteilsatz hätte wenig geholfen.

Zum Schluss noch eine erfreuliche(re) Nachricht. Seit wir unsere Webseite betreiben haben wir über 100 000 Zugriffe gezählt,…. wenn das keine Einladung zum Weitermachen ist?

2021 #26 Zurück nach Maasbracht

Die Rückreise über die Meuse und Maas nach Maasbracht wickeln wir zügig ab. 2020 und 2021 waren wir 5 x zwischen Namur und Maasbracht unterwegs. Somit gibt es nicht sehr viel „Neues“ zu berichten.

Kaimauer (Namur)

Bei wechselhaftem Wetter gehts, von Namur kommend, zunächst nach Huy zum Hafen von Wanze. Nur an der 1. Schleuse „Grands Malades“ haben wir eine längere Wartezeit. Der mit uns zu schleusende Frachter wird von der Wasserpolizei kontrolliert. Erwähnenswert ist , dass wir dieses Jahr in Belgien mehrmals Kontrollen der Wasserpolizei gesehen haben, die sowohl Jachten als auch Frachter betrafen. Auch unsere Dokumente und das Boot wurden im Juni in Namur überprüft. Die Wasserschutzpolizei kam dazu in den Hafen von Jambes.

Dann, am nächsten Tag, geht es direkt bis nach Maastricht. Von Huy bis Maastricht „an die Mauer“ brauchen wir für die rund 60km etwa 8h. Die Wartezeiten an den belgischen Schleusen sind sehr variabel, auch wegen der beeindruckenden Arbeiten. Wie z.B. an der Schleuse von Ivoz-Ramet; wo eine zweite grössere Kammer gebaut wird.

Dieses Mal haben wir dank des starken Frachtverkehrs recht viel Glück und kommen gut voran.

Mauer (Maastricht)

In der Regel halten wir in Lüttich. Doch ist der Hafen in Folge der Überschwemmungen immer noch nicht für Besucher geöffnet.

Als wir am Hafen vorbeifahren, sehen wir einen niederländischen Hebekran, der damit beschäftigt ist, die beiden nach dem Hochwasser gesunkenen Schiffe aus dem Wasser zu bergen (dazu gibt es einige beeindruckende Videos im Internet). Dieser Anblick ruft die Erinnerung an diese schrecklichen Tage wieder wach.

Bergungsarbeiten Yachthafen (Lüttich)

Tags darauf, nach einem kurzen Marktbesuch in Maastricht, starten wir „wie gewohnt“ über den Julianakanal nach Maasbracht.

Wir hätten auch den Zuid-Willemsvaart wählen können, da unser „Permis de navigation“ für Flandern noch bis Anfang September gültig ist. Aber es sollte diesmal schnell gehen. Braucht man doch eher 2 Tage über den kleinen und ruhigeren Kanal.

Die Saison 2021 ist noch nicht zu Ende. Jetzt machen wir mal eine kurze Pause.

Wer weiss, vielleicht bringt uns der September noch ein paar schöne Tage, die wir dann sicher nutzen werden. Wie ? Das wird sich dann in den nächsten Wochen zeigen.

Hafen Van der Laan (Maasbracht)
Maaslandschaft (Stevensweert)

2021 #25 Vorbei an Charleroi nach Namur

Wir haben schon viel gehört von diesem Teil der Sambre. Vor allem in Revin sind im Sommer oft Belgier aus Mons oder von der Sambre. Sie kennen diesen Weg genau. Wenn man dann nachfragt, lautet die kurze Antwort: „Fahrt schnell an Charleroi vorbei…“ Vor dieser Stadt wird immer wieder gewarnt, vergleichbar mit Creil an der l’Oise: „nur nicht halten…“.

