Es gibt viele Mรถglichkeiten, eine Stadt wie Berlin zu erkunden: nach der schรถnen Bootsrundfahrt wollen wir jetzt mehr „erfahren“ รผber die frรผhere Berliner Mauer.
Kurz nach ihrem Fall, glich das heutige Zentrum Berlins eher einer verwahrlosten „Banlieue“, die man eher von den Stadtrรคndern kennt als vom Stadtzentrum.
Der Potsdamer Platz war 1945 ein Ruinenfeld, zwischen 1961 und 1989 dann Teil des sogenannten „Todesstreifens“ der Berliner Mauer.
20 Jahre spรคter erkennt man den Platz nicht wieder! Moderne Hochhรคuser umgeben die Eingรคnge des modernen S-Bahnhofes.
Ausgestellte Fotos erinnern dort an dessen Zustand zur Zeit der Mauer.
Jetzt zurรผck zur Mauer. Man braucht nicht lange zu suchen, bis man ihre „Spur“ aufnehmen kann.
Gut zu erkennen sind die „Narben“ der Geschichte als „Spur“ auf dem Boden in Form einer doppelten Pflastersteinreihe, die den Weg weist.
Zur Orientierung helfen zusรคtzlich Schilder mit der Aufschrift „Mauerweg“ und Informationstafeln. 28 Jahre lang teilte die Mauer Berlin von Nord nach Sรผd auf 50km.
Unterwegs und zur Vorbereitung erweist sich eine Broschรผre der Berliner Senatsverwaltung als sehr hilfreich.
Da wir zu Fuss unterwegs sind, beschrรคnken wir uns auf einen kรผrzeren Abschnitt von etwa 10 km zwischen dem Brandenburger Tor [12] und der Oberbaumbrรผcke [17].
Lรคuft man den Mauerweg ab, so, stellen sich viele Fragen:
wer entschied รผber den genauen Verlauf nach 1945 ? Der Weg verlรคuft manchmal gradlinig entlang einer Strasse, teilweise kurvig oder fรผhrt im Zick-Zack hin- und her. An bestimmten Orten, wie z.B. am Brandenburger Tor oder am Verlauf der Spree, ist eine gewisse Logik zu erkennen: Symbolik (Brandenburger Tor), Natur (Spree), Stadtbezirke.
Wo war Ost-Berlin, Wo war West-Berlin? Diese Frage begleitet uns auf dem ganzen Weg. Sieht man mal von der geogafischen Orientierung und den markanten Punkten der Stadt ab, hilft ein Blick auf die Wohnblรถcke links und rechts der Strasse. Dort wo frรผher die Mauer und der Todesstreifen waren, stehen heute moderne Wohnanlagen. Gegenรผber sieht man die typischen Bauten der Nachkriegszeiten, die man auch aus anderen Stรคdten im Westen kennt.
wie sรคhe die Stadt heute aus, wenn die Mauer noch da wรคre oder wenn es die Mauer nie gegeben hรคtte?
…
Auf dem gesamten Weg gibt es Informationstafeln, die an die dramatischen Ereignisse erinnern. In der Niederkirchenstrasse fรผhrt der Weg vorbei an der permanenten Ausstellung „Topographie des Terrors, fรผr die wir uns etwas Zeit nehmen.
Danach gehen wir zunรคchst wortlos weiter.
Auf unserer Reise haben wir auf einigen Banderolen und Plakaten lesen kรถnnen:
„Nie wieder ist jetzt…„
Die S-Bahn S1 bringt uns wieder nach Potsdam, wo wir uns von diesem anstrengenden und interessanten Tag ausruhen.
Unser Boot ruht sich jetzt mal vor der Rรผckreise noch ein wenig aus.
Auch hier in Potsdam erweisen sich unsere Fahrrรคder nicht nur als sinnvoll, sondern auch notwendig, um die vielen sehenswerten historischen Orte, Plรคtze und Parks in und um die Stadt zu besuchen.
Da es fรผr uns unser erster Besuch in Potsdam ist, sind die Eindrรผcke wohl besonders stark. Wer sich fรผr Geschichte interessiert, wird hier auf seine Kosten kommen.
Auf unserem Programm stehen:
Park Sanssouci
Schloss Sanssouci
Historische Mรผhle
Chinesisches Haus
Neues Palais
Schloss Charlottenhof
Orangerieschloss
Drachenhaus
Friedenskirche
Neuer Garten
Marmorpalais
Schloss Cecilienhof
Park Babelsberg
Schloss Babelsberg
Flatowturm
Schloss Glienicke (sichtbar vom Park aus)
Stadt Potsdam
Dampfmaschinenhaus
Hollรคndisches Viertel
Nikolaikirche
Brandenburger Tor
Barberini Museum
Russische Kolonie Alexandrowka
etc.
Gute Vorschlรคge fรผr Radtouren findet man auch unter dieser Adresse.
Die Landschaft ist schlicht einzigartig. Immer wieder halten wir mit den Rรคdern an, und geniessen den Ausblick.
Es sei noch angemerkt, dass Potsdam und Versailles eine Stรคdtepartnerschaft pflegen. รberraschend ? Nein! Beide Stรคdte, so unterschiedlich sie heute sind, haben vieles gemeinsam. Sie liegen im Sรผdwesten und grรผnen Gรผrtel der Hauptstรคdte Berlin und Paris. Und vor allem, sie waren das Zentrum und der Schauplatz der europรคischen Geschichte. Sie zรคhlen heute zu den beliebtesten Sehenswรผrdigkeiten.
Mit viel Aufwand wird heute noch รผberall renoviert und instand gehalten, damit all diese Bauten und Parks nicht wieder zu Ruinen werden. Dazu zรคhlen auch die Privatinitiativen einiger Mรคzen, wie z.B. Hasso Plattner (Mitbegrรผnder von SAP).
