2025 #7: Zur Schelde

Auf Sambre, Canal Charleroi-Bruxelles und Zeekanaal Brussel-Schelde

Unsere erste Etappe führt uns von Namur nach Charleroi. Gegen 8h legen wir vom Kai in Namur ab. Da Sonntag ist, gehen wir davon aus, dass wir auf geringen Berufsverkehr stoßen werden.

Als wir guten Mutes an der Schleuse „Salzinnes“ ankommen, müssen wir zunächst feststellen, dass sonntags die Schleusen auf der Sambre nur zwischen 9h und 18h bedient werden. Unser Anruf auf UKW 20 bleibt ohne Antwort. Da wir auf Bergfahrt sind und 7 Schleusen vor uns haben, zählt jede Stunde.

Um Punkt 9 öffnet „Salzinnes“ ihre Tore und wir verlassen die letzte Schleuse „Marcinelle“ kurz vor 16h. Heute begegnen wir keinem Berufsschiffer. Ein Zwischenstopp irgendwo unterwegs ist somit am heutigen Sonntag nicht nötig. Keine der sieben Schleusen ist mit Schwimmpollern ausgestattet.

Dieser Teil der Sambre geniesst bei Freizeitschiffern nicht den besten Ruf. Dafür gibt es sicherlich einige Gründe: nur wenige Anlegemöglichkeiten bieten sich an; nähert man sich Charleroi, wird die liebliche Landschaft von weitreichenden Industrieanlagen abgelöst; die Durchfahrt durch Charleroi, ist nicht sehr einladend und bei Berufsverkehr kann es hier eng werden.

Nach der letzten Schleuse fahren wir die Sambre noch ein paar Kilometer weiter flussaufwärts. In Marchienne au Pont finden wir einen Passantensteg für die Übernachtung. Diesen Platz haben wir uns bei unserer Fahrt 2023 Richtung Paris gemerkt.

Den Tag beenden wir mit einem Spaziergang durch den Ort. Ein Platz zum Verweilen ist es nicht. Die wirtschaftliche Neuausrichtung der Region ist hier noch nicht angekommen. Viele Häuser und Geschäfte stehen leer.

Der nächste Tag führt uns zum Hafen von Seneffe. Bis dahin gibt es noch drei Schleusen zu überwinden. Die ersten Zwei, „Marchienne au Pont“ und „Gosseliers“ sind mit Schwimmpollern ausgestattet. Der Hub beträgt bei allen drei Schleusen etwas 7m. Auch hier sind wir alleine unterwegs.

Bei schönstem Wetter erreichen wir den Hafen nach 4 Stunden, wo wir auch zwei Yachten wiederfinden, die uns seit Maasbracht begleiten.

Für unseren jetzigen, dritten Aufenthalt nahe Seneffe haben wir uns fest vorgenommen, das Säender Schloss zu besuchen. Allerdings ist Gewitter für den späten Nachmittag angesagt. So fahren wir direkt nach dem Mittagessen mit unseren Fahrrädern los. Das Schloss ist zwar zu besichtigen, aber wir beschränken uns auf die Aussenanlagen.

Wir profitieren von unserem Ausflug und machen noch ein paar Einkäufe im nahegelegenen Supermarkt „Intermarché„. Als wir wieder aufs Rad steigen, wird der Wind stärker und die ersten Tropfen begleiten uns auf der Rückfahrt zum Hafen.

Vor unserer Weiterfahrt erkundigen wir uns noch ein letztes Mal beim Hafenmeister, ob nicht doch der „Canal du Centre“ wieder für die Schifffahrt freigegeben ist. Er meint, „da wäre vor September nicht damit zu rechnen und selbst das wäre nicht garantiert

Die nächste Etappe bis Ittre ist recht kurz, nur 16km trennen uns vom Ziel. Allerdings liegt auf dem Weg der „Plan incliné de Ronquières„. Da dort schon seit längerem renoviert wird (eine Wanne wird nicht bedient), kann es dort zu erheblichen Wartezeiten kommen. Solange die Bauarbeiten anhalten, besorgt der „Steuerbordtrog“ sowohl den Tal- als auch den Bergbetrieb.

