2023 #6 Von der Sambre zur l’Oise (Teil 1)

Erst mal das Wesentliche zum franzรถsischen Teil. Der Weg fรผhrt :

  • 54 km รผber dieSambre (flussaufwรคrts)
  • 70 km รผber den Canal de la Sambre ร  l’Oise (flussaufwรคrts, dann flussabwรคrts)
  • 7 km รผber den Canal Saint Quentin (flussabwรคrts)
  • 32 km รผber den Canal latรฉral ร  l’Oise (flussabwรคrts)

und durch

  • 54 Schleusen
  • 5 Dreh- oder Hebebrรผcken.

Zum Teil werden die Schleusen mit Fernbedienung bedient, dort wo es bewegliche Brรผcken gibt, fรคhrt ein Schleusenwรคrter mit.

Auf der ganzen Strecke haben wir Wasserpflanzen nur an 2 Stellen vorgefunden (bei Schleuse Pont d’Ors nยฐ2, Schleusen Travercy nยฐ34 und 35). Allerdings ist zu empfehlen, den Wasserfilter tรคglich zu kontrollieren und gegebenenfalls zu reinigen.

Auf Zwei Dinge sollte man besonders acht geben:

  • Die Wassertiefe ist auf der ganzen Strecke bis zum Canal Saint Quentin recht gering. Manchmal bleiben nur 30cm unter dem Rumpf (wir haben einen Tiefgang von 1m). Solange es mรถglich ist, sollte man sich mittig in der Fahrrinne halten.
  • Die Durchfahrthรถhe ist durchgehend รผber 3,70m. Allerdings ist an ein paar Brรผcken Vorsicht geboten! Da kann es schon mal etwas weniger sein, zumal zurzeit der Wasserstand noch recht hoch ist (die Schleusen laufen รผber). Da wir die Strecke zum ersten Mal befahren, haben wir zur Sicherheit das Cabrio abgebaut. Wir haben am Bug eine Messlatte zur Kontrolle befestigt. Achtung: An der Brรผcke hinter der Schleuse von Chauny wird es dann wirklich knapp….

TEIL 1: (Bergstrecke): Erquelinnes > Etreux

Wir verlassen den Hafen von Erquelinnes um 9h flussaufwรคrts. Am Vorabend haben wir VNF angerufen, um unsere Ankunft fรผr den nรคchsten Tag anzukรผndigen. An der ersten franzรถsischen Schleuse wird die Fernbedienung fรผr die automatischen Schleusen รผbergeben.

Als wir an der Schleuse ankommen, ist noch kein Schleusenwรคrter vor Ort. Dank der Videoรผberwachung kรถnnen wir nach ein paar Minuten einfahren. An dem Hรคuschen auf Steuerbordseite befindet sich ein „Briefkasten“, dem man die „Tรฉlรฉcommande“ (siehe Bild) entnimmt. Allerdings liefert der Automat nur ein Exemplar. Da wir zu zweit mit BALU schleusen, aber nicht wissen, wie lange wir zusammen fahren werden, wollen wir eine weitere Fernbedienung. Da streikt aber der Automat!

Grenzschleuse Marpent nยฐ9 / Foto Thomas te Stege

Nach ein paar weiteren Minuten kommt ein Angestellter von VNF, um uns zu helfen. Ein Telefongesprรคch mit dem Kommando-Posten genรผgt und der Automat „spuckt“ auch fรผr uns eine Fernbedienung aus.

Das hier verwendete Modell unterscheidet sich sehr von den รคlteren, auf der Maas benutzten Exemplaren. Die Grundfunktionen zum ร–ffnen der Tore sind dieselben. Allerdings ersetzt ein Knopfdruck dieses Modells die รผbliche „Stange“, die gezogen werden muss, um den Schleusenvorgang einzuleiten (oder im Notfall zu stoppen). Zusรคtzlich ist es mรถglich im Bedarfsfall, mit dem Kontroll-Posten in Verbindung zu treten.

