2022 #20 Verbrauch, Geschwindigkeit und mehr

Anfang September haben wir einen kurzen „Break“ gemacht. Wir waren ein paar Tage im „Süden“. Da ergab sich die Möglichkeit mal bei einer „Gleittour“ mit 30 kn mitzufahren.

Verglichen mit unserer üblichen Reisegeschwindigkeit von 10 km/h (5,4 kn) ist das natürlich ein gewaltiger Unterschied. Da kommt irgendwann die Frage des Dieselverbrauchs auf den Tisch. Heisst 5x schneller auch 5x mehr „Sprit“?

Der Vergleich hinkt natürlich. Kommen wir also zu unserem Stahlverränger zurück. Wie sieht es denn da aus?

Die aktuellen Dieselpreise laden gerade dazu ein, sich ein paar Gedanken zu diesem Thema zu machen.

Verdränger sind keine Gleiter. Das Bauprinzip setzt der Physik in Sachen Geschwindigkeit Grenzen. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit (bei akzeptablem Energieaufwand) hängt in erster Näherung bei einem Verdränger von der Länge der „Wasserlinie“ des Schiffes ab. Mit einer einfachen Faustformel kann man diese Geschwindigkeit schnell errechnen. In unserem Fall liegt sie bei 14,5 km/h. Dies ist wohlgemerkt ein theoretischer Wert. In der Praxis liegt die Höchstgeschwindigkeit bei unserem Schiff deutlich niedriger, eher bei 12 km/h. Sie hängt natürlich auch von anderen Parametern ab: Beladung, Wind, Strömung,…

Unser VAGABOND ist mit einem Volvo-Penta D2-75 Motor ausgestattet, 11,10m lang und verdrängt 10 500 kg Wasser (im Leerzustand). Aus den technischen Daten des Herstellers Volvo-Penta gehen die jeweiligen drehzahlabhängigen Verbrauchsdaten hervor.

Schema Verbrauch / Geschwindigkeit (Verbrauchsdaten nach Datenblatt Volvo-Peta)

Nehmen wir ein konkretes Beispiel:
Unsere typische Reisegeschwindigkeit (im Wasser, und nicht SOG) liegt bei 10 km/h (5,4 kn). Wie man dem Schema entnehmen kann, ergibt dies einen Verbrauch von 3 l/h. Unser Durchschnittsverbrauch über einen längeren Zeitraum liegt bei 2,8 l/h.

Erhöht man die Geschwindigkeit um nur 1 km/h verdoppelt sich der Verbrauch. Bei 12 km/h sind es schon mindestens 9 l/h…

Um es anders auszudrücken:

  • + 1 km/h (+10%) = nach 40km / Tag ist man eine halbe Stunde schneller am Ziel für die doppelten Kosten.
  • + 2 km/h (+20%) = dreifache Kosten

Am Ende ist es (für uns) aber nicht nur eine Frage der (exponentiellen) Kosten.

Auch der Geräuschpegel spielt für uns eine grosse Rolle. Bei 1800 T/min läuft der Motor recht ruhig. Auf längeren Fahrten bei 2100 T/min erscheint uns das Motorgeräuch und die aufkommenden Vibrationen eher störend, wobei wir meistens „oben“ auf dem Achterdeck sitzen. Dort tritt bei 10 km/h eher das Fliessgeräusch des Wassers in den Vordergrund.

Bald gibt es Neues aus Amsterdam.

2021 # 23 Von Gent nach Mons

Wir verlassen Gent schon recht früh. Es wird unsere erste Fahrt auf der Bovenschelde. Unser Freund Guy hat uns ein paar Tipps für die Fahrt gegeben.

Die Anlegemöglichkeiten sind hier begrenzt. Guy’s Rat im schönen Städtchen Oudenaarde zu übernachten, geht leider nicht in Erfüllung. Die Zufahrt zum Passantenhafen ist gesperrt. Die Ampel steht auf ROT. Ein Anruf an der nahen Schleuse ergibt nichts. Später erfahren wir, dass man beim „Havenmeister“ anrufen muss, damit die Einfahrt freigeschaltet wird.

Wir fahren also weiter bis Kerkhove. Dort finden wir nach 5 Stunden Fahrt im Dock eines kleinen Clubhafens unseren Liegeplatz. Bei unserer Ankunft ist die Einfahrt zum Besuchersteg durch 2 Berufsschiffer im „Doppelpack“ stark verengt. Für unseren Vagabond kein Problem, aber für das uns folgende Schiff mit 4,5m Breite wird es sportlich!! Der Passantensteg liegt hinter einer Mühle mit Ladekai!