Heute ist es endlich soweit. Am Vorabend unserer Reise รผberprรผfen wir wieder die Fahrbedingungen in und um Berlin auf ELWIS. Wir liegen in Spandau. Im Prinzip fรผhren zwei Wege von hier zur Stadt:
eine nรถrdlichere Route รผber den Berlin-Spandauerschifffahrts-Kanal und die Schleuse Plรถtzensee zur Spree
eine sรผdlichere Strecke รผber die Schleuse Spandau, Spree und Schleuse Charlottenburg
Da die Schleuse Charlottenburg „bis auf weiteres“ fรผr Sportboote gesperrt ist, fรคllt unsere Wahl auf die Nordstrecke. Aber es gibt fรผr die Strecke รผber den nรถrdlicheren Kanal ebenfalls eine aktuelle Sperr-Warnung bis Ende August wegen Brรผckenarbeiten…. !!! Sollte unser Vorhaben schon wieder scheitern? Der Hafenmeister empfiehlt uns den Schleusenwรคrter in Plรถtzensee anzurufen. Gesagt getan: Ja es besteht eine Sperre, aber Sportboote werden „durchgelassen…“.
Schleuse Plรถtzensee
So legen wir um 7h30 in Spandau ab. Unser Plan ist es, zunรคchst nach Berlin-Mitte zu fahren und dann in 4 weiteren Etappen wieder nach Potsdam zu gelangen : zunรคchst die Stadt, dann die Berliner Seen im Osten und zurรผck รผber den Teltow-Kanal im Sรผden.
Etappe 1: Berlin-Mitte
Wir wollen Berlin Mitte noch vor 10h erreichen, bevor die Fahrgastschiffe ihre tรคglichen Runden beginnen. Die Fahrt erweist sich als absolut problemlos. Nur ein paar Sportboote, die Berlin verlassen, begegnen wir.
Die Spree in Berlin ist kurvenreich und teilweise unรผbersichtlich. Zu beachten sind die oft engen und niedrigen Brรผcken.
Wir erreichen „Berlin-Mitte“ bei schรถnstem Sommerwetter kurz vor 10h. Noch ist es ruhig auf dem Wasser : Bundeskanzleramt genannt „Waschmaschine“ auf Steuerbord, der Hauptbahnhof auf Backbord und dann der Reichstag.
Wir peilen die Sportbootliegestelle Schiffbauerdamm an. Dort sind Plรคtze fรผr 4-5 Boote vorgesehen. Falls man Glรผck hat und eine Lรผcke findet, kann man dort 24h bleiben.
Wir kommen zur rechten Zeit dort an. Ein Platz wird frei, zwei andere Boote rรผcken freundlicher Weise nรคher zusammen und so kรถnnen wir und BALU anlegen.
Vor 10h und nach 19h ruht der starke Verkehr der Fahrgastschiffe, die hier tagsรผber unaufhรถrlich vorbeifahren. Der Platz liegt zwar ausgezeichnet mit direktem Blick auf den Reichstag, ist aber recht unruhig. Erstaunlich ist, dass es im Stadtbereich nur eine sehr begrenzte Zahl von Anlegemรถglichkeiten gibt, von Liegeplรคtzen zum รbernachten ganz zu schweigen.
Es sei noch vermerkt, dass der innere Bereich von Berlin nur von mit Funk ausgestatteten Booten befahren werden darf. Die Wasserschutzpolizei ist sehr prรคsent.
Etappe 2: Kรถpenick
Bevor wir weiterfahren, รผberlegen wir uns, ob wir nicht noch einen Tag lรคnger verweilen ? Andere Plรคtze gibt es nicht (oder kennen wir nicht), zentraler geht es nicht, es gibt viel zu sehen,… ABER wir sind nicht die Einzigen, die dort gerne liegen mรถchten. 24h sind 24 Stunden!!! Das soll auch fรผr uns gelten !
Die Fahrt auf der Spree in Richtung Kรถpenick fรผhrt uns vorbei an den historischen renovierten Prachtbauten der Stadt. Man wird es einfach nicht satt, die Bauwerke vom Wasser aus zu bewundern: Museumsinsel, Humboldtforum, Dom,…
Nach einer halben Stunde Fahrt erreichen wir die Schleuse Mรผhlendamm, wo wir unverzรผglich geschleust werden.
Die Schleuse wirkt wie eine Grenze zwischen dem historischen Kern und den modernen Vierteln weiter รถstlich.
Nach etwas Suchen finden wir einen Liegeplatz fรผr die Nacht in Kรถpenick bei einem Gebrauchtboothรคndler und Yachtcharterer. Um es kurz zu sagen, da hier die Plรคtze fรผr Passanten eher selten sind, muss man mit erhรถhten Kosten fรผrs รbernachten rechnen. รberhaupt fรคllt uns auf, dass trotz der Unzahl von Hรคfen, fรผr Passanten kaum Liegeplรคtze zur Verfรผgung stehen. Es mag auch daran liegen, dass hier viele Charterboote unterwegs sind.
Etappe 3: Grosser und Kleiner Mรผggelsee
Die Erfahrung in Kรถpenick hat uns dazu bewogen, den nรคchsten Tag auf dem kleinen Mรผggelsee zu ankern. Ankern scheint hier im Allgemeinen beliebt zu sein, und nicht nur wegen der Kosten! Die Gewรคsser bieten unzรคhlige Mรถglichkeiten.
Auch wenn das „Rumliegen“ in der Sonne auf dem Wasser nicht unser Ding ist, ist es eine gute Gelegenheit sich zu erfrischen und zu schwimmen. Wir bleiben hier die Nacht umgeben von mindestens 10 anderen Booten.
Kleiner Mรผggelsee
Die Seenlandschaft um Berlin hat einiges zu bieten und wir verlassen sie mit Bedauern in Richtung Teltow-Kanal.
Etappe 4: Tempelhof
Der Teltow-Kanal ist keine Augenweide, zumindest im Osten, nach Westen hin wird es lieblicher. Wir steuern den Hafen Tempelhof an, der uns architektonisch ein wenig an die Marina Rotterdam erinnert.
Ein altes Hafenbecken, Krรคne aus einer anderen Zeit und ehemalige Lagerhรคuser, in denen man heute Geschรคfte, Restaurants und Wohnungen findet. Erwรคhnenswert ist die ehemalige Druckerei des Ullstein-Verlags gegenรผber, heute ein modernes Bรผrogebรคude.
Etappe 5 : Potsdam
Der Weg fรผhrt uns weiter รผber den Kanal zu unserem Ausgangspunkt Potsdam. Nur die Schleuse Machnow liegt noch auf dem Weg.
Nach kurzer Wartezeit werden wir dort zusammen mit Balu und einem anderen Sportboot geschleust.
