2021 #20 Auf der Zeeschelde nach Gent

Die Zeeschelde ist zwischen Gent und Antwerpen ein Gezeitenfluss. Will man nach Gent fahren , so muss man die Gezeitentabelle vor der Abreise zu Rate ziehen. Wichtig ist zu versuchen, möglichst lange mit dem Gezeitenstrom zu fahren.

Am Vortag unserer Fahrt nach Gent verlassen wir den Clubhafen in Emblem und positionnieren uns an den Passantensteg unweit der Gezeitenschleuse „Duffel“. Etwa 25km geht es über die Nete und Rupel flussabwärts und dann 60km über die Schelde flussaufwärts.

Wegen der Gezeiten auf der Rupel und der Schelde, heisst es, den Abfahrtszeitpunkt genau festzulegen. Von Vorteil ist es, auf der Rupel mit fallendem Wasser zur Schelde zu kommen und dann mit steigendem Pegel auf der Schelde in Richtung Gent flussaufwärts zu fahren.

Wir befragen Hafenmeister, Schleusenwärter und andere Bootscrews. Die Meinungen über den besten Zeitpunkt zur Abfahrt sind nicht eindeutig, unterscheiden sich aber nur um 1/2 -1 Stunde. Das kann aber den Unterschied ausmachen! Die Unterschiede erklären sich wie folgt:

  • Startpunkt: Hafen (Emblem oder Lier) oder Schleuse Duffel
  • Zielpunkt: Gent oder Dendermonde, Boom,…
  • Fahrtgeschwindigkeit ohne Strömung: in unserem Fall : 10km/h = 1800 U/m.
  • Tiefgang : in unserem Falle : 1m

Grundsätzlich bestimmt man den Startzeitpunkt wie folgt: Der Weg von Duffel bis Gent (Schleuse Merelbeke) beträgt etwa 80km. Die Schleuse in Merelbeke wird während der Woche von 6h bis 22h bedient. Man muss versuchen, von den Gezeiten so weit wie möglich zu profitieren. Bei einem einzigen Fluss ist das recht einfach. Wenn, wie in diesem Fall zwei Flüsse (die wir flussabwärts und dann flussaufwärts befahren) in die Rechnung eingehen, kann dies schon etwas schwieriger sein.  Erfahrungswerte sind dann, wie so oft, sehr hilfsreich.

60 km, also der grösste Teil des Weges sind auf der Schelde zurückzulegen. Daher muss vor allem dieser Gezeitenstrom berücksichtigt werden. Abgesehen von der Eigenströmung des Flusses, welche zur Zeit wegen der vielen Regenfälle höher ist, kann man von einer Gezeitenströmung von etwa 5km/h ausgehen. Auf der Rupel ist zu beachten, dass sie bei Niedrigwasser überhaupt nicht befahrbar ist!

Wir haben Glück, als wir am Dienstag losfahren wollen, ist in Antwerpen Niedrigwasser um 12h40, also recht günstig, um vor 22h an der Schleuse in Merelbeke zu sein.

Wir müssen 1h30 – 2h vor Niedrigwasser in Antwerpen an der Schleuse von Duffel sein. Dort ist dann kein Hochwasser mehr, das Wasser fällt, aber es ist noch hoch genug, um bis zur Schelde zu gelangen.

Wir verlassen die Schleuse Duffel kurz vor 11h. Hier war Hochwasser um 7h45. Das Wasser läuft zurück bis gegen 16h. Der Schleusenwärter informiert uns, dass wir 2m fallen. Wir fahren jetzt flussabwärts mit sinkenden Wasser in Richtung Schelde. An der Mündung der Nete in die Rupel zeigt unser Echolot kurzzeitig nur noch 10cm an! Dies liegt eher an Versandungen im Mündungsbereich als am fallenden Wasserstand. Trotzdem wird die Fahrrinne langsam enger.

Die Strecke ist kurvenreich und teilweise, besonders unter Brücken, sehr unübersichtlich.

Um 13h erreichen wir die Mündung und biegen in die Schelde ein. Jetzt fahren wir zu Berg bis Gent. Wir haben eine Geschwindigkeit im Wasser von 10km/h. Geht man von einer Flussgeschwindigkeit von 2 km/h aus, ergibt sich eine effektive Geschwindigkeit von ungefähr 10  – 2 + 5- = 13 km/h. (SOG)

Da wir etwas „früh“ auf der Schelde ankommen, finden wir zunächst eine Gegenströmung, da das Wasser noch zurückläuft. Anders gesagt, die natürliche Strömung des Flusses und der Gezeitenstrom addieren sich: 10 – (2+5) = 3km/h . Da die Stärke des Gezeitenstroms aber am Anfang und Ende des Zyklus geringer wird, liegt der wert eher bei 2 – 3 km/h. Also kommen wir am Anfang mit etwa  6km/h voran.

Um dies zu vermeiden, hätten wir etwa 1 Stunde später starten müssen, … aber dann wäre das Wasser auf der Rupel schon wieder zu niedrig gewesen!

Zeeschelde bei Temse

Nach 1 Stunde nehmen wir Fahrt auf. Wir kommen jetzt bei Regen und Gegenwind mit 14 km/h voran. Die Geschwindigkeit nimmt mit dem weiteren Vorankommen auf den letzten Kilometern wieder langsam ab. Als wir den Meldepunkt MELLE erreichten, sind wir bei unserer „normalen“ Reisegeschwindigkeit angelangt (Wassergeschwindigkeit = „Speed over Ground SOG = 10km/h).

Abzweigung zur Schleuse Merelbeke

Um Punkt 19h, nach rund 8 Stunden, erreichen wir die Schleuse Merelbeke. Zunächst fahren wir allein in die Schleuse ein. Es wird noch eine Stunde dauern bis das Schleusentor sich senkt. Inzwischen haben sich noch 3 Sportboote und ein Berufsschiffer zu uns gesellt.

Gegen 20h30 machen wir im Hafen Gent-Leie zufrieden fest. Durst und Hunger haben jetzt Priorität.

Hafen Gent-Leie am Ringvaart.

Grundsätzlich stellt die Fahrt keine besonderen Schwierigkeiten. Allerdings sollte man folgende Punkte berücksichtigen :

  • den richtigen Zeitpunkt der Abfahrt unter Berücksichtigung der Gezeiten
  • die variable Breite der Fahrrinne
  • die Untiefen in den Kurven und Zusammenflüssen
  • die sehr wenigen Anlegemöglichkeiten, vor allem auf den letzten 30km zwischen Dendermonde und Gent
  • den Berufsverkehr auf unübersichtlichen Streckenabschnitten.

In gut einer Woche steht dann die Rückreise an. Ob wir dann von Gent, Dentermonde oder Boom nach Lier fahren ist noch offen.

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