Am 19. August verlassen wir Potsdam in Richtung Westen. Wie in frรผheren Beitrรคgen erwรคhnt, war unser Wunsch, รผber die Weser flussabwรคrts den Rรผckweg in die Niederlande anzutreten. Leider ist die Schleuse Dรถrpen auf dem Kรผstenkanal bis Ende August wegen Bauarbeiten gesperrt. Da wir vorhaben, spรคtestens Mitte September im Winterhafen einzulaufen, erscheint uns diese Route riskant. Die Sperrung kรถnnte verlรคngert werden und der Weg รผber Friesland ist lรคnger als die direkte Verbindung รผber den Rhein zur Maas.
Somit wรคhlen wir die schnellere und hoffentlich sicherere Alternative. Aber zunรคchst heisst unser „Programm“ wieder Elbe-Havel-Kanal und Mittellandkanal.






Nach 7 Tagen und 400 km erreichen wir ohne Schwierigkeiten bei gutem Wetter und mรครigem Berufsverkehr den Dortmund-Ems-Kanal am Nassen Dreieck. Auf der Hinfahrt sind wir den Mittellandkanal etwas gemรผtlicher angegangen. Da hatten wir 10 Tage gebraucht, was wir fรผr einen guten „Richtwert“ halten.
Wir wollen 2 Tage in Mรผnster verweilen. Die Stadt kennen wir noch nicht. Wir steuern den „Stadthafen“ an. Grundsรคtzlich mรถgen wir es, direkt in Stรคdten festzumachen.
Als wir dort ankommen, der Hafen wird inzwischen „Party-Meile“ genannt, ist die Enttรคuschung gross. Bei der Renovierung des alten Industriehafens haben die Stรคdteplaner wohl nicht daran gedacht, dass ein Hafenbecken auch fรผr Freizeitschiffer attraktiv sein kann. Das war wohl nicht das Ziel der Planer. Es fehlt an jeglicher, sonst รผblichen Infrastruktur. Nur ein paar alte weit auseinanderstehende Festmacher erinnern noch an einen Hafen.

Kein Boot, keine angepassten Festmacher, keine Stromanschlรผsse, nichts !
Dafรผr aber Partystimmung. Die Stรผhle der Restaurants und Bars gehen bis an den Wasserrand. Wir drehen eine Runde, auf der Suche nach einer mรถglichen Anlegestelle fรผr die Nacht. Die Blicke unzรคhliger Gaffer gibt uns den Rest, wir drehen ab. Spรคter bestรคtigen uns andere Freizeitschiffer, die wir unterwegs treffen, dass es richtig war, abzudrehen.
Etwa 10 km sรผdlich der Stadt finden wir bei km 59 dann einen guten und ruhigen Platz am Kanal, unweit einer Gaststรคdte mit Biergarten. Wir entscheiden uns 2 Tage dort zu bleiben. Denn ein Stadtbesuch steht weiterhin auf dem Programm!

Von unserem Liegeplatz aus erreichen wir am nรคchsten Morgen mit dem Rad in 20′ die Stadt. Kurz gesagt, der Besuch lohnt sich.

Am nรคchsten Tag fรผhrt uns der Weg weiter nach Datteln. Dort liegen wir in einem grossen Hafenbecken, wo fรผr Sportboote genรผgend Plรคtze zur Verfรผgung stehen. Hier gibt es die gleichen Stromanschlรผsse, wie man sie auch auf dem sรผdlichen Teil des Dortmund-Ems-Kanal hรคufig findet. Um sie benutzen zu kรถnnen, braucht man die „App“ Ease2pay / Walstroom. In unserem Fall reicht das aber leider nicht! Jeder Anschluss-Schrank kann normalerweise von 2 Verbrauchern genutzt werden. Jedoch an unserem Liegeplatz ist der einzig freie Anschluss „ausser Service„,…. Die Schrรคnke bieten im allgemeinen Anschlรผsse fรผr 16A und 32A und 64A an.
Mit dem Fahrrad kann man in 30′ zu den Henrichenburg Schleusen und den historischen Hebewerken fahren. Das alte Hebewerk wurde zu einem Industriemuseum umfunktioniert. Fรผr Technikinteressierte ein MUSS.






Jetzt trennt uns nur noch der Wesel-Datteln-Kanal vom Rhein. Der Berufsverkehr nimmt gegen Ende des Kanal stark zu. Fรผr den Kanal haben wir 2 Tage vorgesehen. Wir รผbernachten in Dorsten, wo wir 2 Tage bleiben, da wir einen Abstecher nach Essen ins Ruhrgebiet vorhaben.
Am Abend sind nicht nur Frachter unterwegs, sondern auch Standup Paddler, was manchmal auch Hupkonzerte zur Folge hat.

Die Stadt Essen ist mit dem Zug in 25′ zu erreichen. Wir nutzen die Gelegenheit zu einem Besuch in der ehemaligen Zeche „Zollverein“ aus. Ebenfalls ein MUSS, wenn man sich fรผr die Industriekultur des Ruhrgebietes interessiert. Lang ist’s her,…

An die letzte Schleuse vor dem Rhein werden wir uns noch lange erinnern. Wir erreichen sie gegen 12h45. Recht schnell merken wir, dass wir Zeit zu einem schnellen Mittagessen haben. Dass wir aber erst kurz nach 16h die Schleuse verlassen, hรคtten wir uns nicht vorstellen kรถnnen. Aber das ist nicht das einzige Aussergewรถhnliche an diesem Tag.
Wir sollen in der grossen Kammer mit zwei Frachtern und einem zweiten Sportboot schleusen. Wir machen uns wie รผblich hinter den Frachtern fest und warten auf das zweite Sportboot.

Die anscheinend unerfahrene Crew lรคsst sich von Wind und mรถglicherweise etwas Strรถmung รผberraschen. Ihr Boot stellt sich bei der Einfahrt quer und nimmt die ganze Breite der Schleuse ein. Es dauert eine Weile bis die Crew ihr Boot unter Kontrolle bekommt. Am Ende bleiben ein paar Kratzer am Rumpf. Das ist zwar รคrgerlich, aber es hรคtte schlimmer ausgehen kรถnnen.
30′ spรคter erreichen wir unser Tagesziel, den Hafen in Wesel am Rhein, wo uns eine weitere รberraschung erwartet. Unweit des Hafens findet das „Bulli-Fest“ statt. Als ehemalige VW-Campingbus Enthusiasten kann man eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen.



Der Abend wurde dann lรคnger als geplant. Ein guter Abschluss. Morgen gehts zurรผck in die Niederlande.
Zusammenfassung:
- Havel:
- Potsdam – Brandenburg : 5,2h, 70km, 1 Schleuse
- Havel-Elbe-Kanal :
- Brandenburg – Haldersleben : 10h, 94km, 3 Schleusen
- Mittellandkanal:
- Haldersleben – km 210 (MLK) : 10,5h, 1 Schleuse
- km 210 – Hannover : 4,6h, 48km, 1 Schleuse
- Hannover – km 89 :7,8h, 75km
- km 89 – Bad Essen: 2,9h, 28km
- Bad Essen – Stichkanal Ibbenbรผren : 5,2h, 57km
- Dortmund-Ems-Kanal
- Stichkanal Ibbenbรผren – km 59 (DEK) : 6,3h, 58km, 1 Schleuse
- km 59 – Datteln : 4h, 36km
- Wesel-Datteln-Kanal :
- Datteln – Dorsten : 5h, 33km, 4 Schleusen
- Dorsten – Wesel : 8h, 30km, 2 Schleusen
















































































































































