Eine abwechslungsreiche Rundfahrt endet nun: Stadt, Land, Wasser. Alles gibt es hier, auf jeden Fall empfehlenswert!
In den nรคchsten Tagen werden wir Fahrrad, Zug und unsere Fรผsse als Verkehrsmittel unserem Boot vorziehen. Jetzt steht Tourismus auf dem Programm. Dazu gibt es dann zur Abwechslung statt Fahrbericht, nur ein paar Bilder,…
Wir haben den Mittellandkanal verlassen und fahren weiter auf dem Elbe-Havel-Kanal in Richtung Brandenburg. Der Kanal wirkt hier eher wie ein ruhiger Fluss. Es gibt kaum noch Spundwรคnde und der Wasserlauf wirkt „natรผrlicher“.
Unsere erste Etappe fรผhrt uns nach Genthin wo wir gegen 15h eintreffen. Wir legen gemeinsam mit BALU am „nur fรผr Lidl-Kunden Anleger“ (!) an.
Am nรคchsten Morgen starten wir schon um 7h30 in Richtung Brandenburg, zu unserem Tagesziel. Zwei Schleusen liegen auf dem Weg. Auch heute haben wir Glรผck, die Wartezeiten sind kurz. Sobald wir den Kanal verlassen und in den „Grossen Wendsee“ einfahren, empfinden wir Ferienstimmung. Wir begegnen Hausbooten, Charteryachten, Passagierschiffen und Padlern. Alles sehr gemรผtlich. Frachter werden selten. So erreichen wir den Hafen „Havel Marin“ kurz nach Mittag.
Wir bleiben 2 Tage in Brandenburg. Zeit genug, um einen ersten Eindruck der Stadt und der Umgebung zu bekommen. Wenn man mit den Einwohnern spricht, hรถrt man vor allem 2 Dinge: Brandenburg an der Havel ist ein beliebtes Ferien- oder Ausflugsziel, die Immobilienpreise sind stark gestiegen, seitdem es Berliner ins Umland zieht.
Uns erinnert vor allem die Architektur an eine vergangene Zeit. Viel ist erhalten, einiges zerfรคllt …
Von Brandenburg aus geht es weiter รผber die Havel nach Potsdam. Wir wรคhlen die etwas lรคngere aber landschaftlich reizvollere Strecke รผber Werder. Potsdam wird Start -und Endpunkt unserer Reise in und um Berlin sein.
Auch wenn die Fahrrinne durch Betonung gut gekennzeichnet ist, muss man die vielen Fischernetze , denen man unterwegs begegnet, im Auge behalten.
Wie erreichen den Yachthafen Potsdam gegen Mittag und finden einen schรถnen Platz am Gรคstesteg mit direktem Blick aufs Wasser.
Fรผr uns ist es unser erster Besuch in der Stadt. Hier ein paar Schnappschรผsse.
Der Weg fรผhrt uns weiter nach Spandau. Nach unserer Berlintour werden wir uns mehr Zeit fรผr Potsdam nehmen. Es wird dann fรผr einige Tage unser „Basislager“.
Der Weg รผber die Havel und deren Seen verwรถhnt uns mit einer einzigartigen Landschaft. Leider regnet es in Strรถmen, und wir kรถnnen teilweise ihre Schรถnheit nur erahnen. Gegen 10h lรคsst der Regen nach, das Wetter bleibt wechselhaft. Bei „km 1“ gibt es am linken Ufer (Fluss aufwรคrts) Bunkerschiffe, die neben „rotem Diesel“ auch GTL anbieten. Vom Tankwart erfahren wir, dass auf den Berliner Gewรคssern kein klassischer weisser Diesel fรผr Sportboote mehr angeboten wird. Somit bunkern wir 180 ltr. GTL-Kraftstoff.
An der Schleuse Spandau erhalten wir vom Schleusenwรคrter eine grรผndliche Belehrung ! Im Unterwasser gibt es eine spezielle Ampel fรผr Sportboote. Nachdem die zu Tal geschleusten Schiffe alle ausgefahren sind, machen wir die Leinen los, um uns der Schleuse etwas zu nรคhern. Dabei behalten wir die Ampel an der Schleuseneinfahrt im Auge. Wir wollen, wie gewohnt, das grรผne Freizeichen an der Schleuse abwarten. Aber das war ein eigensinniges Fehlverhalten !!!. Es ist das erste Mal (es gibt immer ein erstes Mal!), dass uns auf unseren 16 000 Bootsfahrkilometern eine solche spezielle Sportboot-Ampel begegnet. Natรผrlich hat der Schleusenwรคrter recht, wenn er auf die Regeln auf seine persรถnliche Weise hinweist, … “ Sie halten doch auch mit ihrem Auto an der Ampel, wenn sie rot ist, ODER... „. Also zurรผck zur Warteposition!
Direkt hinter der Schleuse finden wir fรผr 2 Tage Platz im „Spandauer Altstadt-Hafen“.
Von der „Alt“-Stadt Spandau ist wohl nach 1945 nicht viel รผbrig geblieben. Vom Hafen aus, ist die Zitadelle aus dem 16. Jahrhundert leicht zu erreichen.
รber den Kanal haben wir schon viel gehรถrt und gelesen. Langweilig, eintรถnig, Spundwรคnde, endlos,…
10 Jahre hat es gebraucht, bis wir uns endlich ein eigenes Bild machen kรถnnen. Ja der Kanal ist 325 km lang. Oder sollten wir besser sagen, die Wasserstrasse รคndert ihren Namen auf der gesamten Strecke nicht?
Der Bau am Mittellandkanal wurde 1905 begonnen. Erste รberlegungen gehen auf die Mitte des 19 Jahrhunderts zurรผck. Die 325km lange Strecke wurde 1938 fertiggestellt. Er verbindet den Rhein, die Ems, die Weser, die Elbe, die Havel und die Oder miteinander. 20 000 Schiffe benutzen ihn jรคhrlich.
Es ist auch kein Zufall, dass das VW Werk direkt am Kanal entstand und hier ab 1938 der „Kรคfer“ (oder sagen wir genauer der Porsche V60) gebaut wurde.
Der Kanal beginnt am „Nassen Dreieck“ , dort kreuzt er den Dortmund-Ems-Kanal im Westen, und endet an der Schleuse Hohenwarte im Osten, der in den Elbe-Havel-Kanal รผbergeht.
