2019 hatten wir die Randmeren zum ersten Mal besucht. Die Landschaft und die ehemaligen Fischerdรถrfer und Stรคdte gefielen uns sehr gut und sind uns in guter Erinnerung geblieben.

Beim Besuch in einer Botter-Werft verweilen wir vor einer alten Karte. Sie zeigt die Situation vor dem Deichabschluss (1932). Man kann sich heute nur schwer vorstellen, dass Urk eine Insel war und die Fischerorte an den Randmeren am offenen Meer lagen. Daher ist es nur verstรคndlich, dass die Leute hier die Traditionen noch sehr pflegen.
Der Ausdruck „Randmeren“ ist eigentlich ein Sammelbegriff. Jeder Teilabschnitt trรคgt einen eigenen Namen. Dieser findet sich auch in den Kennungen der Betonnung (fettgedruckt). Insgesamt werden 6 Wassergebiete unterschieden (von Ost nach West) :
- Ketelhaven > Harderwijk : Veluvemeer VM
- Harderwijk > Ermelo : Wolderwijk WW
- Ermelo > Nijerk : Nuidernauw NN
- Nijkerk > Spakenburg : Njkerkernauw NK
- Spakenburk > Huizen : Eemmeer EM
- Huizen > Naarden : Gooimeer GM
Damals waren wir im August von Amsterdam kommend dort in Richtung Friesland unterwegs. Diesmal kommen wir von Osten, haben morgens die Sonne im Rรผcken und sind wieder auf dem Weg nach Amsterdam. Es ist wieder August, also Hochsaison. Es mag an der Pandemie liegen, es kommt uns vor, als ob die Anzahl der Schiffe sich vervielfacht hat. Die Situation ist mit 2019 nicht zu vergleichen.
Wir verlassen den Ketelhaven gegen 8h00. Wir haben die Randmeren noch nicht erreicht, schon werden wir eingeholt und รผberholt. An den beiden Schleusen, die heute auf unserem Weg liegen, sammeln sich immer mehr Schiffe auf beiden Seiten.
Als wir die zweite Schleuse verlassen, es sind noch gut 30′ bis Elburg, beginnt ein regelrechtes Rennen um die „besten Plรคtze“. Gasgeben heisst jetzt die Devise. Einige vergessen dabei die guten alten Seemannssitten.
Unser erstes Ziel ist die Hansestadt Elburg, die wir sehr mรถgen.
Wie zu erwarten, ist in Elburg schon einiges los. So wรคhlen wir den ersten freien Platz am Steg im Hafenkanal und versuchen erst gar nicht bis zum 500m entfernten alten Hafen weiterzufahren, um dort im Doppel- oder Triplepack zu liegen. Zudem ist heute „Markttag“. Die Stadt wimmelt nur so von Sommergรคsten. Das schรถne Wetter hat nicht nur die Bootsfahrer angelockt.

Dass die Stadt weiterhin eine grosse Anziehungskraft ausรผbt, ist leicht verstรคndlich. Sie bietet diese typische Atmosphรคre, die allen diesen ehemaligen Hafenstรคdten innewohnt. Das ursprรผngliche Stadtbild ist vollstรคndig erhalten. Sicherlich kann man die heutigen Stรคdte nicht mit den ursprรผnglichen Fischerdรถrfern vergleichen. Der Tourismus hat definitiv den Fischfang ersetzt.
Wie bei unserem letzten Aufenthalt lassen wir uns einen Besuch im Nationalen Orgelmuseum nicht nehmen. Sehenswert sind auch das Jรผdische- und das Stadtmuseum. Jedes erinnert auf seine Art an die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner: ob es sich um das Leben, die Vertreibung und die Vernichtung der Juden oder die frรผhere Geschichte der Stadt handelt, als sie noch am Zuiderzee lag, und vor allem vom Fischfang lebte. Das jรผdische Museum befindet sich in der ehemaligen Synagoge. Das Stadtmuseum ist in einem frรผheren Kloster untergebracht.



Auch wenn wir die Stadt jetzt gut kennen, wird uns die Zeit nicht langweilig. Immer wieder gibt es, etwas zu entdecken. Man braucht nur die Hauptachsen mit ihren Geschรคften und Restaurants zu verlassen und schon fรผhlt man sich in eine andere Zeit versetzt.