Bei genauerer Betrachtung gilt zunächst Folgendes zu notieren:

  • die Strecke ist sehr kurvenreich und teilweise unübersichtlich
  • die Sambre ist eine wichtige Verbindung für den Frachtverkehr zwischen der Meuse/Maas und dem Nord-Westen Belgiens
  • zwischen Seneffe am Canal Charleroi-Bruxelles im Westen und Namur an der Meuse gibt es keinen Hafen und nur wenige Übernachtungsmöglichkeiten

Wir entscheiden uns, den Weg in einer Etappe zurückzulegen. Es gilt, 10 Schleusen in Talfahrt zu überwinden. 3 auf dem Kanal und 7 auf der Sambre.

Für die 48 km werden wir rund 11 Stunden brauchen.

Somit brechen wir schon früh, kurz nach 7h auf. Noch ist es ruhig auf dem Wasser.

Canal Charleroi-Bruxelles bei Seneffe

Gegen 11h erreichen wir die Sambre im Westen von Charleroi. Der Berufsverkehr hat stark zugenommen. Die Kohle -und Stahlindustrie wurde grösstenteils durch Chemie und Recycling Unternehmen ersetzt.

Schleuse Marcinelle

Grüne oder rote Pfeile weisen beim Zusammenfluss des Kanals und der Sambre auf Gegenverkehr hin. Hier gilt es aufzupassen! Es geht sehr eng zu.

Zusätzlich muss man berücksichtigen, dass zwischen den Schleusen Montignies s/ Sambre und Roselies Linksverkehr vorgeschrieben ist! An den Brücken und Schleusentoren wird darauf aufmerksam gemacht.

Schleuse Roselies

Ab der Schleuse Roselies öffnet sich das Tal etwas, auch wenn die Sambre kurvenreich bleibt. Jetzt wechselt die Industrielandschaft mit landschaftlich schönerem Umfeld ab.

Man kann abschliessend sagen, dass nur Charleroi eine Durststrecke ist, die allerdings nach knapp einer Stunde vergessen ist.

Wer den Weg in 2 Etappen zurücklegen will, dem bleiben insgesamt 4 Haltemöglichkeiten:

  • Halte bei Auvelais (hier sind wir nach ~ 6,5h)
  • Oberwasser der Schleuse Auvelais (hier sind wir nach ~ 7h)
  • Oberwasser der Schleuse Mornimont (hier sind wir nach ~8h30)
  • Halte bei Florifoux in der Nähe der Abtei von Floreffe (hier sind wir nach ~9h)

An den Schleusen liegt man wahrscheinlich am besten. Dort fahren die Frachter mit geringer Geschwindigkeit. Ausserdem ist dort der Landzugang sichergestellt.

Noch etwas kann auf der Sambre überraschen!!

Wie schon erwähnt ist die Sambre auf der gesamten Strecke nicht sehr breit. An einigen Stellen gibt es spezielle Umkehrbecken. Trotzdem fahren einige grosse 110m Frachter von Namur kommend die Sambre rückwärts zu Berg!!! Hier kann der UKW Kanal 10 und ein gutes Fernglas sich als sehr hilfsreich erweisen.

Rückwärts fahrender Frachter (kein Linksverkehr!)

Gegen 17h kommt die Abtei von Floreffe in Sicht. Wenn man Zeit hat, kann man hier am Steg einen Stopp machen und die Abtei besichtigen.

Wir fahren vorbei, weiter nach Namur, wo wir gegen 18h ermüdet aber zufrieden an der Kaimauer festmachen. Gerade rechtzeitig zum Feierabendbier!

2021 #24 Der Aufzug

Von Mons aus geht es weiter auf dem Canal du Centre.

Hier befinden sich einige bemerkenswerte Hebewerke: der Aufzug von Strepy-Thieu und die 4 historischen Aufzüge. Auf dem Weg nach Brüssel gibt es dann noch den Schrägaufzug von Ronquières.

Belgien hat vor rund 20 Jahren massiv in die Wasserstrassen-Infrastruktur investiert, um den armen Süd-Osten (Wallonien) an den reichen Norden-Westen (Flandern) und die Niederlande anzuschliessen.

