2022 #8 In Richtung Friesland

An der IJssel liegen sieben ehemalige Hansestädte: Doesburg, Zutphen, Deventer, Hattem, Zwolle, Hasselt und Kampen.

Zu den Städten Zupthen und Zwolle sind wir von Deventer aus mit dem Zug gefahren. Hasselt haben wir mit dem Fahrrad von Zwartsluis aus erreicht. Auffallend ist immer wieder das „Unberührte“ und Entspannte dieser niederländischen Städte. Die Hanse spielt natürlich keine Bedeutung mehr, dagegen floriert heute der Tourismus. Die Zeiten des intensiven Seehandels der Hanse sind lange vergessen. Geblieben sind animierte Gassen, wunderschöne Fassaden mit schmucken Giebeln und lebhafte Plätze. Eine Reise hierhin lohnt immer. Es ist schwierig zu sagen, welche Stadt besonders hervorzuheben ist. Uns gefallen am besten: Zwolle, Zutphen und Hattem, jede auf ihre Art. In Zwolle hat sich auch unser Besuch im Fundatie-Museum gelohnt, weil wir die Ausstellung von Rob Scholte sehen konnten, einem Künstler, den wir nicht kannten und dessen Werk wir sehr eigen und beeindruckend fanden.

Zwolle

Von der IJssel nach Friesland // Hanse-Städte *)

Am 10. Juni um 8h15 verlassen wir nach einer Woche Deventer mit der Hoffnung, dass unser Diesel-Problem behoben ist. Natürlich sind wir etwas aufgeregt, als wir den Motor wieder starten. Wird er „stottern“? oder schnell die gewohne Leerlaufdrehzahl annehmen?

Deventer Yachthafen

Bevor wir den Hafen verlassen, drehen wir zur Sicherheit noch 3 Runden im Hafen. Alles scheint „normal“. Also los!

Nach einer Stunde Fahrt sind wir zuversichtlich. Der Motor läuft wieder sehr ruhig, die Drehzahl bleibt stabil,…. wir atmen auf. Wie vereinbart halten wir unseren Mechaniker an den nächsten 4 Tagen auf dem Laufenden.

Um 11h machen wir in der IJsseldelta-Marina von Hattem fest.

Auch wenn wir die kleine Stadt schon von unserer letzten Reise kennen, freuen wir uns schon auf einen erneuten Rundgang. Die Stadt liegt direkt beim Hafen, ein Supermarkt ist zu Fuss leicht zu erreichen, sowie die Bushaltestelle , praktisch gelegen für eine Fahrt nach Zwolle.

Auf dem Schiff zurück, spricht uns unser Bootsnachbar „Eisvogel“ an. Der Kapitän entpuppt sich sowohl als Leser unseres VAGABOND-Blogs als auch als eifriger Reisetagebuch Autor. Sein Blog bietet interessante Informationen über Liegeplätze und weist auf Besonderheiten hin, denen die Eisvogel-Crew auf ihren Reisen begegnet ist. Bei einem interessanten Gespräch tauschen wir unsere Reiseerlebnisse aus.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Zwartsluis zum Passantenhafen, wo wir nach 2h30 ankommen. Der Hafen ist schon recht voll. Oder sollte man besser sagen „noch voll“. Denn nachdem wir einen Platz gefunden haben, leert sich zunächst der Steg etwas, um sich gegen 16h wieder zu füllen.

Zwartsluis

Ganz in der Nähe des Hafens liegt ein sehr gutes Wassersportgeschäft. Aber bevor wir dahin gehen, machen wir noch mit dem Rad einen kleinen Abstecher nach Hasselt, zur letzten auf dem Programm stehenden Hansestadt an der IJssel. (Nach Kampen werden wir nicht fahren.) Für Interessierte, sei noch auf die schönen Hansestädte Elburg und Harderwijk an den Randmeeren hingewiesen. Diese haben wir 2019 besucht.

Hasselt

Für uns ist es nicht nur die „letzte“ Hansestadt an der IJssel. Wir finden sie auch am wenigsten interessant. Sicherlich bietet die Stadt schöne Grachten und auch einige gut erhaltene Häuser. Irgendetwas fehlt,… vielleicht das lebhafte Ambiente.

Die IJssel und die Provinz „OberIJssel“ haben wir jetzt hinter uns. Morgen geht es in Richtung Friesland, auch Flevoland werden wir für ein paar Stunden streifen.

Zusammenfassung:

  • Deventer > Hattem : 8h15 – 11h00 / 24km / 3,7Mh
  • Hattem > Zwartsluis : 8h30 – 11h00 / 22km / 2,7Mh
  • Zwartsluis > Vollenhove : 10h00 – 11h30 / 15km / 1,8Mh

2022 #7 Startprobleme und mehr

Als wir wieder sicher im Hafen von Deventer stehen, müssen wir feststellen, dass alle bisherigen Reparturarbeiten den Ursprung unseres Problems wohl nicht gelöst haben. Nur für ein, zwei Tage wurde es „maskiert“ !

Klar ist, dass der Motor nicht regelmässig mit genügend Treibstoff versorgt wird. Da die Panne nicht systematisch auftritt, bleibt die Fehlersuche schwierig.

  • Alle Filter, inklusive der Vorfilter, wurden zum Saisonende 2021 im November ersetzt…
  • Die Rohre und Schläuche wurden auf Undichtigkeiten überprüft (24. Mai in Katwijk/Linden)
  • Die Dieselpumpe, die Handpumpe und der Dieselfeinfilter wurden ersetzt (26. Mai in Heusden).
Dieselpumpe, Feinfilter und Handpumpe

Somit verringert sich der Kreis der möglichen Ursachen jetzt auf Tank und/oder Vorfilter-Wasserabscheider. Ein Problem am Motor wird von den zu Rate gezogenenen Fachleuten ausgeschlossen.