Nach Elburg fรผhrt uns die Fahrt nach Harderwijk.
Seit 2019 hat sich die Stadt stark verรคndert. Vor allem das Hafenviertel und die Umgebung um das Delfinarium wurde umgestaltet und neu angelegt. Ferienhรคuser mit Bootsgarage entstanden am Kanal zum Stadthafen.
Es herrscht Hochbetrieb. Mehr als in Elburg gleicht der Hafenbereich jetzt einer Feriensiedlung.
Der Zugang zu einem der zwei Becken des Stadthafens erfolgt jeweils รผber eine von 3 Hebebrรผcken (siehe Skizze). Jede Brรผcke hat eine andere Bedienungszeit (8h-20h in der Hauptsaison):
- (A) Waterfrontbrug : Alle 60′ „Volle Stunde“: 8h, 9h, 10h,…
- (B) Delfinarium: Alle 30′ : 8h30, 9h00, 9h30,…
- (C) Vischpoortbrug: Alle 30′ : 8h45, 9h15, 9h45,…

Am schรถnsten und ruhigsten liegt man im Becken hinter der Waterfrontbrug. Dort befindet sich auch der neue Havenkantoor (1) inklusive Waschrรคume. Als wir ankommen, sind dort alle Plรคtze schon belegt. Die Delfinariumbrug (B) wird gerade gehoben. Wir nutzen die Gelegenheit und fahren zum anderen Hafenbecken in Richtung Vischpoort Brรผcke (C). Auch hier liegen die Boote schon zu einem erheblichen Teil im Doppelpack. Trotzdem finden noch ein kleines „Loch“, den letzten freien Platz. Das Anlegen verlangt diesmal Millimeterarbeit. Es ist windstill , wir nehmen uns Zeit. Nach einigem Hin- und Her und der Hilfe des Eigners vor unserem Bug liegen wir nun sicher in der Lรผcke (siehe Bild).

Die Liegeplรคtze und die Stromanschlรผsse sind numeriert (siehe Bild: Platz 64022). Bezahlen kann man mit der App aanUIT.net. Wem das nicht gefรคllt, kann es auch im Hafenbรผro oder direkt am Steg beim Hafenmeister erledigen. Nach Bezahlung des Liegeplatzes mit der App erhรคlt man via SMS und Email einen Zugangscode fรผr die Sanitรคrrรคume und Mรผll (der Zugangscode ist natรผrlich auch beim Hafenmeister erhรคltlich). Ein zweites Sanitรคrgebรคude (2) befindet sich auf der Seite des Delfinarium. Wie das Hafenbรผro so sind die hier gelegenen Sanitรคranlagen neu. Allerdings sind sie nicht unbedingt fรผr den aktuellen Ansturm in den Sommermonaten dimensioniert. Morgens frรผh vor 8h hรคlt sich der Andrang in Grenzen.


In Elburg war der sommerliche Trubel im wesentlichen auf das historische Stadtzentrum beschrรคnkt. Hier in Harderwijk sorgt das nahegelegene Delfinarium fรผr einen permanenten Touristenstrom im Hafen.

Das lebhafte Geschehen nimmt abends sehr schnell ab. Sobald die Restaurants an der Hafekade schliessen, wird es auch hier ruhig.
Wir nutzen die Zeit zu einer Radtour nach Flevoland auf die nรถrdliche Seite der Randmeren, hier Wolderwijk. Auf dem Hinweg geht es รผber die Autobahnbrรผcke (N302), fรผr den Rรผckweg nehmen wir die Fรคhre in Zeewolde.
HINWEIS: Knotenpunkte zum Radfahren (im Gegenuhrzeigersinn): 82 > 11 > 29 23 > 22 > 21 > Fรคhre > 07 > 09 > 82
Wie alle Stรคdte in Flevoland wirkt auch Zeewolde recht neu, auf dem Reissbrett geplant.

Am zweiten Tag besuchen wir das Stadtmuseum, das wir schon von unsere ersten Reise kennen. Zu unserer รberraschung stellen wir fest, dass die Zeit des Corona-Lockdown sinnvoll fรผr einen komplette Erneuerung genutzt wurde. Auf sehr orgineller und spielerische Weise wird nun die jรผngere Geschichte der Stadt dargestellt. Es beeindruckt uns immer wieder mit welcher Kreativitรคt heute versucht wir Museen „einladender“ und fรผr breitere Bevรถlkerungsschichten zu gestalten. Schon deswegen lohnt sich ein Rundgang. Fรผr uns, die wir die nIederlรคndische Sprache nicht beherrschen, sind die Animationen in Niederlรคndisch, nur ansatzweise zu verstehen.

