2023 #16 von der Sambre nach Antwerpen

Von der Sambre aus führt der Weg nach Antwerpen über den Canal Charleroi-Bruxelles. Ab Brüssel geht er in den Zeekanaal-Bruxelles über. Bei Willebroek hat man dann zwei Möglichkeiten für die weitere Reise:

  • weiter über den Kanal zur Rupel, die in die Zeeschelde mündet.
  • direkt zur Rupel. Von dort aus bieten sich dann wieder zwei mögliche Wege an:
    • Zeeschelde > Antwerpen
    • Beneden Nete > Netekanal > Albertkanal > Antwerpen.

Wir haben uns für die letztere Variante entschieden. Sicherlich die gemütlichere Lösung. Die Reise dauert zwar einen Tag länger, allerdings ist die Rupel und Nete trotz Gezeiten einfacher zu befahren. Hier findet man kaum Berufsverkehr und die Fahrt im Gezeitenwasser dauert gerade mal 1h20 (Strömung bei etwa 3 km/h) von Schleuse Klein Willebroek nach Duffel.

Skizze : Gewässer Sambre > Antwerpen

Unsere erste Etappe führt uns von Thuin nach Seneffe (43 km, 9 Schleusen). Bemerkenswert ist zunächst die Schleuse Monceau s/ Sambre. Von der Hinfahrt schon wissen wir, dass es in den Wänden keine Festmacher gibt. Der Schleusenhub beträgt 5m. Unsere Leinen sind 10m lang. Das reicht auf keinen Fall. Zwei Lösungen:

  • Verknüpfung zweier Leinen (so kann man sie um den Poller legen)
  • Schleusenwärter macht die Leinen am Poller fest, und wirft sie nach der Schleusung runter (wir sind auf Talfahrt).

Die Fahrt führt uns zügig weiter nach Seneffe, wo wir im Clubhafen festmachen. Die Strecke bei Charleroi haben wir schon an anderer Stelle mehrmals erwähnt.

Am nächsten Tag legen wir schon recht früh los, da wir uns einen Abstecher zu den historischen Aufzügen des historischen „Canal du Centre“ vorgenommen haben. Wir wollen die 4 Aufzüge zu Tal befahren und anschliessend den modernen Aufzug von Strépy-Thieu hochfahren. Als wir uns über Telefon am ersten Aufzug melden, müssen wir leider erfahren, dass zurzeit nur 3 der 4 Aufzüge benutzt werden können…. Nach kurzer Überlegung wenden wir und fahren zurück zum Canal Charleroi-Bruxelles.

Zur Entschädigung steht jetzt der Schrägaufzug, der „Plan incliné de Ronquières“ auf dem Programm. Vielleicht ist der Aufzug von Strépy noch beeindruckender, aber auch hier muss man die Ingenieur-Kunst loben. Hier werden 68m auf 1,5km in rund 30′ überbrückt. 10 Schleusungen mit dem auf dem Kanal üblichen Hub von 7 Schleusen würden da wesentlich länger dauern….

Nach etwa 1h Wartezeit (zur Zeit wird nur eine „Wanne“ benutzt) werden wir zusammen mit einem Frachter und Freitzeitboot „geschleust“ oder wie sagt man da?!.

Gegen 13h legen wir im Yacht-Hafen von Ittre im Oberwasser der gleichnamigen Schleuse an. Es scheint uns, dass Passanten zwar gern gesehen sind, aber hier wohl seltener anlegen.

Die nächste Etappe führt uns nach Brüssel. Sieht man mal von der Durchfahrt von Brüssel ab, gefällt uns der Kanal recht gut. Es gibt nur wenig Berufsverkehr, an manchen Stellen fühlt man sich wie auf einem offenen Fluss. Bemerkenswert sind einige historische Bauwerke und moderne „Streetart-Malereien“.

7 Schleusen liegen vor uns. Sie gleichen sich alle. Ausser der Schleuse von Ittre, die mit 14 m Hub aus der Reihe fällt.

Ittre n°5

Wenn man sich dann Brüssel nähert, versteht man besser den schlechten Ruf dieser Strecke.

Bezüglich des Hafens möchten wir nur einen guten Freund zitieren: das einzig „Königliche“ am Hafen ist sein Namen. Zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass der Hafenmeister äusserst zuvorkommend und freundlich ist. Ausserdem gebührt dem Restaurant im Clubhaus Lob. Die Preise sind gehoben, wir wurden aber nicht enttäuscht.

Am nächsten Tag fahren wir bei diesigem und regnerischem Wetter nach Willebroek, wo wir nach 3h vor der Schleuse festmachen.

Ein niederländisches Segelboot, hat hier ebenfalls angelegt. Wie wir wollen sie am nächsten Tag nach Lier fahren. Nun haben wir Zeit, zusammen die Gezeitentabelle von Antwerpen zu studieren.

Am 19. August ist Ebbe um 9h18 in Antwerpen. Dann steigt das Wasser wieder bis um 15h22. In Willebroek steigt das Wasser 3h nach der Ebbe wieder.

Wir nutzen die Zeit zum Brotkauf in der am anderen Ufer liegenden Stadt Boom, die wir mit einer kostenlosen Fähre erreichen.

Da wir mit auflaufendem Wasser flussaufwärts fahren wollen, nehmen wir am nächsten Tag um 12h30 die Schleuse, die wir um 12h50 verlassen (Antwerpen LW +3,5h). Nach 1h20 kommen wir an der Schleuse Duffel bei einer Strömung von etwa 2 – 3km/h an.

Zu spät nach Niedrigwasser, sollte man die Fahrt wegen der Durchfahrthöhen unter den Brücken nicht beginnen. Bei Hochwasser sind es bei der „Baanbrug Duffel“ nur noch etwa 3,50m. Zu früh, ist auch nicht zu empfehlen, da die Einfahrt zur Schleuse Duffel bei Niedrigwasser nicht möglich ist.

Wir übernachten am Passantensteg in Lier. Von hier ist die Stadt, dessen Besuch sich immer lohnt, in ein paar Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen.

Die Weiterfahrt nach Antwerpen ins Willemdok bedarf auch etwas Planung. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um zum Yachthafen zu gelangen, über die Schelde oder den Albertkanal. Wie schon berichtet, haben wir die Strecke über den Kanal gewählt. Es sei noch erwähnt, dass in Antwerpen eine sogenannte FD-Erkennungsnummer und ein AIS-Sender am Schiff vorgeschrieben sind.

Wir starten kurz nach 11h in Lier. Die Siberiaschleuse, die zum Willemdok führt, wird nachmittags von 15h45 – bis 18h bedient. 2 Schleusen liegen auf der 32 km langen Strecke.

Es sei noch angemerkt, dass wir in der Schleuse Wijnegem unsere Leinen verlängern müssen. Dort wo wir stehen, vor dem Frachter Wilani , direkt an der vorderen Tür, gibt es keine Poller in den Wänden.