Diesmal haben wir Glück, die Ampel steht auf grün als wir ankommen. Beim Anmelden werden wir vom Schleusenwärter angewiesen, noch einen älteren Kahn abzuwarten, bevor wir in den Trog einfahren. Dies tun wir natürlich gerne. Die Talfahrt auf der 1,5 km langen Strecke dauert alles in allem etwa 40 Minuten.

Wir verlassen die Schleuse kurz nach 11h. Eine halbe Stunde später machen wir an einem der „Visitor„-Stege des Hafens in Ittre fest. Er liegt direkt vor der letzten wallonischen Schleuse Ittre. Die Capitainerie mit Kneipe ist ein beliebter Biker-Treff.

Wir unternehmen eine kleine Tour mit den Rädern zum Ort. Wie auch in den Niederlanden findet man hier das praktische „Knooppunt“-Netzwerk.

Das dortige, in privater Hand befindliche Schloss kann man leider nicht besichtigen.

Als wir von unserem Ausflug zurückkommen, macht gerade neben uns, zu unserer Überraschung ein alter Bekannter, die Yacht „Sandettie“ fest. Das niederländische Boot „Sandettie“, eine Linssen Yacht 41SL, haben wir zum ersten Mal 2022 in Charleville-Mezières getroffen.

Der Kapitän erzählt uns von seiner aktuellen Irrfahrt. Sie waren von den Niederlanden kommend über die Schelde nach Namur unterwegs. Die Information der Sperrung des Canal du Centre in Belgien hatten sie nicht. So sind sie zurück nach Gent gefahren, um dann via Brüssel zur Maas zu gelangen. (Zusatz: 3 Tage später finden wir sie wieder in Willebroek,… sie sind nur bis zur Schleuse Viesville gekommen, jetzt ist auch der Canal Charleroi-Bruxelles gesperrt.) Da zur Zeit einige Wege nicht befahrbar sind, schmerzen unvorhergesehene Sperrungen doppelt! Jetzt versuchen sie, über die Rupel zum Albertkanaal zu gelangen, um so nach Maastricht zu kommen. Wir drücken ihnen die Daumen.

Zum Abschluss des Tages trinken wir noch ein kühles Bier am Hafen.

Der nächste Tag beginnt mit der 13m tiefen Schleuse Ittre, die letzte in Wallonien. Nur auf Backbord sind die Schwimmpoller funktionstüchtig.

Von Brüssel trennen uns jetzt noch 7 Schleusen auf Talfahrt.

Schon 2023 haben wir diesen Weg gewählt und die schönen, märchenhaften „Graffitis“ (oder soll man sagen Streetart-Gemälde) des Künstler Bozik beim Vorbeifahren bewundert. https://vagabond4you.com/2023/08/20/2023-16-von-der-sambre-nach-antwerpen/

Obwohl es recht zügig vorangeht, kommen wir erst gegen 16h im Brüsseler Hafen an, da es in Anderlecht an der Schleuse noch zu Verzögerungen kommt. Da es keine Wartestege gibt, machen wir an einem „Party-Kahn“ fest, was einer Person sichtlich nicht gefällt. Ob es sich um den Besitzer handelt, haben wir nicht feststellen können.

Alle Schleusen werden von der gleichen Schaltzentrale gesteuert.

Der neue Hafenmeister weist uns einen Platz am Passantensteg zu. Dort gibt es Strom und Wasser, beides im Preis des Liegeplatzes inbegriffen.

Nur die Tankstelle gibt es nicht mehr. Sie war nicht mehr normgerecht und die Kosten ihrer Erneuerung waren dem Hafen zu viel. Sichtlich fehlt es nicht nur an der Tankstelle an genügend Mitteln. Dem Hafen würde eine Renovierung gut tun.

Dafür ist das Restaurant immer noch ein angenehmer und gemütlicher Ort.

Die letzte Etappe bis zur Schelde bringt uns nach Klein-Willebroek. Wie schon die südliche Umgebung von Brüssel, ist auch der Norden von Flusshandel und Industrie geprägt. Man merkt, dass man sich langsam Antwerpen nähert, die Grösse der Containerschiffe nimmt stetig zu. Die grosse und einzige Schleuse Zemst an diesem Tag nehmen wir mit einem niederländischen Frachter, der es sichtlich eilig hat, zur Schelde zu kommen. Glücklicherweise finden wir an zwei Schwimmpollern einen sicheren Platz und Halt.

