Im letzten Beitrag haben wir die „Bergstrecke“ von der belgisch-franzรถsischen Grenze bis zum Ort Etreux beschrieben. Am 20. Mai geht es weiter talwรคrts. Wรคhrend der 5.Etappe erreichen wir nรถrdlich von Compiรจgne die Oise.
Auch wenn hier die meisten Schleusen mit Fernbedienung aktiviert werden, begleiten uns auf diesem Teil die Schleusenwรคrter(innen) von VNF. Es gibt ein paar Hebe- und Drehbrรผcken zu bedienen. Das รผberlรคsst man noch nicht einem Automaten!
Unsere Schleusenwรคrter sind ausgesprochen nett, motiviert und hilfsbereit. Zum Muttertag gibt es sogar Blumen fรผr die Mรผtter an Bord der beiden Schiffe BALU und VAGABOND.
Auf der ersten Etappe zwischen Etreux und Vadencourt liegen 19 Schleusen und 3 zu hebende Brรผcken. Auch wenn die Strecke recht kurz ist, brauchen wir dazu gute 6 Stunden.
Auf der kanalisierten Sambre liegen die Wehre und Schleusen nah beieinander. Da vor einer Woche hier noch Hochwasser war, ist der Wasserstand noch hoch. Wir sind auf Talfahrt, so stรถrt die Strรถmung beim Ausfahren aus den Schleusen wenig.
Die Fahrt verlรคuft entspannt. Die Strecke stellt keine besonderen Anforderungen. Berufsverkehr trifft man kaum. Nur wenige Frachter verkehren hier (noch). Dies รคndert sich aber auf der l’Oise und der Seine.
Erst 2021 wurde die gesamte Strecke von der Meuse in Namur bis zur Oise bei Pont L’Evรจque wieder erรถffnet. Die Hoffnung auf den Bootstourismus ist gross. Ohne den Willen der Regionalverwaltung zu Investitionen, wรคre der Kanal wohl geschlossen geblieben. Neue Kanalbrรผcken waren nรถtig, um die Schiffbarkeit wieder herzustellen.
Auch hier ist die Landflucht gross, manche Orte wirken wie Potemkinsche Dรถrfer. Trotzdem, oder gerade weil es so ist, lohnt sich die Reise รผber die malerische Sambre. Der Weg ist geruhsam, und bildet eine gute Alternative zur Meuse (eventuell Ardennenkanal) und Marne nach Paris.
Es fehlt allerdings noch an gut ausgestatteten Liegeplรคtzen. Hรคfen wie Hautmont oder Chauny sind eine Ausnahme. Oft haben wir an einer Kai-Mauer gelegen.
In la Fรจre gibt es in 10 Minuten Entfernung vom Kai einen Supermarkt Leclerc und einen Lidl.
Die Stadt Chauny wurde im 1. Weltkrieg vรถllig zerstรถrt. Im Anschluss wurde sie wieder vollstรคndig, teils im Art Dรฉco Stil, aufgebaut. Viele Gebรคude, wie etwa das Rathaus oder der Bahnhof, zeugen noch von dieser prachtvollen Zeit. Damals wurden die Kanรคle noch ausschliesslich fรผr den Frachtverkehr gebraucht. Mit dem Niedergang der industriellen Blรผtezeit war auch dies zu Ende.
Wir nutzen die Zeit im kleinen, gemรผtlichen Clubhafen in Chauny zum Waschen und Ausruhen (BALU und VAGABOND crew).
2 Tage bleiben wir in Chauny. Der Hafen liegt am Stadtrand. Zum Besuch der Stadt benutzen wir unsere Fahrrรคder.
Zusammenfassung:
Teil 1: Bergstrecke (flussaufwรคrts von Belgien kommend)
Erst mal das Wesentliche zum franzรถsischen Teil. Der Weg fรผhrt :
54 km รผber dieSambre (flussaufwรคrts)
70 km รผber den Canal de la Sambre ร l’Oise (flussaufwรคrts, dann flussabwรคrts)
7 km รผber den Canal Saint Quentin (flussabwรคrts)
32 km รผber den Canal latรฉral ร l’Oise (flussabwรคrts)
und durch
54 Schleusen
5 Dreh- oder Hebebrรผcken.
Zum Teil werden die Schleusen mit Fernbedienung bedient, dort wo es bewegliche Brรผcken gibt, fรคhrt ein Schleusenwรคrter mit.
Auf der ganzen Strecke haben wir Wasserpflanzen nur an 2 Stellen vorgefunden (bei Schleuse Pont d’Ors nยฐ2, Schleusen Travercy nยฐ34 und 35). Allerdings ist zu empfehlen, den Wasserfilter tรคglich zu kontrollieren und gegebenenfalls zu reinigen.
Auf Zwei Dinge sollte man besonders acht geben:
Die Wassertiefe ist auf der ganzen Strecke bis zum Canal Saint Quentin recht gering. Manchmal bleiben nur 30cm unter dem Rumpf (wir haben einen Tiefgang von 1m). Solange es mรถglich ist, sollte man sich mittig in der Fahrrinne halten.
Die Durchfahrthรถhe ist durchgehend รผber 3,70m. Allerdings ist an ein paar Brรผcken Vorsicht geboten! Da kann es schon mal etwas weniger sein, zumal zurzeit der Wasserstand noch recht hoch ist (die Schleusen laufen รผber). Da wir die Strecke zum ersten Mal befahren, haben wir zur Sicherheit das Cabrio abgebaut. Wir haben am Bug eine Messlatte zur Kontrolle befestigt. Achtung: An der Brรผcke hinter der Schleuse von Chauny wird es dann wirklich knapp….
TEIL 1:(Bergstrecke): Erquelinnes > Etreux
Wir verlassen den Hafen von Erquelinnes um 9h flussaufwรคrts. Am Vorabend haben wir VNF angerufen, um unsere Ankunft fรผr den nรคchsten Tag anzukรผndigen. An der ersten franzรถsischen Schleuse wird die Fernbedienung fรผr die automatischen Schleusen รผbergeben.
Als wir an der Schleuse ankommen, ist noch kein Schleusenwรคrter vor Ort. Dank der Videoรผberwachung kรถnnen wir nach ein paar Minuten einfahren. An dem Hรคuschen auf Steuerbordseite befindet sich ein „Briefkasten“, dem man die „Tรฉlรฉcommande“ (siehe Bild) entnimmt. Allerdings liefert der Automat nur ein Exemplar. Da wir zu zweit mit BALU schleusen, aber nicht wissen, wie lange wir zusammen fahren werden, wollen wir eine weitere Fernbedienung. Da streikt aber der Automat!
Grenzschleuse Marpent nยฐ9 / Foto Thomas te Stege
Nach ein paar weiteren Minuten kommt ein Angestellter von VNF, um uns zu helfen. Ein Telefongesprรคch mit dem Kommando-Posten genรผgt und der Automat „spuckt“ auch fรผr uns eine Fernbedienung aus.
Das hier verwendete Modell unterscheidet sich sehr von den รคlteren, auf der Maas benutzten Exemplaren. Die Grundfunktionen zum รffnen der Tore sind dieselben. Allerdings ersetzt ein Knopfdruck dieses Modells die รผbliche „Stange“, die gezogen werden muss, um den Schleusenvorgang einzuleiten (oder im Notfall zu stoppen). Zusรคtzlich ist es mรถglich im Bedarfsfall, mit dem Kontroll-Posten in Verbindung zu treten.
Die erste Haltemรถglichkeit nach der Grenze bietet sich in Jeumont. Allerdings, leider wie sooft, sind die Strom- und Wasserstellen mutwillig beschรคdigt worden!!!