Unsere Rechnung geht auf! Um 15h40 erreichen wir die Brücke, die wir mit 2 Freizeitschiffen passieren.

Drei Tage werden wir hier verweilen. Zeit, um neue „Ecken“ in der Stadt zu erkunden. Willemdok ist immer ein guter Platz.

Zusammenfassung:

  • Thuin > Seneffe : 43km, 7h, 9 Schleusen
  • Seneffe > Ittre: 25km, 5h, Plan incliné
  • Ittre > Brüssel: 30km, 5h, 7 Schleusen
  • Brüssel > Willebroek: 13km, 3h, 1 Schleuse, m. Hebebrücken
  • Willebroek > Lier: 14km, 2h30, 2 Schleusen
  • Lier > Antwerpen: 32km, 5h, 2 Schleusen, 2 Hebebrücken.

2023 #15 Epilog zur Sambre

Die Sambre haben wir 2021 teilweise und nun 2023 vollständig in beide Richtungen befahren. Zeit also für eine Bilanz. Bis 2021 war die Sambre auf französischer Seite 15 Jahre lang nicht mehr befahrbar. Also ein recht „junges“ Revier.

Schleusen

Auf 300km verteilt, zwischen Namur und Compiègne, gilt es 80 Schleusen und einige Hebe- und Drehbrücken zu überwinden.

Berufsverkehr trifft man im wesentlichen auf der belgischen Seite auf der unteren Sambre, zwischen Namur und Charleroi. Der Berufsverkehr beschränkt sich in Frankreich auf den Canal St. Quentin und einige Kilometer auf dem Canal de l’Oise à la Sambre.

Die restliche Strecke beidseitig der Grenze ist ausschließlich dem Bootstourismus gewidmet.

Für die Schleusen findet man (zurzeit) unterschiedliche Bedienvorgänge :

  • Bedienzentrale und Kommunikation über VHF
  • Schleusenwärter
  • Fernbedienung
    • nur zum Öffnen der Türen , Bedienung mit Hilfe einer grünen Stange an der Kammerwand
    • zum Öffnen der Türen und zum Starten der Schleusung (diese Methode wird auf französischer Seite weiter ausgebaut)

Es ist anzumerken, dass es in vielen der kleineren Schleusen kaum (oder keine) Festmacher in den Wänden gibt. Dies ist vor allem störend bei tieferen Schleusen mit „Stangen-Bedienung“. Man muss dann hochklettern, um die Leine festzulegen. Wenn sich dann noch die Leiter auf der gegenüberliegenden Seite der Stange befindet, wird es umständlich , das Boot festzumachen und gleichzeitig die Schleusung zu starten. Zum Glück werden einige tiefere Schleusen noch von hilfreichen Schleusenwärtern bedient.

Liegeplätze

Auf belgischer Seite gibt es einige nette Häfen und ausreichend Stege zum Übernachten. Teilweise handelt es sich um Schwimmstege.

Gut liegt man in Erquelinnes, Thuin und Landelies.

Diese sollte man bei regnerischem Wetter bevorzugen. Die Sambre kann schnell anschwellen. Als wir z.B. im Mai unterwegs waren, war die Sambre auf französischer Seite für die Navigation wegen Hochwasser für einige Tage gesperrt.

Gut ausgestattete Häfen findet man auf französischer Seite nur in Chauny und in Hautmont. Da dieser Streckenteil jahrelange vernachlässigt war, ist es nicht überraschend, dass gute Infrastrukturen noch sehr begrenzt zu finden sind. Die Schleusenwärter sind allerdings sehr hilfreich und geben gute Tipps. Allerdings muss man oft auf Strom und Frischwasser verzichten.

Oberwasser der Schleuse Ténelles (im Parkverbot)

Gute Anlegemöglichkeiten mit Strom und Wasser findet man in Etreux und Landrecies, Berlaimont. Wer den französischen Käse „Maroilles“ mag (man kann ihn nur lieben oder hassen!), der sollte hier eine Rast einlegen. Mit dem Fahrrad ist der Ort in 30′ erreichbar.

Landschaft

Wenn man einen Vergleich wagen darf, die Landschaft erinnert an die Somme und die Ardennen, sowohl von Landwirtschaft als auch von Industrie geprägt.

Allerdings wie sooft in Grenzgebieten, machen die Orte und Städte eher einen traurigen Eindruck. Vieles verfällt, die Geschäfte in den Orten wurden durch grosse Supermärkte in der Peripherie ersetzt. Dieser Eindruck wird im Sommer noch verstärkt!. Denn auch wenn offiziell der Tourismus Priorität n°1 ist, macht die Bevölkerung im Juli – August Ferien. Somit sind auch die wenigen, noch existierenden traditionellen Restaurants wegen „Fermeture annuelle“ weitgehend geschlossen!

In einem früheren Beitrag haben wir schon auf die Industrielandschaft um die Stadt Charleroi berichtet. Für den Fotografen gibt es dort interessante Motive. Hier sieht man wie aus der ehemaligen Stahlindustrie eine neue „Recycling-Industrie“ entstanden ist. Nicht unbedingt schön, aber sehr sinnvoll.

Fahrbedingungen:

Die obere Sambre und ihre Kanäle sind leicht und problemlos zu befahren. Vorsicht gilt allerdings auf der von Berufsfahrern stark befahrenen Strecke zwischen Namur und Charleroi.

Probleme kann es geben bei Booten mit grösserem Tiefgang. Es gibt Stellen, wo wir nur 20 cm Kielfreiheit hatten. Dies trifft vor allem im Ober- und Unterwasser der Schleusen zu, dort wo die Sambre die Kanalstrecken kreuzt. Da wir nur 1m Tiefgang haben, hatten wir keine Schwierigkeiten. Einige Bootsbesitzer haben uns berichtet, dass sie mehrmals den Grund berührt haben. Der Grund ist wohl meist sandig, somit kommt es zu keinen grösseren Schäden.

Da inzwischen die „Maas-Strecke“ in Frankreich oft nicht oder nur teilweise befahrbar ist, bietet die Sambre eine gute Alternative für Frankreich-Törns.

2023 #14 Leinen los, Richtung Compiègne

Von Mai bis Juni haben wir die Maas, Sambre, Oise, Seine und Yonne befahren. Insgesamt 1000km.

Nach einer längeren „Sommerpause“ im Juli melden wir uns wieder zurück. Der Plan ist, über die Oise und den Canal du Nord in Richtung Zeeland zu fahren. Am letzten Juliwochenende gehen wir wieder aufs Boot. Wir finden es unversehrt vor. Nur der Regen hat ein paar Spuren hinterlassen, die aber schnell weggewischt sind.