Wir legen kurz vor der Rupelschleuse am linken Ufer in einer kleinen Lücke an.

Jetzt gilt es die Gezeitentabelle zu studieren, aber dazu mehr im nächsten Beitrag.


ZUSAMMENFASSUNG:

5/ Namur > Marchienne au Pont: 51km, 7 Schleusen (zu Berg), 6.9Mh, 8h
6/ Marchienne au Pont > Seneffe: 25km, 3 Schleusen (zu Berg), 3.9Mh, 4h
7/ Seneffe >Ittre: 16km, Plan incliné, 2Mh, 2h40
8/ Ittre > Brüssel: 29km, 7 Schleusen (zu Tal), 1 Hebebrücke, 5,5Mh, 7h
9/ Brüssel > Klein Willebroek: 21km, 1 Schleuse, 7 Hebebrücken, 3Mh, 3h30

2025 #6 Auf Los geht’s los

Auf der MAAS und MEUSE

Unser VAGABOND ist seit dem 22. April im Wasser. Wir kommen am Ende der gleichen Woche in Maasbracht an.

Als erstes fahren wir zu „Frencken„, um unsere gewaschenen und reparierten Gardinen abzuholen. Zum Ende der Saison 2024 hatten wir uns für eine Reihe grösserer Reparatur- und Renovierungsarbeiten entschieden: Cabrio, Gardinen, Neopren-Fugen auf Teakdeck etc.

Nachdem die Gardinen wieder ihren Platz gefunden haben, gehen wir die ersten Tage im Hafen eher gemütlich an. Jetzt heisst es erst mal bunkern, bunkern,… Schon seit langem bringen wir ausser sauberen Kleidern kaum noch Dinge aus der Heimat mit.

Dann steht noch der Fahrtest an. Wir haben einmal den Fehler gemacht, einfach los zu starten. Das hat uns viel Ärger und Geld gekostet,…

Bevor es dann wirklich losgehen soll, machen wir noch unseren traditionellen Spaziergang an der alten Maas um Stevensweert.

Am 1. Mai geht es dann in Richtung Maastricht. Da wir keine Lust haben am ersten Tag schon unser neues Cabrio abzubauen, entschliessen wir uns zur Maastricht Marina zu fahren. Seit unserem letzten Besuch hat der Besitzer gewechselt, zum 3. Mal in 10 Jahren.

Ein Besuch auf dem Markt am Samstag gehört zum Standardprogramm.

Wir bleiben einen Tag in Maastricht, dann müssen wir für ein paar Tage in die Heimat. Das war nicht geplant!. Wir nutzen die gute Zuganbindung von Lüttich. Von dort sind es nur etwas mehr als zwei Stunden mit dem Zug nach Paris.

Am 7. Mai starten wir durch: Abfahrt kurz nach 8h. An der Schleuse Lanaye haben wir Glück. Zur Zeit funktionieren zwei Schleusen. Ohne Wartezeit werden wir in der kleineren Schleuse 3 mit einem Schubschiff geschleust. Den Hafen in Lüttich erreichen wir gehen halb Zwölf.

Entgegen unserer Erwartung finden wir den Passantensteg fast leer vor. Reservieren kann man nicht, auch wenn dies auf der WEB-Seite des Hafens angeboten wird.

Liegt es nur an der frühen Jahreszeit oder liegt es am schlechten Image? Der Hafen hat immer noch keinen „richtigen“ Hafenmeister. Ab Mitte Mai soll abends gegen 19h jemand vorbeischauen,… Neuerdings findet man jetzt am Tor und an der Capitainerie einen QR-Code. Wenn man ihn scannt, wird man auf ein Formular geleitet, das zur Berechnung der Übernachtungskosten dient. Wie dann aber abgerechnet wird, bleibt ein Geheimnis. Es ist nicht das erste Mal, dass wir hier ohne Bezahlung übernachten.

