2025 #15 Von Nieuwpoort nach Antwerpen

Kanaal Plassendale-Nieuwpoort – Kanaal Gent-Oostende – Ringvaart – Lys – Boven Zeeschelde – Zeekanaal Brussel-Schelde – Ruppel – Beneden Nete – Netekanaal – Albertkanaal

Wir verlassen Nieuwpoort, nachdem die „Gehfรคhigkeit“ des Kapitรคns sich verbessert hat. Unser „Sommerziel“ Antwerpen soll noch vor Ende Juni erreicht werden.

Brรผgge

Auf dem Weg zum Passantenhafen „Coupure“ in Brรผgge gilt es, einige Hebe- oder Drehbrรผcken und drei Schleusen zu รผberwinden. Auf dem Weg dorthin begleiten uns fรผnf Freizeitschiffe und ein Frachter.

Auf den Kanalstrecken รผberholen uns unentwegt Fahrrad-Teams. Hier bewahrheitet sich: Belgien ist eine Radfahrnation.

Bis zur Schleuse „Dammepoort“ im Nord-Westen von Brรผgge kommen wir gut voran.

Die Schleuse „Dammepoort“ besitzt eine ungewรถhnliche Form aufgrund ihrer gebogenen Wรคnde. Dem Frachter wird die lang gebogene Steuerbordseite zugeteilt. Die 5 Yachten mรผssen an der gegenรผberliegenden Seite im Halbrund anlegen. Festmachen ist hier ein grosses Wort! Es gibt ein paar ร–sen und Seile. Wir haben einen ungรผnstigen Platz erwischt. Da die Wand nicht genรผgend Raum fรผr alle lรคsst, bieten wir einer englischen Crew an, sich an uns ranzulegen. Mit einiger Mรผhe kรถnnen wir die zwei Boote wรคhrend des Schleusenvorgangs stabilisieren.

Die Durchfahrt oder besser gesagt Umfahrung von Brรผgge erweist sich als ein „Nadelรถhr“. Der Kanal ist eng mit einigen Brรผcken und der Frachtverkehr kann recht stark sein, so dass es an der Dammepoort-Schleuse zu Stau kommen kann.

Die Brรผcke zum Passantenhafen wird vom Hafenmeister bedient. Auch wenn es dazu einen VHF Kanal gibt, ist es besser ihn direkt telefonisch zu erreichen. Der Hafenmeister ist sehr hilfsbereit und kรผmmert sich um jedes ankommende Boot.

In der Nรคhe der Brรผcke befindet sich im Kanal ein Wartesteg ohne Landzugang, der mitunter als „Liegeplatz“ genutzt wird, wenn die Brรผcke zum Hafen defekt ist, was wรคhrend unseres Aufenthalts vorkam.

seit letztem Jahr besitzt der Hafen ein neues, gut ausgestattetes Sanitรคtsgebรคude.

Auf einer alten Stadtkarte lรคsst sich gut ersehen, woher der Name des Hafens „Coupure“ (z.D.: Unterbrechung, Durchstich) seinen Ursprung hat. Der Kanal wurde erst im 18. Jahrhundert gebaut, um die Verbindung von Brรผgge mit Gent zu verbessern.

Es ist unser zweiter Besuch mit dem Boot in der Stadt. Wegen der eingeschrรคnkten Beweglichkeit geniessen wir mehr die Ruhe im Hafen als die Hektik der Stadt. Es ist bemerkenswert, die Bilder von 2021 mit denen von heute zu vergleichen. Auch hier hat der Massentourismus eingeschlagen!

Gent

Nach vier Tagen machen wir uns auf den Weg nach Gent. Wir werden von drei Charterbooten begleitet.

Der Kanal bleibt am Anfang eine Weile sehr eng. Hier ist Vorsicht geboten! Entgegenkommende Frachter sind mehr daran interessiert, die Schleuse „Dammepoort“ zรผgig zu erreichen, als auf „Freitzeitschiffer“ besondere Rรผcksicht zu nehmen. Auch diesmal wird es fรผr uns einen kurzen Moment eng!

Dann steht nichts mehr im Weg und wir erreichen den Passantenhafen in Gent nach fรผnf Stunden Fahrt. Der nette Hafenmeister in Brรผgge hatte seinem Kollegen in Gent unsere Ankunft angekรผndigt. So finden wir einen gutgelegen Platz am Lรคngssteg.

Auch wenn die beiden Stรคdte sich historisch รคhneln, wirken sie doch sehr unterschiedlich auf uns. Um es auf den Punkt zu bringen, kann man dem Hafenmeister rechtgeben, wenn er sagt: „Brรผgge lebt am Tag, Gent wรคhrend der Nacht„. In Brรผgge fallen vor allem die vielen Touristen auf, in Gent sind es Studenten.

Wir nutzen unsere Zeit zu zwei Museumsbesuchen. Das Designmuseum ist leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So haben wir Zeit, um das MSK (Museum der Schรถnen Kรผnste) zweimal aufzusuchen. Eine Sonderausstellung des Zeichners Jules de Bruycker erweckt unser besonderes Interesse. Aber auch ein kleines Museum, das sich mit dem Alltagsleben, den Brรคuchen und Gewohnheiten beschรคftigt, hat uns gut gefallen.

Antwerpen

Wie immer, wenn man von Gent nach Antwerpen (oder umgekehrt) fahren will, muss man sich vor der Abreise รผber die Fahrbedingungen auf der Schelde informieren: Tidenhub, Seeschleusen-Bedienzeiten etc.

Da wir auf Talfahrt sind, brauchen wir ablaufendes Wasser, somit Hochwasser bei der Abfahrt. Die Hochwasserzeiten liegen Ende Juni dieses Jahr am Nachmittag, was eine direkte Fahrt bis Antwerpen zum Hafen Willemdok erschwert. 2018 hatten wir Hochwasser um 6h30 in Gent.

Ein Anruf an der Schleuse Kattendijk in Antwerpen erledigt diese Frage allerdings sehr schnell! Die Schleuse ist seit gestern ausser Betrieb. Die Reparatur wird voraussichtlich eine Woche in Anspruch nehmen. Warten wรคre riskant, also entschliessen wir uns zur Alternative รผber die Ruppel und Nete: also Schelde zu Tal, Ruppel und Nete zu Berg.

Jetzt gilt es noch die Zwischenstopps festzulegen. Im offenen Gezeitengewรคsser mit zusรคtzlicher Flussstrรถmung zu รผbernachten, macht uns keinen besonderen Spass. Wir entscheiden uns fรผr eine erste Etappe von Gent zum ruhigen Hafen von Willembroek am Zeekanaal Brussel-Schelde.

Wir sehen die Abfahrt fรผr den 21. Juni vor. Hochwasser in Melle wird fรผr 15h12 erwartet. Von der Seeschleuse Merelbeke nach Melle sind es noch etwa 4 km.

An der Seeschleuse Wintam ist Niedrigwasser um 18h37. Bis dorthin sind es rund 70km.

Um sicherzustellen, dass wir Wintam erreichen, bevor wieder starker Gegenstrom einsetzt, nehmen wir die Schleuse Merelbeke eine gute Stunde vor Hochwasser.

Wir verlassen den Hafen um 12h45 und erreichen die Schleuse Merelbeke gegen 13h30. Als wie ankommen, steht die Backbordschleuse schon bereit.

Wir verlassen die Schleuse gegen 14h und fahren so etwa eine Stunde noch gegen die abnehmende Gegenstrรถmung. Unsere Reisegeschwindigkeit liegt jetzt bei etwa 7km/h (SOG). Unsere รผbliche Geschwindigkeit im Wasser liegt bei etwa 10 km/h (1800 U).

Nach 1h30 nehmen wir Fahrt auf. Dendermonde erreichen wir nach drei Stunden, die Geschwindigkeit hat sich zwischen 13 und 15km eingependelt. An der Schleuse Wintam kommen wir gegen 19h nach 5 Stunden Fahrt an. Von der seit einer halben Stunde einsetzenden Gegenstrรถmung merken wir noch nichts. Jetzt entspricht die „Geschwindigkeit รผber Grund“ unserer รผblichen Fahrgeschwindigkeit im Wasser, etwa 9-10 km/h.

Die Schleuse verlassen wir um 20h und erreichen den kleinen Hafen in Willebroek eine Stunde spรคter, wo wir einen Platz direkt vor der Klein- Willebroek Schleuse finden.

