2025 # 18 Von Antwerpen nach Middelburg

Wer von Antwerpen aus nach Middelburg fahren will, dem stehen zwei Wege zur Verfรผgung:

  • Der direkte Weg รผber die Schelde und Westerschelde
  • Die Alternative รผber Rijn-Schelde-Kanal, Oosterschelde und das Veersemeer.

Wie man auf dem Schema sehen kann, entscheiden wir uns fรผr die lรคngere Strecke. Vor allem das schlechte Wetter (Regen, Wind, geringere Fernsicht) der nรคchsten Tage beeinflusst unsere Wahl.

Wir verlassen im Konvoi das Willemdok gegen 8h30 zur ร–ffnungszeit der Londonburg. Die Freigabe zur Ausfahrt aus dem Asiadok erhalten wir rund eine Stunde spรคter via VHF 5 (siehe Beitrag #17).

Dann geht es zรผgig durch die drei Sektoren des Hafens. Mehrmals werden wir รผber Funk auf mรถgliche Gefahren fahrender oder kreuzender Schiffe und Frachter hingewiesen. Um 11h15 melden wir uns am der Nordlandbrug ab, jetzt geht es weiter zur Kreekraksluis und anschliessend zum Hafen in Tholen, den wir gehen 14h erreichen. Wir kennen das ehemalige Festungsstรคdtchen Tholen und den Hafen schon von frรผheren Reisen. Der ursprรผngliche strategische Charakter fรผr Bootsfahrer ist geblieben, denn der Hafen ist ein guter Ausgangspunkt zur Oosterschelde und eine Etappe zwischen dem Hollandsche Diep und Antwerpen.

Das alte Hafenbecken ist zurzeit fรผr lange Boote (รผber 16m) reserviert, somit bekommen wir eine Box zugewiesen.

Wegen des weiterhin schlechten Wetters, empfiehlt uns die hilfreiche Hafenmeisterin, auf bessere Fahrbedingungen auf der Oosterschelde zu warten. Damit meint sie vor allem Tide, Strรถmung und Wind. Denn regnen wird es noch ein paar weitere Tage.

Wir nutzen die Zeit zu einer Fahrt mit dem Bus nach Bergen op Zoom.

In der Innenstadt herrscht ein lebhaftes Treiben, es ist Markttag. Wir suchen die Ruhe im Markiezenhof, dessen Besuch sich lohnt.

Zwei Tage spรคter nutzen wir das fallende Wasser (3 h vor Niedrigwasser) bei mรคssigem Querwind von Norden, um nach Westen aufzubrechen. Zunรคchst geht es zur Bergsediepsluis, wo wie nach 30 Minuten ankommen. Die Schleuse misst 34m. Der Schleusenwรคrter weist uns an bis zum vorderen Tor vorzufahren, damit noch zwei weitere Motoryachten mitgeschleust werden kรถnnen. Nach einigem Gerangel entscheidet das letzte Boot sich zurรผckzuziehen.

Wie erwartet, weht eine leichte Brise aus Nord-Westen auf der Oosterschelde , die kleine Querwellen erzeugt. Diese bringen uns leicht zum Schaukeln. Die Tidestrรถmung des fallenden Wassers geben uns noch zusรคtzlich 2km/h Schwung. Auf halber Strecke entscheiden wir nicht nach Yerseke, sondern direkt nach Wemeldinge zu fahren. Die Distanz der mehr im Westen liegenden Stadt ist zwar grรถsser, aber wegen der betonnten Fahrrinde, ist der Weg kรผrzer. Ausserdem erwartet uns im UPS-Servicepunkt am Hafen von Wemeldinge ein wichtiges Pรคckchen ;-).

Wir bekommen im Binnenhafen eine Box zugewiesen. Mit unserem Motorboot kommt man sich hier fast wie ein Exote vor ;-). Die Oosterschelde ist vor allem ein Segelrevier, in dem viele belgische Wasserfreunde unterwegs sind und ihren festen Liegeplatz haben.

