2024 #6 Von Zwolle aus Richtung Deutschland

Wir sind schon wieder am Planen,…. und Umplanen…

In Zwolle sitzen wir zusammen , um mal wieder รผber die Weiterfahrt nachzudenken. Unsere Erfahrung mit der Strรถmung auf dem Niederrhein bringt uns zum Zweifeln, ob das Fahren auf der Weser stromaufwรคrts mit unserem Boot sinnvoll ist. Je nach Jahreszeit soll die Strรถmung auf der Weser auch recht stark sein. 140 km gegen den Strom fahren? Mmmh,…. Wir denken รผber Alternativen nach.

Wenn es jetzt direkt in Richtung Mittelland-Kanal gehen soll, so ist die Route รผber die kleinen Torfkanรคle die naheliegende Wahl. Aber wir wissen auch, dass der Haren-Rutenbrock-Kanal bis Ende Mai wegen Baggerarbeiten gesperrt ist. Bis dahin sind es noch 2 Wochen. Warten wollen wir nicht!

Vier Wege haben wir uns ausgedacht, um es sowohl gemรผtlich als auch schรถn anzugehen.

  • รผber die kleinen Kanรคle in Drenthe via Assen (1)
  • รผber die kleinen Kanรคle in Drenthe und Friesland via Leeuwarden (2)
  • รผber die Seen und friesischen Kanรคle (3)
  • รผber das IJsselmeer (4)

Wir entscheiden uns fรผr Friesland (3), obwohl wir die meisten Wege dieser Route schon mehrmals gefahren sind (2017, 2019, 2022). Der direkte Weg (1) wรผrde einen zu langen Aufenthalt in Groningen bedeuten. Die Variante (2) mรผssen wir ausschliessen, da die Wasserkarten nur eine Wassertiefe von 1,10 angeben. Bliebe der Weg รผber das IJsselmeer, aber der ist sehr wetterabhรคngig.

Fรผr die Strecke von Zwolle nach Groningen sehen wir 8 Etappen vor.

Kurz vor 10h, nach 4 schรถnen Tagen, verlassen wir Zwolle im Konvoi mit 8 Schiffen. Sonntags werden die Brรผcken von 10 – 18h gehoben.

Nach nur einstรผndiger Fahrt legen wir an der Kade in Hasselt an. Bei frรผheren Reisen haben wir die Stadt von Zwartsluis aus mit dem Fahrrad besucht. Jetzt liegt VAGABOND zum ersten Mal hier. Es gibt Strom am Steg fรผr 50 Cent das kW. Ob hier kein Liegegeld verlangt wird, wissen wir nicht. Einen Hafenmeister sehen wir auf jeden Fall nicht.

Nachmittags wird es unruhig. Jetskis, schnelle kleine und grรถssere Schiffe wรผhlen das Wasser krรคftig auf.

Hasselt

Am nรคchsten Morgen legen wir vor 9h wir gemeinsam ab, BALU รผbernimmt fรผr den kurzen Weg nach Zwartsluis die Fรผhrung. Obwohl das diesjรคhrige „Schlepperfest“ beendet ist, ist noch Einiges los im Passantenhafen.

Zusรคtzlich sind einige Plรคtze gesperrt oder reserviert. Wir finden Platz an der Kade. Dort gibt es Strom aber kein Wasser.

Die Fahrt von Zwartsluis nach Ossenzijl fรผhrt durch eine schรถne Naturlandschaft. Sie erinnert auch an die Vecht. Die Hรคuser sind hier allerdings „lรคndlicher“. Man spรผrt nicht die Nรคhe zur Metropole Amsterdam.

Nach einem „Lunch-Stop“ in freier Natur beschliessen wir in der Nรคhe des Ortes Ossenzijl am Kanal zu รผbernachten.

Am nรคchsten Tag soll es weitergehen nach Sloten. Unterwegs entscheiden wir uns fรผr einen direkteren Weg in Richtung „Norden“. Es ist sehr windig und wir denken, dass es sinnvoller ist, einen guten Hafen anzusteuern. Nach 6 Stunden erreichen wir Grou. Das Anlegen gestaltet sich schwierig. Siehe Anlegen bei Wind.