Am nรคchsten Tag beginnt das Rechnen fรผr die zweite Etappe schon wรคhrend des Frรผhstรผcks. Jetzt geht es zu Berg, also starten wir mit auflaufendem Wasser. Niedrigwasser in Boom haben wir um 8h. Wegen der zwei niedrigen Brรผcken auf der Beneden Nete gilt es, weder zu frรผh noch zu spรคt zu starten. 2 Stunden nach Niedrigwasser in Boom (etwa 3h nach Antwerpen!) ist ein guter Wert. Die Schleusenwรคrter sowohl in Willebroek als auch in Duffel bestรคtigen unsere Einschรคtzung. Die Schleuse Willebroek wird an unserem Fahrtag ab 10h bedient, an der Schleuse Duffel haben wir 1h30 spรคter genรผgend Wasser (unter dem Kiel).

Vom Passantenhafen Lier trennen uns nur noch eine Viertelstunde.

Als wir dort ankommen, finden wir am Steg die ANNE-MARIA, eine der drei von LINSSEN-YACHTS gebauten „New Classic Sturdy 36 AC„. Welch ein Zufall!!! Dies gab uns Gelegenheit zu einem angeregten und netten Erfahrungsaustausch mit den Besitzern aus Duisburg.

Hier bleiben wir eine Nacht, bevor es weitergeht Richtung Antwerpen.

Die Zufahrt zum Hafen Willemdok in Antwerpen รผber den Albertkanaal wird wegen des Baus eines Tunnels unter der Schelde im Hafengebiet stark beeintrรคchtigt. Der Weg zum Hafen wurde wegen der Bauarbeiten verlegt. Man fรคhrt jetzt nicht mehr durch die „Siberiabrug“ zum Katteldijk-Dok sondern รผber die Luikbrug, Asiabrug und Mexicobrug.

Der Verkehr auf dem Albertkanal zum Hafengebiet wird im Wechselverkehr abgewickelt. Alle 3/4h wechselt die Fahrtrichtung im Konvoi (West > Ost; Ost> West). Wir melden uns auf VNF Kanal 5 mit Angabe der vorgesehenen Informationen an: Bootsname, FD-Nummer, Anzahl der Personen an Bord.

Wir haben Glรผck und kรถnnen mit dem Frachter Nadia die Engstelle passieren. Anschliessend geht es direkt zur Luikbrug, die schon geรถffnet wurde.

Leider erreichen wir die Londonbrug 15 Minuten zu spรคt, um noch die mรถgliche Hebung um 12h45 ausnutzen zu kรถnnen.

So machen wir im Katteldijkdok fest, essen zu Mittag und warten mit drei anderen Booten auf die nรคchste Hebung um 14h. Ein paar Minuten spรคter werden wir von Hafenmeister Dirk im Schlauchboot zu unserem Platz begleitet. (Siehe Bild).


ZUSAMMENFASSUNG:

23./ Nieuwpoort > Brรผgge: 42km, 3 Schleusen, einige Brรผcken, 6,3Mh
24./ Brรผgge > Gent: 45km, 5,4Mh
25./ Gent > Willebroek: 76 km, 1 Schleuse, 8Mh
26./ Willebroek > Lier: 14km, 2 Schleusen, 1,8Mh
27./ Lier > Antwerpen: 33km, 2 Schleusen, Brรผcken, 4,4Mh

2025 #14 Das Wesentliche

Heute mal etwas ganz Anderes, aber ebenso Wichtiges. Dazu ist mir der Werbespruch, neuerdings „Baseline“ genannt, meines bevorzugten Kamera-Herstellers in den Sinn gekommen.

Die Beschrรคnkung aufs Wesentliche„. Was braucht ein Fotograf zum Fotografieren ? Mehr ist nicht unbedingt besser! „Was nehme ich mit auf eine einsame Insel ? usw.

Was ist eigentlich das Wesentliche fรผr eine gelungene Bootsfahrt ?

Schรถnes Boot, gutes Wetter, funktionierende Schleusen und Brรผcken …. oder doch etwas anderes?

Aus unseren Erfahrungen haben wir gelernt, dass es auf ganz andere Dinge ankommt. Natรผrlich macht es mehr Spass mit einem schรถnen Boot, gutem Wetter und problemloser Fahrumgebung!

Wir nennen es „BEWEGLICHKEIT„. Also die Fรคhigkeit, in Bewegung bleiben zu kรถnnen.

Das betrifft ebenso das Boot wie die Crew!

2016 waren wir in Frankreich mit zwei befreundeten Schiffen unterwegs. Einer der Skipper hat sich damals beim Radfahren das Bein gebrochen. Die Reise endete abrupt.

2022 wurde uns selbst bewusst, wie wichtig es ist, mobil zu sein. Damals hatten wir ein Problem mit der Dieselversorgung auf der IJssel. Beweglichkeit bedeutet auch, Kontrolle nicht ausser Acht zu lassen .

2024 verlor eine gute Freundin, die mit uns auf ihrem eigenen Boot unterwegs war, auf rutschiger Strasse die Kontrolle รผber ihr Fahrrad. Fazit: die Reise musste ein paar Wochen unterbrochen werden.

Jetzt hat es uns erwischt!

Bei einem unglรผcklichen Sturz habe ich mir einen Muskelriss des „Hamstrings“ zugezogen. Sportler wissen da sofort, was damit gemeint ist ;-).

Es hรคtte viel schlimmer ausgehen kรถnnen!!! Stรผrze in unserem Alter haben oft schlimmere Folgen als nur ein paar Schmerzen und ein paar Gehbeschwerden. Meine „Beweglichkeit“ ist somit fรผr ein paar Tage eingeschrรคnkt,…. und die des Bootes ebenfalls.

So gรถnnen wir uns nach dem ersten Schreck mal ein paar Tage Ruhe im gut gelegenen Passanten-Hafen „la Coupure“ von Brรผgge. Der Name des Hafens passt sehr gut zu unserer Unterbrechung der Fahrt oder des Riss des Muskels :-).

Wenn ich zum Schluss wieder auf „das Wesentliche“ zurรผckkomme, wรผrde ich sagen:

  • Beweglichkeit ist Nummer 1. Was die Crew anbelangt, kann man das auch allgemeiner mit Gesundheit gleichsetzen.
  • auf zweiter Stelle folgt : Flexibilitรคt (Planung ja, aber die Anpassungsfรคhigkeit sollte im Vordergrund stehen ),
  • das Bootsfahren sollte weiterhin der ganzen Crew Spass machen, also Gemeinschaftssinn.

Es sei noch vermerkt, dass die medizinische Versorgung (Transport, Behandlung, Versorgung) ausgezeichnet war. Besonderer Dank geht an die Ambulanz der Feuerwehr in Nieuwpoort sowie dem Personal im Hospital von Ostende.

Ohne die liebevolle Unterstรผtzung meiner „besseren Hรคlfte“ , wรคre wohl die Tour 2025 hier zu Ende gegangen!

Falls „Murphy“ sich nicht etwas anderes fรผr uns ausdenkt, geht es im nรคchsten Bericht um die Reise von Nieuwpoort, Brรผgge und Gent nach Antwerpen.

Bleibt gesund!

2025 #13 An Dรผnkirchen vorbei nach West-Flandern

L’Aa canalisรฉe – Canal de la Haute Colme – Canal de Lynck ร  Coppenaxfort – Canal de Bourbourg – Canal de la Jonction – Canal de Furnes – Kanaal Nieuwpoort-Duinkerken – IJzer – Kanaal Plassendale-Nieuwpoort

Wie schon beschrieben, fahren wir zunรคchst von Arques direkt nach Veurne in Belgien (West-Flandern).

Bevor wir loslegen, versuchen wir, uns รผber die Hรถhenbeschrรคnkungen auf den Kanรคlen im Stadtgebiet von Dรผnkirchen zu informieren. Die Angaben der Karten geben keine eindeutige Auskunft. Teilweise entspricht die Durchfahrthรถhe dem genwohnten Freyzinet-Mass, sprich 3,50m, teilweise scheint dies aber nicht garantiert. Beim Canal de Jonction variieren die Angaben von 3,20 bis 3,45m.

Mehrere Anrufe im Hafen von Dรผnkirchen und bei VNF helfen uns nicht weiter. Scheinbar will sich keiner festlegen.

So entscheiden wir uns, vor der Abfahrt das Cabrio zu legen. Wie wir dann spรคter feststellen, wรคre es bei zwei Brรผcken wirklich eng geworden… Unsere Erfahrung 2018 auf dem Ardennen-Kanal hat uns gelehrt, vorsichtig zu sein.

Die Strecke von Arques nach Dรผnkirchen fรผhrt durch eine liebliche Sumpfgegend mit vielen kleinen Kanรคlen, die in die Aa mรผnden. Es begegnen uns an diesem Morgen kaum Frachter und kein einziger Freitzeit-Schiffer.

Auf dem Weg liegen drei Schleusen. Die erste wird fernbedient. Als wir ankommen, steht sie fรผr uns bereit. Diese Schleuse besitzt wie die Schleuse Cuinchy horizontale und vertikale Spundwรคnde.