In Wemeldinge gibt es ausser dem Hafen nicht viel zu sehen. Der Hafen besitzt zwei Becken. Wir liegen im ruhigen „Binnenhafen“ hinter der alten Schleuse, die offen steht.

Mit dem Bus unternehmen wir eine Tagesfahrt nach Yerseke. Die Bushaltestelle liegt ganz in der Nรคhe des Hafens.

Yerseke zieht viele Touristen wegen der Muscheln- und Austern-Zucht an. Im Restaurant hat man dann die Wahl zwischen niederlรคndischen, irischen und franzรถsischen Austern aus Olรฉron. Natรผrlich probieren wir die „Lokalen“.

Auch hier gilt das Gleiche wie fรผr Wemeldinge, sieht man mal vom Hafenbereich und den nahegelegenen Austernzuchtbecken ab, bietet der Ort nicht sehr viel.

In Goes hoffen wir nun das zu finden, was wir an den Niederlanden besonders mรถgen, die kleinen, gemรผtlichen, gepflegten Stรคdtchen.

Fรผr die nur 10km von Wimeldinge bis Goes brauchen wir 2 Stunden.

Nach einer kurzen Wartezeit an der Schleuse Goes Sas fรผhrt uns der Weg weiter direkt zur Stadt. Allerdings liegen noch 3 Brรผcken auf, oder besser, im Weg! Zwei der Brรผcken werden einmal pro Stunde gehoben.

An der Ringbrug mรผssen wir die ร–ffnung um 11h abwarten. Einige Boote nutzen die Wartezeit zum Einkauf im nahegelegen Supermarkt Albert Hijn.

Dann geht es im Wechselbetrieb im Konvoi zum Hafen. Vorfahrt haben die rausfahrenden Schiffe. Je nach Tageszeit kรถnnen es eine ganze Menge sein.

Das kleine Hafenbecken liegt mitten in der netten lebhaften Stadt, ganz in der Nรคhe des Marktplatzes. Abends ist er wahrlich „vollgepackt“. Dreierpacks sind am Lรคngssteg die Regel.

Wir haben Glรผck, wir liegen am Lรคngssteg an einer Engstelle. Selbst fรผr Doppelpack reicht hier der Platz nicht. Da es uns gut gefรคllt, bleiben wir ein paar Tage in Goes und nutzen die Zeit zum Besuch des Stadtmuseums und einer Fahrt mit dem Zug nach Middelburg.

Unser nรคchstes Ziel ist das Veersemeer. Um 8h45 legen wir los, wie auch beim Ankommen in Goes geht es jetzt im Konvoi aus dem Hafen. Wir bemรผhen uns nicht sonderlich zu den ersten zu zรคhlen, die den Hafen verlassen. Die Ringbrug wird um Punkt 9h gehoben. Wie sich an der Schleuse Goes Sas spรคter zeigt, wรคre es besser gewesen zu den ersten Booten zu gehรถren, sofern man es eilig hat. Als wir dort ankommen, ist die Schleuse schon voll belegt und wir mรผssen einen weiteren Schleusenzyklus abwarten, bevor uns der Weg รผber die Oosterschelde westwรคrts zur Zandkreeksluis fรผhrt. Diese erreichen wir gegen halb zwรถlf.

Auf dem Veersemeer sind wir nicht alleine.

Eine halbe Stunde spรคter machen wir in der Box „Delta 14“ im sehr gut ausgestatteten Hafen WSV Wolphaartsdijk fest. Zum Festmachen am Steg dienen hier Ringe,… Beim Rรผckwรคrts-Einfahren ist das vor allem bei Wind eine Herausforderung. Einerseits will man langsam und vorsichtig in die Box reinfahren, anderseits muss man an die Ringe auf dem Steg kommen,… Der Wind erschwert die Aufgabe. Ein netter Segler am Steg eilt zur Hilfe. Jetzt geht alles ganz schnell. Das ist auch gut so, denn der Wind legt krรคftig zu.