Jetzt, Anfang August, ist das Wetter sehr wechselhaft. Wir starten von Cergy am 1. August und haben vor, in zwei Etappen zunächst nach Compiègne zu fahren.

Der Wetterbericht lässt für die nächsten Tage nicht viel Hoffnung. Vor allem der starke Wind beschäftigt uns.

Wie schon erwähnt sind gute (und sichere) Anlegestellen auf der Strecke selten. Zunächst sehen wir vor, auf halber Strecke im Oberwasser einer der sieben Schleusen zu übernachten. Dort müssten wir dann nach den Vorhersagen wohl 2 Tage ausharren. Obendrein ohne Landzugang (zumindest bei den infrage kommenden Schleusen auf halber Strecke). 93 km liegen zwischen Cergy und Compiègne.

Als wir gegen 18h30 an einem möglichen Übernachtungplatz ankommen, befragen wir den Schleusenwärter, ob es „machbar“ wäre bis Compiègne? Er ist sehr freundlich, und rät uns, es wegen des angesagten Sturms zu versuchen. Er verspricht, seinen Kollegen an der Schleuse „Venette“ anzurufen, um unsere Ankunft gegen 20h anzukündigen. Die letzten Schleusungen auf der Oise sind bis 20h möglich,… (Ausfahrt vor 20h30).

Also versuchen wir es! Nach fast 12h Fahrt wollen wir erschöpft aber zufrieden in Compiègne festmachen. Jedoch gilt es zunächst, einen Platz zu finden. Denn die bekannte Kai-Mauer ist voll! Wir sind nicht das einzige Schiff, das hier die nächsten Tage ausharren will.

Ein Australier winkt uns heran. Also „Doppelpack“! Was am Kai gar nicht so schlecht ist. So liegen wir trotz Wind und Wetter ruhig und sicher.

Am 3. August legt sich der Wind etwas, es bleibt aber sehr diesig und regnerisch. Kein Wetter für den Canal du Nord.

Bevor es losgeht, fahren wir noch ans andere Ufer zum Tanken. Als wir fertig sind und flussaufwärts losfahren, startet ein zweites Schiff in die gleiche Richtung. In der ersten Schleuse haben wir Gelegenheit kurz über unsere Pläne zu reden. Canal du Nord? Bei dem Wetter ? Nee! „Wir machen es gemütlich über die Sambre …“

10 Sekunden später haben wir unsere Meinung geändert. „Der Weg ist das Ziel“ . Also zurück zur Sambre. Nach der Schleuse „Belle Rive“ biegen wir in den Canal St. Quentin ein. Dieser kreuzt nach der Schleuse Tergnier n°32 in den Canal de la Sambre à l’Oise . Auf dem wir dann weiter in Richtung Osten fahren. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag. Zunächst heisst es aber in Chauny zu übernachten. Dann geht es weiter zur Sambre.

2023 #13 Anlegestelle gesucht!?

Wie schon an anderer Stelle berichtet, sind die Anlegemöglichkeiten auf der Seine und Oise begrenzt.

Wir beschränken uns hier auf die Strecke zwischen Cergy (Mündung der Oise in die Seine) und Arsenal (Stadthafen Paris).

In Paris ist ausserhalb des Stadthafens Arsenal und der am Canal St. Martin liegenden Steganlage „La Villette“ das Festmachen und Übernachten grundsätzlich nicht erlaubt. Auf der Marne im Osten von Paris sieht es da schon besser aus. Dort gibt es einige gute Häfen und einfachere Anlegestellen.

Jeder der im Westen von Paris auf der Oise und der Seine unterwegs ist, stellt sich zwangsläufig immer wieder die gleiche Frage: Wo kann man übernachten?

Jetzt könnte man einwenden, dass in den bekannten Bootsführern auf verschiedene Häfen und Anlegemöglichkeiten aufmerksam gemacht wird, aber diese sind meistens nicht zugänglich, unbrauchbar für Schiffe über 8m Länge und bieten oft gerade mal Platz für ein Schiff.

Es sei erwähnt, dass auf der Oise der recht neu angelegte Hafen von Isle d’Adam eine gute Alternative zu Cergy bietet. Er liegt rund 20km flussaufwärts Richtung Compiègne.

Zwischen dem Hafen in Cergy und Arsenal liegen rund 80km und 4 Schleusen (wie schon berichtet, bietet der kürzere Weg über die Kanäle im Nord-Westen der Stadt keine echte Alternative). Je nach Strömung und Wartezeiten an den Schleusen ist das durchaus auf Talfahrt „machbar“.

Zu Vollständigkeit sei noch erwähnt, dass es noch eine nette Haltestelle beim Restaurant Portobello in Herblay, ein Paar Kilometer von Conflans entfern gibt. Dort ist Platz für ein bis zwei Boote. Allerdings ist dieser Anleger nur für einen kurzen Aufenthalt zum Essen oder übernachten gedacht.  

Rueil-Malmaison // Quelle Google Maps 2023

Wir ziehen es vor, für diesen Weg zwei Etappen vorzusehen.

Auf etwa halber Strecke liegt die beliebte „Halte fluviale de Rueil-Malmaison„. Flussabwärts liegt sie 5km vor der Schleuse von Bougival, im Seine-Arm „Bras de Marly“. Am rechten Ufer, gegenüber der Anlegestelle liegt die Isle des impressionnistes. Sie hat einige bekannte Maler inspiriert, wie Monet ou Renoir.

Dort gibt es Platz für 3 Boote. Strom und Wasser sucht man allerdings vergebens. Es ist nicht überraschend, dass dieser Anleger trotz seiner spärlichen Ausstattung von Juni bis September stark gefragt ist. Einerseits ist er kostenlos und zudem liegt er sehr günstig.

Von hier aus, ist man mit der S-Bahn (RER A) in 15 Minuten im Zentrum von Paris. In der Nähe gibt es Restaurants und einige Geschäfte für den täglichen Bedarf.

Das Problem bleibt aber seine geringe Länge und Seltenheit. Seit neuem, hat sich hier auch noch ein Bootsführerschein-Unternehmen etabliert und belegt einen Teil des Stegs (auch wenn es offiziell heisst, dass man dort max. 48h bleiben darf,…) für seine Unterrichtsstunden!

Als wir Anfang Juni dort recht früh ankamen, hatten wir Glück, es gab genügend Platz. Jetzt Ende Juni sieht es hier aus wie in Lemmer (Friesland) an einem sonnigen Wochenende. 7 Schiffe haben sich heute hier eingefunden. Wie es scheint, schreckt einige der hohe Preis im Sommer von Arsenal ab.

Wenn man sich die anhaltende Beliebtheit der Bootsreise nach Paris ansieht, ist es nicht nachvollziehbar, wie wenig dafür getan wird!