Halte Jeumont
Bis zur Schleuse Bois d’Abbaye (nยฐ1), geht es weiter auf Bergfahrt. Der Weg fรผhrt uns durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Wir fahren durch schรถne Natur, die uns immer wieder an die „Somme“ erinnert. Dann wieder geht es vorbei an Fabriken, ehemaligen Industriegebieten und dazugehรถrenden Wohnsiedlungen.
Die erste Etappe endet im modernen Hafen in Hautmont. Passanten legen am Aussensteg an. Der Hafen bietet den รผblichen Service. Strom und Wasser werden separat abgerechnet. Wir nutzen unseren Aufenthalt fรผr ein paar Einkรคufe. Am Marktplatz finden wir ein gut besuchtes Bistro, „La Paix„, was uns Lust auf einen „Plat du jour“ gibt.
Hautmont Bistro La Paix
Die Hafenmeisterin weist uns darauf hin, dass sich ganz in der Nรคhe, etwa 1 km flussaufwรคrts, eine neue Bootstankstelle befindet. Hier ist auch das รberwintern in der Halle mรถglich. Da unser Treibstoff noch bis Compiรจgne reicht, nutzen wir die Gelegenheit nicht. Es ist aber gut zu wissen, da Bootstankstellen in Frankreich immer seltener werden.
Die Sambre wird hier immer kurvenreicher und enger. Auch auf die Durchfahrthรถhe sollte man immer wieder achten. Die Angaben in den Karten beziehen sich auf Referenz-Werte der Wasserstรคnde!
Die 2. Etappe fรผhrt uns nach Landrecies. Vor uns liegen 38km und 6 Schleusen. Wir geniessen das schรถne Wetter. Weiterhin fahren wir mit BALU. Inzwischen haben wir unseren Rhythmus gefunden, so kรถnnen wir alle Schleusen gemeinsam nehmen. Entlang der Sambre fehlt es, wie auch an der Meuse und in den Ardennen, nicht an Anglern. Vorsicht ist geboten!
Nach 5 1/2 Stunden Fahrt treffen wir in Landrecies sein. Dort gibt es 2 neue Anleger. Der Anleger vor der Schleuse (im Unterwasser) ist noch nicht vollstรคndig fertiggestellt. Also nehmen wir noch die Schleuse Landrecies (nยฐ3). Da der 2. Steg direkt vor dem Wehr liegt, legen wir rรผckwรคrts fahrend (gegen die Strรถmung) an. Die รbernachtung ist kostenlos, inklusive Strom. Der Wasseranschluss ist wohl noch nicht funktionstรผchtig…
Anleger oberhalb der Schleuse Landrelies
Nicht weit von Landrelies entfernt, mit dem Fahrrad gut zu erreichen, liegt die Stadt Maroilles. Wer sich fรผr franzรถsischen Kรคse interessiert, der kennt, und liebt vielleicht, den gleichnamigen Kรคse.
Leider ist Feiertag, Christi Himmelfahrt! und als wir dort ankommen, stellen wir fest, dass alle Kรคse-Hersteller ihr Geschรคft und ihre Anlagen geschlossen haben. Es rettet uns ein Geschรคft mit regionalen Produkten, das natรผrlich auch den hiesigen Kรคse anbietet.
Die 3. und letzte Etappe auf der Sambre fรผhrt uns nach Etreux.
Anleger in Etreux.
Es ist die letzte Station „zu Berg„. Am morgigen Tag geht es auf Talfahrt bis zur Seine. Aber bevor es soweit ist, fรผllen wir noch unseren Kรผhlschrank beim nahegelegenen „Carrefour City“ auf und genehmigen uns einen „Plat du jour“ in der Bar „Le Lever du jour„. Wer einfache franzรถsische Kรผche mag, der wird hier nicht enttรคuscht.
Als wir vom Essen zurรผckkommen, zeigt und Thomas eine Angelleine, die sich an seinem Schiff unterwegs verfangen hat.
Wir bleiben 2 Tage in Landelies. Zeit genug, um die nรคhere Umgebung etwas zu erkunden. Der Ort an sich hat wenig zu bieten.
Immerhin findet man dort eine Apotheke und ein Cafรฉ.
Yacht Club Haute Sambre
Wer, wie wir, ein paar Einkรคufe machen mรถchte, muss den „Col de Landelies“ nach Montigny-le-Tilleul hochgehen oder fahren. Der Pass ist zwar mit 177 m nicht besonders hoch aber recht steil und eher was fรผr durchtrainierte Radfahrer oder Fussgรคnger.
Ganz in der Nรคhe liegt die ehemalige Abtei von Aulne (Abbaye d’Aulne). Der Ausflug dorthin lohnt sich. Der Weg fรผhrt an der Sambre entlang. Mit dem Fahrrad braucht man etwa eine Viertel Stunde.
Abbaye d’Aulne
Die noch bestehenden Strukturen der ehemaligen Bauwerke sind recht beeindruckend. Zum Abschluss unserer Besichtigung wollen wir uns noch in der Taverne ein dort gebrautes, typisches belgisches, Bier gรถnnen. Doch leider verdunkelt sich der Himmel, es sieht nach Gewitter und Regen aus,… somit treten wir die Rรผckfahrt ohne Bier an.
Bevor wir am nรคchsten Tag weiterfahren, befragen wir noch die Schleusenwรคrter nach den Fahrbedingungen auf der weiteren Strecke. VNF hat vor 2 Tagen die Sambre auf franzรถsischer Seite wegen Hochwasser bis auf weiteres gesperrt (AvisBat 2023/02916).
Sicherlich ist die Fliessgeschwindigkeit wegen der letzten Regentage hรถher als รผblich (etwa 3km/h), aber auf belgischer Seite scheint dies nicht sonderlich zu beunruhigen. Ganz im Gegenteil, am Vorabend unserer Abreise hat sich der Wasserstand wieder um etwa 50 cm gesenkt. Damit er etwa auf gleichem Niveau gehalten werden kann, schliessen die Schleusenwรคrter das Wehr wieder teilweise, um den Durchfluss bei 30 Kubikmeter/sec. zu stabilisieren.
Wehr Landelies
Am 13. Mai brechen wir nach Thuin auf. Wir haben Zeit und geniessen bei gemรผtlicher Fahrt die Landschaft. Vier Schleusen liegen vor uns. Die Schleusen werden ab 9h00 bedient. Ein Anruf bei der ersten Schleuse genรผgt. Das weitere besorgen, die Schleusenwรคrter fรผr uns. So kommt man zรผgig voran.
Sambre Schleuse Grand Courant nยฐ 6
Die vorletzte Schleuse trรคgt den Namen „Starke Strรถmung“. Davon merken wir nichts.
Allerdings wรผrde der Name fรผr die nรคchste Schleuse nยฐ5 Thuin schon eher passen!“ Denn dort ist die Situation untypisch verglichen mit den 3 kleinen Schleusen, die wir schon hinter uns haben.
Sambre Schleuse Thuin nยฐ5
Hier gibt es nรคmlich 2 Umleitungen mit 2 versetzten Wehren. Auf dem Bild sieht man das kleine Wehr direkt links neben der Schleuse. Hier ist die Strรถmung besonders stark.
Darรผber hinaus gibt es noch eine beachtliche Querstrรถmung zur Schleuse. Wir fahren zunรคchst vorsichtig ran, halten uns Backbord, mรผssen dann aber krรคftig Gas geben und fahren mit Schwung in die Schleuse ein. Hier zeigt sich der Vorteil eines recht schmalen Rumpfes! Die Schleusen weisen eine Breite von etwa 5,10m auf. Unser Rumpf ist 3,50m breit, hinzukommt noch der Durchmesser der Fender (2 x 30 cm), somit 50 cm auf beiden Seiten.