Die erste Haltemรถglichkeit nach der Grenze bietet sich in Jeumont. Allerdings, leider wie sooft, sind die Strom- und Wasserstellen mutwillig beschรคdigt worden!!!

Halte Jeumont

Bis zur Schleuse Bois d’Abbaye (nยฐ1), geht es weiter auf Bergfahrt. Der Weg fรผhrt uns durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Wir fahren durch schรถne Natur, die uns immer wieder an die „Somme“ erinnert. Dann wieder geht es vorbei an Fabriken, ehemaligen Industriegebieten und dazugehรถrenden Wohnsiedlungen.

Die erste Etappe endet im modernen Hafen in Hautmont. Passanten legen am Aussensteg an. Der Hafen bietet den รผblichen Service. Strom und Wasser werden separat abgerechnet. Wir nutzen unseren Aufenthalt fรผr ein paar Einkรคufe. Am Marktplatz finden wir ein gut besuchtes Bistro, „La Paix„, was uns Lust auf einen „Plat du jour“ gibt.

Hautmont Bistro La Paix

Die Hafenmeisterin weist uns darauf hin, dass sich ganz in der Nรคhe, etwa 1 km flussaufwรคrts, eine neue Bootstankstelle befindet. Hier ist auch das รœberwintern in der Halle mรถglich. Da unser Treibstoff noch bis Compiรจgne reicht, nutzen wir die Gelegenheit nicht. Es ist aber gut zu wissen, da Bootstankstellen in Frankreich immer seltener werden.

Die Sambre wird hier immer kurvenreicher und enger. Auch auf die Durchfahrthรถhe sollte man immer wieder achten. Die Angaben in den Karten beziehen sich auf Referenz-Werte der Wasserstรคnde!

Die 2. Etappe fรผhrt uns nach Landrecies. Vor uns liegen 38km und 6 Schleusen. Wir geniessen das schรถne Wetter. Weiterhin fahren wir mit BALU. Inzwischen haben wir unseren Rhythmus gefunden, so kรถnnen wir alle Schleusen gemeinsam nehmen. Entlang der Sambre fehlt es, wie auch an der Meuse und in den Ardennen, nicht an Anglern. Vorsicht ist geboten!

Nach 5 1/2 Stunden Fahrt treffen wir in Landrecies sein. Dort gibt es 2 neue Anleger. Der Anleger vor der Schleuse (im Unterwasser) ist noch nicht vollstรคndig fertiggestellt. Also nehmen wir noch die Schleuse Landrecies (nยฐ3). Da der 2. Steg direkt vor dem Wehr liegt, legen wir rรผckwรคrts fahrend (gegen die Strรถmung) an. Die รœbernachtung ist kostenlos, inklusive Strom. Der Wasseranschluss ist wohl noch nicht funktionstรผchtig…

Nicht weit von Landrelies entfernt, mit dem Fahrrad gut zu erreichen, liegt die Stadt Maroilles. Wer sich fรผr franzรถsischen Kรคse interessiert, der kennt, und liebt vielleicht, den gleichnamigen Kรคse.

Leider ist Feiertag, Christi Himmelfahrt! und als wir dort ankommen, stellen wir fest, dass alle Kรคse-Hersteller ihr Geschรคft und ihre Anlagen geschlossen haben. Es rettet uns ein Geschรคft mit regionalen Produkten, das natรผrlich auch den hiesigen Kรคse anbietet.

Die 3. und letzte Etappe auf der Sambre fรผhrt uns nach Etreux.

Anleger in Etreux.

Es ist die letzte Station „zu Berg„. Am morgigen Tag geht es auf Talfahrt bis zur Seine. Aber bevor es soweit ist, fรผllen wir noch unseren Kรผhlschrank beim nahegelegenen „Carrefour City“ auf und genehmigen uns einen „Plat du jour“ in der Bar „Le Lever du jour„. Wer einfache franzรถsische Kรผche mag, der wird hier nicht enttรคuscht.

Als wir vom Essen zurรผckkommen, zeigt und Thomas eine Angelleine, die sich an seinem Schiff unterwegs verfangen hat.