Ein weiteres Beispiel bietet dazu der Bootsausrüster in Billancourt. Ein gutes Geschäft für jeglichen Bootsbedarf, nur anlegen kann man dort nicht,…

Paris ist zwar wie Berlin oder Amsterdam am Wasser gebaut, aber der Tourismus für Privatboote bleibt ein Waisenkind.

Besserung ist vorläufig nicht in Sicht. Gerechterweise muss allerdings gesagt werden, dass ein neuer Hafen im Westen von Paris an der Seine in Planung ist. Die geplante Anlage ähnelt dem Konzept des Hafens von Cergy. 2028 soll der Hafen fertig sein. Ob es dort viel Platz für grössere Schiffe geben wird, muss man dann sehen.

Saison 2023: Sambre, Yonne und Meer

Unsere Ziele 2023 haben wir in dem Beitrag „Der Plan reift“ vorgestellt. Dort hiess es, dass wir „über die Sambre nach Süden fahren“ wollen. Das „Endziel“ der 1. Reise sollte Paris werden. Den ersten Teil dieses Planes haben wir auch wie vorgesehen mit grossem Vergnügen durchgeführt. Auf der Sambre haben wir BALU getroffen.

Deren Plan war es, weiter nach Süden zunächst über die Seine in Richtung Loire zu fahren. Diese Idee hat uns gut gefallen, waren wir doch noch nie weiter als Paris „vorgedrungen“. Als wir dann gemeinsam den Loing erreichten, liessen uns die Informationen über Wasserstand und Wasserpflanzen, erneut den Plan ändern.

Die Yonne, ebenfalls ein Nebenfluss der Seine, bot eine gute Alternative. Auf nach Auxerre hiess es jetzt!. Auch dorthin wollten wir gerne hin, jetzt mit unserem eigenen Boot. Vor einigen Jahren hatten wir die Yonne und den Canal de Nivernais auf einem Mietboot kennengelernt.

Nach Auxerre sind wir dann mit dem Zug gefahren. Die Wartung einer Schleuse verzögerte sich, somit entschieden wir in Joigny umzukehren und den Weg zurück über die Seine nach Cergy anzutreten. Zunächst manchen wir aber noch einen zweiten Besuch in Paris. Dort verabschieden wir uns von BALU.

Von dort aus geht es dann weiter ab Ende Juli.

TOUR 1 : Von der Maas zur Yonne (Mai – Juni)

Maas > Sambre > Oise > Seine > Loing > Seine > Yonne

Quelle : GOOGLE Maps

Der ursprüngliche Plan
Auf der Maas nach Süden
Auf der Sambre (Unterlauf)
Auf der Sambre (Oberlauf Belgien)
Sambre > Oise I
Sambre > Oise II
Oise > Seine > Paris
Kanalfahrt zum Arsenal
Eindrücke aus Paris
Seine > Loing
Auf der Yonne


TOUR 2 : Von der Oise nach Zeeland und mehr (August – September)

Oise > Sambre > Brüssel-Charleroi-Kanal > Brüssel-Zee-Kanal > Rupel > Nette > Nette-Kanal > Albert-Kanal > Antwerpen Hafen > Schelde-Rhein-Kanal > Oosterschelde > Grevenlingen > Oosterschelde > Volkerak > Hollandsche Diep > Maas

Anleger im Westen von Paris gesucht
Leinen los, Richtung Compiège
Epilog zur Sambre
Von der Sambre nach Antwerpen
Von Antwerpen Richtung Grevelingen
Clap de fin de saison


Zusammenfassung:

1800 km, 270 Schleusen , 11 Hebe-Drehbrücken, 1 Tunnel

2023 #12 Unterwegs auf der Yonne

Nachdem wir unseren Plan aufgegeben haben nach Briare zu fahren , geht es zunächst zurück von dem Loing zur Seine. Gegen 10h30 nach 16 km erreichen wir die Mündung der Yonne.

Die Yonne ist aus mehreren Gründen ein interessantes Revier: der Fluss, die Landschaft, die Verbindungen mit den Kanälen und Flüssen Zentral-Frankreichs.

Zunächst zu den Schleusen: Da der Berufsverkehr hier schon stark abgenommen hat, wurde deren Infrastruktur nicht den modernen Anforderungen angepasst.

An allen Schleusen gibt es nur eine Kammer (wie es auch auf den meisten historischen Freycinet-Kanälen üblich ist). Das Besondere auf der Yonne sind die Formen und Ausstattungen der Schleusen-Kammern. Hier findet man

die folgenden Formen:

  • die übliche U-Form (senkrechte Kammerwände)
  • die V-Form (schräge Kammerwände)
  • die UV-Form (eine schräge und senkrechte Kammerwand)

die Ausstattungsvarianten:

  • Poller am Kammerrand
  • einen Schwimmsteg für ein Boot
  • zwei Schwimmstege für jeweils ein Boot
  • spezielle Festmacher für Frachter

Von der Seine kommend erreichen wir die erste Schleuse kurz nach 11h. Sie besitzt eine V-Form und Poller am Rande der Kammer. Da wir auf Bergfahrt sind, ist der obere Rand der Kammer allerdings ziemlich weit vom Boot entfernt. Wegen der schrägen Wände sollte man versuchen, sich möglichst in der Mitte der Kammer aufzuhalten, da nur dort zu Beginn der Schleusung die notwendige Wassertiefe vorhanden ist!

Hier die verschiedenen Varianten:

Grundsätzlich ist dieses VNF-Dokument sehr hilfreich. Dort erhält man alle wichtigen Informationen, wie z.B. Bedienzeiten der Schleusen, wichtige Telefonnummern, …

Quelle: VNF (Stand 2023)

Die Schleusen auf der Yonne sind in zwei Sektoren eingeteilt. Die Bedienzeiten sind unterschiedlich. Da im Unterlauf noch etwas Berufsverkehr vorkommt, öffnen die Schleusen dort um 8h. Ab der Schleuse n°5 befindet man sich im „touristischen Sektor„, dort wird ab 9h15 bedient. Die bekannten Bootsvermieter, Le Boat und Locaboat haben hier einige Basen.

Da brauchbare Anlegestellen rar sind, ist es ratsam, schon vor der Mittagspause (die Schleusen werden dann nicht bedient!) einen Anleger anzufahren. Die jeweiligen Bedienzeiten findet man im oben genannten Dokument (siehe Seite 53-54).

Was für die Schleusenbedienzeiten gilt, trifft auch für die VHF Benutzung zu. Ist noch Berufsverkehr vorhanden, wird der Kanal 69 noch genutzt und gehört.

ACHTUNG: die in den gebräuchlichen Revier- Führern angegebenen Telefonnummern sind meistens nicht mehr gültig. Die aktuellen Nummern findet man im oben genannten Dokument (siehe Seite 56-57).