Wie es jetzt weitergehen soll, ist allerdings noch unklar. Das lange Pfinstwochenende steht bevor, was nicht erleichtert, einen Mechaniker zu finden.

Zudem hat die Bootssaison begonnen, Mechaniker und Spezialisten sind sehr gefragt. Wir müssen bis Donnerstag warten, bis unser Mechaniker aufs Boot kommen kann.

Bis Donnerstag vertreiben wir uns die Zeit mit einer Fahrt nach Zutphen und nach Zwolle, mit Spaziergängen am IJsselufer und Radfahren.

Wie versprochen kommt unser Mechaniker am Donnerstag Nachmittag aufs Boot.

Fangen wir mal mit dem Tank an„, sind seine ersten Worte. 3 mögliche Fehlerquellen erscheinen möglich:

  • Im Tank hat sich Wasser abgesetzt
  • Der Diesel im Tank ist verschmutzt (im Extremfall Dieselpest)
  • Die Tankentlüftung ist verstopft, es bildet sich Unterdruck.

Wasser ist es wohl kaum, da weder im Vorfilter noch im Tank Wasser zu finden ist. Verschmutzung ist möglich, da im Vorfilter ein kleiner Schmutzpartikel sichtbar ist. Allerdings fragt man sich, wieso das Problem schon beim ersten Starten bei Saisonauftakt auftrat, wo doch der Vorfilter zu diesem Zeitpunkt noch unbenutzt war. Die Tankinspektion zeigt, dass der Diesel zwar Schmutzpartikel aufweist, allerdings von einer starken Verschmutzung, die den Vorfilter schnell verstopfen könnte, kann keine Rede sein. Vorbeugend zur Behandlung und Reduzierung des Bakterien- und Pilzbefalls im Dieseltank füllen wir ein spezielles Produkt in den Tank ein.

Weiterhin saugt unser Mechaniker noch etwa 5 -10 ltr. Diesel am Tankboden ab. Von der befürchteten Dieselpest scheinen wir (noch) verschont. Wir werden aber weiterhin in den nächsten Tagen die Qualität des Diesels überwachen. Dazu wird am Tankboden etwas Diesel entfernt.

Als letztes wird die Überdruckleitung des Tanks überprüft. Bei Verstopfung könnte es zu Unterdruck beim Ansaugen des Kraftstoffes kommen. Auch diesen möglichen Fehlergrund kann man nach dem Test ausschliessen.

Wir konzentrieren uns jetzt auf den Wasserabscheider/Vorfilter.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Dieselvorfiltern. Alle haben sie die gleiche Aufgabe: Wasser abzuscheiden und Verunreinigung herauszufiltern. Der Unterschied liegt in der Filterkapazität: 10 Mikron oder 30 Mikron. Bei uns sind 10 Mikron Filter eingebaut: Der Vorteil ist eine bessere (feinere) Filterung, was bei modernen Motoren wichtig ist. Der Nachteil besteht eben darin, dass der Filter sich schneller zusetzt, also häufiger ausgetauscht werden muss. Das eventuell anstehende Wasser sollte einmal im Monat entleert werden. Der Wechsel des Vorfilters erfolgt im allgemeinen zum Saisonende oder alle 200 Motorstunden.

Der Verdacht verdichtet sich nun, dass der Vorfilter undicht sein könnte oder nicht funktionstüchtig ist. Auch dadurch könnte die Kraftstoffzuführung unregelmässig werden (im besten Fall) und völlig gestoppt werden im Extremfall. Diesen Fall konnten wir gerade noch rechtzeitig am 3. Juni verhindern.

Da es sich um einen neuwertigen Filter handelt, kann es sich in so kurzer Zeit kaum um eine Verstopfung handeln.

Nachdem wir das „Problem“ jetzt auf den Tank und den Dieselvorfilter beschränkt haben, kontrolliert unser Mechaniker den Tank und tauscht den Vorfilter aus.

Tankinspektion

Auffällig ist, dass sich unter dem Filter, in der Bilge, etwas Diesel angesammelt hat. Dies könnte auf eine Undichtigkeit hinweisen. Der infrage kommende Filter wird ersetzt.

Am nächsten Tag fahren wir weiter, jetzt wird sich herausstellen, ob wir der Lösung des Rätsels etwas näher gekommen sind,….


Eigentlich, hätten wir die Notsituation auf der IJssel vermeiden können…

Auf Anraten eines erfahrenen Bootsfahrers haben wir uns 2016 einen zweiten Vorfilter zur Sicherheit einbauen lassen.

Doppelter Wasserabscheider/Dieselvorfilter

Dieser zweite Filter ist im Normalbetrieb inaktiv. Auf dem Bild kann man sehen, dass zwei der vier Absperrhähne geschlossen sind (links). Im Notfall ist es möglich, dieses „Backup“ zu aktivieren. Dies geschieht durch Umschalten. Somit wird der angesaugte Kraftstoff in den noch unbenutzten (im Prinizip noch sauberen Filter) umgeleitet. Das Umschalten auf den Ersatzfilter ist übrigens bei laufendem Motor möglich.

Prinzip der doppelten Vorfilter Installation

Unser Freund hatte uns genau vor dieser gefährlichen Situation gewarnt, die häufiger in stark bewegtem Wasser entstehen kann:

  • auf stark befahrenen schnell fliessenden Flüssen
  • bei starkem Wellengang
  • bei schlechtem Wetter….

Durch „einfaches“ Umschalten vom verschmutzten oder defekten Vorfilter auf den noch sauberen, wären wir stressfrei zum Hafen gekommen.

„Wenn das Wörtchen wenn nicht wär,…“