Thomas Kapitรคn BALU

2023 #5 Bis zur franzรถsischen Grenze

Landelies > Thuin

Wir bleiben 2 Tage in Landelies. Zeit genug, um die nรคhere Umgebung etwas zu erkunden. Der Ort an sich hat wenig zu bieten.

Immerhin findet man dort eine Apotheke und ein Cafรฉ.

Yacht Club Haute Sambre

Wer, wie wir, ein paar Einkรคufe machen mรถchte, muss den „Col de Landelies“ nach Montigny-le-Tilleul hochgehen oder fahren. Der Pass ist zwar mit 177 m nicht besonders hoch aber recht steil und eher was fรผr durchtrainierte Radfahrer oder Fussgรคnger.

Ganz in der Nรคhe liegt die ehemalige Abtei von Aulne (Abbaye d’Aulne). Der Ausflug dorthin lohnt sich. Der Weg fรผhrt an der Sambre entlang. Mit dem Fahrrad braucht man etwa eine Viertel Stunde.

Die noch bestehenden Strukturen der ehemaligen Bauwerke sind recht beeindruckend. Zum Abschluss unserer Besichtigung wollen wir uns noch in der Taverne ein dort gebrautes, typisches belgisches, Bier gรถnnen. Doch leider verdunkelt sich der Himmel, es sieht nach Gewitter und Regen aus,… somit treten wir die Rรผckfahrt ohne Bier an.

Bevor wir am nรคchsten Tag weiterfahren, befragen wir noch die Schleusenwรคrter nach den Fahrbedingungen auf der weiteren Strecke. VNF hat vor 2 Tagen die Sambre auf franzรถsischer Seite wegen Hochwasser bis auf weiteres gesperrt (AvisBat 2023/02916).

Sicherlich ist die Fliessgeschwindigkeit wegen der letzten Regentage hรถher als รผblich (etwa 3km/h), aber auf belgischer Seite scheint dies nicht sonderlich zu beunruhigen. Ganz im Gegenteil, am Vorabend unserer Abreise hat sich der Wasserstand wieder um etwa 50 cm gesenkt. Damit er etwa auf gleichem Niveau gehalten werden kann, schliessen die Schleusenwรคrter das Wehr wieder teilweise, um den Durchfluss bei 30 Kubikmeter/sec. zu stabilisieren.

Wehr Landelies

Am 13. Mai brechen wir nach Thuin auf. Wir haben Zeit und geniessen bei gemรผtlicher Fahrt die Landschaft. Vier Schleusen liegen vor uns. Die Schleusen werden ab 9h00 bedient. Ein Anruf bei der ersten Schleuse genรผgt. Das weitere besorgen, die Schleusenwรคrter fรผr uns. So kommt man zรผgig voran.

Sambre Schleuse Grand Courant nยฐ 6

Die vorletzte Schleuse trรคgt den Namen „Starke Strรถmung“. Davon merken wir nichts.

Allerdings wรผrde der Name fรผr die nรคchste Schleuse nยฐ5 Thuin schon eher passen!“ Denn dort ist die Situation untypisch verglichen mit den 3 kleinen Schleusen, die wir schon hinter uns haben.

Sambre Schleuse Thuin nยฐ5

Hier gibt es nรคmlich 2 Umleitungen mit 2 versetzten Wehren. Auf dem Bild sieht man das kleine Wehr direkt links neben der Schleuse. Hier ist die Strรถmung besonders stark.

Darรผber hinaus gibt es noch eine beachtliche Querstrรถmung zur Schleuse. Wir fahren zunรคchst vorsichtig ran, halten uns Backbord, mรผssen dann aber krรคftig Gas geben und fahren mit Schwung in die Schleuse ein. Hier zeigt sich der Vorteil eines recht schmalen Rumpfes! Die Schleusen weisen eine Breite von etwa 5,10m auf. Unser Rumpf ist 3,50m breit, hinzukommt noch der Durchmesser der Fender (2 x 30 cm), somit 50 cm auf beiden Seiten.