Im Hafen erfahren wir, dass ein neuer Yachthafen gebaut wird. Er soll der Entlastung des aktuellen Hafens dienen und Ende dieses Jahres eröffnet werden.

Der aktuelle Hafen liegt sehr günstig, unweit vom Bahnhof und nahe des Stadtzentrums. Ein Rundgang durch die historischen Viertel der Stadt empfiehlt sich immer. In der Stadt wurde einiges neu gestaltet und neuerdings gibt es sogar eine Tram. Einige interessante Rundwege sind ausgeschildert. Wir haben uns „die Terrassen“ ausgesucht.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Huy. Es ist erstaunlich wenig Verkehr unterwegs, weder Freizeitschiffer noch Lastkähne. Von Maasbracht bis Huy sind alle Schleusen mit Schwimmpollern ausgestattet. Das erleichtert das Aufwärts-Schleusen wesentlich. Als wir im Hafen von Statte nach fünf Stunden Fahrt ankommen, sind wir der erste Passant an diesem Tag.

Später gesellen sich noch ein paar Schiffe dazu, die wir bis Namur unterwegs sehen.

So kommt es, dass wir bei der Weiterfahrt nach Namur zu mehreren schleusen.

Am 9. Mai erreichen wir Namur. Obwohl die Meuse zur Zeit kaum Strömung hat, bevorzugen wir, am linken Uferkai festzumachen.

Da wir Besuch von Freunden bekommen, bleiben zwei Tage in Namur. Bei sommerlichem Wetter fahren wir mit der Seilbahn zur Festung. Im empfehlenswerten Restaurant „Panorama“ genießen wir nicht nur die tolle Aussicht aufs Meusetal.

Am Sonntag soll es dann stromaufwärts auf der Sambre nach Charleroi weitergehen.


ZUSAMMENFASSUNG (1.5. – 9.5.2025):

1/ Maasbracht > Maastricht: 43km, 5,8 Mh, 2 Schleusen
2/ Maastricht > Lüttich: 25km, 3,1Mh, 1 Schleuse
3/ Lüttich > Huy: 34km, 4,6Mh, 2 Schleusen
4/ Huy > Namur: 31km, 4,2Mh, 2 Schleusen

Mh := MotorStunden.

2025 #5 Rückblick in Bildern 2014 – 2024

Zehn Jahre schon!!! Boot fahren und bloggen…

Die Zahl der Besucher unseres Blogs ist von 294 im Jahre 2014 auf 9161 Ende 2024 stetig gewachsen. Dabei wurden im letzten Jahr 32 000 Seiten angeschaut. Im Jahr 2022, als die Maas Hochwasser führte, hatten wir sogar 39 000 Zugriffe. Diesen Erfolg hätten wir uns nie gedacht.

Zur Erinnerung und in Erwartung der in wenigen Tagen startenden neuen Saison hier ein paar Bilder von unseren Fahrten mit unserer LINSSEN YACHTS „New Classic Stundy 36 AC“ alias der VAGABOND.

2014 : Paris

2015 : Vecht

2016 : Maas – Mosel -Saar

2017 : Friesland – Amsterdam

2018 : Seine – Somme – Schelde

2019 : Zeeland – Randmeeren

2020 : Ardennen

2021 : Belgien

2022 : Groningen – Emden

2023 : Sambre, Yonne und Meer

2024 : Berlin

2025 #4 Die ersten Probleme, oder?

Vor ein paar Wochen kam es in Belgien zu einem tragischen Unfall. Bei Bauarbeiten an einer Brücke, ist diese eingestürzt und blockiert seitdem den Canal du Centre Grand gabarit. Ein Arbeiter wurde dabei getötet und drei weitere verletzt.

In der Folge wurde der Kanal für die Navigation gesperrt.

Quelle: Avenir.net 7.3.2025

Somit stellt sich für uns die Frage, ob unser aktueller Reise-Plan noch machbar sein wird. Sicherlich bis Mitte Mai haben wir noch ein wenig Zeit. Allerdings sprechen die Umstände des Unfalls eher für eine längere Sperrung: Unfallursache, Verantwortung, Beseitigung der Trümmer etc.