Unser nรคchstes Ziel ist Leeuwarden, wo wir ein paar Tage ausruhen wollen. Die Stadt ist uns in sehr guter Erinnerung. Sie hat viel zu bieten: schรถne Liegeplรคtze, gute Museen, Ambiente und gute Einkaufsmรถglichkeiten in der Nรคhe des „Prinsentuin„.

Liegegebรผhren werden รผber die App i-Marina abgebucht.

Das Wetter ist sehr wechselhaft. Regenschauer wechseln mit sonnigem Wetter ab.

Bei einem unserer Spaziergรคnge erhalten wir eine schlechte Nachricht vom Skipper der Balu. Yvonne hat sich beim Radfahren verletzt: Diagnose Armbruch! Fรผr Yvonne und Thomas endet unsere gemeinsame Reise vorerst in Leeuwarden. Schweren Herzens entscheiden wir uns, alleine weiterzufahren. Da die ร–ffnung des Kanals Ende des Monats Mai aber ungewiss bleibt, entschliessen wir uns nun, in Richtung Delfzijl zu fahren. Wenn das Wetter es zulรคsst, werden wir den Weg รผber den Dollard wรคhlen.

Die Brรผcken am Prinsentuin werden ab 9h gehoben. So starten wir zeitgleich: BALU fรคhrt Richtung Sneek, VAGABOND bricht nach Dokkum auf.

Wie die Male zuvor geniessen wir die Strecke zwischen zwischen Leeuwarden und Dokkum.

Dokkum haben wir so „voll“ noch nie erlebt: Pfingstwochenende, schรถnes Wetter, schรถner Liegeplatz.

Auf dem Weg nach Zoutcamp erweist sich die App „Watersport“ als sehr praktisch, um das Heben der Brรผcken anzufordern. Sobald man in der Nรคhe der zu hebenden Brรผcke angekommen ist, genรผgt ein einfacher Klick auf der Karte (Bildschirm), und die Anfrage ist gespeichert.

Unseren geplanten Stopp in Zoutcamp kรถnnen wir vergessen, dort ist Hafenfest,…

Zoutcamp

Zusammen mit drei anderen Booten ziehen wir weiter. Bis Groningen ist es noch ein Stรผck. Der Wetterbericht hat fรผr den spรคten Nachmittag eine Gewitterwarnung ausgegeben. Daher entscheiden wir uns, fรผr eine Nacht in Garnwerd man Zee zu bleiben. Hier gibt es einen ruhigen kleinen Hafen im Reitdiep.

Am nรคchsten Morgen erreichen wir den Osterhaven in Groningen schon um 11h. Christa, die Hafenmeisterin erinnert sich noch an uns. 2022 lag hier unser Boot 10 Tage.

Kaum angekommen, erreichen uns eine neue schlechte Nachricht. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal sind zwei Schleusen bis Mitte Juni wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Dieses Revier ist Neuland fรผr uns! Der Kanal besitzt Schleusen mit jeweils zwei Kammern. ABER, was man leicht รผbersieht, ist die Tatsache, dass an manchen Schleusen nur noch eine Kammer in Betrieb ist!!! Das ist der Fall der beiden gesperrten Schleusen. Was jetzt???

Weiterfahren oder Abwarten. Hinzukommt, dass wir Ende Juni fรผr zwei Wochen einen Break einlegen, und wir nicht wissen, wann BALU wieder auf Reisen gehen kann. Nichts tun, ist keine Lรถsung.

Am nรคchsten Morgen erleben wir die nรคchste schlechte รœberraschung. In der Nacht wurde versucht, unsere Fahrrรคder von der Badeplattform zu stehlen. Zum Glรผck wurde der Dieb von unserem spรคt zurรผckkehrenden Bootsnachbarn daran gehindert. Was passieren kann, wird irgendwann geschehen,…. frei nach Murphy

Wir lassen uns unsere Stimmung nicht vermiesen. Wie sagt man zurecht in Frankreich „il n’y a pas mort d’homme„.

Nach zwei Tagen brechen wir zum Aussenhafen in Delfzijl aus. Die kleine Seeschleuse ist ausser Betrieb. Nach etwas Wartezeit werden wir mit 5 Sportbooten und einem Frachter geschleust.