In Thuin angekommen, machen wir am Schwimmsteg hinter der 2. Brรผcke (fรผr Fussgรคnger) fest. Dort ist Platz fรผr 6 – 8 Schiffe. Der Liegeplatz ist zurzeit kostenlos. Als wir den Landstrom an dem neuen Verteiller anschliessen, mรผssen wir zunรคchst feststellen, dass kein Strom verfรผgbar ist.

Aber ein paar Anrufe genรผgen und eine sehr hilfsbereite Mitarbeiterin des „Office de tourisme“ macht es mรถglich! Obwohl es Wochenende ist, findet sie einen kompetenten Elektriker, der den Anschluss in kurzer Zeit sicherstellt.

Der Anleger liegt im Zentrum der „Unterstadt“.

Thuin รถffentlicher Anleger am rechten Ufer

Da wir hier gut liegen, entschliessen wir uns, hier abzuwarten, bis die Sperrung auf franzรถsischer Seite aufgehoben ist (NB: am Montag, 15. Mai, wird die Sperrung von VNF aufgehoben).

In der Stadt Thuin findet jedes Jahr ein bedeutendes Folklore – Ereignis statt, die Marche de Saint Roch. Das Fest wird zwar erst am 3. Maiwochenende begangen, aber eine Woche vorher heisst es fรผr das grosse Ereignis trainieren. Inzwischen gehรถrt die Veranstaltung zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Schon dieser Samstag gibt einen Vorgeschmack darauf, was die Besucher am nรคchsten Wochenende erleben werden. Wie zu erwarten ist der Bierkonsum hoch, und die Trommler beweisen ihr Durchhaltevermรถgen bis spรคt in die Nacht, oder besser frรผh in den Morgen…

In Thuin befindet sich auch ein kleines Museum fรผr Strassenbahnen, ein Verkehrsmittel, das man hier wiederentdecken. Wem es Spass macht, der kann auch eine Fahrt durch den Ort buchen.

Nach dem Besuch setzen wir unseren Spaziergang fort. Es empfiehlt sich รผbrigens eine kleine Broschรผre am „Office de Tourisme“ in der Oberstadt zu kaufen. Darin werden mehrere thematische Rundwege durch die Stadt vorgeschlagen. Sehr empfehlenswert ist das Panorama, das man in der „Oberstadt“ in alle Richtungen geniesst.

Zum Abschluss muss es dann noch zu einem kleinen Muskeltraining reichen.

Ein Besuch im Turm und Wahrzeichen der Stadt darf da einfach nicht fehlen. Der Aufstieg geht รผber eine moderne Treppe im Inneren des Turms. Oben angelangt hat man durch 4 Fenster eine schรถne Sicht in die vier Himmelsrichtungen.

Nachdem VNF Entwarnung gegeben hat, wird es Morgen weitergehen, wahrscheinlich unsere letzte Etappe vor der franzรถsischen Grenze. Drei Schiffe liegen inzwischen am Steg. Ein 130 Jahre alter Kahn und eine Linssen Grand Sturdy 430AC. Alle Schiffe passen nicht in die Schleusen, so werden wir wohl zeitversetzt starten. Den Schleusenwรคrter der 1. Schleuse haben wir schon mal vorsichtshalber von unserer morgigen Ankunft informiert.

BALU (die 430er AC) und wir legen kurz vor 9h00 ab. Der Weg ist jetzt schon sehr kurvenreich. Er fรผhrt uns durch eine liebliche Landschaft.

An den 4 Schleusen legt Thomas, der Kapitรคn der BALU, krรคftig Hand an.

Thomas // BALU

Kurz nach 12h machen wir im Hafen fest.


STATISTIK :

Landelies > Thuin: 10km / 2,5h / 4 Schleusen
Thuin > Erquelinnes : 16 km / 3,5h / 4 Schleusen


2023 #4 Unterwegs auf der unteren Sambre

Wie schon erwรคhnt haben wir 2021 den Unterlauf der Sambre zwischen Charleroi und Namur flussabwรคrts kennengelernt. Diese Saison soll es weiter nach Frankreich gehen.