In Thuin angekommen, machen wir am Schwimmsteg hinter der 2. Brรผcke (fรผr Fussgรคnger) fest. Dort ist Platz fรผr 6 – 8 Schiffe. Der Liegeplatz ist zurzeit kostenlos. Als wir den Landstrom an dem neuen Verteiller anschliessen, mรผssen wir zunรคchst feststellen, dass kein Strom verfรผgbar ist.
Aber ein paar Anrufe genรผgen und eine sehr hilfsbereite Mitarbeiterin des „Office de tourisme“ macht es mรถglich! Obwohl es Wochenende ist, findet sie einen kompetenten Elektriker, der den Anschluss in kurzer Zeit sicherstellt.
Der Anleger liegt im Zentrum der „Unterstadt“.
Thuin รถffentlicher Anleger am rechten Ufer
Da wir hier gut liegen, entschliessen wir uns, hier abzuwarten, bis die Sperrung auf franzรถsischer Seite aufgehoben ist (NB: am Montag, 15. Mai, wird die Sperrung von VNF aufgehoben).
In der Stadt Thuin findet jedes Jahr ein bedeutendes Folklore – Ereignis statt, die Marche de Saint Roch. Das Fest wird zwar erst am 3. Maiwochenende begangen, aber eine Woche vorher heisst es fรผr das grosse Ereignis trainieren. Inzwischen gehรถrt die Veranstaltung zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Schon dieser Samstag gibt einen Vorgeschmack darauf, was die Besucher am nรคchsten Wochenende erleben werden. Wie zu erwarten ist der Bierkonsum hoch, und die Trommler beweisen ihr Durchhaltevermรถgen bis spรคt in die Nacht, oder besser frรผh in den Morgen…
In Thuin befindet sich auch ein kleines Museum fรผr Strassenbahnen, ein Verkehrsmittel, das man hier wiederentdecken. Wem es Spass macht, der kann auch eine Fahrt durch den Ort buchen.
Nach dem Besuch setzen wir unseren Spaziergang fort. Es empfiehlt sich รผbrigens eine kleine Broschรผre am „Office de Tourisme“ in der Oberstadt zu kaufen. Darin werden mehrere thematische Rundwege durch die Stadt vorgeschlagen. Sehr empfehlenswert ist das Panorama, das man in der „Oberstadt“ in alle Richtungen geniesst.
Zum Abschluss muss es dann noch zu einem kleinen Muskeltraining reichen.
Ein Besuch im Turm und Wahrzeichen der Stadt darf da einfach nicht fehlen. Der Aufstieg geht รผber eine moderne Treppe im Inneren des Turms. Oben angelangt hat man durch 4 Fenster eine schรถne Sicht in die vier Himmelsrichtungen.
Nachdem VNF Entwarnung gegeben hat, wird es Morgen weitergehen, wahrscheinlich unsere letzte Etappe vor der franzรถsischen Grenze. Drei Schiffe liegen inzwischen am Steg. Ein 130 Jahre alter Kahn und eine Linssen Grand Sturdy 430AC. Alle Schiffe passen nicht in die Schleusen, so werden wir wohl zeitversetzt starten. Den Schleusenwรคrter der 1. Schleuse haben wir schon mal vorsichtshalber von unserer morgigen Ankunft informiert.
BALU (die 430er AC) und wir legen kurz vor 9h00 ab. Der Weg ist jetzt schon sehr kurvenreich. Er fรผhrt uns durch eine liebliche Landschaft.
An den 4 Schleusen legt Thomas, der Kapitรคn der BALU, krรคftig Hand an.
Wie schon erwรคhnt haben wir 2021 den Unterlauf der Sambre zwischen Charleroi und Namur flussabwรคrts kennengelernt. Diese Saison soll es weiter nach Frankreich gehen.
Es regnet seit einigen Tagen. Die Erinnerungen an das Hochwasser im Sommer 2021 sind noch recht wach. Am 10. Mai legen wir um 8h45 in Namur ab. Zunรคchst wollen wir die Strรถmung testen, um sicherzustellen, dass wir weiterfahren kรถnnen. Zu unserer รberraschung liegt die Strรถmung nur bei 1 km/h.
Namur > Auverlais
Es gibt kaum Anlegemรถglichkeiten zwischen Namur und Charleroi. Die Schleusen auf dieser Strecke sind fรผr Frachter bis 110m gebaut. Die Kammern haben eine Dimension von 111,9 x 12,5 m. Nur die Schleuse von Auvelais ist etwas grรถsser. Sie misst 136 x 12,5m. Da hier im Allgemeinen ein recht reger Berufsverkehr herrscht, kann nur ein Frachtschiff (oder mehrere Freizeitboote) geschleust werden. Ausserdem gilt auch hier, dass Berufschiffer absoluten Vorrang haben.
Bei den ersten drei Schleusen haben wir Glรผck und mรผssen nicht lange warten, bis wir geschleust werden. Es ist hilfreich sich recht frรผh รผber Funk anzumelden und je nach Situation seine Geschwindigkeit anzupassen. 3 Stunden brauchen wir fรผr die Strecke der ersten drei Schleusen.
Inzwischen ist Mittagszeit. Es liegen noch 5 Schleusen vor uns bis zum Yacht-Hafen von Landelies. Also grob geschรคtzt noch mindestens 5 – 6 Stunden, wenn wir den Rhythmus beibehalten kรถnnen. Je mehr wir vorankommen, um so stรคrker wird die Strรถmung. Jetzt liegt sie bei 2,5 km/h.
Als wir an der Schleuse von Auvelais ankommen, fรคhrt gerade ein 110m Frachtkahn ein. Zunรคchst verharren wir in ausreichender Entfernung vor dem Schleusenkanal im Unterwasser.
Der Schleusenwรคrter weist den Berufsfahrer an, uns Platz zu machen. Jetzt fahren wir langsam vor und warten im Schleusenkanal ab. Noch bevor wir die Schleusenkammer erreichen, gibt der Frachter noch einmal richtig Gas, um sich zu platzieren, …
Jetzt passiert genau das, was man schon รถfters in Videos oder auf Youtube sehen konnte!
Die dadurch hervorgerufenen Turbulenzen bringen uns in grosse Schwierigkeiten. Unser Boot stellt sich zunรคchst quer zum Kanal und beginnt abzudriften. Es gelingt uns durch eine 180ยฐ Wendung den Schleusenkanal wieder flussabwรคrts zu verlassen. So schaffen wir es, das Schiff wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dann wenden wir erneut um 180ยฐ in Richtung Schleuse. So warten wir ab, bis sich das Wasser vollstรคndig beruhigt hat. Auch die Schraube des Frachters steht jetzt still!
Vielleicht taucht irgendwann mal eine Video auch von uns auf…. Von solchen Szenen hรถrt man ja รถfter. Man glaubt’s erst, wenn es einem selbst passiert. Murphy gilt auch beim Bootsfahren, hier vielleicht sogar mehr als sonstwo!
Das Bild oben zeigt den 15m breiten Schleusen-Kanal. Es wurde spรคter aufgenommen. Wir wollten uns die Situation wieder vor Augen fรผhren. Mit gelegtem Mast misst unser VAGABOND rund 12,5m.Zum Wenden und Manรถvrieren bleibt kaum Platz.
Nach diesem Stress entschliessen wir, nicht mehr weiter zu fahren. Es wรคre auch sicherlich zeitlich sehr eng geworden, wie der folgende Tag zeigen wird.