Beim Anlegen bei krรคftigem Wind passiert das nรคchste kleinere Unglรผck. Christines Sonnenbrille (mit korrigierten Glรคsern) fรคllt ins Wasser. Ein Geschenk fรผr die Muscheln.

Dort warten wir auf ein gรผnstiges Zeitfenster zur รœberfahrt nach Deutschland. Es gilt Tiede, Windrichtung und Wetter zu beachten! Hier erfahren wir, dass die Schleusen zu den Yachthafen in Emden und Papenburg … gesperrt sind. Mmmmh. Es bleibt spannend.


ZUSAMMENFASSUNG:

  • Zwolle > Hasselt: 8 km, 1,2h
    Hasselt > Zwartsluis: 5 km, 1h
    Zwartsluis > Ossenzijl: 28 km, 4h
    Ossenzijl > Grou: 51km, 6h (Tankstop)
    Grou > Leeuwarden: 22km, 3h
    Leeuwarden > Dokkum: 23km, 3h
    Dokkum > Garnwerd: 50km, 5h30
    Garnwerd > Groningen: 14km, 2h,1 Schleuse
    Groningen > Delfzijl: 27km, 4h, 1 Schleuse

2022 #11 Besuch in Groningen

Wir liegen im Oosterhaven.

Groningen // Oosterhaven

Wie der Name schon sagt, findet man ihn im Osten der Stadt. Auf den ersten Blick erscheint seine Lage etwas abseits. Dies ist nicht der Fall. Der Bahnhof ist zufuss in 15 Minuten zu erreichen, das Zentrum ganz nah. Der Hafen besitzt ein gut sortiertes Bootsausstattungsgeschรคft. Der Empfang ist gut. Die Sanitรคranlagen sind nicht auf dem neusten Stand aber sauber und komplett (inklusive Waschmaschine, Mรผnzen gibt es dazu im Geschรคft). Wer auf dem Weg nach Deutschland unterwegs ist, der ist hier gut aufgehoben.

In Groningen bleiben wir ein paar Tage. Wir nutzen die Zeit , um die Stadt kennenzulernen. Es ist unser erster Besuch.

Zufรคllig stossen wir nach ein paar hundert Metern auf das „Forum„.

Groningen // Forum

Zunรคchst wissen wir nicht, um was es sich dabei handelt. Der massive Neubau im historischen Zentrum รผberrascht und weckt bei uns sofort Interesse. Das Gebรคude ist, sagen wir es vorsichtig, „imposant“. Von aussen, wirkt es sehr massiv, wie ein riesiger Granitblock. Von innen, offen und luftig. Man kann es auch anders formulieren: Von aussen „anziehend“ wegen der Masse, von innen „einladend“ wegen der hier herrschenden Offenheit! Sehr empfehlenswert!!

Groningen // Forum

Wir lassen es uns nicht nehmen, auf die Dachterrasse zu fahren. Am Empfang in der Eingangshalle empfiehlt man uns die Rolltreppen und nicht den Aufzug zu nehmen. So erhalten wir tatsรคchlich den besseren Eindruck von der Architektur aber auch von den verschiedenen Kultur,- Bildungs – und Informationseinrichtungen. Vom Dach aus haben wir einen optimalen Rundumausblick auf die Stadt und ihrer nรคheren Umgebung.

Unser Spaziergang fรผhrt uns weiter zum Prinsentuin, einem kleinen, ruhigen Renaissance Garten. Dort sollte man sich auf jeden Fall auch die aussergewรถhnliche Sonnenuhr anschauen.

Auf der Uhr befindet sich ein Spruch in Latein : Tempus Prรฆteritum Nihil Futurum Incertum Prรฆsens Instabile Cave Ne Perdas Hoc Tuum. Er hat heute, mehr denn je, seine Richtigkeit!

Unseren ersten Rundgang beenden wir mit einem Besuch im Bahnhof.