Ein Hafen in der Natur ist zur Abwechslung auch ganz nett. Alles wesentliche zum Bootsfahren findet man hier, nicht zuletzt eine Waschmaschine ๐Ÿ˜‰

Nachdem sich das Wetter verbessert hat, fรผhrt uns der Weg weiter zur Stadt Veere, die im Westen des Veersemeers und am Kanaal door Walcheren nach Middelburg und Vlissingen gelegen ist.

Wir erreichen den kleinen engen Stadthafen gegen 11h. Als wir einfahren wird gerade ein passgenauer Platz am Steg frei. Um uns herum liegen die Yachten schon im Doppelpack. Der Hafenmeister empfiehlt, rรผckwรคrts ins Hafenbecken zu fahren. Zum Ende hin , gibt es kaum Mรถglichkeiten zu wenden.

Wir entscheiden uns sofort, mehrere Tage hier zu verweilen. Allein der Hafen lรคdt schon dazu ein. Zum Buchen des Platzes (inklusiv Strom und Wasser) dient die App i-Marine. Man kann allerdings auch direkt beim Hafenmeister buchen. Im Preis sind Wasser und Strom enthalten.

Als wir nach dem ersten Rundgang durch den Ort wieder im Hafen ankommen, sehen wir, dass wir inzwischen im Dreifach-Pack liegen. Das gehรถrt hier wohl dazu, zumindest in der Hochsaison.

Grundsรคtzlich muss man sagen, dass wir bisher auf der ganzen Reise รผber die Oosterschelde immer einen Liegeplatz gefunden haben. Natรผrlich ist es empfehlenswert, sich vorher beim jeweilen Hafenmeister frรผhzeitig anzukรผndigen, auch wenn Reservieren oft nicht immer mรถglich ist und es keine Platzgarantie gibt.

Ausser dem sehr gefragten Hafen, hat die kleine Stadt und ihre Umgebung noch einiges zu bieten. Sie lรคdt zum Bummeln und ausgedehnten Spaziergรคngen und Radtouren ein.

So nutzen wir die Zeit auch zu einer Tour zum 9km langen Oosterschelde Sperrwerk, welches vor Sturmfluten schรผtzen soll. Die Wehre werden nur bei Sturmflutgefahr geschlossen. Somit herrscht auf der Oosterschelde weiterhin Ebbe und Flut. Ursprรผnglich sollte auch die Oosterschelde eingedeicht werden. Das hรคtte aber das gesamte ร–kosystem massiv beeinflusst.

Nach drei Tagen verlassen wir Veere und brechen nach Middelburg auf.

Zum Hafen gehรถren mehrere Becken, die รผber Brรผcken zu bestimmten Zeiten zugรคnglich sind. Wir finden Platz am Steg am Hafeneingang vor den Brรผcken und ganz in der Nรคhe des Bootsausstatters, wo wir auch tanken. Hier liegen wir ruhig und sind nicht auf die Hebezeiten der Brรผcken angewiesen.

Wir nutzen unseren dortigen Aufenthalt zu einem Abstecher mit den Rรคdern nach Vlissingen. So sehen wir die Westerschelde , und in gewisser Weise auch den Ausgangspunkt, wo unsere Reise zum Veersemeer hรคtte beginnen kรถnnen.

Besonders gefallen hat uns das MuZEEum. Sehr empfehlenswert, wenn man sich fรผr die marine Geschichte Zeelands nรคher interessiert.

Natรผrlich lohnt auch ein Spaziergang an der „Wasserfront“. Dort kann man das stรคndige Kommen und Gehen der Fรคhren, Lotsenboote und Frachter bestaunen.