Im Oberwasser der Schleuse Auvelais liegt man recht ruhig am Kai. Auf Anfrage empfiehlt uns der Schleusenwรคrter, mindestens 500 m Abstand zur Schleuse zu wahren.
Da die Schleusen hier nachts nicht bedient werden, herrscht zwischen 19h00 und 6h00 vรถllige Ruhe, welche wir auch nach diesem Adrenalin-Tag verdient haben.
Auvelais > Landelies
Am nรคchsten Morgen starten wir vor 8h. Alle Schleusen bis Charleroi nehmen wir alleine. Hinter Auvelais beginnt der industrielle Grossraum von Charleroi. Nun wechseln sich Chemiewerke, verfallene Industrieanlagen und neue Recyclingbetriebe ab.
Wer zur schรถnen idyllischen Sambre will und von der Maas her kommt, muss hier halt durch. Es wird deutlich, wie aus einer ehemals blรผhenden, reichen Stahl-, Kohle- und Glasindustrie-Region, ein strukturell schwรคchere Gegend werden konnte (verglichen mit Flandern und Brรผssel).
Die Fahrt durch Charleroi ist trotzdem eine Reise wert, oder gerade auch deshalb. Es soll uns daran erinnern, wie schnell es gehen kann,… denken wir nur an die Umbrรผche, die uns gerade in Europa bevorstehen.
Bei der Einfahrt in die Stadt sagt man sich am besten beim Schleusenwรคrter der Schleuse Marcinelle an. Er steuert den Verkehr รผber den engen und kurvenreichen Fahrweg. Zwischen der Schleuse Montignies s/ Sambre und Marcinelle gilt Linksverkehr.
Sehr eng wird es dann vor der Schleuse Marcinelle… Die Schleuse liegt auf Backbord am rechten Ufer.
3 1/2 Stunden haben wir fรผr den Weg bis hierher gebraucht. Direkt hinter der Schleuse befindet sich die Abzweigung zum Kanal nach Brรผssel oder zum „Canal du Centre“.
Wir fahren weiter auf der Sambre durch eine Gegend, die man heute als „Lost places“ bezeichnen wรผrde.
Als wir uns der letzten grossen Schleuse Monceau nรคhern, sehen wir, dass gerade ein Frachter „rรผckwรคrts“ in die Schleuse einfรคhrt! Dass auf der Sambre einem manchmal Frachtschiffe im Rรผckwรคrtsgang begegnen, wussten wir und haben es auch schon selbst bei Floriffoux 2021 erlebt. Aber, dass wir es jetzt ganz nah miterleben, und dann noch inbeim Schleusen, hat uns noch gefehlt.
Die Schleuse misst 115 x 12 m. Der Frachtkahn ist 80 m lang, also sollte es klappen. Vermerkt sei noch, dass diese Schleuse mit 4,90 m recht hoch ist. Was an sich kein Problem darstellt, aber hier gibt es keine Festmacher an den Kammerwรคnden.
Der Schleusenwรคrter „angelt“ die Leinen und legt sie um die Poller.
Die Schleusung verlรคuft problemlos. Wie geht es jetzt weiter?
Wir mรผssen eine ganze Weile hinter dem Bug (!) des Frachters bleiben. รberholen ist hier wegen der Enge und Kurven kaum mรถglich, ausserdem sollte man einen Berufschiffer nicht behindern.
Der Frachter bewegt sich sehr vorsichtig mit etwa 3km/h.
Sein Ziel ist ein Kalksteinbruch in 2 km Entfernung. Inzwischen betrรคgt die Strรถmung 3 km/h.
Als wir dann nach 40 Minuten an ihm vorbeifahren kรถnnen, bedankt der Berufschiffer sich bei uns, weil wir ihn beim Manรถvrieren nicht behindert haben.
Bevor wir am Hafen Landelies ankommen, nehmen wir noch eine kleine Schleuse. Jetzt entsprechen die Schleusen etwa dem fanzรถsischen Freycinet-Format.
Nun sind wir im „Freizeit“-Teil der Sambre angekommen. Ab jetzt werden die Schleusen manuell von Schleusenwรคrtern bedient.
Schleuse Landelies
Von der Schleuse bis zum Hafen sind es nur ein paar 100 m. Zunรคchst geht es weiter flussabwรคrts, dann biegt man auf Backbord in den Flussarm zum Wehr. Anlegemรถglichkeiten gibt es am rechten Ufer.
Hafen Landelies (vom Wehr flussabwรคrts aus gesehen)
Die Industrie liegt hinter uns, wir kรถnnen in den Entspannungs-Modus umschalten.
Bevor es auf grosse Fahrt geht, bleiben wir noch ein paar Tage in Maasbracht und Umgebung. Wir nehmen uns die Zeit fรผr ein paar Einkรคufe, ein paar Runden mit dem Boot und Spaziergรคnge in der Natur und den schรถnen kleinen Orten in der Nรคhe.
Aber zunรคchst heisst es nochmal putzen. Das Boot kam vor 2 Wochen ins Wasser. Dementsprechend sieht es auch aus ;-).
Am 3. Mai soll es losgehen in Richtung Sรผden. Diese Strecke kennen wir gut von unseren Bootsaisons nach Frankreich und Belgien 2014, 2016, 2018, 2020 und 2021.
Zunรคchst wird uns die Fahrt nach Namur fรผhren. Wie schon erwรคhnt, wollen wir dort รผber die Weiterfahrt entscheiden: Sambre oder Ardennen.
Maasbracht > Maastricht:
Diesmal wรคhlen wir das „Bassin“. Als wir uns der Stadt nรคhern, rufen wir den Schleusenwรคrter an. In 10′ sei er an der Schleuse, bestรคtigt er uns.
Fรผr Frankreich, wo auf den meisten Kanรคlen eine Hรถhenbegrenzung von ungefรคhr 3,50m besteht, haben wir einen Messstab am Bug des Bootes befestigt. Jetzt wird er eine sinnvolle Hilfe sein. Die Einfahrt zum Hafen ist durch eine Brรผcke auf etwa 3,60m Durchfahrthรถhe begrenzt. Je nach Wasserstand kann es auch mal weniger sein,… Auf der Steuerbordseite (zu Tal) der Kammer befindet sich ebenfalls eine hilfreiche Hรถhenmarkierung (siehe Bild).
Auch beim Herausfahren sollte man vorsichtig sein. Der Wasserstand im Hafenbecken kann sich wegen der Schleusungen tagsรผber verรคndern. Also besser etwas Sicherheitsabstand vorsehen oder „einfach“ das Cabrio ablegen (das gilt natรผrlich nicht fรผr SEDAN Freunde).
Schleuse 20 Maastricht Einfahrt t’Bassin
In Maastricht bleiben wir 3 Tagen im t’Bassin. Fรผr Strom braucht man die „Service-Karte“. Falls man noch keine besitzt, kann man sie im Hafen am Automaten kaufen und aufladen. Wir verbrauchen etwa 2kW/Tag fรผr etwa 3 – 4โฌ. Die รbernachtung kostet jetzt fรผr 2 Personen und unser Boot (11m) 19,25โฌ
Fรผr die nรคchsten Tage ist Regen angesagt. So profitieren wir noch vom recht sommerlichen Wetter bevor es weiter nach Lรผttich geht.
t’Bassin Maastricht
Maastrich > Lรผttich:
Zur unserer Zufriedenheit stellen wir fest, dass an der Schleuse von LANAYE die 3. kleinere Kammer wieder in Betrieb ist. Dort lernen wir die Crew von SK206 aus Sneek kennen. Auch sie ist Richtung Paris unterwegs. Sie begleitet uns bis Namur, von wo sie am 9. Mai nach Dinant weiterreist. Sie haben vor, den Ardennen-Kanal zu befahren. Die verfรผgbaren Informationen sind wie so oft recht vage. Wir vereinbaren unsere Erfahrungen und Informationen รผber den Ardennen-Kanal auszutauschen.