Nun sind wieder am Anfang unserer ursprünglichen Überlegungen zur Routenplanung angekommen. Vor ein paar Wochen hatten wir uns für die „Südtour“ entschieden.

Die Frage stellt sich somit: Wie können wir unseren Plan anpassen, um weiterhin flexibel zu bleiben?

Wir könnten beim Start die Hoffnung beibehalten, dass die Sperrung Anfang Mai aufgehoben wird, dann wären die Varianten (1) und (2) sinnvoll. In beiden Fällen starten wir auf der Maas und entscheiden in Charleroi je nach Situation, ob :

  • die ursprünglich geplante Route dann freigegeben ist und wir über den Canal du Centre fahren
  • es zunächst weiter über die Sambre und den Canal du Nord nach Frankreich geht
  • wir über Brüssel Richtung Schelde fahren.

Im Falle der Variante (3) ändern wir allerdings den Plan von Anfang an. Von Maasbracht geht es dann über den Zuid-Willemsvaart und Albert-Kanal in Richtung Nete. Das würde dann in etwa der ursprünglichen Option [2] entsprechen.

Falls wir uns für die Alternativen (2) oder (3) entscheiden sollten, hätte dies auch Konsequenzen für die weitere Reise. Da unser Sommerziel „Antwerpen“ heisst (und wir nicht zwei Mal dort vorbei kommen wollen), könnten wir dann zunächst entweder die Dender flussaufwärts fahren oder den Weg über Gent nach Dünkichen wählen.

Aber mit wie es so schön heisst „Kommt Zeit, kommt Rat…“ Es bleiben uns ja noch 6 Wochen bis die Frage konkret wird.

Am 25. April geht es jetzt erst mal aufs Boot. Dann sehen wir weiter. Dort gibt es noch einiges zu tun, bevor es dann richtig losgeht. Dazu mehr, wenn es dann so weit ist ;-).

UPDATE: 20.JUNI Endgültige Strecke

2025 #3 Neue Info-Seite

Wir haben uns entschieden, eine neue Informations-Seite auf unserem Blog hinzuzufügen.

Die Seite beschränkt sich im wesentlichen auf Fahrwasser-Informationen aus Frankreich. Unser besonderes Interesse gilt Nord-Ostfrankreich. Viele unserer „Bootskollegen“ starten in Deutschland, Belgien oder den Niederlanden. Der Zustand der dortigen Wasserstrassen ist somit oft ein Thema, wenn man eine Reise nach Frankreich plant.

Oft erhalten wir zu diesem Thema Anfragen. Das war der Grund für diese Erweiterung.

Viel Spass zur Neuen Saison 2025.

2025 #2 Törnziel Nordfrankreich

Zur Zeit gehen wir davon aus, dass der Törn nach Nordfrankreich unsere erste Reise der Saison 2025 sen wird. Bevor es in die detaillierte Planung geht, machen wir uns jetzt erst mal ein paar Gedanken über unsere Reiseroute. Wie schon erwähnt im letzten Beitrag soll Dünkirchen unser Ziel sein. Vielleicht machen wir von dort auch noch einen Abstecher nach Calais. Aber diese Entscheidung hat noch Zeit. Ausserdem müssen wir uns Gedanken machen, wo wir unser Boot während unseres „Sommerpause“ liegen lassen wollen.

Wie die Karte zeigt, haben wir uns für den Start drei Varianten überlegt, von Maasbracht ausgehend, wo sich unser Winterlager befindet. Das Boot wird Mitte April ins Wasser kommen.

Die 3 Optionen:

  • [1] die Südroute: Flussaufwärts über die Maas und Sambre Richtung Charleroi
  • [2]die Westroute: durch Belgien Richtung Antwerpen über die kleinen Kanäle in Brabant [2.1] oder über den Albertkanal [2.2] Richtung Antwerpen
  • [3] die Nordroute: durch die Niederlande über die Maas [3.1] oder den Zuid-Willemsvaart Richtung Volkerak

Wir haben alle Strecken, teilweise schon mehrmals, befahren. Welche Kriterien sollen wir berücksichtigen für die Wahl des Weges ?