Jetzt heisst es umkehren und die Rรผckreise nordwรคrts anzutreten.


ZUSAMMENFASSUNG (28 – 33) :

  • 28 Antwerpen > Tholen : 38km, 1 Schleuse, mehrere Brรผcken, 5,8Mh
  • Tholen > Wemeldinge : 16km, 1 Schleuse, 2,4Mh
  • Wimeldinge > Goes : 14km, 1 Schleuse, 3 Brรผcken, 1,9h
  • Goes > Wolphaartsdijk : 15km, 2 Schleusen, 3 Brรผcken, 2,6Mh
  • Wolphaartsdijk > Veere : 14km, 1,6Mh
  • Veerse > Middelburg : 6km, 1,3Mh

2025 #17 zum Willemdok

Viele Wege fรผhren nach Rom„. Diese Weisheit gilt auch in gewisser Weise fรผr die Fahrt zum Hafen Willemdok in Antwerpen. In letzter Zeit konnte man viel Falsches im Internet รผber die Zufahrt zum Hafen lesen.

Wie es zurzeit damit bestellt ist, wollen wir uns jetzt mal genauer ansehen.

Zur Veranschaulichung unterscheiden wir zwei Niveaus:

  • Die Anreise nach Antwerpen
  • Der Zugang zum Hafen

Die Anreise

Grundsรคtzlich fรผhren 3 Wasserwege nach Antwerpen.

  1. Die Schelde
    – Westen: flussaufwรคrts von der Westerschelde kommend
    – Sรผden: flussabwรคrts von Gent kommend
  2. Der Rijn-Schelde Kanal von Norden kommend (Volkerak)
  3. Der Albert-Kanal von Osten kommend (Maas)


Vor der Fahrt ist es sinnvoll, sich รผber die aktuellen Verkehrsbedingungen zu informieren :


Schematische Darstellung: Zufahrt zum Hafen Willemdok

Die Schelde (I)
– flussabwรคrts von Gent kommend

รœblich ist der Weg zum Hafen von der Schelde kommend durch die tiedenabhรคngige Katteldijkschleuse (1). Diese ist aber bis auf Weiteres wegen Renovierungsarbeiten gesperrt. Wenn sie funktionstรผchtig ist, wird sie nur zu bestimmten Zeiten bedient. https://www.jachthavenantwerpen.be/kattendijksluis/. Es empfiehlt sich immer einen Tag vor der Fahrt dort anzurufen.

– flussaufwรคrts von der Westerschelde kommend (3). In diesem Falle fรผhrt der Weg รผber die Boudewijnssluis und anschliessend zunรคchst durch den Hafen von Antwerpen (siehe Beschreibung via Rijn-Schelde-Kanal (II).

Der Rijn-Schelde-Kanal (II)

Die Durchfahrt durch den Hafen ist reglementiert [egal ob man von der Schelde (I), dem Rijn-Schelde-Kanal (II) oder Albert-Kanal (III) kommt].

Wenn man sich an diese Regeln hรคlt und aufmerksam ist, dรผrfte die Fahrt kein Hindernis sein, vorausgesetzt das Boot besitzt eine FD-Nummer und ist mit AIS ausgestattet. Die FD-Nummer kann vom Hafen Willemdok ausgestellt werden.

Sektor Donk

An der Noordland Brรผcke meldet man sich auf VHF 2 fรผr den Sektor Polder an:

  • Schiffname
  • Schifftyp
  • FD-Nummer
  • Anzahl der Personen an Bord
  • Ziel

Den Sektor Polder verlรคsst man wieder an der Lillo Brรผcke. Dort meldet man sich รผber VHF 2 von Polder ab und meldet sich anschliessend auf VHF 22 fรผr den Sektor Donk an.

Vom Sektor Donk verabschiedet man sich auf VHF 22 bei der Vorbeifahrt der Ladekais 240 (Backbord) – 415 (Steuerbord). Fรผr Weel meldet man sich auf VHF 62 an. Man verlรคsst den Sektor nach dem Ameriakdok, der zum Albert-Kanal fรผhrt.