Die zwei anderen Schleusen sind „automatisรฉs„. Wer die franzรถsischen kleinen Kanรคle und Schleusen kennt, der weiss, dass dieses Wort vielfรคltige Interpretationen erlaubt.

Wir nรคhern uns der Schleuse „Jeu de Mail„, finden aber keine Erklรคrung, wie hier der Schleusenvorgang ausgelรถst wird. Eine „Tรฉlรฉcommande“ wurde uns nicht ausgehรคndigt, eine Drehstange sehen wir zunรคchst nicht,… Ein Anruf bei VNF gibt uns auch keine weitere Erklรคrung. Die Schleuse sei halt „automatisรฉe„. Da wir so nicht weiterkommen, wird ein Mitarbeiter zur Schleuse geschickt, um nach dem Rechten zu schauen.

Als er nach einer Viertelstunde am Boot erscheint, fragt er uns „ob wir die Leine gezogen hรคtten? “ Welche Leine ? Dann der Ahhh-Effekt! Der VNF-Mitarbeiter zeigt in Richtung Kanal, wo wir dann tatsรคchlich eine hรคngende Kette in Ufernรคhe sehen.

Quasi zeitgleich nรคhert sich ein Frachter, der das Schleusentor mit einer Fernbedienung รถffnet ;-).

Wir gehen jetzt davon aus, dass die letzte Schleuse des Tages auch mit einer Zugleine bedient wird (oft sind es Stangen, die gedreht werden mรผssen ;-)). Als wir uns der Schleuse Furnes im engen Canal de jonction langsam nรคhern, halten wir Ausschau nach einer solchen Leine. Diesmal รถffnet sich das Schleusentor ohne unser Zutun. Da rund um die Schleuse รœberwachungskameras uns zuschauen, erwarten wir, dass diese Schleuse auf Distanz von einer Schaltzentrale aus gesteuert ist. Dem ist aber nicht so! Nach einigen Minuten rufen wir VNF wieder an, dort werden wir an den Hafen von Dรผnkirchen verwiesen. Den versuchen wir รผber UKW73 zu erreichen (Der Kanal wird von VNF verwaltet, jedoch diese Schleuse steht unter der Aufsicht des Hafens).

Anscheinend hat uns jemand gehรถrt, denn nach 20 Minuten kommen zwei Angestellte. Diese machen uns auf ein gelbes Kรคstchen mit zwei Bedienknรถpfen an der Backbordwand der Schleuse aufmerksam. Rot sei fรผr NOTFร„LLE, Schwarz fรผr START. „Warum gibt es kein lesbares Schild ? oder eine Erklรคrung ? Darauf die Antwort: „Ja, das stimmt, das wรคre sinnvoll!

Dann steht auf dem Weg nach Veurne fast nichts mehr im Weg. Bis zur belgischen Grenze wird der Kanal von VNF verwaltet.

Als wir uns der ersten Brรผcke nรคhern , werden wir von einem VNF-Mitarbeiter empfangen. Zunรคchst erklรคrt er uns, dass unser Anruf รผberflรผssig war, „da er uns auf AIS gesehen hat,… Er sei aber vor allem gekommen, um unsere Fahrinformationen zu notieren…“.

Kurz vor 17h machen wir im Passantenhafen von Veurne fest, wo wir zwei Tage bleiben, um uns die flรคmische Stadt anzuschauen.

Die meisten, wenn nicht alle Stรคdte in West-Flanden haben sehr unter dem 1. Weltkrieg gelitten. Es ist bemerkenswert, das man dort die alten Stadtzentren nach dem Krieg im flรคmischen Renaissance-Stil wieder erbaut hat.

Dann geht es weiter nach Nieuwpoort.

Vor der Weiterfahrt nach Nieuwpoort erkundigen wir uns beim dortigen Schleusenwรคrter nach dem besten Zeitpunkt fรผr das Schleusen. Wegen der variablen Wasserstรคnde werden die dortigen Gezeitenschleusen nicht zu jeder Tageszeit bedient.

Er empfiehlt uns spรคtestens 2 Stunden nach Hochwasser dort anzukommen. Wir einigen uns auf 1h30.

Die erste Schleuse Veurne fรผhrt vom Kanal zur IJzer, die in Nieuwpoort in die Nordsee mรผndet. Dort liegen drei Yacht-Hรคfen im Gezeitengewรคsser. Da wir ins Binnengewรคsser wollen, mรผssen wir noch die Gravensluis nehmen.

Jetzt hat man die Wahl zwischen zwei Binnenhรคfen. Beide tragen das Wort Westhoek im Namen, was zu Verwirrungen fรผhren kann. Die Marina Westhoek liegt direkt im Kanal nach Ostende und Gent. Wer vorhat, wie wir, noch รผber die IJzer einen Ausflug nach Dixmuide zu machen, der bevorzugt den gut ausgestatteten Klubhafen VVW Westhoek in ruhiger Lage. Dort gibt es auch ein Restaurant. Bis dorthin trennt uns nur noch die Schleuse Sint-Joris. Dort werden wir schon erwartet.

Im Hafen werden wir nett empfangen. Wir bleiben hier vier Tage. Zeit genug zu Ausflรผgen nach Nieuwpoort-Bad, Ostende und De Panne mit unseren Kindern, die uns hier besuchen.

Ebenfalls auf dem Programm steht ein Ausflug mit dem Boot รผber die IJzer nach Dixmuide bevor es weiter nach Brรผgge gehen soll.

Die IJzer schlรคngelt sich durch eine flache Agrarlandschaft. Dort finden wir einen recht grossen Stadthafen mit Tankstelle.

Wer sich fรผr Geschichte interessiert, der sollte auf diesen Ausflug nicht verzichten. Der Besuch des Museum aad der IJzel erweckt in uns schreckliche Parallelen zur heutigen Zeit.


Zum Abschluss noch eine allgemeine persรถnliche Betrachtung. Ein Thema, das uns auf dieser Reise mal wieder beschรคftigt : die Benutzungsgebรผhren der Wasserstrassen. Da wir dieses Jahr ein bisschen im Zig-Zag-Kurs unterwegs sind und natรผrlich auch die Wegsperrungen im Auge behalten mรผssen, versuchen wir die anstehenden Kosten zu optimieren.

Zur Erinnerung:

  • Belgien (Wallonie) : kostenlos
  • Belgien (Flandern) : kostenpflichtig, flexible Dauer, 1 Trimester (160โ‚ฌ)
  • Deutschland: kostenlos
  • Frankreich : kostenpflichtig, wรคhlbare Dauer: 1 Woche, 1 Monat (160โ‚ฌ), 1 Jahr, kurze Zeiten sind teurer
  • Niederlande : kostenlos, ausser Kauf des „Almanachs“

Obwohl wir in Frankreich keinen Monat (nur 15 – 20 Tage) ohne Unterbrechung unterwegs sind, buchen wir 1 Monat (billiger als 3 Wochen). Obwohl wir in Flandern kein Trimester (8 Wochen) ohne Unterbrechung unterwegs sind, buchen wir 1 Trimester etc.

Es sei noch vermerkt, dass es keinen direkt erkennbaren Zusammenhang zwischen den Kosten und dem Service gibt.


ZUSAMMENFASSUNG:

19. / Arques > Veurne : 62km, 3 Schleusen, Hebebrรผcken, 7,5Mh
20. / Veurne > Nieuwpoort: 13km, 2 Gezeitenschleusen, 1 Schleuse, Hebebrรผcken, 2Mh
21. / Nieuwpoort > Diksmuide : 15km, 1,5Mh
22. / Diksmuide > Nieuwpoort : 15km,1,5Mh

2025 #12 Richtung Dรผnkirchen

Canal de la Deรปle – Canal de l’Aire – Canal de Neufossรฉ

Fรผr die Fahrt von Wambrechies nach Aire sur la Lys warten wir den nรคchsten regenarmen Tag, der allerdings als sehr windig angesagt wird, ab.

Frรผh, noch vor 8h machen wir uns auf den Weg. Der Wind soll erst gegen 11h stรคrker werden, dann aber krรคftig mit Bรถen bis zu 8 bft. Heute geht es uns vor allem darum, ein Stรผck voranzukommen. 70km und 3 Schleusen liegen vor uns. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die erste Schleuse. Wir kรถnnen sofort einfahren. Bei der Schleuse „Don“ haben wir weniger Glรผck. Dort mรผssen wir zwei Schleusungen abwarten. Es soll die einzige Verzรถgerung an diesem Tag bleiben.