Canal du Centre beim Hebewerg

Da wir Ende August in Maasbracht sein wollen, beschränken wir uns auf das moderne Hebewerk. Es überwindet über 70m in einem einzigen „Schleusengang“ und besitzt 2 Wannen.

Als wir ankommen, wartet schon ein kleinerer Frachter und eine englische „Peniche“. Wir sind auf Bergfahrt. Die Stadt Mons (die Berge) liegt in der Nähe ;-).

Aufzug von Strepy-Thieu im Unterwasser

Da wir über eine M.E.T. für Wallonien verfügen, gibt es für uns keine weiteren Formalitäten. Unser Vagabond „ist im System…“ wie uns der zuständige Operateur sagt. Wir folgen seinen Anweisungen und machen uns auf Steuerbordseite fest, „nicht zu fest…“, wie er uns lehrt, da beim Öffnen auf der Bergseite möglicherweise ein Wasserausgleich mit dem Kanalwasser stattfindet. Wir merken allerdings nichts davon, vielleicht weil das Oberwasser auf gleichem Niveau ist.

Anders als bei einer normalen Schleuse kommt es zu keinem grösseren Wasserausgleich: Entleeren oder Füllen. Somit läuft der Vorgang sehr ruhig und zügig ab. Nur der starke Wind stört an diesem grauen Tag etwas die Idylle.

System zum Ausgleichen der Kabelspannung

Wer Zeit hat und sich ein wenig für Technik interessiert, sollte auch das im Gebäude angelegte kleine Museum besuchen. Wer noch mehr Zeit hat, sollte die „Runde drehen“: Modernes Hebewerk + die historischen Werke.

1. Historischer Aufzug

Dies empfiehlt sich besonders, bei einer Reise von Charleroi über einen kleinen Umweg zum Canal du Centre nach Brüssel. Man beginnt auf Talfahrt mit den 4 historischen Hebewerken und fährt anschliessend zu Berg Richtung Charleroi-Brüssel-Kanal.

Nachdem wir das Hebewerk unter Staunen verlassen haben, fahren wir weiter in Richtung Osten zu unserem Etappenziel, dem Hafen von Seneffe. Er liegt in einer ruhigen Umgebung und ist gut ausgestattet. Leider ist die Zahl der Besucherplätze sehr beschränkt. Da es die einzige ruhige Übernachtungsmöglichkeit zwischen Charleroi und Namur ist, sind die Plätze hier gefragt. Dazu aber im nächsten Beitrag mehr.

Hafen von Seneffe

2021 # 23 Von Gent nach Mons

Wir verlassen Gent schon recht früh. Es wird unsere erste Fahrt auf der Bovenschelde. Unser Freund Guy hat uns ein paar Tipps für die Fahrt gegeben.

Die Anlegemöglichkeiten sind hier begrenzt. Guy’s Rat im schönen Städtchen Oudenaarde zu übernachten, geht leider nicht in Erfüllung. Die Zufahrt zum Passantenhafen ist gesperrt. Die Ampel steht auf ROT. Ein Anruf an der nahen Schleuse ergibt nichts. Später erfahren wir, dass man beim „Havenmeister“ anrufen muss, damit die Einfahrt freigeschaltet wird.

Wir fahren also weiter bis Kerkhove. Dort finden wir nach 5 Stunden Fahrt im Dock eines kleinen Clubhafens unseren Liegeplatz. Bei unserer Ankunft ist die Einfahrt zum Besuchersteg durch 2 Berufsschiffer im „Doppelpack“ stark verengt. Für unseren Vagabond kein Problem, aber für das uns folgende Schiff mit 4,5m Breite wird es sportlich!! Der Passantensteg liegt hinter einer Mühle mit Ladekai!

Hafen Kloron (Kerkhove)

Am nächsten Morgen geht es weiter auf der Bovenschelde bis zur Einmündung des Kanals Nimy – Blaton -Peronnes. Die Fahrt auf der kanalisierten Schelde erweist sich als sehr angenehm. Es ist ein ruhiger Fluss mit einer Strömung von knapp 1 km/h und mit eher geringem Berufsverkehr. Nach Süden kommend wechselt die Umgebung ihr Bild: Die Landwirtschaft wird von Industrie abgelöst.