Der Albert-Kanal (III)

Hier gelten Fahrbeschrรคnkungen bis voraussichtlich 2030 wegen eines Tunnelbaus unter der Schelde. Die Fahrrinne des Kanals im Hafenbereich ist in der Breite stark eingeschrรคnkt. Deshalb wurde ein Einbahnverkehr im Wechselbetrieb West-Ost eingerichtet. Diese Beschrรคnkungen haben auch dazu gefรผhrt, dass die Zufahrt zum Yachthafen verlegt wurde (Siehe Zugang). Wenn man sich dem Baustellenbereich nรคhert (ob von Westen oder Osten) muss man sich รผber VHF 5 (Passage-Plannung) anmelden und die รผblichen Informationen angeben. Die Fahrtrichtung รคndert sich alle 3/4h. Man fรคhrt dann im Konvoi. Mit Wartezeiten muss gerechnet werden.

Der Zugang

Zurzeit steht nur der Zugang (2′) (via Asiadok) zur Verfรผgung.

  • Der Zugang von der Schelde (1) kommend (via Katteldijksluis) ist gesperrt wegen Bauarbeiten
  • Der Zugang (2) รผber die Siberiabrug ist gesperrt wegen des Tunnelbaus im Albertkanal. Deshalb wurde der Zugang nach Asiadok รผber die Luikbrug (2′)verlegt.

Die Luikbrug steht wegen der Bauarbeiten offen. Wann man vom Albertkanal einfahren (oder vom Asiadok ausfahren) darf, wird vom Passage-Planner bestimmt. Lรคngere Wartezeiten sind einzuplanen. Man sollte sich auf jeden Fall frรผhzeitig รผber die Verkehrssituation informieren!

Vom Asiadok geht es dann zum Houtdok. Die Asiaburg steht offen. Das Houtdok verlรคsst man รผber die Mexicobrug (VHF 69). Geรถffnet wird die Brรผcke, wenn es der Strassenverkehr erlaubt. In Stosszeiten kann es zu Wartezeiten kommen.

Von dort gelangt man ins Katteldijkdok (welches, falls keine Sperrungen vorlรคgen wรผrden auch รผber (1) und (2) zu erreichen wรคren).

Ausfahrt aus Willemdok – Londonbrug

Zum Hafen steht nur noch die Londonbrug (VHF 69) im Weg. Die Brรผcke wird je nach Tageszeit alle 1h30′ bis 3h gehoben.

Wenn die Brรผcke gehoben wird, kommt der Hafenmeister mit einem kleinen Schlauchboot zu jedem wartenden Boot zur Einweisung.

Der Weg aus dem Hafen gelingt auf die gleiche Weise.

2018 #24 Im und um dem Hafen Willemdok

Napoleon haben wir das Willemdok zu verdanken. Um dort hin zu kommen, ist nicht sehr einfach. 4 Mรถglichkeiten stehen einem zur Verfรผgung. Alle sind recht anspruchsvoll und haben ihre Schwierigkeiten:

  1. Die Schelde, vom Meer kommend im Westen
  2. Die Rhein-Schelde Verbindung, die den Hafen mit Rotterdam verbindet im Norden
  3. Den Albertkanal, von der Maas kommend im Osten
  4. Die Boven-Schelde vom Sรผden kommend

Aber es lohnt sich, die Mรผhe zu machen. Man entdeckt eine weltoffene moderne Stadt im Wandel.

Seitdem hier der Yachthafen im Willemdok entstanden ist, hat sich dieses Stadtviertel stark zu seinem Vorteil verรคndert. Der ursprรผngliche Hafen wurde irgendwann zu klein. Heute liegt der Handelshafen nรถrdlicher, auรŸerhalb der Stadt. Dann war dieses Viertel lange Zeit sich selbst รผberlassen.