Es regnet seit einigen Tagen. Die Erinnerungen an das Hochwasser im Sommer 2021 sind noch recht wach. Am 10. Mai legen wir um 8h45 in Namur ab. Zunรคchst wollen wir die Strรถmung testen, um sicherzustellen, dass wir weiterfahren kรถnnen. Zu unserer รœberraschung liegt die Strรถmung nur bei 1 km/h.

Namur > Auverlais

Es gibt kaum Anlegemรถglichkeiten zwischen Namur und Charleroi. Die Schleusen auf dieser Strecke sind fรผr Frachter bis 110m gebaut. Die Kammern haben eine Dimension von 111,9 x 12,5 m. Nur die Schleuse von Auvelais ist etwas grรถsser. Sie misst 136 x 12,5m. Da hier im Allgemeinen ein recht reger Berufsverkehr herrscht, kann nur ein Frachtschiff (oder mehrere Freizeitboote) geschleust werden. Ausserdem gilt auch hier, dass Berufschiffer absoluten Vorrang haben.

Bei den ersten drei Schleusen haben wir Glรผck und mรผssen nicht lange warten, bis wir geschleust werden. Es ist hilfreich sich recht frรผh รผber Funk anzumelden und je nach Situation seine Geschwindigkeit anzupassen. 3 Stunden brauchen wir fรผr die Strecke der ersten drei Schleusen.

Inzwischen ist Mittagszeit. Es liegen noch 5 Schleusen vor uns bis zum Yacht-Hafen von Landelies. Also grob geschรคtzt noch mindestens 5 – 6 Stunden, wenn wir den Rhythmus beibehalten kรถnnen. Je mehr wir vorankommen, um so stรคrker wird die Strรถmung. Jetzt liegt sie bei 2,5 km/h.

Als wir an der Schleuse von Auvelais ankommen, fรคhrt gerade ein 110m Frachtkahn ein. Zunรคchst verharren wir in ausreichender Entfernung vor dem Schleusenkanal im Unterwasser.

Der Schleusenwรคrter weist den Berufsfahrer an, uns Platz zu machen. Jetzt fahren wir langsam vor und warten im Schleusenkanal ab. Noch bevor wir die Schleusenkammer erreichen, gibt der Frachter noch einmal richtig Gas, um sich zu platzieren, …

Jetzt passiert genau das, was man schon รถfters in Videos oder auf Youtube sehen konnte!

Die dadurch hervorgerufenen Turbulenzen bringen uns in grosse Schwierigkeiten. Unser Boot stellt sich zunรคchst quer zum Kanal und beginnt abzudriften. Es gelingt uns durch eine 180ยฐ Wendung den Schleusenkanal wieder flussabwรคrts zu verlassen. So schaffen wir es, das Schiff wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dann wenden wir erneut um 180ยฐ in Richtung Schleuse. So warten wir ab, bis sich das Wasser vollstรคndig beruhigt hat. Auch die Schraube des Frachters steht jetzt still!

Vielleicht taucht irgendwann mal eine Video auch von uns auf…. Von solchen Szenen hรถrt man ja รถfter. Man glaubt’s erst, wenn es einem selbst passiert. Murphy gilt auch beim Bootsfahren, hier vielleicht sogar mehr als sonstwo!

Das Bild oben zeigt den 15m breiten Schleusen-Kanal. Es wurde spรคter aufgenommen. Wir wollten uns die Situation wieder vor Augen fรผhren. Mit gelegtem Mast misst unser VAGABOND rund 12,5m. Zum Wenden und Manรถvrieren bleibt kaum Platz.

Nach diesem Stress entschliessen wir, nicht mehr weiter zu fahren. Es wรคre auch sicherlich zeitlich sehr eng geworden, wie der folgende Tag zeigen wird.