Auf dem Weg dorthin stossen wir durch Zufall auf eine Handwerkswerkstatt besonderer Art. Hier werden Freizeitkurse angeboten, um Werkstoffe wie Holz und Metall oder auch Gerรคte und Maschinen nรคher kennenzulernen: Basteln, Reparieren, Verstehen…

Bahnhรถfe sind oft das „Aushรคngeschild“ einer Stadt. Es sind Orte der Begegnung, sie zeugen vom Reichtum oder der Bedeutung der jeweiligen Stadt. Als Beispiele kommen uns spontan die Bahnhรถfe von Antwerpen, Lรผttich, Berlin und London in den Sinn. Ob neu oder alt, alle sind sie sehenswert. Wegen ihrer Architektur und Atmosphรคre.

Am nรคchsten Morgen nehmen wir unsere Rรคder, und drehen eine Tour entlang der Kanรคle, vorbei an alten Speicherhรคuser, die vom frรผheren regen Handel zeugen.

Nach unserer kleinen Runde, ruhen wir uns ganz in der Nรคhe des Hafens am Kanal aus. Dort gibt es eine nette Bar mit Aussicht auf die ehemaligen Speicherhรคuser.

Jetzt fehlt noch ein Besuch im Groninger Museum. Der futuristische Bau von 1994 ist sicherlich Geschmackssache. Die auffรคllige bunte Konstruktion lรคsst einen nicht unberรผhrt.

Museum Groningen

Uns lockt er eher an und erweckt Interesse. Fรผr Architekturfotografen gibt es hier viele Blickwinkel zu entdecken und festzuhalten.

Den Besuch im Museum heben wir uns fรผr die nรคchste Reise nach Groningen auf, vorausgesetzt es ist nicht wieder Montag, sein Ruhetag! Da das Wetter wieder etwas instabiler wird, entscheiden wir weiterzufahren in Richtung Delfzijl. Wenn wir den Dollart รผberqueren wollen, muss das Wetter stimmen.

Also entscheiden wir uns zu einem letzten Spaziergang durch die Stadt.

2022 #10 Auf nach Groningen

Bei unserer ersten Reise nach Friesland 2017 haben wir uns im wesentlichen auf die Seenplatten um Sneek, Grou und Stavoren konzentriert. Wir hatten es uns aber nicht nehmen lassen, auch einen kurzen Abstecher nach Dokkum zu machen.

Dieses Mal soll es ja weiter in Richtung Norddeutschland gehen. Daher wollen wir sowohl zรผgig vorankommen, als auch Neues im Nord-Osten der Niederlande entdecken.

Somit wรคhlen wir die in der Skizze gezeigte Route. Einige Wege sind neu fรผr uns. Andere kann man kaum umgehen, ohne grosse Umwege zu fahren.

Friesland 2022

รœber die Strecke Vollenhove nach Lemmer (1) haben wir schon an anderer Stelle berichtet.

Von Lemmer aus geht es in 6 gemรผtlichen Tagesetappen nach Groningen. Die fรผr uns neuen Wege sind auf der Skizze schwarz hervorgehoben. In Lemmer, Leeuwarden und Dokkum bleiben wir jeweils 2 Tage. In Groningen lรคnger.

In Lemmer wie auch im Umland werden die Brรผcken morgens ab 9h00 bedient. Man glaubt in Frankreich zu sein,….

So scheint in Lemmer noch alles verschlafen, bis dann (endlich) die nah gelegene Turmuhr 9 mal schlรคgt. Jetzt kommt Bewegung auf, es ist wohl das allgemeine Startsignal. Einige Boote lassen ihre Motoren an, und fahren zรผgig zur nรคchsten Brรผcke, um eine gute „Startposition“ zu haben. Auch wir machen uns bereit. So finden wir uns mit 6 Yachten und Segelschiffen vor der ersten Brรผcke (in Richtung Prinses Margeriet Kanal).

Sloten

Bei schรถnstem Wetter und mรคssigem Wind fรผhrt uns die Reise รผber Sloten und Woudsend direkt nach Workum (2). Dort machen wir im Hafen „De Liefde“ gegen 13h fest. Die meisten Passanten haben einen Platz im voraus reserviert, wohlwissend dass ihre Anzahl beschrรคnkt ist. Wir haben dennoch Glรผck. Im Hafen gibt es ein Wassersportartikelgeschรคft. Ausserdem besitzt er eine Tankstelle fรผr Diesel und GTL.