Aber kommen wir zurรผck zu unserer Fahrt.
Zunรคchst einmal fallen die vielen Anlegemรถglichkeiten auf. Alle 10 – 15km liegen sie meistens am Ende (oder Anfang) der Parkplรคtze fรผr Frachter und sind speziell „Nur fรผr Kleinfahrzeuge“ oder „Nur fรผr Sportboote“ gekennzeichnet. Dort finden im Allgemeinen 2 bis 3 Sportboote Platz. Sieht man von wenigen Ausnahmen ab, gibt es dort weder Wasser noch Strom. Die Hรคufigkeit nimmt hinter Wolfsburg nach Osten hin allerdings ab.
Liegestelle am Kanal
Zusรคtzlich findet man am Kanal ausreichend und teilweise gut ausgerรผstete Hรคfen. Man hat also die Wahl zwischen Liegeplatz an einer Spundwand oder einem Hafen. Bei manchen Hรคfen sollte man auf den Schwell, der von Frachtern hervorgerufen wird, achten. Dies gilt besonders beim Ein- oder Ausfahren. Manche Hรคfen besitzen eine Sperre am Eingang. Diese wird bei Bedarf gehoben und soll den Schwell verringern. Die Hรคfen sind im allgemeinen recht klein und bieten kaum Platz fรผr grosse Schiffe. Eine Voranmeldung hilft, schlechte รberraschungen zu vermeiden.
Hafen Hannover
Wir haben Glรผck und finden problemlos Plรคtze fรผr beide Boote. Bei Stadt-Besuchen ziehen wir die Hรคfen vor. Oft findet man gute Einkaufsmรถglichkeiten in direkter Kanalnรคhe.
Im Gegensatz zu unseren Erfahrungen aus Frankreich, Belgien oder Niederlanden, liegt man an den Liegestellen im Kanal trotz des recht starken Frachtverkehrs รผberraschend ruhig. Die vollgeladenen Schiffe halten sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Kaum einer fรคhrt schneller als 12 km/h, hรคufig auch weniger. Der Verkehr nimmt zusรคtzlich nachts stark ab.
Da es auf den ersten 174 km keine Schleusen gibt, kommt man gut voran. Hier sind vor allem Schiffe (80 – 90 m) und Schubverbรคnde (รผber 135m) aus Deutschland, Polen, Tschechien und den Niederlanden unterwegs.
Auf dem ganzen Kanal gibt es nur 3 Schleusen. Nach 174 erreichen wir die erste Schleuse Anderten. Sie liegt etwa 10km รถstlich von Hannover und hat eine Fallhรถhe von fast 15m. Zur Zeit wird wegen Renovierungsarbeiten nur die „Nordkammer“ bedient.
Schleuse Anderten
Die zwei folgenden Schleusen haben Fallhรถhen zwischen 6 (Zerben) und 19m (Hohenwarthe). Die Schleusen sind als „Sparschleusen“ entworfen, um den hohen Wasserbedarf zu begrenzen (40 000 m3/Schleusung).
Prinzip einer „Sparschleuse“
In den Schleusenwรคnden von Anderten befinden sich auf der ganzen Lรคnge und auf der ganzen Hรถhe Speicherbecken, die nacheinander entweder geleert (beim Fรผllen der Kammer) oder gefรผllt werden (beim Leeren der Kammer). Bei der Schleuse Anderten sind es 5 x 5 x 2 Wasserspeicher.
Ein besonderes Schauspiel bieten auch die Kanalbrรผcken in Minden รผber die Weser und bei Magdeburg รผber die Elbe. In beiden Fรคllen erlauben Schleusen vom Kanal zum jeweilen Fluss (und umgekehrt) zu kommen.
Bei der รberfahrt รผber die Elbe-Kanalbrรผcke bei Magdeburg ist darauf zu achten, dass Sportboote nur im Konvoi hinter Frachtern die Brรผcke รผberqueren dรผrfen. Am besten meldet man sich รผber Funk VHF 01 an, egal ob ein Frachter in der Nรคhe ist oder ob man alleine ist. Der Verkehr wird von der nahegelegenen Schleuse Hohenwarte gesteuert. Bei der Fahrt von Osten nach Westen informiert der Schleusenwรคrter vorab รผber die Fahrsituation auf der Brรผcke.
Mit dieser beeindruckenden Schleuse endet der Kanal. Sie ist mit Schwimmpollern ausgestattet (bei Talfahrt auf der Steuerbordseite)
Ausser der Technik bietet der Kanal auch eine Menge an sehenswerten Orten.
Bemerkenswert finden wir Bad Essen (Erholung und Freizeit), Hannover (Kultur und Einkauf) und Wolfsburg (Automobil).
Bad EssenHannoverWolfsburg
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich etwas Zeit fรผr die 325km zu nehmen. Es gibt viel zu sehen und zu tun. Abwechslung bieten nicht nur die Stรคdte, auch die Landschaft verรคndert sich von Westen nach Osten kontinuierlich. Irgendwie kann man noch den Ursprung des Kanals spรผren: Stahl fรผr den Osten, Weizen fรผr den Westen!
Uns bleibt ja noch die Rรผckfahrt. Aber bevor es so weit ist, gibt es noch viel zu entdecken in den 3 Wochen, die uns bleiben in und um Berlin.
Es geht wieder los. Nach einem „auto- und bootsfreien“ Monat Pause sind wir mit dem Zug wieder in Oldenburg angekommen.
Nach langem „Hin und Her“ haben wir entschieden, wie es weitergehen soll. Die Geschichte erinnert uns ein bisschen an unsere Zeit, als wir noch mit unserem VW-Campingbus unterwegs waren. Damals hatten wir immer die grรผnen MICHELIN-Reisefรผhrer dabei. Darin gab es gute Vorschlรคge fรผr abwechslungsreiche und interessante Rundreisen. Diese „Circuits“ hatten eine Richtung, meistens waren sie im Uhrzeigersinn vorgeschlagen. Ingenieure, Physiker und Mathematiker haben aber von ihrer Ausbildung her, eine Vorliebe fรผr den Gegen-Uhrzeigersinn,…. Wir fuhren meistens „links rum“ ๐
So geht es uns jetzt auch hier wieder ๐ !