Im Oberwasser der Schleuse Auvelais liegt man recht ruhig am Kai. Auf Anfrage empfiehlt uns der Schleusenwรคrter, mindestens 500 m Abstand zur Schleuse zu wahren.

Da die Schleusen hier nachts nicht bedient werden, herrscht zwischen 19h00 und 6h00 vรถllige Ruhe, welche wir auch nach diesem Adrenalin-Tag verdient haben.

Auvelais > Landelies

Am nรคchsten Morgen starten wir vor 8h. Alle Schleusen bis Charleroi nehmen wir alleine. Hinter Auvelais beginnt der industrielle Grossraum von Charleroi. Nun wechseln sich Chemiewerke, verfallene Industrieanlagen und neue Recyclingbetriebe ab.

Wer zur schรถnen idyllischen Sambre will und von der Maas her kommt, muss hier halt durch. Es wird deutlich, wie aus einer ehemals blรผhenden, reichen Stahl-, Kohle- und Glasindustrie-Region, ein strukturell schwรคchere Gegend werden konnte (verglichen mit Flandern und Brรผssel).

Die Fahrt durch Charleroi ist trotzdem eine Reise wert, oder gerade auch deshalb. Es soll uns daran erinnern, wie schnell es gehen kann,… denken wir nur an die Umbrรผche, die uns gerade in Europa bevorstehen.

Bei der Einfahrt in die Stadt sagt man sich am besten beim Schleusenwรคrter der Schleuse Marcinelle an. Er steuert den Verkehr รผber den engen und kurvenreichen Fahrweg. Zwischen der Schleuse Montignies s/ Sambre und Marcinelle gilt Linksverkehr.

Sehr eng wird es dann vor der Schleuse Marcinelle… Die Schleuse liegt auf Backbord am rechten Ufer.

3 1/2 Stunden haben wir fรผr den Weg bis hierher gebraucht. Direkt hinter der Schleuse befindet sich die Abzweigung zum Kanal nach Brรผssel oder zum „Canal du Centre“.

Wir fahren weiter auf der Sambre durch eine Gegend, die man heute als „Lost places“ bezeichnen wรผrde.

Als wir uns der letzten grossen Schleuse Monceau nรคhern, sehen wir, dass gerade ein Frachter „rรผckwรคrts“ in die Schleuse einfรคhrt! Dass auf der Sambre einem manchmal Frachtschiffe im Rรผckwรคrtsgang begegnen, wussten wir und haben es auch schon selbst bei Floriffoux 2021 erlebt. Aber, dass wir es jetzt ganz nah miterleben, und dann noch inbeim Schleusen, hat uns noch gefehlt.

Die Schleuse misst 115 x 12 m. Der Frachtkahn ist 80 m lang, also sollte es klappen. Vermerkt sei noch, dass diese Schleuse mit 4,90 m recht hoch ist. Was an sich kein Problem darstellt, aber hier gibt es keine Festmacher an den Kammerwรคnden.

Der Schleusenwรคrter „angelt“ die Leinen und legt sie um die Poller.

Die Schleusung verlรคuft problemlos. Wie geht es jetzt weiter?

Wir mรผssen eine ganze Weile hinter dem Bug (!) des Frachters bleiben. รœberholen ist hier wegen der Enge und Kurven kaum mรถglich, ausserdem sollte man einen Berufschiffer nicht behindern.

Der Frachter bewegt sich sehr vorsichtig mit etwa 3km/h.

Sein Ziel ist ein Kalksteinbruch in 2 km Entfernung. Inzwischen betrรคgt die Strรถmung 3 km/h.

Als wir dann nach 40 Minuten an ihm vorbeifahren kรถnnen, bedankt der Berufschiffer sich bei uns, weil wir ihn beim Manรถvrieren nicht behindert haben.

Bevor wir am Hafen Landelies ankommen, nehmen wir noch eine kleine Schleuse. Jetzt entsprechen die Schleusen etwa dem fanzรถsischen Freycinet-Format.

Nun sind wir im „Freizeit“-Teil der Sambre angekommen. Ab jetzt werden die Schleusen manuell von Schleusenwรคrtern bedient.