2018 hatten wir im Oberwasser der Schleuse Don รผbernachtet. Da der Berufsverkehr zwischen 22h und 6h unterbrochen wird, kann man zur Not an einer Kai-Mauer im Kanal รผbernachten. Hรคfen sind hier selten. Die Gegend zwischen Lille und Douai ist von Industrie geprรคgt. Das lรคdt natรผrlich nicht zum Verweilen ein.

Als wir nach fast 4 Stunden in den Canal de l’Aire abbiegen, wird die Landschaft lieblicher. Die Schleuse „Cuinchy“ erreichen wir gehen 12h30. Die Kammerwรคnde bestehen aus senkrechten Spundwรคnden und waagrechten Stahlschienen (รคhnlich wie Leitplanken an Autobahnen).

Illustration: Kai-Mauer im Stil der Wรคnde der Schleuse Cuinchy

Beim Schleusen achten wir drauf, Abstand zu den Wรคnden zu halten. Da wir flussabwรคrts unterwegs sind , gelingt das recht gut.

Auf dem Kanal treffen wir nur auf etwas Berufsverkehr. Freizeitkapitรคne sind hier wohl weniger unterwegs. Das รคndert sich, als wir uns unserem Zielhafen in Aire sur la Lys nรคhern. Dies liegt am Zufluss der Lys, einem typischen Freizeitgewรคsser.

Dort finden wir einen vรถllig neu gestalteten, modernen Yacht-Hafen, der fast jeden Service bietet. So gibt es neben Wasser und Strom an allen Stegen festinstallierte Fรคkalienpumpen. Das Hafengebรคude bietet neben den Sanitรคranlagen und Waschmaschinen auch eine kleine Bar, an der nordfranzรถsisches Bier serviert wird.

Die gepflegte Anlage ermutigt uns, hier drei Tage zu verweilen. Wir nutzen die Zeit zu einem Stadtbesuch und einer Fahrt nach Saint Omer. Fernab von Paris werden รผberall in der franzรถsischen Provinz grosse Anstrengungen unternommen, um diese Regionen attraktiver zu gestalten. In Aire fliessen 4 Bรคche und Flรผsse zusammen. Die Stadt Aire lebt vor allem von Agrarindustrie. Noch heute arbeitet hier eine der grรถssten Mรผhlen im Norden Frankreichs.

Wir fahren mit dem Bus nach Saint Omer. Das klingt zunรคchst einfach, ist es aber nicht. Vergeblich versuchen wir, jemanden zu finden, der uns Auskunft geben kann: wann und wo fรคhrt der BUS ab? Gibt es รผberhaupt eine Busverbindung? Im Zentrum von Aire treffen wir auf einen รคlteren Herrn, der unser Rรคtsel lรถst: Ja es gibt einen Bus, Ja es gibt eine Bushaltestelle „dort, wo der Mรผllkorb steht,…“ . Ob und wann der Bus fรคhrt, weiss er allerdings nicht. Wie mancherorts, ist das Auto noch das bevorzugte Verkehrsmittel.

Am nรคchsten Morgen wollen wir es versuchen. Wir haben Glรผck, um 9h21 naht der Bus 511, der uns nach St. Omer bringt. Viel Zeit bleibt uns nicht zum Bummeln. Der Bus fรคhrt kurz nach 12h wieder zurรผck.

Bei der Touristen-Information erhalten wir eine Karte mit einigen Rundweg-Vorschlรคgen. So nutzen wir die 2 Stunden, die uns bleiben, zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt, entlang der sehenswerten historischen Bauten: Cathรฉdrale Notre-Dame, Vestiges de l’Abbaye Saint-Bertin, la Grande Place. Auf den Besuch der Brauerei Saint Omer mรผssen wir leider verzichten.

Nach Arques fahren wir am nรคchsten Tag mit dem Boot. Die Stadt liegt unweit von Saint Omer am anderen Ufer des Canal de Neuffossรฉ. Arques ist weltweit bekannt durch seine Cristallerie d’Arques. Heute wird hier noch Glas fรผr industrielle Anwendungen produziert.

Die grosse Schleuse Fontinettes steht fรผr uns bereit. Die Talfahrt der รผber 13m tiefen Schleuse geht recht zรผgig voran. Nach weniger als 30 Minuten verlassen wir die Kammer. Nur einen Kilometer entfernt liegt die Schleuse „Flandres“. Auch sie steht bereit.

Einen halben Kilometer hinter ihr finden wir in einem Seitenarm die „Base nautique d’Arques„. Wir sind das erste Boot an diesem Tag, das dort am Lรคngssteg festmacht. Spรคter gesellen sich noch drei niederlรคndische Schiffe hinzu.

Wir nutzen den Nachmittag zu einem Besuch des ehemaligen Schiffshebewerks „Fontinettes“. Das Hebewerk mit Freycinet-Massen (38,50×5,05) aus dem Jahre 1888 ersetzte eine Schleusentreppe von 5 Schleusen. 1967 wurde es durch eine grosse Schleuse im Europa-Format (144×12) ersetzt. Die Dauer des Schleusens ist zwar รคhnlich, allerdings kรถnnen 6 traditionelle Pรฉniches gleichzeitig geschleust werden. Das war zumindest bis in die 80ger Jahre so. Heutzutage verkehren hier grรถssere Kรคhne. In den nรคchsten Jahren soll eine zweite Kammer die Schleuse ergรคnzen.

Das Hebewerk kann besichtigt werden. Technikinteressierte sollten sich den Besuch nicht entgehen lassen.

Nach reichlicher รœberlegung entscheiden wir uns in Arques, den Hafen von Dรผnkirchen „links liegen“ lassen zu lassen.

Nicht etwa aus zeitlichen Grรผnden oder weil ein Besuch von Dรผnkirchen uninteressant wรคre. Nein, dies hat eher rechtliche Grรผnde. Unser Schiff ist in Frankreich fรผr „Binnengewรคsser“ in Paris angemeldet und bei der zustรคndigen Behรถrde registriert. Wer ins maritime (franzรถsische) Wasser mรถchte und unter franzรถsischer Flagge fรคhrt, braucht eine sogenannte „Francisation“ (Franzรถsisierung). Abgesehen von der recht aufwรคndigen Prozedur, zieht dies auch jรคhrliche Kosten nach sich (in unserem Fall 342โ‚ฌ z.Z.). Dies zusรคtzlich zur „Vignette“, die von VNF fรผr die Nutzung der franzรถsischen Wasserwege anfรคllt (556โ‚ฌ/Jahr in unserem Fall). Auf der Seine haben wir schon vor Jahren die gleiche Situation erlebt. Ab der Stadt Rouen gilt Seerecht. Somit endete unsere Bootsreise auf der Seine in der Stadt Rouen ! 80km von der Kรผste entfernt.

Wir lassen es also nicht darauf ankommen, im Hafen vom Zoll kontrolliert zu werden und entscheiden uns direkt รผber den Canal de Furmes nach Belgien zu fahren.


ZUSAMMENFASSUNG:

17./ Wambrechies > Aire sur la Lys: 65km, 3 Schleusen, 7,6Mh
18./ Aire sur la Lys > Arques: 16km, 2 Schleusen, 1,9Mh

2025 #11 Besuch in Lille

Lys – Canal de la Deรปle

Noch in Kortrijk bereiten wir die Reiseroute fรผr den nรคchsten Tag vor. Es soll weiter รผber die Lys bis zum Canal de l’Aire gehen. Beim genaueren Anschauen des Weges auf der App Waterkaarten stellen wir fest, dass in Melville bei einer Brรผcke die freie Hรถhe mit 2,60m (!) angegeben ist. Dies entspricht nicht den Informationen der anderen Fรผhrer und Karten…. Ein Anruf bei VNF genรผgt, um zu verstehen, dass eine Durchfahrt ohne Abbau des Cabrios und der Scheiben nicht garantiert werden kann. Der aktuelle niedrige Wasserstand soll etwa 2,80m Durchfahrthรถhe ergeben,…. Das ist uns zu ungewiss. Zudem soll es in den nรคchsten Tagen krรคftig regnen. Eine Fahrt ohne Cabri ist nicht so unser Ding! (Nachtrag: Zwei Tage spรคter lesen wir in einem „Avis de batellerie„, dass die Weiterfahrt รผber die Lys wegen Versandung ausgeschlossen ist (Wassertiefe 0,50m!).

Gesagt getan, so fahren wir von der Lys zum Canal de la Deรปle in Richtung Lille, „la Metropole du Nord“ wie die Stadt sich gerne nennt. 

Von unserer Reise 2018 wissen wir, dass es nur wenige geeignete Liegeplรคtze gibt, an denen man geschรผtzt mehrere Tage verbringen kann.

Wir steuern den kleinen Hafen von Wambrechies an.