Noch im Juni hatten wir vor via Bremen im Uhrzeigersinn รผber die Weser Richtung Mittelland-Kanal zu fahren,…
Jetzt fahren wir den Kรผstenkanal von Oldenburg aus wieder zurรผck zum Dortmund-Ems-Kanal, wo wir das Boot BALU und seine Crew in Haren wieder treffen. Auf der Strecke gibt es in diesem Zeitraum keine geplanten Sperrungen.
Hinweis:
Die Schleuse Dรถrpen ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Die Schleuse wird verlรคngert:
17.06. – 05.07.2024
12.08. – 30.08.2024
18.10. – 06.12.2025
Die Schleuse Oldenburg wird vom 26.06 – 27.07.2024 nur von 7h00 bis 16h00 bedient.
Es geht somit am 10.07. von Oldenburg zunรคchst zurรผck nach Dรถrpen in Richtung Dortmund-Ems-Kanal.
In Oldenburg auf der Hunte, ist am 10. Juli Hochwasser um 7h49 und Niedrigwasser um 14h35. Um 7h20 brechen wir in Richtung Schleuse Oldenburg auf, wo wir uns gehen 7h40 รผber VHF20 anmelden. 2 Frachter haben Vorfahrt.
Erst kurz nach 9h verlassen wir die Schleuse.
Der Kรผstenkanal ist ein Vorgeschmack zum Mittellandkanal. Auf den fast 70km gibt es kaum Abwechslung. Von der umliegenden Landschaft sieht man wenig. Der Kanal ist zum grรถssten Teil von Bรคumen und Hecken gesรคumt.
Zwischen Oldenburg und Dรถrpen gibt es kaum Anlegemรถglichkeiten zum รbernachten. Nach 7 Stunden erreichen wir den kleinen netten Clubhafen in der Nรคhe der Schleuse. Dort finden wir Platz am Gรคstesteg. Zunรคchst stellen wir fest, dass es keinen Strom gibt. Der starke Regen der letzten Tage hat wohl dafรผr gesorgt,… Gegen Abend kommt der Hafenmeister, und das Problem ist schnell behoben. Wir nutzen seine Anwesenheit, um das Liegegeld zu entrichten. Wie so oft haben wir kein Kleingeld,…. Auf der Hinfahrt haben wir schon einen 20 Euros Schein in einem dafรผr vorgesehenen Umschlag hinterlegt. (Die Liegegebรผhr fรผr unser Boot betrรคgt eigentlich 16,50โฌ).
Die nรคchsten zwei Tag sind wir auf dem Dortmund-Ems-Kanal in Richtung Mittellandkanal unterwegs. Einige der Schleusen sind mit Spundwรคnden ausgestattet. Man findet aber auch Schleusen mit glatten Wรคnden, entweder gemauert oder aus Beton.
Wir sind auf der ganzen Strecke alleine und der Schleusenvorgang geht ruhig vor sich. Daher erweisen sich auch die Schleusen mit Spundwรคnden fรผr uns als problemlos.
Zur Mittagszeit erreichen wir Haren, wo wir BALU und seine Crew wiederfinden. Zur Begrรผssung bleiben wir auf Distanz. Bei uns ist seit ein paar Tagen mal wieder CORONA angesagt….
BALU ist schon seit 3 Tagen in Haren. Da es noch frรผh am Tag ist, entscheiden wir uns weiterzufahren. Bis Meppen liegen noch 23 km und 2 Schleusen vor uns. Wir haben Glรผck. Wir werden ohne Zeitverlust „durchgeschleust“.
Schon gegen 15h machen wir dort fest. Es gibt einen Liegeplatz fรผr ein Boot 1 km vor der Schleuse am linken Ufer. Es wรคre eigentlich Platz genug fรผr zwei Schiffe, aber es fehlt an Festmachern.
Fรผr den nรคchsten Tag hat der Wetterdienst eine Regenwarnung fรผr die Region ausgegeben. Tatsรคchlich ist die Meldung nicht รผbertrieben. Es regnet den ganzen Tag. Auf dem Weg von Meppen nach Altenrheine gibt es kaum vernรผnftige Anlegestellen. 6 Schleusen liegen vor uns.
Wir melden uns รผber Funk frรผhzeitig an den Schleusen an. Die Schleusenwรคrter erweisen sich als sehr freundlich. So kommen wir zรผgig voran.
Das รคndert sich aber als wir um 11h30 die Schleuse Gleesen erreichen. Der Schleusenwรคrter teilt uns einfach mit, dass wir im Unterwasser warten sollen, „bis er uns aufruft„. Hier gibt es einen Wartesteg. Er bietet einem Sportboot Platz. So legen wir uns in Doppelpack mit BALU und warten bei strรถmendem Regen. Kurz vor 13h ist es dann soweit. Inzwischen ist der Regen noch stรคrker geworden. Aber wir haben keine Wahl. Jetzt heisst es weiterkommen.
Um 16h30 erreichen wir unseren Liegeplatz im Oberwasser der Schleuse Altenrheine. Fรผr die 50 km haben wir 8 1/2 Stunden gebraucht. Erschรถpft und vรถllig durchnรคsst freuen wir uns auf unser Abendessen.
Der nรคchste Tag fรผhrt uns zum „Nassen Dreieck„. So nennt man den Ort auf dem Dortmund-Ems-Kanal an dem der Mittellandkanal beginnt. Hier gibt es auch eine Bunkerstation, die wir nรผtzen wollen, um unseren Tank zu fรผllen. Schon am Vortage haben wir uns angemeldet, was sich als sinnvoll erweist. Strategisch gut gelegen, ist die Bunkerstation sehr gefragt. Als wir ankommen, mรผssen wir zunรคchst warten. Die Berufsschiffer haben Vorrang. Vom Tankwart erfahren wir, dass das nรคchste Schiff schon wartet,…. Aber er versichert uns, dass wir „bald“ dran sind. Also Geduld! Nach 1 1/2 Stunden kรถnnen wir dann wieder loslegen und biegen in den Mittellandkanal ein. Wir fahren noch bis Bramsche an diesem Tag.
