2026 #10 Auf dem Lek nach Rotterdam

Da wir die VECHT und den AMSTERDAM-RIJN-KANAL schon mehrmals befahren und erwähnt haben, werden wir hier darauf nicht mehr ausführlich eingehen. Die Vecht verlassen wir bei Maarsen.

Nicht vergessen dabei sollte man dabei:

  • auf die Höhenbegrenzung zu achten und
  • sich auf Kanal 61 anzukündigen.
Verbindung von Vecht zum Amsterdam-Rijn-Kanal bei Maarsen

Bevor wir auf dem Lek sind, erscheint uns unsere kleine Radtour, die wir von Maarsen aus zu den Lotrechter Plaasen unternommen haben, noch erwähnenswert.

Der Weg führt uns vorbei an zwei Wassermühlen unterschiedlicher Konstruktionen aus verschiedenen Zeitaltern. Die kleiner Mühle, bei der sich der grössere Teil der Mühle komplett dreht, ist die jüngere. Was uns auf den ersten Blick überrascht! Diese Technik wurde bei geringeren Pump-Mengen vorgezogen. Die grössere Mühle diente dem Betreiber auch als Wohnung. Dort wohnte der letzte Besitzer mit seinen 7 Kindern auf engstem Raum. Nur der Wohnraum wurde im Winter beheizt.

Zwei nette Freiwillige nehmen sich viel Zeit bei der Besichtigung und erläutern uns die Funktionsweisen der beiden Mühlen. Wir erfahren auch einiges über das Leben in der Mühle. Jetzt aber zum LEK!

Der kanalisierte Niderrijn geht bei Vianen in den Gezeitenstrom LEK über.

Auf dem Lek geht es nun zu Tal in Richtung Rotterdam.

Wir lassen uns Zeit. Wir teilen die Strecke in 4 kleine Etappen ein:

  • Maarsen > Vianen
  • Vianen > Schoonhoven
  • Schonhoven > IJsselmonde
  • IJsselmonde > Rotterdam

Die Wirkung der Gezeiten muss bei den Fahrzeiten mit eingeplant werden, zumal bei schlechtem Wetter. Ausser unserer letzten Etappe, starten wir schon früh. Für die ganze Woche ist starker Wind und teilweise Regen für Nachmittag angesagt.

So kämpfen wir weniger mit Wind als mit der Strömung des Flusses. Das hat einen Einfluss auf unser Vorankommen.

Zur Zeit haben wir morgens auflaufendes Wasser. Hochwasser ist gegen Mittag. Dies verringert unser Vorkommen um rund 3-4 km/h. Hinzu weht uns teilweise schon kräftiger Wind aus Westen entgegen. So kommen wir nur mühsam mit 5-7 km/h voran.

Genauere Angaben über die Tide und Strömung findet man hier.

Sieht man davon ab, muss man sagen, dass der LEK ein angenehmes Revier ist. Die Schelde erscheint uns diesbezüglich, anspruchsvoller zu sein. Die Pegelunterschiede sind dort weit grösser. Die Schelde windet sich sehr kurvenreich von Gent nach Antwerpen. Hinzukommt, dass es nur wenige (vernünftige) Übernachtungsmöglichkeiten dort gibt.

Immer wenn wir auf Waal, Lek oder einem der sonstigen Arme oder Verzweigungen des Rheins und der Maas unterwegs sind, versuchen wir, das ganze „Wassergewirr“ wieder ins Bewusstsein zu rufen.

Skizze KI generiert

Die Namensvielfalt erklärt sich historisch. Die Verzweigungen im Rhein-Maas Delta haben ihren Ursprung sowohl in den Unwetterkatastrophen des letzten Jahrhunderts als auch in den niederländischen Bemühungen, Flutkatastrophen und Überschwemmungen durch massive Eingriffe in die Wasserlandschaft zu vermeiden oder wenigstens, unter Kontrolle zu halten.

Der grösste Teil der Wassermengen des Rheins fliessen über den Waal ab. Wie wir schon früher an anderer Stelle berichtet haben ist, das Spiel von Flussströmung und Tiede besonders verwirrend um Dordrecht.

Wir beenden unser 1. Tour 2026 in Rotterdam.

Von dort sind wir in 20′ mit der Tram 8 am Hauptbahnhof „Rotterdam Centraal“. Von dort geht aus erreichen wir Paris in 2h40.

2025 #23 Gewässer um Dordrecht

Wir haben schon zweimal in früheren Jahren über unsere Reisen nach Dordrecht berichtet: 2017 und 2019

Unser Interesse gilt dieses Mal der besonderen geographischen Situation und deren Einfluss auf das Bootsfahren.

Dordrecht ist von Wasser umgeben und liegt mitten im Rhein-Maas-Delta. Auch wenn man es kaum wahrnimmt, die Stadt liegt auf einer Insel.