Der Hafen besitzt nur 2 – 3 Plรคtze fรผr Passanten und man muss tagsรผber starken Schwell wegen des vorbeifahrenden Frachtverkehrs in Kauf nehmen. Als wir dort ankommen, stellen wir fest, dass alle Plรคtze belegt sind. Auch sonst gibt es keine Anlegemรถglichkeit. Eins der Boote auf den Passantenplรคtzen am Eingang des Hafens sieht sehr vernachlรคssigt aus. Wir machen uns an ihm fest, bis wir einen vernรผnftigen Platz mit dem Hafenmeister ausmachen kรถnnen.

Schon vor der Ankunft hatten wir mehrmals die verschiedenen Telefonnummern erfolglos angerufen. Auch jetzt kein Lebenszeichen im Hafen. So machen wir uns auf den Weg, um den Hafenmeister zu suchen. Ein Kunde des direkt im Hafen liegenden Restaurants bringt uns auf seine Fรคhrte,…. Wenig spรคter finden wir ihn in dem nahgelegenen „Cafรฉ-Tabac„.

Schnell stellt sich heraus, dass der Mann sehr hilfreich ist. Er erlaubt uns an der schรถnen alten Peniche „Butskop„, Baujahr 1925, festzumachen. Das Anlegen erweist sich schwieriger als erwartet! Das Hafenbecken ist verschlammt und die Wassertiefe variiert zwischen 1,2m und 80cm. Als wir uns dem vorgesehenen Platz nรคhern, versinken wir im Schlick. Nur mit viel Mรผhe und dank der Hilfe des Hafenmeisters gelingt es uns, das Boot zum geplanten Platz zu ziehen. Der Wasserfilter der Kรผhlung braucht spรคter eine intensive Reinigung und der Kรผhlkreislauf verlangt nach einer grรผndlichen Spรผlung.

Trotz allem sind wir mit dem Liegeplatz im Doppelpack zufrieden. Jetzt liegen wir ruhig und geschรผtzt mit freier Sicht auf die Terrasse des Restaurants.

Der Hafen selbst entspricht nicht dem Standard, den man von den Niederlanden gewohnt ist, trotzdem ist es ein Platz, an dem man ein paar Tage verweilen kann. Das liegt vor allem an seiner guten Lage mitten im Ort. Direkt am Hafenbecken liegen Restaurants, Bars uns kleine Geschรคfte. รœberhaupt รผberrascht uns die Qualitรคt der Lebensmittelgeschรคfte hier. Es liegt wohl auch an der Nรคhe zur Stadt Lille, die man mit einem Bus in rund 30 Minuten erreicht.

Vom Hafenbecken geniesst man die Sicht auf ein schรถnes renoviertes Schloss, dessen grosser Park lรคdt zum Spaziergang einlรคdt.

Wir nutzen die nรคchsten Tage zu zwei Besuchen der Stadt Lille. Dorthin bringt uns der Bus L1. Die Haltestelle befindet sich nur 100m vom Hafen entfernt. So kann man alle 30 Minuten direkt ins Zentrum fahren.

Zum Ende hier ein paar Eindrรผcke: La Grande Place, La Gare Flandres, L’Hospice, Musรฉe des Beaux Arts, La Nouvelle Bourse, L’Ancienne Bourse.

Die Stadt steht zur Zeit im Zeichen der kulturellen Veranstaltungen „Lille 3000„.


ZUSAMMENFASSUNG:

16./ Kortrijk > Wambrechies: 23km, 6,3Mh, 3 Schleusen

2025 #10 Von Peronnes nach Kortrijk

Nimy-Blaton-Peronnes KanalScheldeBossuit-Kortrijk KanalLys

Das Wetter soll sich fรผr die nรคchste Woche verschlechtern. Da sind sich alle Modelle einig, Regen und vor allem Wind. Regen wรคre gut fรผr die Natur. Wind brauchen wir mit unserem Motorboot weniger. Bรถen bis 8bft, da liegt man besser sicher in einem geschรผtzten Hafen. Trotzdem entscheiden wir uns nicht in Peronnes zu verweilen und zunรคchst einmal weiterzufahren. Wir wollen schrittweise entscheiden, wann und wo wir dem schlechten Wetter trotzen.

So legen wir recht frรผh ab, mit der Absicht, als nรคchstes Ziel Kortrijk anzusteuern. 42km und 7 Schleusen, das dรผrfte machbar sein.

An der ersten Schleuse „Peronnes“ mรผssen wir die Schleusung eines Frachters abwarten, bevor es weitergehen kann. Ein paar Kilometer hinter der Schleuse, flussabwรคrts auf der Schelde liegt auf der Steuerbordseite die Bootstankstelle „Neptunia“ . Dort bunkern wir 172 Liter Diesel (Verbrauch : 2,8 l/h).

Auf der Schelde, vor und nach Tournai, herrscht reger Berufsverkehr. Die Durchfahrt durch die Stadt ist im Wechselverkehr รผber eine Ampelsteuerung geregelt. Als wir uns der Einfahrt nรคhern, warten schon zwei Frachter auf die Durchfahrterlaubnis. Bei unserer Durchfahrt werden wir von drei Frachtern begleitet. Alle fahren vorsichtig mit etwa 5km/h.

Somit werden wir von vorne gebremst und von hinten etwas geschoben ;-).

Der alte, vรถllig neu renovierte, Torbogen, das Nadelรถhr der Stadt, ist zwar schรถn, verlangt allerdings von den Frachtern รคusserste Vorsicht.

ร„hnlich langsam geht es voran an den beiden Schleusen Kain und Herinnes. Auch hier kommt es zu Staus. Da die Schleusen nur Platz fรผr einen Frachter bieten, bleibt gerade noch Platz fรผr uns.

Von Peronnes bis zur Einfahrt des Bossuit-Kortrijk Kanals sind es nur 27km. Die Wartezeiten fรผhren dazu, dass wir erst kurz vor 15h an der Einfahrt zum Kanal ankommen.

Wir melden uns รผber UKW Kanal 20, erhalten aber trotz mehrerer Versuche keine Auskunft. So greifen wir zum Telefon. Der Anruf fรผhrt dann nach lรคngerem Lรคuten zum Erfolg. Ein netter Angestellter von Vlammse Waterweg bemรผht sich, uns in Franzรถsisch Auskunft zu geben:

Die Schleusen werden fรผr Freitzeitschiffer nur zu festen Zeiten bedient (Ausnahme: man hat die Mรถglichkeit, mit einem Frachter geschleust zu werden)

  • Montag – Freitag: 9h, 12h, 14h, 17h, 20h, 21h45
  • Samstag: 10h, 12h, 14h, 17h

Wir haben Glรผck! Da noch ein Frachter auf Talfahrt in Richtung Schelde unterwegs ist, dรผrfen wir ausnahmsweise ausserhalb der angegebenen Zeiten flussaufwรคrts die Schleusen Bossuit und Moen nehmen.

Jedoch ist es schon zu spรคt, um noch alle Schleusen bis Kortrijk nehmen zu kรถnnen. Daher empfiehlt uns der Schleusenwรคrter, an der Kaimauer in Zwevegen festzumachen. Von dort bis zur Schleuse sind es nur 500m. Dies ist die letzte grosse Schleuse auf diesem Kanal.

Wir nutzen den Rest des Tages zu einem Spaziergang zum nahegelegenen ehemaligen Kraftwerk. Der Ort wird heute als Kultur- und Freizeitpark genutzt, den wir sicherlich nicht besucht hรคtten, wenn wir frรผher auf dem Kanal gewesen wรคren.

Zur Weiterfahrt nach Kortrijk am nรคchsten Tag ist eine Schleusung fรผr uns um 10h in Zwevegen angesagt. Die drei letzten Schleusen nยฐ 9, 10 und 11 werden manuell von einem Schleusenwรคrter bedient. Wie am Vorabend an der Scheuse Bossuit vereinbart, sollen wir um 11h30 an der Schleuse 9 bereit stehen.

Wir erreichen die Schleuse schon kurz vor 11h.

Als wir dort eintreffen, sehen wir, dass eine Yacht in der Schleuse nยฐ9 kanalaufwรคrts geschleust wird. Diese verlรคsst die Schleuse kurz nach 11h. Wir kรถnnen anschliessend einfahren und brauchen nicht bis 11h30 zu warten. Der junge Schleusenwรคrter begleitet uns bis nach Kortrijk.

Am Tag sind drei Schleusen -„start“- zeiten mรถglich:

  • Kortrijk > Bossuit: 7h30, 10h30, 14h
  • Bossuit > Kortrijk: 9h,12h30, 16h.