Als wir losfahren, heisst unser Ziel und Endstation nun AUXERRE. Unterwegs erfahren wir dann, dass

  • eine der letzten Schleusen vor Auxerre wegen Wartungsarbeiten gesperrt ist. Sie sollte ab dem 23. März wieder in Betrieb sein. Jetzt soll es am 22. Juni soweit sein. Für uns, leider zu spät!
  • die Schleuse n°11 d’Epineau nur 3x am Tag bedient wird, um 11, 14 und 17h. Sie soll in schlechtem Zustand sein.

Fluss, Landschaft, Städte und Haltemöglichkeiten:

Die Fahrt bis Sens erweist sich zunächst als sehr angenehm. Es gibt (noch) genügend Wasser. Man sollte sich wenn möglich an den in den Führern angegebenen Fahrrinnen orientieren. Der Fluss ist teilweise schon recht versandet, es gibt Untiefen und manchmal auch überschwemmte Mauern.

Ab Sens ändert sich allerdings die Lage. Die Wassertiefe nimmt ab (manchmal nur 2,5m) und die Wasserpflanzen verbreiten sich auch hier,…. besonders befallen, ist die Strecke zwischen den Schleusen n°4 und n°7.

Unsere Absicht, so nah wie möglich an Auxerre ranzukommen, schwindet in Joigny. Hinzukommt, dass BALU seinen Steuerbordmotor nicht mehr starten kann. In Joigny bestätigt ein zu Rate gezogener Techniker aus Auxerre die Vermutung, dass der Anlassermotor ersetzt werden muss.

Wir entschliessen uns, mit dem Zug nach Auxerre zu fahren. Die Stadt ist eine Reise wert. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten. Da die Bahnhöfe sowohl in Joigny als auch in Auxerre etwas abseits liegen, entschliessen wir uns die Fahrräder mitzunehmen.

Auxerre ist mit Abstand die schönste Stadt an der Yonne.

Unser ausführlicher Stadtrundgang durch die Altstadt bestätigt uns, dass wir die richtige Entscheidung gefällt haben.

Es sei noch gesagt, dass der „Hafen“ von Auxerre seinen Namen nur bedingt verdient. Es gibt zwar dort zuverlässigen Service (der Austausch des Startermotors wurde schnellstmöglich durchgeführt), allerdings liegen alle Schiffe, oft im „Doppelpack“, einfach am Kai. Es gibt dort keine Schwimmstege, die den Hafen sicherlich aufwerten würden. Daher bedauern wir es nicht, dass wir es nicht mit dem Boot dorthin schaffen.

Auxerre: Stadt, Fluss, Hafen

Wir beschliessen, dass Joigny unsere Endstation ist und kehren am 15. Juni zurück nach Sens.

Als „halte fluviale„ist Sens mit seinem hochwassersicheren Schwimmsteg und seiner Versorgung mit Strom und Wasser ( alles kostenlos!) herausragend. Joigny (der Hafen der Charterfirma „Locaboat“) kann ebenfalls empfohlen werden.

Anleger in Sens

In Villeneuve s/Yonne stehen wir an der Kai-Mauer, an der man sich an Ringen und den Natursteinblöcken festmachen muss. Trotz dieser minimalen „Infrastruktur“ werden recht teure Gebühren für die Übernachtung , Strom (5€25!) und Wasser (auf das wir verzichten) verlangt.

Villeneuve s/Yonne

Erwähnenswert wäre noch Pont s/Yvonne. Dort findet man einen Schwimmsteg ohne jeglichen Service. Wenigstens ist er kostenlos und bietet Schutz bei eventuellem Hochwasser.

Pont s/ Yonne

Und zum Abschluss noch zwei gute Adressen für die Mittagspause:

  • Maison Trotoux in Sens (Essen direkt beim Metzger)
  • Poivre et Sel in Auxerre (französische Küche vom „marché„)

Zusammenfassung:

  • Loing > Yonne
    • Moret s/Loing > Pont s/ Yonne : 46km, 8h, 7 Schleusen
    • Pont s/ Yonne > Sens: 12km, 2h, 2 Schleusen
    • Sens > Villeneuve s/Yonne : 3h, 17km, 4 Schleusen
    • Villeneuve s/Yonne > Joigny: 4h, 18km, 3 Schleusen.

2023 #11 Auf dem Oberlauf der Seine zum Loing

Bevor wir den Hafen Arsenal in Paris verlassen, reservieren wir noch für unsere Rückreise Ende Juni einen Platz für 3 Tage. In den Sommermonaten sind die Liegeplätze gezählt. Paris ist ein beliebtes Ziel und es gibt wenig verfügbare Plätze im Hafen. Deshalb müssen die dort „Ansässigen“ turnusmäßig für jeweils 4 Wochen zwischen Juni und September den Hafen verlassen, um für Passanten Anlegemöglichkeiten zu schaffen.

Mit der Capitainerie vereinbaren wir, dass wir am Montag 5. Juni die Schleuse zur Seine um 8h15 benutzen wollen, um nach einer Woche unsere Weiterreise anzutreten. Über VHF 9 kündigen wir uns an und werden sofort zusammen mit BALU geschleust. Auf der Seine ist noch nicht viel Verkehr um diese Zeit. Nach einer knappen Stunden erreichen wir die Mündung der Marne.

Die Seine wird, wie es üblich ist, in Oberlauf und Mittellauf aufgeteilt. In Frankreich ist es aber die Angewohnheit, von der Seine „Aval“ und „Amont“ zu reden. Dies bezieht sich auf die Lage zu Paris. Verwirrend erscheint einem daher auch der Ausdruck „Je monte à Paris“, der im französischen Sprachgebrauch sich eingebürgert hat. So „steigt man zur Stadt Paris auf„, ob man seine Reise im Süden, Westen, Osten oder Norden von Frankreich beginnt.

Wir befinden uns jetzt auf der „Seine amont“ und fahren flussaufwärts in Richtung Süden.

Schleuse Port à l’Anglais

Unser Plan ist es, in den nächsten Tagen bis zum Canal de Briare über den Loing vorzustossen.

Wie auch auf anderen schon erwähnten Strecken gibt es kaum oder gar keine brauchbaren Anlegemöglichkeiten auf der Seine, mal abgesehen von ein paar Schleusen, wo es Poller im Oberwasser gibt. Diese kann man zum Übernachten nutzen, vorausgesetzt der Schleusenwärter erlaubt es.


Für die 1. Etappe entscheiden wir uns, bis nach Melun zu fahren. 5 Schleusen liegen bis dorthin vor uns . Auf der Seine herrscht Berufsverkehr, der dem der Maas ähnlich ist. So kann es vorkommen, dass es auch mal Wartezeiten gibt.

An mindestens 2 Schleusen gilt es besonders achtsam zu sein! Die grosse Kammer der Schleuse „Coudray“ wird sehr schnell gefüllt!. Ein Warnschild weist den Freizeitschiffer darauf hin, NICHT weiter als das Warnschild festzumachen. Anders gesagt je weiter hinten um so besser. Die Schleuse „Vives Eaux“ besitzt Spundwände. Um Schaden am Boot zu vermeiden, haben wir noch zusätzliche Fender angebracht.