Jetzt wo wir in Ostfiesland angekommen sind, betreten wir „Neuland“. Wir kennen Norddeutschland sehr wenig. In Oldenburg waren wir noch nie. Da scheint es gut, dass wir jetzt mal eine Pause einlegen und uns die Zeit nehmen, um die Stadt Oldenburg etwas nรคher kennenzulernen. Auch ein kurzer Abstecher mit dem Zug nach Bremen steht auf dem Programm. Zum letzten Mal waren wir dort vor 35 Jahren,…
Zunรคchst aber ein paar Zeilen zum Hafen. Der „Stadthafen“ macht seinem Namen alle Ehre. Er liegt zentral in der Stadt. Alles wesentliche findet man in direkter Nรคhe: Bahnhof, Einkaufsmรถglichkeiten, Parks und Gรคrten, historische Bauten…
Der Hafen wird gefรผhrt vom Oldenburger Yacht Club OYC. Der Club-Hafen liegt etwas ausserhalb der Stadt, nicht weit entfernt von der Schleuse Oldenburg. Der Stadthafen bietet „technisch“ gesehen ausser Wasser und Strom (1 โฌ/kWh) keine speziellen Serviceleistungen. Dusche und Toiletten liegen ausserhalb in einem Wohnhaus in der Nรคhe. Der Hafen ist abgeschlossen und รผber einen Code zugรคnglich. Auf dem Steg gibt es einen Stellplatz fรผr Fahrrรคder.
Am Steg herrscht eine sehr sympathische und freundliche Atmosphรคre. Dafรผr sorgen nicht zuletzt, der Hafenmeister Addi und seine Frau Inge. Sie sind ein Beispiel positiver Energie: er 89, sie 86 Jahre alt. Wenn man es nicht wรผsste, wรผrde man es nicht glauben. Ein Alter in dem andere schon lange nicht mehr ans Arbeiten denken. Den Beiden scheint der Kontakt mit dem Bootsfahrern, ein wahrhaftiges Lebeselexir zu sein. So herzlich und gutgelaunt wird man selten empfangen. Beide kommen meistens nachmittags zum Stadthafen, um nach dem Rechten zu schauen und Neuankรถmmlinge zu begrรผssen.
Die Stadt bietet einiges an Sehenswertem: der Botanischer Garten, der Schlossgarten, eine lebendige Innenstadt, die Wochenmรคrkte, die Sankt Lamberti-Kirche, einige Museen, das Schloss und der Prinzenpalais, der Bahnhof und vieles mehr. Fรผr fast jeden Geschmack also etwas. Uns gefรคllt besonders der Schlossgarten und Botanische Garten. Die Lamberti-Kirche ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ob sie gefรคllt, ist eine andere Sache.
Wir unternehmen einen Abendspaziergang entlang der Hunte zur Eisenbahnbrรผcke, eine Klappbrรผcke. Technisch gesehen ist es eine Rollklappbrรผcke. Sie wurde 1954 erbaut. Die erste Brรผcke aus dem 19. Jahrhundert wurde wรคhrend des II. Weltkrieges zerstรถrt. Eine รคhnliche Brรผcke findet man auch in Antwerpen.
Uns machen diese Eisenbahnbrรผcken immer etwas Angst bei der Durchfahrt mit dem Boot. Eine gute Synchronisation zwischen Brรผckenbedienung und Zugverkehr sorgt dafรผr, dass Unfรคlle zum Glรผck selten sind.
Vor unserer Abreise und zum Abschluss der ersten Hรคlfte unserer diesjรคhrigen Reise, unternehmen wir noch einen Tagesausflug mit dem Zug nach Bremen. Der Tripp ist als „Vorgeschmack“ gedacht, falls wir unsere Reise im Juli in diese Richtung fortsetzen. Das entscheiden wir dann, „zeitnah“ wenn wir es „auf dem Schirm“ haben, wie man heutzutage sagt. Da ist also noch „Handlungsbedarf„.
Jetzt ist erst mal Sommerpause. Wir melden uns in ein paar Wochen zurรผck.
Ah, da wรคr noch was!
Wir hรคtten noch einen paar Fragen an unsere treuen Leser:
hat jemand Erfahrung mit der Weser bergauf? Also die Strecke von Bremen zum Mittellandkanal ?
In Zwolle sitzen wir zusammen , um mal wieder รผber die Weiterfahrt nachzudenken. Unsere Erfahrung mit der Strรถmung auf dem Niederrhein bringt uns zum Zweifeln, ob das Fahren auf der Weser stromaufwรคrts mit unserem Boot sinnvoll ist. Je nach Jahreszeit soll die Strรถmung auf der Weser auch recht stark sein. 140 km gegen den Strom fahren? Mmmh,…. Wir denken รผber Alternativen nach.
Wenn es jetzt direkt in Richtung Mittelland-Kanal gehen soll, so ist die Route รผber die kleinen Torfkanรคle die naheliegende Wahl. Aber wir wissen auch, dass der Haren-Rutenbrock-Kanal bis Ende Mai wegen Baggerarbeiten gesperrt ist. Bis dahin sind es noch 2 Wochen. Warten wollen wir nicht!
Vier Wege haben wir uns ausgedacht, um es sowohl gemรผtlich als auch schรถn anzugehen.
รผber die kleinen Kanรคle in Drenthe via Assen (1)
รผber die kleinen Kanรคle in Drenthe und Friesland via Leeuwarden (2)
รผber die Seen und friesischen Kanรคle (3)
รผber das IJsselmeer (4)
Wir entscheiden uns fรผr Friesland (3), obwohl wir die meisten Wege dieser Route schon mehrmals gefahren sind (2017, 2019, 2022). Der direkte Weg (1) wรผrde einen zu langen Aufenthalt in Groningen bedeuten. Die Variante (2) mรผssen wir ausschliessen, da die Wasserkarten nur eine Wassertiefe von 1,10 angeben. Bliebe der Weg รผber das IJsselmeer, aber der ist sehr wetterabhรคngig.
Fรผr die Strecke von Zwolle nach Groningen sehen wir 8 Etappen vor.
Kurz vor 10h, nach 4 schรถnen Tagen, verlassen wir Zwolle im Konvoi mit 8 Schiffen. Sonntags werden die Brรผcken von 10 – 18h gehoben.
Nach nur einstรผndiger Fahrt legen wir an der Kade in Hasselt an. Bei frรผheren Reisen haben wir die Stadt von Zwartsluis aus mit dem Fahrrad besucht. Jetzt liegt VAGABOND zum ersten Mal hier. Es gibt Strom am Steg fรผr 50 Cent das kW. Ob hier kein Liegegeld verlangt wird, wissen wir nicht. Einen Hafenmeister sehen wir auf jeden Fall nicht.