Da wir heute keine Energie haben, um unser Cabrio zu legen, kรถnnen wir nicht den ruhig liegenden Passantensteg aufsuchen. Wir fahren weiter zum anderen, offenen Liegeplatz der Stadt. Hier muss man allerdings auf Schwell und die sehr geringe Wassertiefe achten.

Es gibt zwar Strom und Wasser, aber den Strom kรถnnen wir nicht nutzen, da er ausgefallen ist und keiner einen Schlรผssel fรผr den Sicherungskasten hat,…

Die Stadt ist immer einen Besuch wert. So nutzen wir die Zeit zu einem Spaziergang durch die lebhafte Innenstadt. Sehenswert ist vor allem der Begijnhof.

Zum Abschluss des Tages kรถnnen wir noch miterleben, dass Standup-Paddeln nicht bei jedem Wind einfach ist.


ZUSAMMENFASSUNG:

14./ Personnes > Zwevegen: 35km, 5 Schleusen, 6Mh
15./ Zwevegen > Kortrijk: 7km, 4 Schleusen, 2,2Mh.

2025 #9 Auf der Dender

Von Dendermonde nach Blaton und dann Peronnes

Der Besuch der Stadt Dendermonde lohnt sich.

Obwohl die Stadt stark unter dem ersten Weltkrieg gelitten hat, zeugen noch einige Gebรคude um den grossen Platz von einer glorreichen Zeit des Seehandels.

Das Stadtzentrum liegt etwa einen Kilometer von unserem Liegeplatz entfernt. Wir nutzen den Ausgang, um ein paar Einkรคufe zu machen.

Am nรคchsten Tag geht es die Dender flussaufwรคrts. Wie weit wir fahren wollen oder kommen, steht bei der Abfahrt noch nicht fest. Auf dem Weg liegen eine ganze Reihe von Schleusen und Hebebrรผcken.

Ausser den beiden ersten, werden sie alle von insgesamt fรผnf Teams von Vlaamse Waterweg bedient und betreut.

Es mag am fehlenden Regen liegen, dass der Fluss vor allem in den kleinen Schleusen einer Kloake gleicht.

Wir lassen Aast schnell hinter uns und finden eine liebliche, hรผgelige Naturlandschaft. Das Flussbett der Dender wird zunehmend schmaler und kurviger.

Der erste mรถgliche Anleger befindet sich in Ath. Vorab hat man uns von diesem Platz abgeraten. Als wir dort ankommen, entscheiden wir sofort weiterzufahren. Der Anlegekai liegt direkt an einer Strasse und die industrielle Umgebung wirkt nicht sehr ansprechend.In Ath geht die Dender in den Ath-Blaton-Kanal รผber.

So entscheiden wir uns zur Weiterfahrt nach Geraadsbergen.

Nach 7,5h erreichen wir unser Ziel, Geraadsbergen.

Der Hafen liegt direkt hinter der Schleuse am rechten Ufer. Er besteht aus einem einzigen Lรคngssteg. Angeblich soll es hier sechs Passantenplรคtze geben. In Wirklichkeit weist uns der Hafenmeister den letzten der beiden verfรผgbaren Plรคtze zu. Hinter uns hat auch „Summerwind“ festgemacht, ein Boot, das uns in Dendermonde begegnet ist.

Wir bleiben einen Tag im Ort, um uns etwas auszuruhen. So nutzen wir unseren Aufenthalt zu einem Rundgang durch die recht lebhafte Stadt. Es ist Marktag, also Gelegenheit den Kรผhlschrank wieder etwas zu fรผllen. Zu Mittag gibt es ein frisch gebratenes Hรผhnchen.

Die nรคchste Etappe soll uns von Geraadsbergen bis nach Ladeuze fรผhren. Ein Tipp vom Hafenmeister in Geraadsbergen.

Der Weg erinnert uns an die kleinen Kanรคle im Nord-Osten Frankreichs.

Summerwind“ begleitet uns bis zum Nimy-Blaton-Peronnes-Kanal. Sie wollen die Somme besuchen.

Jedoch nach einigen Kilometern streikt Summerwinds Motorkรผhlung und der Kapitรคn muss ins schmutzige Wasser tauchen.

Sowohl auf der Dender als auch dem Ath-Blaton-Kanal ist die Wassertiefe gering. Unter dem Kiel haben wir kaum mehr als einen Meter. Oft weniger. Das trockene Wetter hat die Situation noch verschรคrft. So tut das schmutzige Wasser den Rest. Nach einer Stunde gelingt es dem Kapitรคn, den „Stopfen“ aus dem Ansaugrohr zu entfernen.

Die geringe Wassertiefe soll uns ein paar Kilometer spรคter auch รผberrumpeln. Die Schleuse „Papigniรจres“ liegt hinter einer engen unรผbersichtlichen Linkskurve.

Da wir auf der rechten Kanalseite unterwegs sind, fahren wir fรคlschlicherweise auf das Wehr zu. An dieser Stelle gibt es kein Hinweisschild, das die Einfahrt zur Schleuse kennzeichnet.

Auch wenn wir noch genรผgend weit entfernt sind, um nach links in Richtung Schleuse einzubiegen, erfasst uns der vom Wehr angeschwemmte Schlamm. Bums, wir sitzen fest! Jetzt heisst es, ohne Hektik und mรถglichst ohne Bug- und Heckstrahlruder (!), nur mit der Schraube, das Boot wieder loszubekommen. Nach einigen Vorwรคrts – rรผckwรคrts Manรถvern, gelingt es uns, wieder in tieferes Wasser zu gelangen. Aber auch hier haben wir nur 10 bis 20 Zentimeter unter uns.

Als wir die Schleuse erreichen, amรผsieren sich die Schleusenwรคrter รผber uns. „Ihr seid nicht die ersten, die hier auf Grund laufen…„. Dass kein Schild auf die Situation hinweist, finden sie auch nicht gut. Aber „So ist es nun mal,… der Kanal wird kaum befahren,… „

An dieser Stelle sei noch vermerkt, dass die Durchfahrthรถhe an manchen Brรผcken, vor allem an drei Brรผcken in Ath, recht gering ist (Wasserkarten Information: 3,60m). Dank der niedrigen Wasserstรคnde mรผssen wir das Cabrio nicht legen. Es hat auch etwas gutes ;-).

Nach acht Stunden finden wir den netten, ruhigen und empfehlenswerten Liegeplatz von Ladeuze.

Letztes Ereignis des Tages ist ein aus der Schleuse „21“ gefischtes Fahrrad. Glรผcklicherweise haben wir es nicht berรผhrt.

Von Ladeuze aus trennen uns nur noch 10 km vom grossen Kanal. Nur noch ? Auf dem Weg gilt es noch 14 Schleusen und einige Hebebrรผcken zu รผberwinden. Das Letzte der 5 Teams begleitet uns auch hier. Manuell bediente Schleusen haben immer noch ihren Charme. Es kommt leicht zum Gesprรคch und man hat Zeit zum Putzen.

Insgesamt sind uns auf der ganzen Fahrt von Dendermonde bis Blaton 3 Freizeitschiffe begegnet.

Nach etwa 20 km auf dem Nimy-Blaton-Peronnes Kanal legen wir um 17h im Hafen von Peronnes an, genauer gesagt an der Aussenseite der neuen „Mole“. Das Wetter verschlechtert sich. Fรผr die nรคchsten Tage sind Regen und Wind angesagt. Erst am nรคchsten Morgen, wollen wir entscheiden, wann und wie es weitergeht.

Stรคdte wie Dendermonde und Geraadsbergen sind einen Halt wert. Trotz schlechter Wasserqualitรคt und recht alten, aber gut funktionierender Schleusen lohnt sich die Fahrt รผber die Dender und den Blaton-Ath-Kanal . Die Begleitteams sind nett, sie lieben ihre Arbeit und stehen der Automatisierung und Fernbedienung der Schleusen und Brรผcken kritisch gegenรผber. „Aber bis dahin sind wir in Rente,…„.


ZUSAMMENFASSUNG:

11./ Dendermonde > Geraadbergen: 42km, 6,3Mh, 7h, 5 Schleusen, unzรคhlige Hebebrรผcken
12./ Geraadbergen > Ladeuze: 29km, 5,3Mh, 8h, 6 Schleusen, Hebebrรผcken
13./ Ladeuze > Peronnes: 31km, 5,1Mh, 8h, 15 Schleusen, Hebebrรผcken.

2025 #8 Auf der Schelde nach Dendermonde

Es ist nicht unsere erste Fahrt auf der Seeschelde, also im Gezeitengewรคsser. Bei unserer letzten Fahrt 2021 von Klein Willebroek nach Gent, sind wir zunรคchst รผber die Rupel flussabwรคrts zur Schelde gefahren, um dann anschliessend flussaufwรคrts nach Gent zu gelangen.