Schleuse Landelies

Von der Schleuse bis zum Hafen sind es nur ein paar 100 m. Zunรคchst geht es weiter flussabwรคrts, dann biegt man auf Backbord in den Flussarm zum Wehr. Anlegemรถglichkeiten gibt es am rechten Ufer.

Hafen Landelies (vom Wehr flussabwรคrts aus gesehen)

Die Industrie liegt hinter uns, wir kรถnnen in den Entspannungs-Modus umschalten.


Statistik

Namur > Auverlais: 30km / 4,4h / 4 Schleusen
Auverlais > Landelies : 38km / 6,3k / 5 Schleusen

2023 #3 Die Maas aufwรคrts nach Sรผden

Bevor es auf grosse Fahrt geht, bleiben wir noch ein paar Tage in Maasbracht und Umgebung. Wir nehmen uns die Zeit fรผr ein paar Einkรคufe, ein paar Runden mit dem Boot und Spaziergรคnge in der Natur und den schรถnen kleinen Orten in der Nรคhe.

Aber zunรคchst heisst es nochmal putzen. Das Boot kam vor 2 Wochen ins Wasser. Dementsprechend sieht es auch aus ;-).

Am 3. Mai soll es losgehen in Richtung Sรผden. Diese Strecke kennen wir gut von unseren Bootsaisons nach Frankreich und Belgien 2014, 2016, 2018, 2020 und 2021.

Zunรคchst wird uns die Fahrt nach Namur fรผhren. Wie schon erwรคhnt, wollen wir dort รผber die Weiterfahrt entscheiden: Sambre oder Ardennen.


Maasbracht > Maastricht:

Diesmal wรคhlen wir das „Bassin“. Als wir uns der Stadt nรคhern, rufen wir den Schleusenwรคrter an. In 10′ sei er an der Schleuse, bestรคtigt er uns.

Fรผr Frankreich, wo auf den meisten Kanรคlen eine Hรถhenbegrenzung von ungefรคhr 3,50m besteht, haben wir einen Messstab am Bug des Bootes befestigt. Jetzt wird er eine sinnvolle Hilfe sein. Die Einfahrt zum Hafen ist durch eine Brรผcke auf etwa 3,60m Durchfahrthรถhe begrenzt. Je nach Wasserstand kann es auch mal weniger sein,… Auf der Steuerbordseite (zu Tal) der Kammer befindet sich ebenfalls eine hilfreiche Hรถhenmarkierung (siehe Bild).

Auch beim Herausfahren sollte man vorsichtig sein. Der Wasserstand im Hafenbecken kann sich wegen der Schleusungen tagsรผber verรคndern. Also besser etwas Sicherheitsabstand vorsehen oder „einfach“ das Cabrio ablegen (das gilt natรผrlich nicht fรผr SEDAN Freunde).

Schleuse 20 Maastricht Einfahrt t’Bassin

In Maastricht bleiben wir 3 Tagen im t’Bassin. Fรผr Strom braucht man die „Service-Karte“. Falls man noch keine besitzt, kann man sie im Hafen am Automaten kaufen und aufladen. Wir verbrauchen etwa 2kW/Tag fรผr etwa 3 – 4โ‚ฌ. Die รœbernachtung kostet jetzt fรผr 2 Personen und unser Boot (11m) 19,25โ‚ฌ

Fรผr die nรคchsten Tage ist Regen angesagt. So profitieren wir noch vom recht sommerlichen Wetter bevor es weiter nach Lรผttich geht.

Maastrich > Lรผttich:

Zur unserer Zufriedenheit stellen wir fest, dass an der Schleuse von LANAYE die 3. kleinere Kammer wieder in Betrieb ist. Dort lernen wir die Crew von SK206 aus Sneek kennen. Auch sie ist Richtung Paris unterwegs. Sie begleitet uns bis Namur, von wo sie am 9. Mai nach Dinant weiterreist. Sie haben vor, den Ardennen-Kanal zu befahren. Die verfรผgbaren Informationen sind wie so oft recht vage. Wir vereinbaren unsere Erfahrungen und Informationen รผber den Ardennen-Kanal auszutauschen.