Heute wird die Seine vor allem zum Transport von Sand, Gestein und Baumaterialien genutzt. Die alten Mühlen am Ufer zeugen noch von einer prachtvollen Vergangenheit.

Nach 16h kommen wir in Melun an. Von hier kommt der dort hergestellte Käse, le „Brie de Melun„. Bekannter ist allerdings der „Brie de Meaux„, von dem 30 mal mehr jedes Jahr hergestellt wird.

Melun

Am rechten Flussufer findet man hier Poller zum Anlegen und Stromanschlüsse .

Der Platz ist sehr unruhig! Die häufig vorbeifahrenden Frachter verursachen starken Schwell! Die gezackte Kaimauer soll zwar die grossen Wellen etwas abschwächen, bewirken aber das Gegenteil. Von den am Ufer zurückgeworfenen kurzen Wellen werden wir kräftig durchgeschüttelt. Zusätzlich leistet die „Jugend“ auch noch bis spät in die Nacht ihren Beitrag, indem sie für ausreichend Lärm sorgt….Der Platz ist wirklich nur im Notfall zu empfehlen.

An der letzten Schleuse „Vives eaux“ vor der Stadt hätte man sicherlich ruhiger liegen können. Das werden wir vielleicht auf der Rückreise testen.


Die 2. Etappe führt uns am nächsten Tag nach Moret s/ Loing.

Zunächst gilt es, die Landschaft und die Ufer der Seine zu geniessen. War die Fahrt bis Melun noch sehr von der industriellen Umgebung um Paris geprägt, wird es jetzt lieblicher und ruhiger.

In der letzten Schleuse vor der Mündung des Loing, wird es dann noch einmal richtig eng. Ein Frachter und ein Schubschiff teilen sich die Schleuse mit uns. BALU bittet den Frachter, seine Schraube zu stoppen, was er zunächst einfach überhört, bis die Schleusenwärterin einschreitet.

Bevor wir in den Loing einschwenken, machen wir noch einen Tankstopp am rechten Ufer in Saint Mammès. Hier mündet der Loing in die Seine.

Der Diesel kostet dort etwas mehr als 2 €, was uns zunächst etwas abschreckt! Einfach Wucher! An einer „normalen“ Tankstelle bezahlt man zurzeit in Frankreich gerade mal 1,75€/l.

Wir fahren zusammen mit BALU den Loing 1km hoch. Ähnlich wie in Conflans Saint Honorine liegen hier viele ehemalige ausrangierte Frachter, die teilweise bewohnt sind.

Loing

Vor der 1. Schleuse im Unterwasser des Kanals befindet sich ein schön gelegener Anleger mit Wasser, Strom und Sanitäranlagen für 11€ pro Nacht (1€ pro Meter).

Vorsicht ist geboten für Schiffe mit mehr als 1,20m Tiefgang. BALU läuft kurzzeitig auf Grund. Unter unserem Schiff sind es noch knapp 30 cm….

Nach den anstrengenden 2. Etappen geniessen wir nun die Ruhe. Wir bleiben 2 Tage.

Der Geschwindigkeitsmesser von BALU ist seit einigen Tagen blockiert. Das saubere Wasser in Stehhöhe ist fast ideale Bedingung, um unter dem Rumpf nachzuschauen. Allerdings macht die geringe Höhe zwischen Grund und Rumpf es unmöglich, gefahrlos komplett unter das Schiff zu tauchen. Mehrere Versuche sind notwendig.

Anleger Moiret s/ Loing (Foto Yvonne Villerius)

Dann ist der Geschwindigkeitsgeber wieder frei. Heute haben wir das Feierabend-Bier verdient.

Moniert s/ Loing

Die Stadt liegt wunderschön am Fluss. Für einen Besuch und Rundgang durch die Gassen der Stadt und entlang des Flusses sollte man sich etwas Zeit nehmen. Es lohnt sich. Nicht umsonst, hat der Maler Alfred Sisley die schönen Perspektiven der Stadt in seinen Gemälden verewigt.

Moniert s/ Loing

Wir nutzen die Zeit unseres Aufenthaltes auch zum Austausch mit anderen Freizeitkapitänen. VNF veröffentlicht Informationen über Wassermangel im Canal de Briare, unserem Ziel. Von den aus dem Kanal ankommenden Booten erfahren wir, dass ab der 3. Schleuse zunehmend Wasserpflanzen das Vorankommen erschweren.

All das sind Informationen, an die man sich inzwischen etwas gewöhnt hat. Da wir die Strecke von Briare aus aber wieder zurückfahren müssen, und BALU noch zusätzlich Schwierigkeiten wegen der geringen Wassertiefe sieht, entschliessen wir gemeinsam unseren Weg zu ändern!

Das neue Ziel heisst Yonne und die Stadt Auxerre. Die Yonne ist ein offener Fluss; dort gibt es noch etwas Frachtverkehr und somit weniger Wasserpflanzen. Wir hoffen auf unbeeinträchtigtes Vorankommen. Der Plan ist gefasst und Morgen geht es wieder zurück zur Seine in Richtung Yonne.


Zusammenfassung:

  • Paris > Melun: 52 km, 8h, 6 Schleusen
  • Melun > Moiret s/ Moing : 34 km, 4h30 (inklusive Tankstopp),
    2 Schleusen

2023 #10 Paris, Paris,…

Um es vorweg zu sagen. Wenn wir nicht mit dem Boot unterwegs sind, leben wir die meiste Zeit in einem Vorort im Westen von Paris. Die Stadt ist somit unser „Revier“. So steht es auch an VAGABOND’s Heck.

Wenn wir im Arsenal liegen, wird die Stadt für uns zu einem „Ausflugsziel“. Wir sind Touristen.

Jeder Bootsbesuch ist somit ein Anlass, die Stadt neu zu entdecken. Die Pariser Stadtverwaltung hat die letzten Jahre Vieles unternommen, um das Leben für Radfahrer zu vereinfachen und sicherer zu gestalten, was wir dieses Mal richtig geniessen.

Hier ein paar Eindrücke :

Wer weiss, was wo ist? …

2023 #9 Zum Arsenal über die Kanäle im Norden von Paris

Als wir gegen 10h von der Seine kommend an der Schleuse n° 7 „La Briche“ des Canal Saint Denis eintreffen, dauert es etwa 15 min. bis die Schleuse auf „grün“ schaltet. Vorab haben wir uns über Telefon angemeldet. Wir sind auf Bergfahrt.

Canal St. Denis (zu Berg) 1. Schleuse von der Seine kommend „La Briche n°7“

Es gibt auf der ganzen Strecke des Kanals für jede Schleuse 2 Kammern unterschiedlicher Grösse. Allerdings erfahren wir später, dass einige kleine Kammern zurzeit ausser Betrieb sind.