Die enge Durchfahrt von Tournai ist Ampel gesteuert. Es herrscht also Einbahnverkehr.

Zur Zeit wird die gesamte Durchfahrt dem wachsenden Verkehr der 110 m Frachter angepasst. Beeindruckend sind die Arbeiten am „Pont des Trous„.

Die Fahrt führt uns weiter, vorbei am Passantenhafen, dessen Steg durch eine Mauer etwas vor Schwell geschützt ist.

Passantenhafen (Tournai)

Ob dies wirkungsvoll ist, können wir nicht sagen, da wir nach Antoing weiterfahren. Dort nützen wir die Gelegenheit, um bei „Neptunia“ Diesel zu bunkern (ein weiterer Guy Tipp, ;-)).

Unser Verbrauch ist erwartungsgemäss etwas höher als üblich. Unsere gewöhnliche Reisegeschwindigkeit (Wasser) beträgt 9 km/h, was 1600 U/m für den Motor bedeutet. Seit dem Beginn unserer 2. Kertwende in Namur, nachdem wir der Sambre den Rücken gekehrt haben, fahren wir mit 10km/h oder 1800 U/m. Der Verbrauch erhöht sich um etwa 0,5l/h. 1800 U/m entspricht übrigens dem besten Drehmoment des Motors. Hört man genau hin, so stellt man fest, dass der Motor dann besonders vibrationsarm und ruhig läuft. Es sei noch erwähnt, dass eine Steigerung der Geschwindigkeit auf 12 km/h den Verbrauch verdoppelt!

Es sind nur wenige Kilometer von Antoing bis zum Kanal Nimy – Blaton – Peronnes. Wir verlassen die „Haute Escaut“ nach 6h30. So heisst die Bovenschelde übrigens hier in Wallonie und in Frankreich.

Schleuse Peronnes 2 zu Tal (Kanal Nimy – Blaton – Peronnes)

Die 2. Schleuse ist recht hoch mit 12m, verfügt allerdings über Schwimmpoller. Beim Hochfahren, nach etwa 6m, wird es recht ungemütlich, da der Schleusenvorgang nun beschleunigt wird. Es kommt zu Wirbelströmungen. Vorsicht ist geboten!

Gegen 15h30 verlassen wir die Schleuse und fahren zum Hafen „Avanti“ in Peruwelz. Der Hafen von Peronnes ist zur Zeit wegen Arbeiten für Besucher gesperrt.

Schleuse Peronnes 2

Hafen Avanti (Peruwelz)

Der Kanal ist streckenweise mit Wasserlinsen übersät, deshalb überprüfen jetzt alle 10 Minuten die Motorkühlung.

So interessant ein Besuch des historischen Stadtkerns von Mons sein kann, so enttäuschend ist der Passantenhafen. Dies ist nicht unbedingt ein Vorzeigeobjekt für les „Voies hydroliques de Wallonie„.

Am Wochenende geht es hier recht laut zu. Die Autobahn ist nicht weit weg, Jetskis drehen ihre Runden, laute Musik ist zu hören bis spät in die Nacht.

Der Clubhafen verfügt über Schwimmstege, der Zugang ist aber nur für Clubmitglieder möglich. Empfehlenswert ist allerdings das Restaurant. Die Seescholle und der Rinderspiess sind köstlich.

Im Passantenhafen ist zwar noch ein Platz frei, aber das Echolot zeigt noch gerade 20 cm an. So legen wir direkt am Restaurant an. Hier sind es wenigstens 60cm. Allerdings ist der Stromanschluss defekt. So wie wir hören schon länger!

Als wir erfahren, dass die nächste Schleuse zur Zeit ausser Betrieb ist und mindestens vor Montagnachmittag nicht bedient wird, legen wir uns am nächsten Morgen in den Passantenhafen um, wo inzwischen ein Platz freigeworden ist.