Dieses Mal wรคhlen wir den einfacheren Weg รผber die Seeschleuse Wintam. So umgeht man das auflaufende Wasser auf der Rupel, was zu einer zusรคtzlichen Verlรคngerung der Reise beitrรคgt.

Die Gezeitentabelle sagt uns, dass am 16. Mai um 13h28 in Antwerpen Niedrigwasser ist. Hochwasser wird gehen 19h05 erreicht.

An der Schleuse Wintam ist der Wasserstand 34 Minuten spรคter erreicht. Um auf der rund 30km langen Strecke mรถglichst lange die maximale Strรถmung des auflaufenden Wassers nutzen zu kรถnnen, entscheiden wir uns 3h nach Niedrigwasser in Antwerpen (oder 3h vor Hochwasser!) loszufahren.

Die Fahrt von Klein Willebroek bis zur Schleuse dauert etwa eine Stunde. Wir haben Glรผck und mรผssen nur eine Viertelstunde auf drei Frachter warten.

Wir verlassen die Schleuse um 16h40, was ungefรคhr unserem Plan entspricht. Dann geht es bei sehr geringem Berufsverkehr „in einem Rutsch“ bei durchschnittlich 13,5 km/h in Richtung Dendermonde.

Kurz nach 19 h erreichen wir die Schleuse Dendermonde. Sie wird wรคhrend der Woche von 6h bis 22h bedient (am Wochenende von 10h-18h). Als wir den Schleusenwรคrter รผber UKW Kanal 20 mehrmals anrufen, erhalten wir keine Antwort.

Hier zeigt sich wie so oft die Nรผtzlichkeit der App „Waterkaarten“. Dort finden wir eine Handynummer, mit der wir den Schleusenwรคrter erreichen. Nachdem der Schleusenwรคrter รผberprรผfen konnte, dass wir angemeldet sind und die Maut-Gebรผhr bezahlt haben, รถffnet er uns das Schleusentor.

30 Minuten spรคter legen wir im „Doppelpack“ an einem Dienstschiff der Vlaamse Waterweg nahe Dendermonde an, da es sonst keinen freien Platz am Passantensteg gibt. Wir bleiben in Dendermonde bis Montagmorgen.


ZUSAMMENFASSUNG:

  • 10/ Klein Willebroek > Dendermonde: 36km, 2 Schleusen, 4,5Mh, 4,5h

2025 #7: Zur Schelde

Auf Sambre, Canal Charleroi-Bruxelles und Zeekanaal Brussel-Schelde

Unsere erste Etappe fรผhrt uns von Namur nach Charleroi. Gegen 8h legen wir vom Kai in Namur ab. Da Sonntag ist, gehen wir davon aus, dass wir auf geringen Berufsverkehr stoรŸen werden.

Als wir guten Mutes an der Schleuse „Salzinnes“ ankommen, mรผssen wir zunรคchst feststellen, dass sonntags die Schleusen auf der Sambre nur zwischen 9h und 18h bedient werden. Unser Anruf auf UKW 20 bleibt ohne Antwort. Da wir auf Bergfahrt sind und 7 Schleusen vor uns haben, zรคhlt jede Stunde.

Um Punkt 9 รถffnet „Salzinnes“ ihre Tore und wir verlassen die letzte Schleuse „Marcinelle“ kurz vor 16h. Heute begegnen wir keinem Berufsschiffer. Ein Zwischenstopp irgendwo unterwegs ist somit am heutigen Sonntag nicht nรถtig. Keine der sieben Schleusen ist mit Schwimmpollern ausgestattet.

Dieser Teil der Sambre geniesst bei Freizeitschiffern nicht den besten Ruf. Dafรผr gibt es sicherlich einige Grรผnde: nur wenige Anlegemรถglichkeiten bieten sich an; nรคhert man sich Charleroi, wird die liebliche Landschaft von weitreichenden Industrieanlagen abgelรถst; die Durchfahrt durch Charleroi, ist nicht sehr einladend und bei Berufsverkehr kann es hier eng werden.

Nach der letzten Schleuse fahren wir die Sambre noch ein paar Kilometer weiter flussaufwรคrts. In Marchienne au Pont finden wir einen Passantensteg fรผr die รœbernachtung. Diesen Platz haben wir uns bei unserer Fahrt 2023 Richtung Paris gemerkt.

Den Tag beenden wir mit einem Spaziergang durch den Ort. Ein Platz zum Verweilen ist es nicht. Die wirtschaftliche Neuausrichtung der Region ist hier noch nicht angekommen. Viele Hรคuser und Geschรคfte stehen leer.

Der nรคchste Tag fรผhrt uns zum Hafen von Seneffe. Bis dahin gibt es noch drei Schleusen zu รผberwinden. Die ersten Zwei, „Marchienne au Pont“ und „Gosseliers“ sind mit Schwimmpollern ausgestattet. Der Hub betrรคgt bei allen drei Schleusen etwas 7m. Auch hier sind wir alleine unterwegs.

Bei schรถnstem Wetter erreichen wir den Hafen nach 4 Stunden, wo wir auch zwei Yachten wiederfinden, die uns seit Maasbracht begleiten.

Fรผr unseren jetzigen, dritten Aufenthalt nahe Seneffe haben wir uns fest vorgenommen, das Sรคender Schloss zu besuchen. Allerdings ist Gewitter fรผr den spรคten Nachmittag angesagt. So fahren wir direkt nach dem Mittagessen mit unseren Fahrrรคdern los. Das Schloss ist zwar zu besichtigen, aber wir beschrรคnken uns auf die Aussenanlagen.

Wir profitieren von unserem Ausflug und machen noch ein paar Einkรคufe im nahegelegenen Supermarkt „Intermarchรฉ„. Als wir wieder aufs Rad steigen, wird der Wind stรคrker und die ersten Tropfen begleiten uns auf der Rรผckfahrt zum Hafen.

Vor unserer Weiterfahrt erkundigen wir uns noch ein letztes Mal beim Hafenmeister, ob nicht doch der „Canal du Centre“ wieder fรผr die Schifffahrt freigegeben ist. Er meint, „da wรคre vor September nicht damit zu rechnen und selbst das wรคre nicht garantiert

Die nรคchste Etappe bis Ittre ist recht kurz, nur 16km trennen uns vom Ziel. Allerdings liegt auf dem Weg der „Plan inclinรฉ de Ronquiรจres„. Da dort schon seit lรคngerem renoviert wird (eine Wanne wird nicht bedient), kann es dort zu erheblichen Wartezeiten kommen. Solange die Bauarbeiten anhalten, besorgt der „Steuerbordtrog“ sowohl den Tal- als auch den Bergbetrieb.

Diesmal haben wir Glรผck, die Ampel steht auf grรผn als wir ankommen. Beim Anmelden werden wir vom Schleusenwรคrter angewiesen, noch einen รคlteren Kahn abzuwarten, bevor wir in den Trog einfahren. Dies tun wir natรผrlich gerne. Die Talfahrt auf der 1,5 km langen Strecke dauert alles in allem etwa 40 Minuten.

Wir verlassen die Schleuse kurz nach 11h. Eine halbe Stunde spรคter machen wir an einem der „Visitor„-Stege des Hafens in Ittre fest. Er liegt direkt vor der letzten wallonischen Schleuse Ittre. Die Capitainerie mit Kneipe ist ein beliebter Biker-Treff.

Wir unternehmen eine kleine Tour mit den Rรคdern zum Ort. Wie auch in den Niederlanden findet man hier das praktische „Knooppunt“-Netzwerk.

Das dortige, in privater Hand befindliche Schloss kann man leider nicht besichtigen.

Als wir von unserem Ausflug zurรผckkommen, macht gerade neben uns, zu unserer รœberraschung ein alter Bekannter, die Yacht „Sandettie“ fest. Das niederlรคndische Boot „Sandettie“, eine Linssen Yacht 41SL, haben wir zum ersten Mal 2022 in Charleville-Meziรจres getroffen.

Der Kapitรคn erzรคhlt uns von seiner aktuellen Irrfahrt. Sie waren von den Niederlanden kommend รผber die Schelde nach Namur unterwegs. Die Information der Sperrung des Canal du Centre in Belgien hatten sie nicht. So sind sie zurรผck nach Gent gefahren, um dann via Brรผssel zur Maas zu gelangen. (Zusatz: 3 Tage spรคter finden wir sie wieder in Willebroek,… sie sind nur bis zur Schleuse Viesville gekommen, jetzt ist auch der Canal Charleroi-Bruxelles gesperrt.) Da zur Zeit einige Wege nicht befahrbar sind, schmerzen unvorhergesehene Sperrungen doppelt! Jetzt versuchen sie, รผber die Rupel zum Albertkanaal zu gelangen, um so nach Maastricht zu kommen. Wir drรผcken ihnen die Daumen.