Im „Port de Yacht“ ist erstaunlich viel Platz. Wie auch 2021 ist kein Hafenmeister aufzufinden. Das Hafenbรผro scheint verwaist, auch wenn ein paar Kontrolleuchten rรถtlich im Dunkeln flackern. Echt bedauerlich! Der Hafen liegt zentral. Der Bahnhof mit guten Verbindungen nach Deutschland, Frankreich und den Niederlanden ist zu Fuss zu erreichen.
Das Wetter hat sich auch verschlechtert und lรคdt nicht gerade zu einem lรคngeren Aufenthalt ein. Trotzdem lassen wir uns einen Stadtbummel nicht entgehen.
Lรผttich > Huy > Namur:
Die Strecke bis Huy erinnert an frรผhere Zeiten. Alte Industrieanlagen werden „rรผckgebaut“ oder einfach abgerissen. Wie an anderen Orten, hat hier Kohle und Stahl einst eine bedeutende Rolle gespielt.
In Huy bleiben wir auch nur einen Tag, obwohl wir hier hรคufig etwas lรคnger verweilen. Das Restaurant hat seit 2021 einen neuen Besitzer. Das Ambiente ist jรผnger und die Kรผche spanisch angehaucht. Wir erhalten den letzten Tisch an diesem Sonntag.
SK206 im Oberwasser der Schleuse Andenne
Am nรคchsten Tag geht es recht zรผgig bis nach Namur. Bei den beiden Schleusungen haben wir Glรผck, so dass wir fast reibungslos an unserem Ziel ankommen.
Wie gesagt „fast“,….
Grundsรคtzlich kann man in Namur an zwei Stellen anlegen, entweder am linken Ufer an der Kai-Mauer oder auf der anderen Seite im Hafen an den Schwimmstegen. Wer nur einen Tag bleiben will, sollte die Kai-Mauer ansteuern. Das Anlegen ist problemlos. An manchen Stellen fehlen allerdings ein paar Festmacher.
Fรผr die schรถnere Sicht bietet sich der Hafen von Jambes, direkt gegenรผber gelegen, an.
Namur
Je nach Jahreszeit und Strรถmung kann das Anlegen hier etwas problematischer sein. Der Hafen liegt auf der Talseite des Flusses nur 300 m vom Wehr der Schleuse „La Plante“ entfernt.
Schema SG 2023 Anfahrt gegen die Strรถmung Hafen Namur (Jambes)
Wenn man „Zu Berg“ unterwegs ist, empfiehlt es sich, zunรคchst die Stรคrke der Strรถmung abzuschรคtzen. Im Zweifelsfalle ist die Kaimauer immer die einfachere Wahl!
Jeder hat natรผrlich seine eigene Technik.Was hier geschrieben ist, soll nur als Tipp verstanden werden und auf keinen Fall als allgemeingรผltige Anleitung betrachtet werden!!
So fahren wir zunรคchst weiter stromaufwรคrts in Richtung Wehr und drehen auf halber Lรคnge des Hafens. Man muss zรผgig in die Box einfahren. Dabei zielt man den Steg steuerbordseitig an. Sobald man in der Box ist, lรคsst man sich an den Steg auf der Backbordseite treiben. Dann gilt es, das Boot schnell unter Kontrolle zu bekommen, bevor es wieder von der Strรถmung erfasst wird,…..
Wenn dann das Wetter stimmt, geniesst man die wunderbare Aussicht auf die Zitadelle und die Brรผcke nach Jambes.
Grosse Plรคne hatten wir fรผr diese Saison nicht gemacht.
Jeden Winter kommen immer wieder Ziele wie „mal wieder Paris… รผber die Maas und Ardennen,…“ oder „aber dieses Jahr endlich mal Berlin…“ ins Gesprรคch.
Diese Plรคne haben wir aus verschiedenen Grรผnden in den letzten 4 Jahre fallen gelassen oder aufgeben mรผssen: Wassermangel, Algen, Wegsperrungen, Hochwasser, und nicht zuletzt andere Prioritรคten….
Auch dieses Jahr haben sich ein paar „Termine“ fรผr den Sommer in den Vordergrund gedrรคngt. So wird es im Juli einen Landurlaub geben fรผr Hobby und Familie.
Unser Saisonstart ist fรผr Ende April vorgesehen. Bis dahin ist noch einiges zuhause zu erledigen, nicht zuletzt die jรคhrliche Steuererklรคrung. Die รผblichen Einkรคufe sind schon getรคtigt. Wir nehmen immer weniger oder besser gesagt Gezielteres mit. Nur noch Spezifisches aus der Heimat, was wir sonst nirgends oder nur schwer finden. Man hat so seine Gewohnheiten! Die Reisebibliothek steht schon seit Wochen bereit.
Fรผr das Bootsfahren bleiben uns noch 4 Monate. In dieser Zeit lรคsst sich noch einiges unternehmen.
Von Mai – Juni (1) soll es nach Sรผden gehen (unser VAGABOND รผberwintert in Maasbracht).
fรผr die 2. Tour im August und September denken wir an den Westen der Niederlande.
Bevor es dieses Jahr „richtig“ auf Tour geht, werden wir uns auf jeden Fall etwas Zeit lassen und in Maasbracht und Umgebung ein paar Runden drehen. 2022 hatten wir aus Eile den Fehler gemacht, direkt nach der Ankunft los zu starten. Das hat uns einiges an รrger und (unnรถtigen) Kosten beschert.
Tรถrn 1: Franzรถsische Sambre
Die Sambre entspringt in Nordfrankfreich und mรผndet in Namur in die Maas. 2021 waren wir schon mal auf der Sambre unterwegs. Allerdings nur auf der belgischen Seite zwischen Charleroi und Namur.
Seit 3 Jahren ist die Sambre wieder vollstรคndig befahrbar. Somit kรถnnte diese Tour auch „Belgien – Nordfrankreich“ heissen. Die franzรถsische Sambre ist „Neuland“ fรผr uns.
Seit 2022 gibt es jetzt auch einen Fรผhrer der „Edition du Breil„. Dieser Verlag hat sich auf die franzรถsischen Reviere spezialisiert.
Wie genau die Befahrbarkeit der franzรถsischen Flรผsse und Kanรคle im Allgemeinen im Norden und Nord-Osten dieses Jahr aussieht, wissen wir noch nicht. Bisher wurden keine grรถsseren Behinderungen oder gar Sperrungen angekรผndigt. Wie immer verfolgen wir die „Avis ร la batellerie“ von VNF und auch einige Facebook-Gruppen, die regelmรคssig รผber ihre Erfahrungen berichten.
In welcher Richtung wir die Tour angehen (im Uhrzeigersinn oder in Gegenrichtung), steht noch nicht fest.
Zunรคchst wollen wir von Maasbracht ausgehend die Maas bis Namur hochfahren. Dort werden wir entscheiden, ob wir die Sambre hochfahren oder weiter auf der Maas nach Frankreich schippern. Die Entscheidung hรคngt vor allem von den Fahrbedingungen auf der franzรถsischen Maas (Meuse) und dem Ardennen-Kanal ab. 2020 und 2021 haben wir es nicht weiter geschafft als Charleville-Mรฉziรจre : Hochwasser, Wasserpflanzen, Niedrigwasser ….