Passantenhafen (Mons)

2021 #22 Die Rückreise beginnt

Wir verlassen Brügge zunächst in Richtung Gent am 17. August. Bevor wir die Rückreise nach Maasbracht antreten, bleiben wir noch 2 Nächte im Passantenhafen Lindelei. Wir haben uns vorgenommen Anfang September in unserem Winterhafen einzutreffen.

Lindelei (Gent / Gand / Ghent)

Das Wetter ist weiterhin „herbstlich“. Wir nutzen die Zeit zu 2 Museumsbesuchen. Wie auch in den Niederlanden machen wir in Belgien ausgiebig von der „Museumskarte“ Gebrauch.

In Gent besuchen wir das Museum Dr. Guislain (Museum über Psychiatrie) und das schöne Musée des beaux-arts genannt „MSK“.

Im MSK waren wir schon bei unserem ersten Besuch in Gent. Das Museum Dr. Guislain bemüht sich, ausser dem medizinischen Bereich, auch die Nähe zur Kunst hervorzuheben. Das bekannteste Bespiel hierzu ist wohl Van Gogh (hier nicht ausgestellt).

Bevor wir weiterfahren, gilt es zunächst, sich über den Rückweg Gedanken zu machen.

Wir haben die Wahl zwischen 4 Möglichkeiten, sogar 5, allerdings schliessen wir die Reise über die Wester – und Osterschelde aus.

  • Zeeschelde > Antwerpen > Albertkanal…oder
  • Bovenschelde > Kanal Nimy – Blaon -Peronnes >
    – Dendre > Zeeschelde … oder
    – Kanal Charleroi – Brussel > Zeeschelde oder
    Canal du Centre > Sambre > Meuse >
    – Julianakanal oder
    Zuid-Willemvaart (vorausgesetzt wir kommen dort vor dem 2. September an = Ende der Gültigkeit unseres „Permis de navigation“ für Flandern!)

Wir entscheiden uns für die „Südstrecke“, für uns Neuland! Der Rückweg über die Zeeschelde wäre eine schnellere Lösung, hat aber den Nachteil, dass wir wegen der Tiede bis mindestens Sonntag den 22. in Gent „warten“ müssten, um die Strömung des fallenden Wassers ausnutzen zu können.

Die Strecke über die Dendre fällt aus Zeitgründen aus. Die Variante „Brüssel“ hat zwar ihr Interesse, würde uns aber wieder zur Rupel zurückführen.

Auch wenn wir den Weg über die Meuse/Maas schon oft befahren haben, bietet sie landschaftlich am meisten! Es bleibt die „Durststrecke“ Charleroi > Namur. Doch zuvor reuen wir uns darauf den Canal du Centre zu entdecken, der technisch viel Interessantes bietet.

Aber zunächst geht es in Richtung Tournai, Mons….

2021 # 21 Eindrücke aus Brugge – Bruges – Brügge

Über den Weg von Gent nach Brügge gibt es nicht viel zu sagen. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass auf dem stellenweise recht schmalen Kanal grössere Frachter (bis 86m x 9,50m) verkehren!

Wir wählen den Clubhafen Flandria, unweit der Bahnstation, am nahen Stadtrand. Die Fahrt dauert 5 Stunden. Die Stadt bietet auch einen Passantenhafen auf dem Stadtkanal „Coupure“. Wir bleiben fünf Tage in der Stadt und machen einen Ausflug nach Zeebrugge.

Die Stadt ist heute Touristenmagnet und profitiert von seinem Reichtum aus dem Mittelalter. Brügge war ein wichtiges Handelszentrum. Viele Häuser und Gebäude in der Stadt zeugen von dieser goldenen Zeit.

Brugge ist ein Ort, wo man die belgische „Museumskarte“ voll ausnutzen kann. Die Stadt ist sehr fahrradgerecht. Was auffällt, trotz der enormen Anzahl der Touristen, ist die Sauberkeit der Stadt.