HINWEIS: Wer der vielen Brรผcken nicht mรผde ist, kann auch weiter ins Stadtzentrum zum Passantenplatz fahren. Dort gibt es noch viele freie Plรคtze. Das Liegegeld wird dort mit der App „aanUit.net“ beglichen.

Workum Passantenhafen

Bei unserem Stadtbummel stossen wir zufรคllig auf die Schiffswerft Van Klink, welche sich auf die Renovierung alter Holzschiffe spezialisiert hat.

Wer sich fรผr traditionnelle Holzarbeiten und Schreinerei interessiert, der sollte sich die Zeit nehmen und mal reinschauen. Es ist immer wieder schรถn zu sehen, dass in den Niederlanden Tradition gepflegt wird und somit diese Handwerksbetriebe weiterhin aktiv sein kรถnnen!

Es geht weiter nach Grou (3). Wir wรคhlen den Weg, der an Bolsward vorbeifรผhrt. 2017 hatten wir die Stadt mit dem Bus von Stavoren kommend besucht. Diesmal fahren wir sรผdlich an ihr vorbei. Der Weg fรผhrt uns durch typische friesische Kanal- und Graslandschaften, bevor wir Sneek zur Mittagszeit erreichen. Die Stadt durchqueren wir zรผgig. รœber den Prinses Margeriet Kanal geht es weiter. Wie zu erwarten, treffen wir hier auf Berufsverkehr, der allerdings nicht sehr drรผckend ist. Der „Kanal“ ist breit, es gibt keine Strรถmung und das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite.

Gegen 14h erreichen wir Grou. Dort legen wir im Hafen „Vereniging Grouwster Watersport“ der Stadt an.

HINWEIS: Die Liegeplรคtze an den Stegen sind hier nach Grรถsse der Boote sortiert von A ( = klein) bis H ( = gross). Am jeweiligen Kopfsteg befindet sich ein Schild mit der fรผr diesen Anleger bestimmten Bootsdimenstionen. In unserem Fall ist es der Steg C, bestimmt fรผr 12x4m. Anscheinend soll man sich beim Hafenmeister melden, bevor man an einen bestimmten Platz anpeilt. Die Plรคtze werden dann zugewiesen.

Wir dรผrfen allerdings unseren Platz behalten ๐Ÿ˜‰

ร„hnlich wie Sneek ist auch Grou ein beliebtes Wassersportzentrum. Obwohl wir noch Mitte Juni in der Vorsaison sind, hat man den Eindruck, dass die Yachtcharter Vermietungen schon auf Hochtouren laufen. Die meisten Boote an unserem Steg sind gemietet. Uns gegenรผber liegt eine grรถssere Yacht, gemietet von etwa 8 jungen Mรคnnern. Es dauert nicht lange bis der erste von ihnen, nicht mehr sicher auf seinen Beinen steht. Auch wenn sie etwas zu tief ins Glas schauen, endet der Abend bei guter Laune.

Bevor wir weiterfahren, wollen wir noch unseren Abwassertank entleeren. Wir hatten das schon in Vollenhove versucht. Dort war der Anschlussstutzen unbrauchbar. Hier sieht er auch nicht mehr sehr frisch aus, aber mit ein wenig Mรผhe schaffen wir es, ihn anzusetzen.

Die Fahrt fรผhrt uns weiter nach Leeuwarden (4). Wir wรคhlen die gemรผtlichere Route รผber die kleinen Kanรคle. Beim Ort Wergea (Warga) gibt es zwei Fahrwege:

  • entweder man nimmt die Umgehung. Sie ist mit „Stehende Mastroute“ ausgewiesen,
  • oder man wรคhlt die Strecke durch den Ort รผber die Wergeaster Feart. Am Ortseingang weist ein Schild darauf hin, dass nur „kleinere“ Schiffe (15x4m max.), diesen Weg wรคhlen sollten.

Wir sind neugierig und folgen einer Yacht, die den gleichen Plan hat.

