2023 #9 Zum Arsenal รผber die Kanรคle im Norden von Paris

Als wir gegen 10h von der Seine kommend an der Schleuse nยฐ 7 „La Briche“ des Canal Saint Denis eintreffen, dauert es etwa 15 min. bis die Schleuse auf „grรผn“ schaltet. Vorab haben wir uns รผber Telefon angemeldet. Wir sind auf Bergfahrt.

Canal St. Denis (zu Berg) 1. Schleuse von der Seine kommend „La Briche nยฐ7“

Es gibt auf der ganzen Strecke des Kanals fรผr jede Schleuse 2 Kammern unterschiedlicher Grรถsse. Allerdings erfahren wir spรคter, dass einige kleine Kammern zurzeit ausser Betrieb sind.

Als wir nun in die erste grosse Kammer mit einem Hub von mehr als 4m einfahren, suchen wir Festmacher, oder gar Schwimmpoller, zunรคchst vergebens. Im Vorderteil der Kammer finden wir auf der Steuerbordseite auf etwas 2m Hรถhe einen Haken. Da VAGABOND als Erster einfรคhrt, kรถnnen wir ihn zu unserem Glรผck benutzen. Fรผr BALU gibt es nichts!!!. Fรผr dieses Boot bleibt nur Motor und Buck- und Heckstrahler.

Nur oben gibt es Poller am Rand der Kammern.

Dort erwarten uns zwei Angestellte (einer fรผr VAGABOND, einer fรผr BALU ;-)). Wir werden aufgefordert zur Registrierung ein Formular auszufรผllen. Ob wir die Reise als „Freizeitschiffer“ รผber die beiden Kanรคle bezahlen mรผssen, ist noch nicht ganz klar.

Diese Kanรคle werden nicht von VNF, sondern von der Stadt Paris verwaltet. Die beiden Angestellten klรคren uns nun รผber den hier angewendeten Schleusenprozess auf.

Alle Schleusen des Kanals besitzen die gleiche Konzeption (siehe Zeichnung). Zwischen den beiden Kammern, zentral gelegen, befindet sich die nicht mehr benutzte Bedienkabine und die Ventile zum Fรผllen oder Leeren der Kammern. Die Lage der grossen und kleinen Kammern, links oder rechts vom zentralen Teil kann wechseln. Bei der ersten Schleuse (nยฐ7), die wir nehmen liegt sie z.B. rechts (also auf Steuerbordseite).

Bei allen Schleusen des Canal Saint Denis wird das Wasser immer von der Mitte aus (zwischen den beiden Kammern) von unten in die jeweilige Kammer gepumpt.

Um Schwierigkeiten in der Kammer zu vermeiden, sollte man sich immer an der zentral gelegenen Mauer anlegen oder festmachen, falls dies mรถglich ist! Das einfliessende Wasser strรถmt zunรคchst unter dem Boot zur gegenรผberliegenden Mauer, wird dort zurรผckgespรผlt und drรผckt anschliessend das Schiff gegen die zentral gelegene Wand. Wenn man versehentlich auf der falschen Seite liegt, wird man von der Wand weggedrรผckt!

Dies kann gefรคhrlich werden. BALU hat einige Schwierigkeiten, die Kontrolle zu behalten. Da das Wasser von „unten“ und nicht von vorne einstrรถmt, spielt es auch keine Rolle, ob man sich vorne oder hinten in der Kammer befindet. Wichtig ist es, einen „Haken“ in der Wand zu finden!

Unterwegs auf dem Kanal ruft uns ein Berufsschiffer รผber VHF Kanal 10 an. Er mรถchte wissen, „warum wir diesen „dreckigen“ Weg eingeschlagen haben?“

Die Frage ist durchaus berechtigt!!!

  • Die Schleusen sind nicht fรผr Freitzeitschiffe ausgestattet.
  • Es gibt kaum Festmacher, in den Kammern sind es oftmals Haken in der Schleusenwand. Man kann sich leicht daran „verfangen“.
  • Viel Abfall schwimmt im Wasser.
  • Der Weg fรผhrt durch die sogenannte „Banlieue„. Anders gesagt, der Kanal ist kein Platz zum Verweilen.
  • Es herrscht ziemlich viel Berufsverkehr; hier haben einige „Recycling Firmen ihre Werke.

Als wir aus der letzten Schleuse „Porte de Flandre“ nยฐ1 rausfahren, sind wir alle erleichtert.

Ganz anders der Canal Saint Martin, den man an der „Villette“ erreicht. Dort haben wir am Anleger zwei Plรคtze reserviert. Von Rueil-Malmaison bis hierhin, haben wir 5 anstrengende Stunden gebraucht.

Der Anleger ist gut ausgestattet und durch eine Tรผr gesichert. Zum ร–ffnen der Tรผr und fรผr die sanitรคren Anlagen benรถtigt man einen „Passe„.

Wir nutzen den Rest des Tages zu einem Ausflug in den nahegelegenen Parc de la Villette.

Am nรคchsten Morgen melden wir uns wieder รผber Telefon (+33 1 43 41 39 32) beim Kontrollposten des Canal St. Martin an.

Vor uns, bis zum Hafen Arsenal liegen 8 Schleusen abwรคrts, zwei Drehbrรผcken und einen Tunnel. Die Schleusen sind jeweils in 2 Stufen angeordnet: 1 & 2, 3 & 4, 5 & 6, 7 & 8. Dadurch geht das Schleusen recht zรผgig voran. Die Schleusen werden ab 8h05 bedient. Es ist zu empfehlen, frรผh zu starten und am besten am Wochenende. Ab 9h30 wird der Kanal hรคufig von Passagierschiffen benutzt, die Vorfahrt haben.

Problemlos kommen wir voran. Gegen 9h30 erreichen wir die letzte Schleuse Ecluse du Temple nยฐ1 vor der Einfahrt in den Tunnel. Hier befindet sich auch der Kontroll-Posten.

Schon vor der Abfahrt haben wir unser Schiff auf die Fahrt durch den etwa 2 km langen Tunnel, genannt „la voรปte„, vorbereitet, Scheinwerfer angebracht, Cabrio runter gelegt und eine warme Weste bereit gelegt. Der Tunnel hat eine Durchfahrthรถhe von 4,27 m, ist beleuchtet und belรผftet. Sein Fahrwasser bietet genรผgend Platz. Die Einfahrt und Ausfahrt sind auf beiden Seiten etwa 1m enger. Kein Vergleich mit einem Tunnel wie den „de Ham“ bei Givet auf der Meuse!

Die maximal zugelassene Durchfahrtzeit ist auf 20 Minuten begrenzt ( etwa min. 6km/h).

Direkt nach der Einfahrt ist man begeistert. Der Eindruck ist รผberwรคltigend, absolut nicht bedrรคngend. Sehr schnell ist der Canal St. Denis vergessen. Wie so oft, gibt es die Belohnung zum Schluss!

Nach der Ausfahrt aus dem Tunnel melden wir uns sofort im Hafen รผber VHF 9 an. VAGABOND bekommt Platz B124 zugewiesen. BALU liegt direkt gegenรผber auf der anderen Seite des Hafenbeckens, dort wo die grรถsseren Schiffe lรคngsseitig ihren Platz finden.

Hier bleiben wir 4 Tage.


Zusammenfassung:

  • Rueil-Malmaison > Villette : 22 km, 5h30, 7 Schleusen, eine Hebebrรผcke
  • Villette > Arsenal : 5 km, 2h, 8 Schleusen, zwei Drehbrรผcken