Hafen Kloron (Kerkhove)

Am nächsten Morgen geht es weiter auf der Bovenschelde bis zur Einmündung des Kanals Nimy – Blaton -Peronnes. Die Fahrt auf der kanalisierten Schelde erweist sich als sehr angenehm. Es ist ein ruhiger Fluss mit einer Strömung von knapp 1 km/h und mit eher geringem Berufsverkehr. Nach Süden kommend wechselt die Umgebung ihr Bild: Die Landwirtschaft wird von Industrie abgelöst.

Die enge Durchfahrt von Tournai ist Ampel gesteuert. Es herrscht also Einbahnverkehr.

Zur Zeit wird die gesamte Durchfahrt dem wachsenden Verkehr der 110 m Frachter angepasst. Beeindruckend sind die Arbeiten am „Pont des Trous„.

Die Fahrt führt uns weiter, vorbei am Passantenhafen, dessen Steg durch eine Mauer etwas vor Schwell geschützt ist.

Passantenhafen (Tournai)

Ob dies wirkungsvoll ist, können wir nicht sagen, da wir nach Antoing weiterfahren. Dort nützen wir die Gelegenheit, um bei „Neptunia“ Diesel zu bunkern (ein weiterer Guy Tipp, ;-)).

Unser Verbrauch ist erwartungsgemäss etwas höher als üblich. Unsere gewöhnliche Reisegeschwindigkeit (Wasser) beträgt 9 km/h, was 1600 U/m für den Motor bedeutet. Seit dem Beginn unserer 2. Kertwende in Namur, nachdem wir der Sambre den Rücken gekehrt haben, fahren wir mit 10km/h oder 1800 U/m. Der Verbrauch erhöht sich um etwa 0,5l/h. 1800 U/m entspricht übrigens dem besten Drehmoment des Motors. Hört man genau hin, so stellt man fest, dass der Motor dann besonders vibrationsarm und ruhig läuft. Es sei noch erwähnt, dass eine Steigerung der Geschwindigkeit auf 12 km/h den Verbrauch verdoppelt!

Es sind nur wenige Kilometer von Antoing bis zum Kanal Nimy – Blaton – Peronnes. Wir verlassen die „Haute Escaut“ nach 6h30. So heisst die Bovenschelde übrigens hier in Wallonie und in Frankreich.

Schleuse Peronnes 2 zu Tal (Kanal Nimy – Blaton – Peronnes)

Die 2. Schleuse ist recht hoch mit 12m, verfügt allerdings über Schwimmpoller. Beim Hochfahren, nach etwa 6m, wird es recht ungemütlich, da der Schleusenvorgang nun beschleunigt wird. Es kommt zu Wirbelströmungen. Vorsicht ist geboten!

Gegen 15h30 verlassen wir die Schleuse und fahren zum Hafen „Avanti“ in Peruwelz. Der Hafen von Peronnes ist zur Zeit wegen Arbeiten für Besucher gesperrt.

Schleuse Peronnes 2

Hafen Avanti (Peruwelz)

Der Kanal ist streckenweise mit Wasserlinsen übersät, deshalb überprüfen jetzt alle 10 Minuten die Motorkühlung.

So interessant ein Besuch des historischen Stadtkerns von Mons sein kann, so enttäuschend ist der Passantenhafen. Dies ist nicht unbedingt ein Vorzeigeobjekt für les „Voies hydroliques de Wallonie„.

Am Wochenende geht es hier recht laut zu. Die Autobahn ist nicht weit weg, Jetskis drehen ihre Runden, laute Musik ist zu hören bis spät in die Nacht.

Der Clubhafen verfügt über Schwimmstege, der Zugang ist aber nur für Clubmitglieder möglich. Empfehlenswert ist allerdings das Restaurant. Die Seescholle und der Rinderspiess sind köstlich.

Im Passantenhafen ist zwar noch ein Platz frei, aber das Echolot zeigt noch gerade 20 cm an. So legen wir direkt am Restaurant an. Hier sind es wenigstens 60cm. Allerdings ist der Stromanschluss defekt. So wie wir hören schon länger!

Als wir erfahren, dass die nächste Schleuse zur Zeit ausser Betrieb ist und mindestens vor Montagnachmittag nicht bedient wird, legen wir uns am nächsten Morgen in den Passantenhafen um, wo inzwischen ein Platz freigeworden ist.

Passantenhafen (Mons)