„Endziel“ soll Paris sein. Nach 2014, 2016 und 2018 wรคre es unser 4. Aufenthalt in der Stadt. Was auch immer kommen wird, 2024 werden wir auf keinen Fall den Versuch unternehmen dort hinzufahren. Es ist das „Olympia-Jahr“! Die Stadt wird รผberlaufen sein und die so schon recht teuren Liegeplรคtze nochmal einen Preisaufschlag bekommen.
Auf dem Ardennen-Kanal waren wir zum letzten Mal 2018 unterwegs, nur einige Tage vor seiner 3-jรคhrigen Sperrung. Bei einem Unwetter wurde eine Schleuse damals vรถllig zerstรถrt.
Bezรผglich der Fahrbedingungen, ist es am Sichersten, Paris รผber die Oise zu erreichen. Wie auch auf der Seine, herrscht dort noch reger Berufsverkehr. Zur Oise gelangt man in unserem Falle entweder von Norden, z.B. รผber die Sambre von Namur kommend, oder von Osten รผber den Ardennen-Kanal und die Aisne.
Wo wir dann zur Sommerpause unser Boot lassen, steht noch nicht fest. Bisher sehen wir da 3 Mรถglichkeiten:
Wir fahren bis nach Paris zum Arsenal oder lassen das Boot in Cergy.
Wir bleiben eher im Norden und fahren ins Richtung Zeeland.
Wir fahren zum Heimathafen zurรผck.
Tรถrn 2: Zeeland
Fรผr die zweite Tour haben wir uns, abhรคngig von unsrem Liegeplatz Ende Juni, ein paar Alternativen รผberlegt.
2019 waren wir zum ersten Mal in Zeeland unterwegs. Es war unsere erste Erfahrung in „salziger“ Umgebung. Im Wesentlichen haben wir den Volkerak und das Grevelinger Meer besucht. Es hat uns gut gefallen. Damals waren wir zu Saisonbeginn dort. Im Sommer 2023 mรผssen wir sicherlich mit mehr Betrieb rechnen.
Diesmal werden wir uns aber mehr Zeit lassen und etwas weiter nach Sรผden vorstossen. Oosterschelde, Westerschelde,.. Das sind Reviere, die wir noch nicht kennen. Sicherlich sind sie etwas anspruchsvoller: Tiede, Wind, Berufsververkehr, Betonnung, teilweise offenes Meer etc.
Die Saison starten wir mit einem Kilometerstand von 13 000 km und 1900 Motorstd. oder 7km/h im Durchschnitt.
Nach letztem Stand werden wir am 3. Mai aufbrechen. Bis dahin gilt es, noch ein paar Testrunden zu fahren.
———————————————————————————————————-
Zunรคchst gilt es aber, die verfรผgbaren Informationen aufmerksam zu studieren:
Zum Spass haben wir dann noch mal schnell ChatGPT befragt: Wie fรคhrt man am besten mit dem Boot von Maasbracht nach Paris. Hier die Antwort:
Eine Bootsfahrt von Maasbracht nach Paris ist eine groรartige Idee und kann eine wunderbare Mรถglichkeit sein, die Wasserstraรen Europas zu erkunden. Die Reise fรผhrt Sie durch einige der schรถnsten Gegenden der Niederlande und Frankreichs.Je nach Ihren Vorlieben und der Grรถรe Ihres Bootes kรถnnen Sie verschiedene Routen wรคhlen. Eine beliebte Variante ist, der Maas von Maasbracht aus nach Sรผden zu folgen, durch Belgien und nach Frankreich, wo sie in die Seine รผbergeht und direkt nach Paris fรผhrt.Auf dem Weg dorthin kommen Sie durch malerische Dรถrfer, historische Stรคdte und atemberaubende Naturlandschaften. Zu den Hรถhepunkten der Reise gehรถren die mittelalterliche Stadt Dinant in Belgien, das Weinland der Champagne in Frankreich und die berรผhmte Lichterstadt Paris.Um diese Route zu befahren, mรผssen Sie sorgfรคltig planen und dabei die Grรถรe und die Mรถglichkeiten Ihres Bootes sowie alle erforderlichen Genehmigungen und Vorschriften berรผcksichtigen. Sie sollten auch in Erwรคgung ziehen, einen รถrtlichen Reisefรผhrer zu engagieren oder sich einer Segelgruppe anzuschlieรen, um sicherzustellen, dass Sie das Beste aus Ihrer Reise machen und auf dem Wasser sicher bleiben.Ein Segeltรถrn von Maasbracht nach Paris kann ein unvergessliches Erlebnis sein, das Sie durch einige der schรถnsten und geschichtstrรคchtigsten Gegenden Europas fรผhrt.
Die VAGABOND Crew wรผscht allen unseren treuen Lesern ein Frohes gesundes Neues und Bootsvolles Jahr.
Hoffen wir, dass die Fahrbedingungen 2023 gut sein werden:
nicht zuwenig oder zuviel Wasser,
nicht zuwenig Sonne oder zuviel Hitze
(das gilt fรผr unse Motorbootfahrer) nicht zuviel Wind….
immer eine Handbreite unter dem Kiel.
Auch 2022 habt Ihr viel zum Erfolg unseres Blogs beigetragen. Vielen Dank fรผr die wervollen Kommentare und interessanten Fragen.
Insgesamt ist unsere Webseite mehr als 38 000 (+42%) mal von รผber 10 000 (+44%) Besuchern angeklickt worden. Dieser Erfolg ermutigt uns weiter zu machen!
Wie zu erwarten, waren es vor allem unsere deutschsprachigen Leser aus Deutschland, der Schweiz und รsterreich, die den grรถssten Anteil darstellen. Aber auch die Niederlande und Frankreich stellen einen grossen Teil der Besucher.
Wie schon seit langem besteht weiterhin grosses Interesse an Maas – Mosel – Saar. Eine Reise, die in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist, wegen dem Zustand des franzรถsischen Nordรถstlichen Kanalnetztes: Wasserstand, Wasserpflanzen, Sperrungen…
Auch 2023 werden wir versuchen รผber den Zustand der franzรถsischen Wasserwege zu informieren.
Unsere Belgien-Rundfahrt von 2021 fand wieder viele Leser. Natรผrlich galt das grรถsste Interesse der letzten Saison durch die Niederlande nach Norddeutschland. Etwa 1/3 aller Aufrufe waren ihr gewidmet.
2018 waren wir zum letzen Jahr in unserer Heimat, in Paris. Vielleicht gibt es dieses Jahr ein Wiedersehen.
Wir freuen uns jetzt schon, Eure Reise-Plรคne fรผr die neue Saison zu lesen.
Von der Buiten-IJ kommend, haben wir die Oranje-Schleusen hinter uns gelassen. Wir fahren den Sixhaven an, in der Hoffnung dort einen Platz zu finden. Es ist immer noch Hochsaison und der Hafen erfreut sich noch seiner grossen Beliebtheit.
Amsterdam bietet dem Bootsfahrer einige Mรถglichkeiten. An Hรคfen fehlt es nicht. Wir bevorzugen den Sixhaven. Wir waren auch schon mehrmals in der Marina Amsterdam in der Nรคhe der NDSM Pier – Fรคhre. Auch wenn die Marina Amsterdam mit seinem Restaurant „Loetje Amsterdam aan ‚t IJ“ an Service mehr bietet, liegt sie doch etwas abseits. Fรผr lรคngere Aufenthalte ist dieser Hafen sicherlich eine gute Wahl. Aber es sind gerade das stรคndige Kommen und Gehen, sowie die Ambiente des Sixhaven, die uns immer wieder dorthin zieht. Im Gegensatz zur Marina Amsterdam, ist der Sixhaven vor allem ein Passantenhafen.