Heute findet man hier luxuriรถse Wohnungen, um das Hafenbecken haben sich viele Restaurants angesiedelt und nicht zuletzt ist das Museum aan de Stroom „MAS“ ein Anziehungspunkt geworden. Das kleine Restaurant „Sil’eau“ am Napoleonkai gefรคllt uns besonders gut zum „lunchen“.

Der Hafen ist sehr gut gefรผhrt, gut gesichert und bietet alle Serviceleistungen inklusive Kraftstoff. Selbst der Preis hรคlt sich Grenzen,… vor allem wenn man ihn mit Arsenal in Paris vergleicht. Erstaunlich ist รผbrigens auch die Ruhe, nicht nur im Vergleich mit Paris.

 

2018 #23 Auf der Schelde nach Antwerpen

Die Schelde ist ein GezeitenfluรŸ. Die Tiede bei Antwerpen betrรคgt etwa 6m. Von Gent nach Antwerpen sind es rund 80km. Auf den ersten 30 km gibt es keine Anlegemรถglichkeiten. Hier ist die Schelde noch recht schmal und sehr kurvenreich. Die Innenkurven sind meist versandet und man muรŸ mit Berufsverkehr rechnen, so steht es in den Navigationsfรผhrern.

Aber zunรคchst heiรŸt es mal die Reise vorbereiten. Seit unserem Saisonstart Anfang Mai lief unser Motor gute 300h. VOLVO-PENTA empfiehlt den Impeller alle 200h oder einmal pro Jahr, am Anfang der Saison, zu wechseln. Es ist also an der Zeit den den Impeller zu ersetzen, was wir noch im Hafen von Gent tun. Nach 30 Minuten lรคuft die Machine wieder in gewohnter Art.
Jetzt heiรŸt es zunรคchst einmal die Gezeitentabelle zu studieren, um den optimalen Abfahrtszeitpunkt zu wรคhlen.

Gezeiten

Unsere รผbliche Reisegeschwindigkeit liegt bei 9-10km/h oder bei 1600 – 1800 Motorumdrehungen/min. Ohne Gezeiten mรผssen wir also mit einer Fahrzeit von 8 Stunden rechnen, vorausgesetzt man will den Weg auf einmal hinter sich bringen.
Aus der Gezeitentabelle erfahren wir, daรŸ an unserem geplanten Reisetag um 6h33 Hochwasser in Antwerpen ist. 3h30 braucht es bis zur Gezeitenschleuse in Gent. Dann ist dort der Hochwasserpegel bei 4,83m. Wenn wir also von der zurรผcklaufenden Flut voll profitieren wollen, mรผssen wir gegen 10h00 losfahren (allerdings dauert es etwa 1 Stunde bis die Strรถmung beim Rรผckfluss spรผrbar wird. Um 13h30 ist wieder Niedrigwasser in Antwerpen und die nรคchste Flute beginnt schon. Anders ausgedrรผckt, um ausschlieรŸlich von der Flut profitieren zu kรถnnen, mรผsste man in Antwerpen vor 13h30 ankommen, also nach 3 ein halb Fahrstunden mit mehr als 22km/h Geschwindigkeit,… was in unserem Fall nicht realistisch erscheint. So muรŸ man sich darauf einstellen, jeweils einen Teil der Strecke mit und gegen die Strรถmung zu fahren…
Der Hafenmeister weist uns darauf hin, dass wir mit einer maximalen Strรถmungsgeschwindigkeit von 5 – 6km/h rechnen kรถnnen oder auch mรผssen. Er empfiehlt uns, um 8h vom Hafen loszufahren. So kommen wir gegen 9h an der Gezeitenschleuse Merelbeke an. Die Anzeige an der Schleuse zeigt an, dass das Wasser noch am Steigen ist, was durch einen grรผnen nach oben zeigenden Pfeil angezeigt wird. Der Pegelstand wird mit 3,83m angegeben. ErwartungsgemรครŸ ist es noch eine Stunde bis zum maximalen Pegel.
Um kurz nach 9 fahren wir gemeinsam mit einer anderen Yacht aus der Schleuse aus und bekommen recht schnell, eine Gegenstrรถmung von 4 – 5 km/h zu spรผren. Nach einer Stunde Fahrt bei effektiven 5 – 6 km/h haben wir den Scheitelpunkt รผberschritten. Zunรคchst stabilisiert sich die Geschwindigkeit bei etwa 10 km/h. So fahren wir fast strรถmungsfrei eine Stunde, bis dann schrittweise die Strรถmung immer deutlicher wird und sich bei 4 – 5 km/h einpendelt, so dass wirย  gute 3 Stunden bei 14 – 15km/h in Richtung Antwerpen fahren.
Die Strรถmung bekommt man leider auch auf eine zweite Art deutlich zu spรผren. Mit der Hochwasserwelle schwimmen unsย  sehr viel Holz, Abfall und sonstige Gegenstรคndeย  entgegen. Auf den ersten 20km gleicht unsere Fahrt eher einem Slalom. Obwohl wir sehr aufpassen, kรถnnen wir nicht immer ausweichen. Irgendwann kracht es dann auch krรคftig. Was wir da berรผhrt haben, bleibt allerdings unklar. Wir sind wohl mit ein paar Kratzern davon gekommen.