Wenig spรคter mรผssen wir feststellen, dass es sich um eine vรถllig unerfahrene Crew handelt. Vor der geschlossenen Brรผcke etwas in Panik geraten, manรถvrieren sie ungeschickt. Dabei rammen sie die Uferbefestigung und beschรคdigen den Schiffsrumpf.

HINWEIS: Um es kurz zu sagen, die Umgehung ist eindeutig der problemloserer Weg! Wir hatten Glรผck, dass uns kein Schiff entgegen kam. Es ist รผbrigens รผberraschend, dass keine Fahrrichtung vorgeschrieben ist. Man kann sowohl von Norden als auch von Sรผden kommend in den Stadtkanal einfahren. Ein Schild weist lediglich darauf hin, dass eine Bootsgrรถsse von 15x4m nicht รผberschritten werden soll. Selbst das erscheint uns leicht รผbertrieben.

Als wir das letzte Mal in Leeuwarden (4) waren, erschien uns die Stadt „kalt“ und wenig einladend. Dieses Mal sollte es anders sein! Damals war wohl das schlechte Wetter und die frรผhere Jahreszeit an unserer Einschรคtzung schuld.

Als wir noch recht frรผh ankommen, ist es noch recht ruhig am Kanal, der als Passantenhafen zwischen zwei Brรผcken liegt . Somit ist es morgens und abends ruhig auf dem Wasser. Bei dem schรถnen Wetter bleiben wir allerdings nicht lange alleine. Schon am frรผhen Nachmittag sind kaum noch Plรคtze auf der Stadtseite (in Richtung Dokkum am linken Ufer) zu haben. Die schattigen Uferwiesen sind auch als Treffpunkt zum Picknicken sehr gefragt. Es herrscht Ferienatmosphรคre. Wir entscheiden uns, zwei Tage in der Stadt zu bleiben, um sie besser kennenzulernen.

Beim VVV (Touristeninformation) erkundigen wir uns รผber die sehenswerten Aspekte der (Provinzhaupt) Stadt. Dort empfielt man uns unter anderem auch eine Statdtfรผhrung. Wir nehmen das Angebot dieses Mal gerne an und reservieren unsere Plรคtze im Internet. Die Fรผhrung wird รผbrigens auch in Deutsch und Englisch angeboten. Sie fรผhrt uns durch die schรถnen historischen Viertel der Stadt. Dabei werden wir auf die winzigen „Miniaturkunstwerke“ aufmerksam gemacht, die an verschiedenen Orten der Stadt versteckt sind.

Wir besuchen ebenfalls das Keramikmuseum. Dort befindet sich, ausser einer bedeutenden Keramiksammlung, auch das Geburtshaus des Kรผnstlers M.C. Escher. Im Keller des Museum gibt es einen Raum dessen Wรคnde im Stile „Escher“ bemalt wurden. Allein deshalb lohnt der Besuch. Fรผr Escher Fans, ein MUSS! Abends werden wir dann noch auf dem Vorplatz des Olde Hove („schiefen Turms) mit einem Fanfaren Konzert belohnt . Man mag diese Musik nicht besonders lieben, aber allein schon wegen der Choreographie war der Besuch es wert.

Der Weg fรผhrt uns weiter nach Dokkum (5). Die Landschaft erinnert an die Hollรคndische IJssel.

Burdaard

Weil wir Dokkum schon kennen, wollen wir nur einen Tag dort verweilen. Allerdings sind starker Wind und Bรถen fรผr den nรคchsten Tag angesagt. Da die Brรผcken erst ab 9h bedient werden, gehen wir es am nรคchsten Morgen gemรผtlich an. Der Wind ist schon recht stark. Wir sind nicht die Einzigen, die sich die Frage der Weiterfahrt stellen. Da es bis 10h ruhig bleibt und ein Nachbar uns sagt, dass er aus den gleichen Grรผnden in Dokkum bleibt, ist auch unsere Entscheidung gefallen.

Dokkum ist immer wieder eine Reise wert. Auf den ersten Blick erstaunt die Anzahl und Vielfalt der Geschรคfte. Man sieht, dass die Stadt viel besucht wird.

Das Wetter bleibt den ganzen Tag wechselhaft, was dem „Fotografen“ das Leben leichter macht. Die Stadt lรคdt eh schon zum Fotografieren ein. Heute macht es besonders Spass.