Am nรคchsten Tag geht es weiter nach Spakenburg. Wir verlassen den Hafen mit 4 Schiffen um 8h. Nach 1h30 erreichen wir die Schleuse Nijkerk. Dort herrscht grosses Gedrรคnge. Der Schleusenwรคrter kommt zur Schleusenkammer, um etwas Ordnung zu schaffen. Nach 30′ verlassen wir mit neun Schiffen die Schleuse.



Spakenburg errreichen wir gegen 11 h. Als wir im Hafen anrufen, empfiehlt man uns, direkt im Hafenkanal einen Platz zu suchen.
Dort finden wir am westlichen Kai einen Liegeplatz mit direktem Blick aufs Wasser. Zum Stadtzentrum sind es nur ein paar hundert Meter. Die Plรคtze auf der gegenรผberliegenden Seite haben den Nachteil, dass der Weg zur Stadt wesentlich lรคnger ist. Wer dort festmacht und vorhat lรคnger zu bleiben, legt sich so bald es mรถglich ist auf die andere Seite.

Reges Treiben herrscht in der Stadt. Wir erfahren, dass das 50igste Jubilรคum der „Spakenburger Tage“ bevorsteht. Der historische Hafen ist regelrecht vollgestopft mit den traditionnellen Fischerbooten, den sogenannten „Botter„. Traditionnelle Kleidung, Fischerboote, Musikanten werden in 2 Tagen das Stadtbild prรคgen. Bis dahin ist es noch Zeit, gemรผtlich die Stadt zu geniessen. So machen wir noch einen kleinen Abstecher ins Museum fรผr Traditionnelle Kleidung. Wir stellen uns die Frage, wie lange diese Traditionen noch gepflegt werden. Ausser dem Interesse oder Willen dazu, setzen sie handwerkliche Kenntnisse und viel Fingerfertigkeit voraus, die heute kaum noch jemand besitzt, geschweige denn, erlernen mรถchte.


Der Weg fรผhrt uns weiter nach Huizen. Es ist unser erster Besuch. Nachdem wir die Fahrrinne verlassen haben, fahren wir vorbei am Yachthafen ‚t Huizerhoofd zum Gemeentehaven. Dort finden wir einen Platz an der Hafenkade. Als wir ankommen ist noch fรผr 5 – 8 Boote Platz. Strom und Wasser wird รผber die App aaUIT.net bezahhlt, die Liegegebรผhren mit Hilfe der App i-Marina abgerechnet. Die Strom- und Wasseranschlรผsse an der Kade werden nur wรคhrend der Hauptsaison aktiviert.
Das Interesse an der Stadt beschrรคnkt sich fรผr uns auf das „Hafen- Viertel“. Das eigentliche Zentrum liegt gut einen Kilometer landeinwรคrts. Es hat nicht den Charme von Elburg oder Spakenburg. Warum sich ein Aufenthalt hier dennoch lohnt, erfahren wir bei einer Radtour in die nahegelegene Heidelanschaft : Goois Natuurreservaat Limitische heide und Nieuw Bussumerheide .
HINWEIS: Radweg : Knotenpunkte im Gegenuhrzeigersinn : 77 > 78 > 79 > 80 > 77.

Nach zwei Tagen fahren wir zum Yachthafen Naarden, den wir schon von unserer ersten Reise her kennen. Dort haben wir fรผr eine Woche einen Liegeplatz gebucht. Wir erwarten Besuch mit einem Kleinkind. Der Hafen bietet jeden denkbaren Service. So ist er als Ausgangspunkt fรผr Ausflรผge zu den Randmeren, zum Markermeer, zur Vecht oder auch Amsterdam gut geeignet.
Zunรคchst gilt es jetzt das Boot „kinderfreundlich“ zu machen. Dazu bringen wir ein Netz an der Reling an. In Naarden bleiben wir eine Woche.
Zusammenfassung:
- Ketelhaven > Elburg : 19 km, 2,3 Mst.
- Elburg > Harderwijk : 21 km, 2,4 Mstd.
- Harderwijk > Spakenburg : 23 km, 3,1 Mstd.
- Spakenburg > Huizen : 12 km, 1,5 Mstd.
- Huizen > Naarden : 10 km , 1,3Mstd.

































































































































































