Im „Port de Yacht“ ist erstaunlich viel Platz. Wie auch 2021 ist kein Hafenmeister aufzufinden. Das Hafenbรผro scheint verwaist, auch wenn ein paar Kontrolleuchten rรถtlich im Dunkeln flackern. Echt bedauerlich! Der Hafen liegt zentral. Der Bahnhof mit guten Verbindungen nach Deutschland, Frankreich und den Niederlanden ist zu Fuss zu erreichen.

Das Wetter hat sich auch verschlechtert und lรคdt nicht gerade zu einem lรคngeren Aufenthalt ein. Trotzdem lassen wir uns einen Stadtbummel nicht entgehen.

Lรผttich > Huy > Namur:

Die Strecke bis Huy erinnert an frรผhere Zeiten. Alte Industrieanlagen werden „rรผckgebaut“ oder einfach abgerissen. Wie an anderen Orten, hat hier Kohle und Stahl einst eine bedeutende Rolle gespielt.

In Huy bleiben wir auch nur einen Tag, obwohl wir hier hรคufig etwas lรคnger verweilen. Das Restaurant hat seit 2021 einen neuen Besitzer. Das Ambiente ist jรผnger und die Kรผche spanisch angehaucht. Wir erhalten den letzten Tisch an diesem Sonntag.

SK206 im Oberwasser der Schleuse Andenne

Am nรคchsten Tag geht es recht zรผgig bis nach Namur. Bei den beiden Schleusungen haben wir Glรผck, so dass wir fast reibungslos an unserem Ziel ankommen.

Wie gesagt „fast“,….

Grundsรคtzlich kann man in Namur an zwei Stellen anlegen, entweder am linken Ufer an der Kai-Mauer oder auf der anderen Seite im Hafen an den Schwimmstegen. Wer nur einen Tag bleiben will, sollte die Kai-Mauer ansteuern. Das Anlegen ist problemlos. An manchen Stellen fehlen allerdings ein paar Festmacher.

Fรผr die schรถnere Sicht bietet sich der Hafen von Jambes, direkt gegenรผber gelegen, an.

Namur

Je nach Jahreszeit und Strรถmung kann das Anlegen hier etwas problematischer sein. Der Hafen liegt auf der Talseite des Flusses nur 300 m vom Wehr der Schleuse „La Plante“ entfernt.

Schema SG 2023 Anfahrt gegen die Strรถmung Hafen Namur (Jambes)

Wenn man „Zu Berg“ unterwegs ist, empfiehlt es sich, zunรคchst die Stรคrke der Strรถmung abzuschรคtzen. Im Zweifelsfalle ist die Kaimauer immer die einfachere Wahl!

Jeder hat natรผrlich seine eigene Technik.Was hier geschrieben ist, soll nur als Tipp verstanden werden und auf keinen Fall als allgemeingรผltige Anleitung betrachtet werden!!

So fahren wir zunรคchst weiter stromaufwรคrts in Richtung Wehr und drehen auf halber Lรคnge des Hafens. Man muss zรผgig in die Box einfahren. Dabei zielt man den Steg steuerbordseitig an. Sobald man in der Box ist, lรคsst man sich an den Steg auf der Backbordseite treiben. Dann gilt es, das Boot schnell unter Kontrolle zu bekommen, bevor es wieder von der Strรถmung erfasst wird,…..

Wenn dann das Wetter stimmt, geniesst man die wunderbare Aussicht auf die Zitadelle und die Brรผcke nach Jambes.


Ein paar Zahlen

Maasbracht > Maastricht: 41km / 6h / 3 Schleusen
Maastricht > Lรผttich : 29km / 5h / 1 Schleuse
Lรผttich > Huy : 37km / 5h / 2 Schleusen
Huy > Namur : 34km / 5h / 2 Schleusen