Dieses Bild muss sein

Zum perfekten Foto gehรถrt es natรผrlich dazu, direkt unter einer der beiden Mรผhlen anzulegen. Fรผr unseren nรคchsten Besuch werden wir uns allerdings auf das andere Ufer legen. Dort hat man eindeutig den besseren Ausblick…. auf die Mรผhlen.

HINWEIS: Es sei noch vermerkt, dass vor der Stadt (von Leeuwarden kommend) am linken Ufer ein Warnschild (3 rot leuchtende Lampen, im Falle der Warnung) darauf hinweist, dass der Dokkumer Diep geflutet oder gespรผlt wird. Es kann dann zu verstรคrter Strรถmung und Wasserstandsschwankungen kommen ( – 30 cm). Dies ist beim Anlegen zu beachten.

Ab jetzt „betreten“ wir Neuland. Bisher sind wir nicht weiter als Dokkum gereist. Von hier aus geht es weiter in Richtung Groningen. Zunรคchst fรผhrt der Weg durch eine schรถne ruhige Agrarlandschaft. Dann geht es weiter „fast“ รผber das Wattenmeer, den Nationalpark (seit 2003) das Lauwersmeer. Dieses Wassergebiet wurde 1969 vom Wattenmeer durch eine Deich abgetrennt. Da die Wassertiefe gering ist, ist es empfehlenswert die Betonnung gut zu beachten.

Zoutcamp

Wir verlassen dieses Gebiet nach 1h30 und erreichen die Schutzschleuse von Zoutkamp (6), wo wir im Passantenhafen sofort einen schรถnen Platz finden.

Zoutkamp

Ausser dem Hafen gibt es in dem Ort nicht viel zu sehen. Zoutkamp war frรผher, bevor der Deich gebaut wurde, ein wichtiger Hafen und Umschlagplatz fรผr Garnellen und Nordseefische. Auch wenn der Hafen mรถglicherweise an Bedeutung verloren, lebt die Stadt immer noch vom Fisch (heute auch Ale), aber natรผrlich auch vom Tourismus.

Wir lassen es uns nicht nehmen, direkt beim Fischhรคndler zu essen. Alles was in der Region gefisch wird, ob Sรผss oder Salzwasser, gibt es dort zu kaufen oder zu verzehren „vor Ort“.

Erwรคhnenswert sind noch die Sanitรคranlagen des Passantenhafens. Sie befinden sich etwas 200m abseits vom Hafen und sind in den Deich integriert. Von Weitem kann man sie mit einer Schleuse verwechseln (links auf dem Bild).

Passantenhafen Zoutkamp / Sanitรคrgebรคude

Am nรคchsten Morgen brechen wir schon frรผh auf. Die erste Brรผcke / Schutzschleuse erreichen wir nach etwa 1h. Nach Karte soll sie meistens offen stehen. Diesmal ist es nicht so. Wir melden uns รผber Funk. Der Wรคrter meldet sich sofort, und bittet um etwas Geduld.

Als wir uns Groningen (7) nรคhern, mรผssen wir entscheiden, ob wir weiter รผber den Rietdiep oder den Van Starkenborgh Kanal zum Hafen fahren. Wir wรคhlen den Oosterhaven. Sicherlich ist der Weg durch die Stadt schรถner.

HINWEIS: Allerdings sollte man berรผcksichtigen, dass die Brรผcken in der Stadt zwischen 15h30 und 18h00 nicht gehoben werden (am Wochenende nur bis 16h).

Somit entscheiden wir uns fรผr den „geraden“ Weg รผber den von Berufsschiffern benutzten Kanal und die Ostersluis. Als wir dort ankommen, haben wir Glรผck. Die Schleuse ist bereit und ein zweites Sportboot wird mit uns geschleust. Dann gilt es noch zwei Brรผcken zu durchqueren, und wir sind schon am Ziel.

Vorher haben wir mit der Hafenmeisterin einen Platz vereinbart. Da wir ein paar Tage bleiben, hat sie uns einen ruhigen Platz zugewiesen.

Oosterhaven in Groningen.

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