Als wir dort einlaufen, werden wir zunรคchst vom Hafenmeister darauf hingewiesen, dass „es besser gewesen wรคre, wenn wir kurz vor der Ankunf angerufen hรคtten,…wie es auf dem Schild an der Hafeneinfahrt steht,…„. Trotzdem reagiert er sehr freundlich.
Nach kurzer รberlegung weist er uns einen ruhigen Platz am C-Steg zu. Da wir etwa 10 Tage dort verweilen werden, sind wir mit seiner Wahl voll zufrieden. Am Steg liegen vor allem Segelschiffe mit ~ 11m Lรคnge und 4m Breite.
Einiges hat sich geรคndert seit unserem letzten Aufenthalt 2019.
Der Bezahlautomat und die Service-Karte wurden durch die App. i-Marinaersetzt. An jedem Liegeplatz befindet sich am Steg ein QR-Code zum Abscannen. Damit ist die Reservierung und Bezahlung schnell erledigt. Wem dies zu modern ist, der kann im Hafenkantoor immer noch mit Kredit – oder Bankkarte bezahlen. Im Preis ist der Liegeplatz, Wasser, Strom und die Benutzung des Sanitรคrbereichs enthalten. HINWEIS:Der Strom ist auf 1300 W begrenzt, was fรผr manche Schiffe ein Problem sein kann (z.B. Backofen, Waschmaschine, Induktionskochplatten,…).
Auch der Wรคschetrockner und die Waschmaschine werden jetzt รผber eine spezielle App. appWash (von Miele) gesteuert.
Was uns dieses Jahr besonders auffรคllt , ist die grosse Anzahl an Segelbooten. Ob es an der Jahreszeit liegt? Schรคtzungsweise 80% der Besucher sind Segler, darunter auch viele gecharterte Schiffe. Neben einigen deutschen und niederlรคndischen Booten, รผberrascht der grosse Anteil nordischer Flaggen: Finnland, Schweden, Norwegen, Dรคnemark,…
Wir unternehmen ein paar Ausflรผge in die Stadt. Oder sollte man sagen „an der Stadt vorbei“!. Die Hauptachsen der Stadt, ausgehend vom Zentralbahnhof, ersticken regelrecht vor Touristen. Die Anziehungskraft scheint wรคhrend der Nach-Corona-Zeit noch grรถsser geworden zu sein. Nur wenige Orte in der Innenstadt entkommen dem Trubel auf den Strassen und Kanรคlen.
Dazu zรคhlen ein paar Museen, die nicht unbedingt auf den „normierten Besucherprogrammen“ stehen, wie das Tropenmuseum und das Architektur-Museum „Het Ship„, die wir dieses Mal aufsuchen. Der Name „Das Schiff“ lรคsst nicht direkt erkennen, dass es sich hier um Architektur der „Amsterdamer Schule“ handelt“. Erst beim Besuch wird der Zusammenhang deutlich.
Dem Tropenmuseum haben wir zum ersten Mal 2019 einen Besuch abgestattet. Da dort immer wieder interessante Wanderausstellungen zu sehen sind, lohnt es dort vorbeizuschauen. Zur Zeit beherbergt es beispielsweise unter anderem eine Ausstellung รผber die Skaverei und eine Serie von Fotos, die den World Press Award erhalten haben.
Tropenmuseum // Amsterdam
Das wechselhafte Wetter hรคlt uns nicht von einer kleinen Radtour nach Durgerdam, einem kleinen ruhigen Vorort, ab. Denn nicht nur die Kanรคle der Stadt sind sehenswert! Nur ein paar Kilometer vom Sixhaven entfernt, im Osten an der Buiten-IJ gelegen, erinnert das Strassendorf mit seinen kleinen ehemaligen Fischerhรคuschen an eine lรคngst vergangene Zeit. Die Leute, die hier wohnen, bevorzugen sichtlich eine lรคndliche Atmosphรคre, weit ab vom Lรคrm der Stadt. Die vielen Wรคscheleinen setzen ein bewusstes Signal!
Direkt am Damm liegt auch der kleine Club-Hafen. Wohl eine nette Adresse, wenn man vom Markermeer kommend zur Stadt will.
Zum Abschluss unseres Aufenthalts noch ein paar Bilder, die vom stรคndigen Treiben zeugen.
Eindrรผcke einer lebendigen Stadt
Mit diesen Eindrรผcken verlassen wir die Stadt am 9. September und brechen auf in Richtung Winterlager. Da wir dieses Jahr die Saison frรผher beenden wollen, wรคhlen wir einen recht schnellen, dafรผr allerdings anstrengenden Weg รผber den sehr befahrenen Amsterdam-Rijn-Kanal. Dort begegnen uns nicht nur Frachter und einige schnelle Sportboote sondern auch Mietboote. Zwei davon haben sichtlich Probleme, da sie von Rijkswaterstaat abgeschleppt und in Sicherheit gebracht werden mรผssen. Der Weg fรผhrt uns weiter รผber den Merwedekanal, den Waal, die Afgedamde Maas und die Maas.
Ursprรผnglich hatten wir 8 – 10 Tage fรผr die Rรผckreise eingeplant. Diesmal soll es schneller sein. Wir verlรคngern unsere Tagesetappen um 2 – 3 Stunden. Nach 5 Tage sind wir wieder in Maasbracht.
Was wir im nรคchsten Jahr unternehmen werden, ist noch offen. Natรผrlich haben wir wรคhrend der Rรผckfahrt schon Plรคne geschmiedet. Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt heisst es, unsere Reise nach Hong-Kong vorzubreiten! 3 Jahre sind es her, dass wir unsere Famile dort zum letzten Mal gesehen haben.
Anfang September haben wir einen kurzen „Break“ gemacht. Wir waren ein paar Tage im „Sรผden“. Da ergab sich die Mรถglichkeit mal bei einer „Gleittour“ mit 30 kn mitzufahren.
Verglichen mit unserer รผblichen Reisegeschwindigkeit von 10 km/h (5,4 kn) ist das natรผrlich ein gewaltiger Unterschied. Da kommt irgendwann die Frage des Dieselverbrauchs auf den Tisch. Heisst 5x schneller auch 5x mehr „Sprit“?
Der Vergleich hinkt natรผrlich. Kommen wir also zu unserem Stahlverrรคnger zurรผck. Wie sieht es denn da aus?
Die aktuellen Dieselpreise laden gerade dazu ein, sich ein paar Gedanken zu diesem Thema zu machen.
Verdrรคnger sind keine Gleiter. Das Bauprinzip setzt der Physik in Sachen Geschwindigkeit Grenzen. Die theoretische Hรถchstgeschwindigkeit (bei akzeptablem Energieaufwand) hรคngt in erster Nรคherung bei einem Verdrรคnger von der Lรคnge der „Wasserlinie“ des Schiffes ab. Mit einer einfachen Faustformel kann man diese Geschwindigkeit schnell errechnen. In unserem Fall liegt sie bei 14,5 km/h. Dies ist wohlgemerkt ein theoretischer Wert. In der Praxis liegt die Hรถchstgeschwindigkeit bei unserem Schiff deutlich niedriger, eher bei 12 km/h. Sie hรคngt natรผrlich auch von anderen Parametern ab: Beladung, Wind, Strรถmung,…
Unser VAGABOND ist mit einem Volvo-Penta D2-75 Motor ausgestattet, 11,10m lang und verdrรคngt 10 500 kg Wasser (im Leerzustand). Aus den technischen Daten des Herstellers Volvo-Penta gehen die jeweiligen drehzahlabhรคngigen Verbrauchsdaten hervor.