Im Osten der Stadt spaltet sich der Waal in den Boven- und Nieuwe Merwede auf. Im Westen fliesst die Oude Maas, die im Süden in den Dordtse Kil und im Norden in den Noord übergeht. Hinzu kommen in Betracht der Lek (Niederrhein) im Norden, die Maas (Amer, Bergische Maas) und der Hollands Diep im Süden.

Für die Berufsschifffahrt ist die Stadt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt nach Antwerpen, Rotterdam, der Nordsee und dem Rhein. Der Verkehr wird hier von einer Verkehrszentrale überwacht und gesteuert. Auch für Sportboote ist es empfehlenswert, sich über Funk zu identifizieren, um Gefahrensituationen zu vermeiden.

Wer hier als Freizeitkapitän unterwegs ist, sollte zwei Dinge besonders im Auge behalten: den Fracht- und Fährverkehr und die Strömungsverhältnisse, die hier herrschen. Diverse Flussströmungen und Gezeitenstrom addieren sich hier.

Beide sollten in Betracht gezogen werden, wenn man seine Fahrzeiten optimieren möchte.

Insgesamt stellt der Waal den grössten Anteil der abfliessenden „Wassermassen“ dar. Vereinfacht gesagt fliessen 40% über die Boven Merwerde und 60% über die Nieuwe Merwerde. 3/4 des Wassers der Boven Merwede fliessen in Richtung Rotterdam über den Noord ab. Das restliche Viertel flïesst zur Oude-Maas und zum Dordtse Kil, wobei zu berücksichtigen ist, dass ein Teil des Wassers des Nieuwe Merwerde und der Maas über den Dordtse Kil und Oude-Maas abfliesst. Dieser Anteil hängt stark von den Wasserständen ab. Wenn bei Niedrigwasser die Wehre im Haringvliet geschlossen sind, erhöht sich dieser Anteil.

Um die Sache noch etwas interessanter zu gestalten, darf man den Einfluss des Mondes nicht unterschätzen. Der Gezeitenstrom reicht bis weit ins Hinterland.

Tide und Abfahrtzeiten von Dordrecht (ohne Gewähr)

Am 1.September ist Hochwasser an der Küste (Messpunkt Hoek van Holland) um 9:22h. Die Flutwelle erreicht Dordrecht nach fast 2h um 11:07h. Bis die Welle dann Keizersveer an der Maas erreicht vergehen noch weitere 3h.

Unser Ziel ist es also, die Flutwelle (ablaufend zunächst und dann auflaufend) für unsere Reise optimal zu nutzen. Zunächst gilt es, von Dordrecht über Oude Maas und Dordtse Kil zum Hollandsch Diep zu gelangen.

Hier nutzen wir das ablaufende Wasser.

Am Vortag hatten wir unsere Einschätzungen mit den Informationen des „Schwarzen Brettes“ im Hafen verglichen. Streng nach der Devise „Doppelt genäht, hält besser“. Dort werden für die jeweiligen Fahrtrichtungen (> Noord, > Oude Maas, > Spui und > Dordtse Kil) Empfehlungen zu den günstigsten Abfahrtzeiten gegeben.

Angewandt auf uns, ergibt das am 1. September ein Zeitfenster von 10h bis 14h.

Da dies schon recht spät ist, verlassen wir den Hafen um 10h (also noch vor Hochwasser). Bevor wir auf die Oude Maas rausfahren, werfen wir schnell noch einen Blick auf den Plotter. Einer der berüchtigten Schubverbände „Veerhaven“ ist glücklicher Weise schon rund einen Kilometer weiter entfernt.

Wir fahren im Konvoi mir EPSILON, welche die Verkehrszentrale per Funk über unsere gemeinsame Fahrtrichtung informiert. Bis zur Einfahrt in den Dorsdte Kil fahren wir mit unserer üblichen Reisegewindigkeit. „SOG“ und Geschwindigkeit im Wasser liegen bei 10km/h.

Nach einer guten halben Stunde nehmen wir deutlich Fahrt auf. Bis zur Einfahrt ins Hollands Diep kommen wir jetzt mit 14km/h voran. Wir werden „gezogen„.

Dann verlangsamt sich die Fahrt für eine kurze Zeit. Hier, am Kreuzungspunkt von Hollands Diep, Dordtse Kil, Amer und Nieuwe Merwerde, treffen ablaufendes Wasser und auflaufendes Wasser aufeinander. Das merkt man auch daran, dass trotz mässigem Wind und geringem Berufsverkehr das Wasser sehr unruhig und aufgewühlt ist.

Sobald wir auf der Amer, später Bergsche Maas sind, spüren wir jetzt das auflaufende Wasser. Wir werden „geschoben„. Da der Höchststand bei Keizerveer erst 3 Stunden nach Dordrecht (um 13:48h) erreicht wird, trägt uns die Flutwelle fast bis nach Heusden, wo wir um 14h30 festmachen.