2018-358

Gegen 14h30, nach etwa 50km beginnt sich unsere Fahrt wieder zu verlangsamen. Der Pegel hat sich auch schon deutlich verringert.

 

30 Minuten spรคter bekommen wir wieder die volle Gegenstrรถmung zu spรผren. Es sind jetzt noch 15km bis zum Hafen. Inzwischen wird auch der Frachtverkehr dichter.

 

Gegen 16h30 erreichen wir die Kattendijkbrug mit Schleuse, vor derย  schon 2 andere Boote auf der Schelde kreuzen. Direkt davorย  gibt es absolut keine Festmachmรถglichkeiten. รœber Funk wird uns eine Wartezeit von 30 – 40 angegeben. Es bleibt uns nichts anderes รผbrig als Warteschleifen zu fahren, wobei man nah an der Schleuse bleiben sollte. Leider ist man gleichzeitigย  dem starken Berufsverkehr ausgeliefert. Um in die Schleuse einfahren zu kรถnnen, muรŸ zunรคchst eine bewegliche Brรผcke einer recht stark befahrenen StraรŸe bedient werden. รœber Funk werden wir aufgefordert, so schnell wie mรถglich einzufahren, aber 2 sich kreuzende Frachtkรคhne hindern uns am schnellen Einfahren. Als wir endlich wieder am Schleusenkanal ankommen, schaltet die Ampel schon wieder auf Rot. รœber Funk bitten wir noch einfahren zu dรผrfen, was uns mit der Aufforderung „Vite, Vite VAGABOND“ erlaubt wird.

Nach dem Schleusen erfahren wir, daรŸ die „Londenbrug“ (das letzte „Hindernis“ vor dem Hafen) gegen 18h15 bedient wird. Der Schleusenwรคrter empfiehlt uns die Wartezeit in der Schleuse zu รผberbrรผcken. Gegen 18h10 kommt Bewegung auf und wir hรถren die Klingel der Brรผcke, die den Hebeprozess ankรผndigt. Mit uns wollen noch 8 – 10 Boote einen Platz im Hafen.

 

Als wir um 18h30 endlich den Motor nach fast 11 Stunden abstellen, ist uns noch nicht bewuรŸt, daรŸ uns der Hafenmeister einen der schรถnsten Liegeplรคtze im Hafen zugewiesen hat.

Geschafft!!! รงa y est!!