Nachmittags wird es unruhig. Jetskis, schnelle kleine und grรถssere Schiffe wรผhlen das Wasser krรคftig auf.
Hasselt
Am nรคchsten Morgen legen wir vor 9h wir gemeinsam ab, BALU รผbernimmt fรผr den kurzen Weg nach Zwartsluis die Fรผhrung. Obwohl das diesjรคhrige „Schlepperfest“ beendet ist, ist noch Einiges los im Passantenhafen.
Zusรคtzlich sind einige Plรคtze gesperrt oder reserviert. Wir finden Platz an der Kade. Dort gibt es Strom aber kein Wasser.
Die Fahrt von Zwartsluis nach Ossenzijl fรผhrt durch eine schรถne Naturlandschaft. Sie erinnert auch an die Vecht. Die Hรคuser sind hier allerdings „lรคndlicher“. Man spรผrt nicht die Nรคhe zur Metropole Amsterdam.
Nach einem „Lunch-Stop“ in freier Natur beschliessen wir in der Nรคhe des Ortes Ossenzijl am Kanal zu รผbernachten.
Am nรคchsten Tag soll es weitergehen nach Sloten. Unterwegs entscheiden wir uns fรผr einen direkteren Weg in Richtung „Norden“. Es ist sehr windig und wir denken, dass es sinnvoller ist, einen guten Hafen anzusteuern. Nach 6 Stunden erreichen wir Grou. Das Anlegen gestaltet sich schwierig. Siehe Anlegen bei Wind.
Unser nรคchstes Ziel ist Leeuwarden, wo wir ein paar Tage ausruhen wollen. Die Stadt ist uns in sehr guter Erinnerung. Sie hat viel zu bieten: schรถne Liegeplรคtze, gute Museen, Ambiente und gute Einkaufsmรถglichkeiten in der Nรคhe des „Prinsentuin„.
Liegegebรผhren werden รผber die App i-Marina abgebucht.
Das Wetter ist sehr wechselhaft. Regenschauer wechseln mit sonnigem Wetter ab.
Bei einem unserer Spaziergรคnge erhalten wir eine schlechte Nachricht vom Skipper der Balu. Yvonne hat sich beim Radfahren verletzt: Diagnose Armbruch! Fรผr Yvonne und Thomas endet unsere gemeinsame Reise vorerst in Leeuwarden. Schweren Herzens entscheiden wir uns, alleine weiterzufahren. Da die รffnung des Kanals Ende des Monats Mai aber ungewiss bleibt, entschliessen wir uns nun, in Richtung Delfzijl zu fahren. Wenn das Wetter es zulรคsst, werden wir den Weg รผber den Dollard wรคhlen.
Die Brรผcken am Prinsentuin werden ab 9h gehoben. So starten wir zeitgleich: BALU fรคhrt Richtung Sneek, VAGABOND bricht nach Dokkum auf.
Wie die Male zuvor geniessen wir die Strecke zwischen zwischen Leeuwarden und Dokkum.
Dokkum haben wir so „voll“ noch nie erlebt: Pfingstwochenende, schรถnes Wetter, schรถner Liegeplatz.
Auf dem Weg nach Zoutcamp erweist sich die App „Watersport“ als sehr praktisch, um das Heben der Brรผcken anzufordern. Sobald man in der Nรคhe der zu hebenden Brรผcke angekommen ist, genรผgt ein einfacher Klick auf der Karte (Bildschirm), und die Anfrage ist gespeichert.
Unseren geplanten Stopp in Zoutcamp kรถnnen wir vergessen, dort ist Hafenfest,…
Zoutcamp
Zusammen mit drei anderen Booten ziehen wir weiter. Bis Groningen ist es noch ein Stรผck. Der Wetterbericht hat fรผr den spรคten Nachmittag eine Gewitterwarnung ausgegeben. Daher entscheiden wir uns, fรผr eine Nacht in Garnwerd man Zee zu bleiben. Hier gibt es einen ruhigen kleinen Hafen im Reitdiep.
Am nรคchsten Morgen erreichen wir den Osterhaven in Groningen schon um 11h. Christa, die Hafenmeisterin erinnert sich noch an uns. 2022 lag hier unser Boot 10 Tage.
Kaum angekommen, erreichen uns eine neue schlechte Nachricht. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal sind zwei Schleusen bis Mitte Juni wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Dieses Revier ist Neuland fรผr uns! Der Kanal besitzt Schleusen mit jeweils zwei Kammern. ABER, was man leicht รผbersieht, ist die Tatsache, dass an manchen Schleusen nur noch eine Kammer in Betrieb ist!!! Das ist der Fall der beiden gesperrten Schleusen. Was jetzt???
Weiterfahren oder Abwarten. Hinzukommt, dass wir Ende Juni fรผr zwei Wochen einen Break einlegen, und wir nicht wissen, wann BALU wieder auf Reisen gehen kann. Nichts tun, ist keine Lรถsung.
Am nรคchsten Morgen erleben wir die nรคchste schlechte รberraschung. In der Nacht wurde versucht, unsere Fahrrรคder von der Badeplattform zu stehlen. Zum Glรผck wurde der Dieb von unserem spรคt zurรผckkehrenden Bootsnachbarn daran gehindert. Was passieren kann, wird irgendwann geschehen,…. frei nach Murphy
Wir lassen uns unsere Stimmung nicht vermiesen. Wie sagt man zurecht in Frankreich „il n’y a pas mort d’homme„.
Nach zwei Tagen brechen wir zum Aussenhafen in Delfzijl aus. Die kleine Seeschleuse ist ausser Betrieb. Nach etwas Wartezeit werden wir mit 5 Sportbooten und einem Frachter geschleust.
Beim Anlegen bei krรคftigem Wind passiert das nรคchste kleinere Unglรผck. Christines Sonnenbrille (mit korrigierten Glรคsern) fรคllt ins Wasser. Ein Geschenk fรผr die Muscheln.
Dort warten wir auf ein gรผnstiges Zeitfenster zur รberfahrt nach Deutschland. Es gilt Tiede, Windrichtung und Wetter zu beachten! Hier erfahren wir, dass die Schleusen zu den Yachthafen in Emden und Papenburg … gesperrt sind. Mmmmh. Es bleibt spannend.