Schema Verbrauch / Geschwindigkeit (Verbrauchsdaten nach Datenblatt Volvo-Peta)
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Unsere typische Reisegeschwindigkeit (im Wasser, und nicht SOG) liegt bei 10 km/h (5,4 kn). Wie man dem Schema entnehmen kann, ergibt dies einen Verbrauch von 3 l/h. Unser Durchschnittsverbrauch รผber einen lรคngeren Zeitraum liegt bei 2,8 l/h.
Erhรถht man die Geschwindigkeit um nur 1 km/h verdoppelt sich der Verbrauch. Bei 12 km/h sind es schon mindestens 9 l/h…
Um es anders auszudrรผcken:
+ 1 km/h (+10%) = nach 40km / Tag ist man eine halbe Stunde schneller am Ziel fรผr die doppelten Kosten.
+ 2 km/h (+20%) = dreifache Kosten
Am Ende ist es (fรผr uns) aber nicht nur eine Frage der (exponentiellen) Kosten.
Auch der Gerรคuschpegel spielt fรผr uns eine grosse Rolle. Bei 1800 T/min lรคuft der Motor recht ruhig. Auf lรคngeren Fahrten bei 2100 T/min erscheint uns das Motorgerรคuch und die aufkommenden Vibrationen eher stรถrend, wobei wir meistens „oben“ auf dem Achterdeck sitzen. Dort tritt bei 10 km/h eher das Fliessgerรคusch des Wassers in den Vordergrund.
Fรผr eine Woche haben wir einen festen Liegeplatz in Naarden gebucht. Wir haben Besuch.
Hafen Naarden
Von Naarden aus unternehmen wir kleine Tagesfahrten auf die Randmeren. So machen wir einen Abstecher nach Huizen zum „Lunch“. Das Restaurant liegt direkt an der Kade des Passantenhafens.
Passantenhafen Huizen
Obwohl es auf Ende August zugeht, ist auf den Randmeren noch sehr viel los. Vor allem am Wochenende. Auch im Hafen ist Einiges in Bewegung, auch Jetskis drehen jetzt ihre Runden. Im Gegensatz zu Passantenhรคfen bleibt es hier wรคhrend der Woche allerdings eher ruhig. Der Rummel konzentriert sich aufs Wochenende. Die Nรคhe zu Amsterdam spielt dabei wohl auch eine Rolle.
Ein Besuch der ehemaligen Festungstadt Naarden steht auf dem Besuchsprogramm. Ein Rundweg fรผhrt uns um die ganze Stadt und gibt so einen guten Eindruck der Anlage. Die heute noch bestehenden Festungsanlagen stammen aus dem 17. Jahrhundert.
Naarden Festungsanlage
Nach 7 Tagen brechen wir nach Muiden auf. Zunรคchst bleiben wir in der Fahrrinne. Vor der Fahrt haben wir uns รผber die Lage der Wasserpflanzen informiert. Seit 2019 hat der Befall stark zugenommen. Damals war vor allem die Kรผstenregion um die Stadt Hoorn stark betroffen. Um sich ein genaueres Bild zu machen, ist die Application waterplanten.nu sehr hilfreich.
Waterplanten.nu // Screen shot // unsere Route
Allerdings stehen uns 2 Dinge im Weg, die uns von der empfohlenen Route abkommen lassen:
Vor Muiden lรคuft eine Segelregatta mit historischen Segelschiffen. Dies erschwert das Einhalten einer geraden Linie
Ein Fischerboot hat grossflรคchig Netze ausgelegt. Wir wollen das Risiko nicht eingehen, durch die Fangzone zu fahren.
Sobald wir uns von der vorgesehenen Route entfernen, geraten wir in ein stark mit Wasserpflanzen befallenes Gebiet. Die Geschwindigkeit des Bootes nimmt schnell ab, die Schraube vibriert stark. Den Rest kennt jeder der schon mal in den letzten Jahren auf franzรถsischen Kanรคlen oder auf dem nรถrdlichen Markermeer unterwegs war.
Bevor wir Muiden erreichen, versuchen wir mehrmals die Schraube von den Wasserpflanzen zu befreien. Im Hafenkanal gelingt es uns, die restlichen, um die Welle festgefahrenen, รste und Zweige zu lรถsen. Wir wรคhlen den Jachthaven Stichting Muiden.
Jachthaven Stichting Muiden
Wegen der Regatta gibt es kaum freie Plรคtze bei der „Kon. Ned. Zeil & Roeivereniging„. Mit beiden Hรคfen haben wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht.
Nachdem uns unser Besuch verlassen hat, starten wir am nรคchsten Tag um 8h30 in Richtung Amsterdam. Zunรคchst vorbei an den alten Segelschiffen der Regatta, die noch im Hafen liegen.
Muiden
Es ist Sonntagmorgen. Die Regatta ist zu Ende. Die Fischernetze wurden in der Zwischenzeit eingezogen. Somit kรถnnen wir die empfohlene Route einschlagen.
Skizze Markermeer // Wasserpflanzen // Route
Zunรคchst bleiben wir im Hafenkanal bis zur roten Boje M2. Dann biegen wir nach Osten ab in Richtung der Fahrrinne zu den Randmeren. Mit dem Fernglas suchen wir am Horizont die Bojen dieses Fahrwassers. Da die Sonne am Morgen noch sehr tief am Himmel steht, brauchen wir etwas Zeit bis wir die Bojen orten kรถnnen. Hilfreich erweist sich hier wieder einmal der „Plotter“. Er hilft uns vor allem auf offenem Wasser und bei unรผbersichtlichen Situationen.
Die Route ist zunรคchst nicht betonnt und fรผhrt durch recht tiefes Fahrwasser. Da inzwischen keine Fischernetze in Sicht sind und kein Fischerboot hier kreuzt, ist diese Route recht sicher und wie sich herausstellt, frei von Wasserpflanzen. Zwischen den Bojen IJM14 und IJM16 biegen wir nach Backbord ab und folgen der Fahrrinne. Inzwischen hat der Wind aus Sรผd-Westen krรคftig aufgefrischt . Die Wellen kommen jetzt von der Seite, was das Boot etwas zum Rollen bringt. Inzwischen sehen wir solche Umstรคnde gelassener. Was nicht bedeuten soll, dass man auf offenem Wasser diese Gegebenheiten auf die leichte Schulter nehmen sollte. Nach einer Stunde erreichen wir die Fahrrinne Amsterdam <> Lelystad. Jetzt kommen die Wellen von vorne, was die Fahrt ruhiger werden lรคsst.
Sportboote werden in der „Nord“-Schleuse geschleust. Als wir die Kammer erreichen, fahren gerade eine beachtliche Anzahl von Segelschiffen heraus in Richtung Markermeer. Bis zum Siwhafven brauchen wir noch eine Stunde. Da wir nicht angerufen haben, (was zu empfehlen ist!) kommt uns der Hafenmeister entgegengelaufen, um uns einen „passenden“ Platz zuzuweisen. Wie immer ist viel Bewegung im Hafen. Was uns diesmal รผberrascht ist die deutliche รberzahl der Segelyachten. Die ankommenden Motorboote sind meistens gechartert. Zum Thema „Chartern“ noch eine kurze Bemerkung: Es ist vรถllig unverstรคndlich, dass die Chartergesellschaften ihren Kunden nicht ein Minimum an Einweisung zu geben scheinen. Der Umgang mit den Festmachern, den Leinen und Klampen, steht wohl eindeutig nicht auf dem Programm.