Als wir nun in die erste grosse Kammer mit einem Hub von mehr als 4m einfahren, suchen wir Festmacher, oder gar Schwimmpoller, zunächst vergebens. Im Vorderteil der Kammer finden wir auf der Steuerbordseite auf etwas 2m Höhe einen Haken. Da VAGABOND als Erster einfährt, können wir ihn zu unserem Glück benutzen. Für BALU gibt es nichts!!!. Für dieses Boot bleibt nur Motor und Buck- und Heckstrahler.

Nur oben gibt es Poller am Rand der Kammern.

Dort erwarten uns zwei Angestellte (einer für VAGABOND, einer für BALU ;-)). Wir werden aufgefordert zur Registrierung ein Formular auszufüllen. Ob wir die Reise als „Freizeitschiffer“ über die beiden Kanäle bezahlen müssen, ist noch nicht ganz klar.

Diese Kanäle werden nicht von VNF, sondern von der Stadt Paris verwaltet. Die beiden Angestellten klären uns nun über den hier angewendeten Schleusenprozess auf.

Alle Schleusen des Kanals besitzen die gleiche Konzeption (siehe Zeichnung). Zwischen den beiden Kammern, zentral gelegen, befindet sich die nicht mehr benutzte Bedienkabine und die Ventile zum Füllen oder Leeren der Kammern. Die Lage der grossen und kleinen Kammern, links oder rechts vom zentralen Teil kann wechseln. Bei der ersten Schleuse (n°7), die wir nehmen liegt sie z.B. rechts (also auf Steuerbordseite).

Bei allen Schleusen des Canal Saint Denis wird das Wasser immer von der Mitte aus (zwischen den beiden Kammern) von unten in die jeweilige Kammer gepumpt.

Um Schwierigkeiten in der Kammer zu vermeiden, sollte man sich immer an der zentral gelegenen Mauer anlegen oder festmachen, falls dies möglich ist! Das einfliessende Wasser strömt zunächst unter dem Boot zur gegenüberliegenden Mauer, wird dort zurückgespült und drückt anschliessend das Schiff gegen die zentral gelegene Wand. Wenn man versehentlich auf der falschen Seite liegt, wird man von der Wand weggedrückt!

Dies kann gefährlich werden. BALU hat einige Schwierigkeiten, die Kontrolle zu behalten. Da das Wasser von „unten“ und nicht von vorne einströmt, spielt es auch keine Rolle, ob man sich vorne oder hinten in der Kammer befindet. Wichtig ist es, einen „Haken“ in der Wand zu finden!

Unterwegs auf dem Kanal ruft uns ein Berufsschiffer über VHF Kanal 10 an. Er möchte wissen, „warum wir diesen „dreckigen“ Weg eingeschlagen haben?“

Die Frage ist durchaus berechtigt!!!

  • Die Schleusen sind nicht für Freitzeitschiffe ausgestattet.
  • Es gibt kaum Festmacher, in den Kammern sind es oftmals Haken in der Schleusenwand. Man kann sich leicht daran „verfangen“.
  • Viel Abfall schwimmt im Wasser.
  • Der Weg führt durch die sogenannte „Banlieue„. Anders gesagt, der Kanal ist kein Platz zum Verweilen.
  • Es herrscht ziemlich viel Berufsverkehr; hier haben einige „Recycling Firmen ihre Werke.

Als wir aus der letzten Schleuse „Porte de Flandre“ n°1 rausfahren, sind wir alle erleichtert.

Ganz anders der Canal Saint Martin, den man an der „Villette“ erreicht. Dort haben wir am Anleger zwei Plätze reserviert. Von Rueil-Malmaison bis hierhin, haben wir 5 anstrengende Stunden gebraucht.

Der Anleger ist gut ausgestattet und durch eine Tür gesichert. Zum Öffnen der Tür und für die sanitären Anlagen benötigt man einen „Passe„.

Wir nutzen den Rest des Tages zu einem Ausflug in den nahegelegenen Parc de la Villette.

Am nächsten Morgen melden wir uns wieder über Telefon (+33 1 43 41 39 32) beim Kontrollposten des Canal St. Martin an.

Vor uns, bis zum Hafen Arsenal liegen 8 Schleusen abwärts, zwei Drehbrücken und einen Tunnel. Die Schleusen sind jeweils in 2 Stufen angeordnet: 1 & 2, 3 & 4, 5 & 6, 7 & 8. Dadurch geht das Schleusen recht zügig voran. Die Schleusen werden ab 8h05 bedient. Es ist zu empfehlen, früh zu starten und am besten am Wochenende. Ab 9h30 wird der Kanal häufig von Passagierschiffen benutzt, die Vorfahrt haben.

Problemlos kommen wir voran. Gegen 9h30 erreichen wir die letzte Schleuse Ecluse du Temple n°1 vor der Einfahrt in den Tunnel. Hier befindet sich auch der Kontroll-Posten.

Schon vor der Abfahrt haben wir unser Schiff auf die Fahrt durch den etwa 2 km langen Tunnel, genannt „la voûte„, vorbereitet, Scheinwerfer angebracht, Cabrio runter gelegt und eine warme Weste bereit gelegt. Der Tunnel hat eine Durchfahrthöhe von 4,27 m, ist beleuchtet und belüftet. Sein Fahrwasser bietet genügend Platz. Die Einfahrt und Ausfahrt sind auf beiden Seiten etwa 1m enger. Kein Vergleich mit einem Tunnel wie den „de Ham“ bei Givet auf der Meuse!

Die maximal zugelassene Durchfahrtzeit ist auf 20 Minuten begrenzt ( etwa min. 6km/h).

Direkt nach der Einfahrt ist man begeistert. Der Eindruck ist überwältigend, absolut nicht bedrängend. Sehr schnell ist der Canal St. Denis vergessen. Wie so oft, gibt es die Belohnung zum Schluss!

Nach der Ausfahrt aus dem Tunnel melden wir uns sofort im Hafen über VHF 9 an. VAGABOND bekommt Platz B124 zugewiesen. BALU liegt direkt gegenüber auf der anderen Seite des Hafenbeckens, dort wo die grösseren Schiffe längsseitig ihren Platz finden.

Hier bleiben wir 4 Tage.


Zusammenfassung:

  • Rueil-Malmaison > Villette : 22 km, 5h30, 7 Schleusen, eine Hebebrücke
  • Villette > Arsenal : 5 km, 2h, 8 Schleusen, zwei Drehbrücken

2023 #8 Oise, Seine et puis Paris

Viele Wege führen nicht nur nach Rom sondern auch nach Paris. Von Norden kommend über die Oise und dann die Seine, von Westen vom Meer kommend über die Seine, und von Osten über die Marne.