Gemeinsam mit 4 Yachten verlassen wir Leer. Wie vereinbart, bedient die Hafenmeisterin die Hebebrรผcke um 13h30. Am Vorabend hat sie die Seeschleuse รผber unseren Wunsch um 14h nach aussen geschleust zu werden informiert. Das Schleusen dauert nur ein paar Minuten, die Zeit die Schleusentore zu schliessen und zu รถffnen.
Die Ems hat erwartungsgemรคss Hochwasser.
Um 17h00 erreichen wir die Schleuse Herbrum. 3 Yachten haben die Schleuse schon hinter sich. Es wird wohl ein langer Tag werden. Nach Herbrum liegen noch 2 Schleusen vor uns.
Der Schleusenwรคrter teilt uns mit, dass wir auch die nรคchste Schleuse auf dem DEK gemeinsam mit einer Yacht und einem Frachter nehmen werden. Es gilt also dranzubleiben.
Um 19h00 erreichen wir gemeinsam den Kรผstenkanal. รber Funk erfahren wir, dass es an der Schleuse Dรถrpen noch „etwas dauern wird“.
Vor ihr gibt es keine Anlegemรถglichkeit fรผr Sportschiffe. Der wartende freundliche Berufschiffer erlaubt uns, an seinem Kahn festzumachen. Es folgt eine nette Unterhaltung รผber die guten alten Zeiten der Binnenschifffahrt.
Um 21h erreichen wir endlich den kleinen Clubhafen in Dรถrpen.
Dieses Mal musste das Feierabendbier lange im Kรผhlschrank warten!
Am nรคchsten Morgen hinterlegen wir fรผr die รbernachtung noch 16โฌ50 in einen Umschlag. Dann geht es auf die lange langweilige Fahrt รผber den Kรผstenkanal bis zur Schleuse Oldenburg.
Als wir nach gut 6 Stunden dort ankommen, warten unsere drei niederlรคndischen Begleiter noch auf die Schleusung. Dann geht es endlich bergab. Auf der Hunte ist jetzt Niedrigwasser.
Um 16h machen wir am langen Schwimmsteg des Stadthafens OYC fest.
Dort wird VAGABOND eine Weile auf seinem schรถnen Platz verweilen im stรคndigen Auf und Ab der Tide.
Fรผr die Fahrt รผber den Dollard steht nichts im Wege. Die Bedingungen sind gut: In Delfzijl haben wir Hochwasser um 7h33. Von unserer รberfahrt nach Emden 2022 wissen wir, dass man etwa 2h wartet und dann mit der optimalen Strรถmung losfรคhrt. Das Wetter spielt dieses Mal auch mit. Die Sonne scheint und den Wind spรผrt man mit 2 bft. kaum. Allerdings weht er von Ost-Sรผd-Ost. Selbst bei geringem Wind, stauen sich doch die Wellen am Bug.
Ursprรผnglich wollten wir Emden ansteuern. Bei einem Anruf an der Nesserlander-Schleuse erfahren wir jedoch, dass zur Zeit wegen Wartungsarbeiten keine Bedienung mรถglich ist. Eine Alternative wรคre die Grosse Seeschleuse.
Nach einem Gesprรคch mit zwei niederlรคndischen Yachten im Hafen von Delfzijl entscheiden wir uns, bis nach Leer zu fahren. Fรผr die Strecke sehen wir 4h vor. Die See-Schleuse bei Leer wird drei Mal am Tag bedient: 8h, 14h und 17h30. Eine Schleusung um 14h sollte mรถglich sein.
Wir legen um 9h30 im Konvoi mit den 2 schรถnen Grouwerster Vlets ab.
Nach einer halben Stunde verlassen wir den Zeehavenkanaal. Sofort werden wir von der Strรถmung gepackt. Da das Wetter gut ist, gilt es nun nur die Bewegungen der Seeschiffe und Fรคhren zu รผberwachen.
Um 11h fahren wir mit 12 – 15 km/h an Emden’s Hafeneinfahrt vorbei. Inzwischen haben wir unsere zwei Begleiter aus den Augen verloren, obwohl wir unser Bestes gegeben haben….
Sperrwerk auf der Ems
Als wir gegen 13h20 nach 35km uns Leer nรคhern, finden wir die Zwei und eine deutsche Yacht am Wartesteg auf der Leda. Der Steg bietet Platz fรผr 3 Boote (3 x 12 m). Fรผr uns bleibt der „Doppel-Pack“ mit einem kleinen deutschen Boot. Wegen der starken Strรถmungen hier (Leda, Ems und Tiede), gehen wir das Manรถver vorsichtig an. Wir warten noch fast eine Stunde, bis wir in die Schleuse einfahren kรถnnen. Vorrang haben die ausfahrenden Schiffe, heute sogar ein grosser Schwimmkran, der von einem Schlepper gezogen wird.
Seeschleuse Leer
Im Hafenbecken angekommen, werden wir von der netten Hafenmeisterin empfangen. Heute sind wir mit allem zufrieden: eine gute und problemlose Fahrt, schรถnes Wetter, auch wenn der Wind jetzt mit 4 bft. etwas krรคftiger weht, und natรผrlich der schรถne Platz an der Uferpromenande.
Anleger Leer
Jetzt gilt es, sich an das hier รผbliche „MOIN“ zu gewรถhnen, was uns eher gut gefรคllt. Auf jeden Fall besser als das heute รผbliche und weitverbreitete amerikanische „Hallo„.
In Leer bleiben wir 3 Tage.
Bevor wir weiterfahren, รผberlegen wir uns noch, wo wir unser Schiff fรผr unseren „Break“ Mitte Juni lassen kรถnnen:
Papenburg
Oldenburg
Bremen
Zunรคchst denken wir an Papenburg. Wir fragen zunรคchst bei Hennings-Yachtvertrieb nach. Sehr schnell erhalten wir eine positive Nachricht. Allerdings ist die Schleuse nach Papenburg ab Montag, den 27. Mai fรผr 2 Wochen ausser Betrieb. Somit mรผssten wir unsere Reise sofort abbrechen. Zeitlich gesehen wรคre ein ruhiger Hafen in der Nรคhe von Bremen eine gute Lรถsung. Da wir uns noch nicht im Klaren รผber unsere Weiterreise im Juli sind, ziehen wir es vor, in Oldenburg „Etappe“ zu machen.