Zum Abschluss des Tages trinken wir noch ein kรผhles Bier am Hafen.

Der nรคchste Tag beginnt mit der 13m tiefen Schleuse Ittre, die letzte in Wallonien. Nur auf Backbord sind die Schwimmpoller funktionstรผchtig.

Von Brรผssel trennen uns jetzt noch 7 Schleusen auf Talfahrt.

Schon 2023 haben wir diesen Weg gewรคhlt und die schรถnen, mรคrchenhaften „Graffitis“ (oder soll man sagen Streetart-Gemรคlde) des Kรผnstler Bozik beim Vorbeifahren bewundert. https://vagabond4you.com/2023/08/20/2023-16-von-der-sambre-nach-antwerpen/

Obwohl es recht zรผgig vorangeht, kommen wir erst gegen 16h im Brรผsseler Hafen an, da es in Anderlecht an der Schleuse noch zu Verzรถgerungen kommt. Da es keine Wartestege gibt, machen wir an einem „Party-Kahn“ fest, was einer Person sichtlich nicht gefรคllt. Ob es sich um den Besitzer handelt, haben wir nicht feststellen kรถnnen.

Alle Schleusen werden von der gleichen Schaltzentrale gesteuert.

Der neue Hafenmeister weist uns einen Platz am Passantensteg zu. Dort gibt es Strom und Wasser, beides im Preis des Liegeplatzes inbegriffen.

Nur die Tankstelle gibt es nicht mehr. Sie war nicht mehr normgerecht und die Kosten ihrer Erneuerung waren dem Hafen zu viel. Sichtlich fehlt es nicht nur an der Tankstelle an genรผgend Mitteln. Dem Hafen wรผrde eine Renovierung gut tun.

Dafรผr ist das Restaurant immer noch ein angenehmer und gemรผtlicher Ort.

Die letzte Etappe bis zur Schelde bringt uns nach Klein-Willebroek. Wie schon die sรผdliche Umgebung von Brรผssel, ist auch der Norden von Flusshandel und Industrie geprรคgt. Man merkt, dass man sich langsam Antwerpen nรคhert, die Grรถsse der Containerschiffe nimmt stetig zu. Die grosse und einzige Schleuse Zemst an diesem Tag nehmen wir mit einem niederlรคndischen Frachter, der es sichtlich eilig hat, zur Schelde zu kommen. Glรผcklicherweise finden wir an zwei Schwimmpollern einen sicheren Platz und Halt.

Wir legen kurz vor der Rupelschleuse am linken Ufer in einer kleinen Lรผcke an.

Jetzt gilt es die Gezeitentabelle zu studieren, aber dazu mehr im nรคchsten Beitrag.


ZUSAMMENFASSUNG:

5/ Namur > Marchienne au Pont: 51km, 7 Schleusen (zu Berg), 6.9Mh, 8h
6/ Marchienne au Pont > Seneffe: 25km, 3 Schleusen (zu Berg), 3.9Mh, 4h
7/ Seneffe >Ittre: 16km, Plan inclinรฉ, 2Mh, 2h40
8/ Ittre > Brรผssel: 29km, 7 Schleusen (zu Tal), 1 Hebebrรผcke, 5,5Mh, 7h
9/ Brรผssel > Klein Willebroek: 21km, 1 Schleuse, 7 Hebebrรผcken, 3Mh, 3h30

2025 #6 Auf Los geht’s los

Auf der MAAS und MEUSE

Unser VAGABOND ist seit dem 22. April im Wasser. Wir kommen am Ende der gleichen Woche in Maasbracht an.

Als erstes fahren wir zu „Frencken„, um unsere gewaschenen und reparierten Gardinen abzuholen. Zum Ende der Saison 2024 hatten wir uns fรผr eine Reihe grรถsserer Reparatur- und Renovierungsarbeiten entschieden: Cabrio, Gardinen, Neopren-Fugen auf Teakdeck etc.

Nachdem die Gardinen wieder ihren Platz gefunden haben, gehen wir die ersten Tage im Hafen eher gemรผtlich an. Jetzt heisst es erst mal bunkern, bunkern,… Schon seit langem bringen wir ausser sauberen Kleidern kaum noch Dinge aus der Heimat mit.

Dann steht noch der Fahrtest an. Wir haben einmal den Fehler gemacht, einfach los zu starten. Das hat uns viel ร„rger und Geld gekostet,…

Bevor es dann wirklich losgehen soll, machen wir noch unseren traditionellen Spaziergang an der alten Maas um Stevensweert.

Am 1. Mai geht es dann in Richtung Maastricht. Da wir keine Lust haben am ersten Tag schon unser neues Cabrio abzubauen, entschliessen wir uns zur Maastricht Marina zu fahren. Seit unserem letzten Besuch hat der Besitzer gewechselt, zum 3. Mal in 10 Jahren.

Ein Besuch auf dem Markt am Samstag gehรถrt zum Standardprogramm.

Wir bleiben einen Tag in Maastricht, dann mรผssen wir fรผr ein paar Tage in die Heimat. Das war nicht geplant!. Wir nutzen die gute Zuganbindung von Lรผttich. Von dort sind es nur etwas mehr als zwei Stunden mit dem Zug nach Paris.

Am 7. Mai starten wir durch: Abfahrt kurz nach 8h. An der Schleuse Lanaye haben wir Glรผck. Zur Zeit funktionieren zwei Schleusen. Ohne Wartezeit werden wir in der kleineren Schleuse 3 mit einem Schubschiff geschleust. Den Hafen in Lรผttich erreichen wir gehen halb Zwรถlf.

Entgegen unserer Erwartung finden wir den Passantensteg fast leer vor. Reservieren kann man nicht, auch wenn dies auf der WEB-Seite des Hafens angeboten wird.

Liegt es nur an der frรผhen Jahreszeit oder liegt es am schlechten Image? Der Hafen hat immer noch keinen „richtigen“ Hafenmeister. Ab Mitte Mai soll abends gegen 19h jemand vorbeischauen,… Neuerdings findet man jetzt am Tor und an der Capitainerie einen QR-Code. Wenn man ihn scannt, wird man auf ein Formular geleitet, das zur Berechnung der รœbernachtungskosten dient. Wie dann aber abgerechnet wird, bleibt ein Geheimnis. Es ist nicht das erste Mal, dass wir hier ohne Bezahlung รผbernachten.

Im Hafen erfahren wir, dass ein neuer Yachthafen gebaut wird. Er soll der Entlastung des aktuellen Hafens dienen und Ende dieses Jahres erรถffnet werden.

Der aktuelle Hafen liegt sehr gรผnstig, unweit vom Bahnhof und nahe des Stadtzentrums. Ein Rundgang durch die historischen Viertel der Stadt empfiehlt sich immer. In der Stadt wurde einiges neu gestaltet und neuerdings gibt es sogar eine Tram. Einige interessante Rundwege sind ausgeschildert. Wir haben uns „die Terrassen“ ausgesucht.

Am nรคchsten Tag geht es weiter nach Huy. Es ist erstaunlich wenig Verkehr unterwegs, weder Freizeitschiffer noch Lastkรคhne. Von Maasbracht bis Huy sind alle Schleusen mit Schwimmpollern ausgestattet. Das erleichtert das Aufwรคrts-Schleusen wesentlich. Als wir im Hafen von Statte nach fรผnf Stunden Fahrt ankommen, sind wir der erste Passant an diesem Tag.

Spรคter gesellen sich noch ein paar Schiffe dazu, die wir bis Namur unterwegs sehen.

So kommt es, dass wir bei der Weiterfahrt nach Namur zu mehreren schleusen.

Am 9. Mai erreichen wir Namur. Obwohl die Meuse zur Zeit kaum Strรถmung hat, bevorzugen wir, am linken Uferkai festzumachen.

Da wir Besuch von Freunden bekommen, bleiben zwei Tage in Namur. Bei sommerlichem Wetter fahren wir mit der Seilbahn zur Festung. Im empfehlenswerten Restaurant „Panorama“ genieรŸen wir nicht nur die tolle Aussicht aufs Meusetal.

Am Sonntag soll es dann stromaufwรคrts auf der Sambre nach Charleroi weitergehen.


ZUSAMMENFASSUNG (1.5. – 9.5.2025):

1/ Maasbracht > Maastricht: 43km, 5,8 Mh, 2 Schleusen
2/ Maastricht > Lรผttich: 25km, 3,1Mh, 1 Schleuse
3/ Lรผttich > Huy: 34km, 4,6Mh, 2 Schleusen
4/ Huy > Namur: 31km, 4,2Mh, 2 Schleusen

Mh := MotorStunden.