2014 und 2018 haben wir die Seine, Oise und Marne gewählt. Auch 2023 nähern wir uns auch zunächst über Oise und Seine, dann versuchen wir aber etwas Neues. Nämlich die beiden Kanäle, Canal Saint Denis und Canal Saint Martin, im Nord-Westen, die wir von der Seine aus erreichen. Aber kommen wir zunächst zurück zur l’Oise.


Die Oise ist für den Frachtverkehr ein wichtiger Fluss. Mit dem Canal du Nord , stellt er die Verbindung zwischen dem Pariser Becken und den grossen Häfen in Belgien und den Niederlanden her.

Somit trifft man hier häufiger auf Frachtkähne als auf den kleinen französischen Kanälen. Die Schleusen sind dem entsprechend dimensionniert. Alle Schleusen besitzen eine kleine und grosse Kammer. Der Hub ist recht mässig und überschreitet nie 3 m.

Die Oise erreichen wir, von der Sambre kommend, ein paar Kilometer nördlich von Compiègne. Auch die Aisne mündet hier in die Oise.

Compiègne ist eine sehenswerte Stadt. Allerdings sind hier, wie fast auf der gesamten Oise, die Anlegemöglichkeiten sehr begrenzt. Es gibt zwar einen kleinen Freizeithafen, den man aber zur Zeit nicht empfehlen kann. Geringe Wassertiefe, wenig freie Platz und kaum Wendemöglichkeiten für grössere Boote sind wenig einladend.

Compiègne Ufer der Oise

So legen wir wie üblich am linken Ufer an. Am Abend sind wir zu viert. Festmachen kann man nur an der Ufermauer, es gibt keine Poller oder Klampen . Aber bevor wir anlegen, halten wir noch am rechten Ufer bei Guerdin zum Tanken. Neben Treibstoff findet man hier so ziemlich alles, was man zum Bootsfahren brauchen kann. Die Leute sind sehr nett und hilfsbereit, kurz eine gute Adresse.

Boots-Ausstatter und Tankstelle Max Guerdin in Compiègne / rechtes Ufer der Oise

Von Compiègne nach Cergy, unsere letze Etappe auf der Oise, braucht man 2 Tage. Auf der rund 80 km langen Strecke findet man kaum brauchbare oder zu empfehlende Liegeplätze, auch wenn sich in letzter Zeit einiges tut.

Dieses Mal übernachten wir in Saint-Leu-d’Esserent (38km von Compiegne flussaufwärts). Dort gibt es eine „Halte“ für 2 – 3 Boote. Ausser Festmacher gibt es dort nichts, ausser einem „Besitzer“, der 12 € Liegegeld verlangt!!!.

Wir nutzen die Zeit und gehen in den Ort zum Essen. Dort finden wir ein nettes und gutes Hotel-Restaurant. Da wir nichts besonderes geplant haben, entscheiden wir uns für ein „Déjeuner entre amis“ mit der Crew von BALU.

Da es wenig gute Anleger gibt, kann man oft im Oberwasser der Schleusen ruhige Liegeplätze finden, z.B. an der Schleuse „Boran“. Als wird dort ankommen, ist der Kai allerdings schon voll. Arbeitschiffe sind dort geparkt. Wenn Platzvorhanden ist, und man dort übernachten will, sollte man vor ab den Schleusenwärter von seiner Absicht informieren.

Ein neuer Hafen ist in L’Isle d’Adam entstanden, die Einfahrt liegt direkt vor der Schleuse. Bis dort hin ist es aber, von Compiègne kommend zu weit, oder zu nah, wenn man von der Seine aus flussaufwärts unterwegs ist. Das gleiche gilt für einen recht langen Anleger in Pontoise.

Anleger in Pointoise

Schon vor Tagen, haben wir uns im Hafen von Cergy angemeldet. Dort findet BALU und VAGABOND nebeneinander für 3 Tage einen guten Platz. Wir kennen den Hafen und mögen ihn wegen seiner guten Ambiente und dem nahe gelegen grossen Freizeitpark. Um das Hafenbecken liegen einige Restaurants und Bars. Das stört uns aber wenig. Obwohl es tags über recht lebhaft zugeht, ist es nachts schnell ruhig.

Nach 3 Tagen brechen wir in Richtung Paris schon vor 8h auf. Auf der Seine „aval“ (d.h. oberhalb von Paris), ist die Situation vergleichbar mit der Oise.

Auf der Seine begehen wir jetzt auch grössere Passagierschiffe, die auf der Seine Richtung Rouen und Le Havre unterwegs sind.

Anleger sind rar und somit in den Sommermonaten sehr gefragt! Auf halber Strecke in Reuil-Malmaison gibt es einen gut gelegenen Steg. Er bittet Platz für maximal 4 Boote.

In nächster Nähe findet man alle wesentlichen Geschäfte und eine RER Station nach Paris. Für die Fahrt von Cergy bis hierher braucht man etwa 4 1/2 h. Es kann auch länger werden, da an der Schleuse Bougival zur Zeit nur eine Kammer bedient wird. Wir haben Glück und können mit einem Frachter und einem Passagierschiff teilen.

Wenn man über die Seine weiter nach Paris fährt (siehe 2014) sollte man von Reuil-Malmaison früh starten und am besten, nicht am Wochenende oder an Feiertagen. Dann ist auf der Seine sehr viel los. Eine grosse Anzahl von Passagierschiffen drehen dann ihre Runden im Eiltempo….

Diesmal soll es anders werden. Wir haben mit BALU vereinbart, dass wir die „Kanal-Strecke“ versuchen wollen.


Ziel in Paris ist natürlich der Hafen der Hafen Arsenal. Natürlich? Ja, Paris ist nicht Amsterdam oder Berlin. Hier gibt es nur einen Hafen in der Stadt und einen Anleger, der vom Hafen betreut wird, auf dem Canal St. Martin.

Wir starten wieder vor 8h, flussaufwärts Richtung Paris. Den Canal St. Denis erreicht man nach 2h Fahrt bei Saint Denis im Nord-Westen der Stadt. Schon am Vortag haben wir uns über Telefon (+33 1 40 35 63 21) angesagt. Die Benutzung des Kanals durch Freizeitboote ist sehr unüblich aber möglich. Die sieben Schleusen werden von einem zentralen Kontroll-Posten aus fernbedient (VHF 20).

Dazu aber mehr im nächsten Beitrag.


Zusammenfassung:

  • Compiègne > Saint-Leu-d’Esserent : 39 km, 5h, 4 Schleusen
  • Saint-Leu-d’Esserent > Cergy : 38 km, 4,5h, 3 Schleusen
  • Cergy > Rueil-Malmaison : 38 km, 4,2h, 1 Schleuse
  • Rueil-Malmaison > Saint Denis (Schleuse n° 7) : 16 km, 2 h