Wichtig sind dabei eigentlich nur die folgenden Punkte:

  • Welche Weg bevorzugen wir, z.B. wegen der schönen Landschaft, des geringen Berufsverkehrs oder der Anzahl der Schleusen,…
  • Wo wollen wir das Boot während unserer sommerlichen Unterbrechung lassen?
  • Wollen wir die „Nord-Frankreich“ Tour am Anfang oder in der zweiten Hälfte dieser Saison unternehmen?
  • Welche geplanten Wegsperrungen werden unsere Entscheidung beeinflussen?
  • Kurzfristig wird dann natürlich auch das Wetter eine Rolle spielen (zum Beispiel mögliches Hochwasser auf der Maas oder Sambre).

Da wir uns langsam aber sicher vorstellen mit Nordfrankreich die Saison zu starten, und da wir für die zweite Reise Nordholland anpeilen, kann man schon mal die Nordroute [3] ausschliessen.

Die Entscheidung zwischen den beiden anderen Wegen ist schon schwieriger.

Option 1 : Südroute

Option 2: Westroute

Option 3: Nordroute

Der Weg über Antwerpen ist direkter und weniger Hochwasser gefährdet. Im Frühjahr haben wir auf der Meuse schon öfters Schwierigkeiten bekommen.

Die Maasstrecke gefällt uns landschaftlich besser. Anderseits muss man dann die Sambre bis Charleroi flussaufwärts fahren, eine echte „Durststrecke“ mit viel Verkehr, einigen Schleusen und wenig Anlegemöglichkeiten. Dieser Weg erleichtert allerdings die Möglichkeit die Route weiter südlich nach Frankreich fortzuführen.

Im weiteren Verlauf unserer Reise wollen wir auf jeden Fall die Dender entdecken. Dort waren wir noch nicht! Als wir 2021 in Belgien unterwegs waren, gab es leider einige Wegsperrungen auf der Strecke. So wollten wir das Risiko nicht eingehen, dort blockiert zu sein. Die Sender (Denker) wird im südlichen Teil von Wallonie und im nördlichen Teil von Flandern verwaltet. Dies muss man berücksichtigen. Vignette für Flandern, FD-Nummer für Antwerpen (und AIS) sowie MET Nummer für Wallonie!

Wie ich uns kenne, wird es dann letztlich entschieden, wenn wir im April auf dem Boot sind. Sicher scheint jetzt schon mal, dass wir nach Maastricht fragen. Dort füllen wir ins immer wohl, ob am Anfang oder am Ende der Saison. So, das wars fürs erste.

Wie seht Ihr das, Liebe Leser ?

2025 #1 Langsam aber sicher

Langsam aber sicher, wird es Zeit sich mal ein paar Gedanken zur neuen Saison zu machen. Genaue Pläne haben wir noch nicht. Eure Vorschläge sind immer gern gesehen!

Nachdem es uns 2024 nach Deutschland, genauer bis nach Berlin und Umgebung trieb, wollen wir dieses Jahr wieder in für uns bekannteren Gewässern und Landschaften unterwegs sein. Das stimmt natürlich nicht ganz. Auch wenn die Reise mal wieder nach Belgien, Frankreich und Holland gehen soll, lassen wir uns noch etwas Zeit für die detaillierte Planung. Natürlich werden wir auch eine gute Portion „Neuland“ befahren und entdecken.

Zwei mögliche Ziele haben wir uns für diese Saison überlegt:

  • Dünkirchen in Nord-Frankreich
  • Den Helder in Nord-Holland.

Viele Fragen sind noch ungeklärt:

  • Fahren wir zunächst nach Frankreich (Mai – Juni) oder nach Nord-Holland (August – September) ?
  • Welche Strecke wählen wir, um nach Nord-Frankreich zu kommen: über Belgien oder über Zeeland ? Beide Varianten bieten noch viele Möglichkeiten.
  • Wo lassen wir VAGABOND im Juli während unseres „Sommer-Break“ ?
  • Welchen Weg wählen wir nach der Unterbrechung, um auf möglichst neuen Wegen (das schliesst auch Umwege ein) zum 2. Törn zu gelangen?

Als Entscheidungshilfen stehen uns zur Verfügung:

Besonders müssen wir beachten, dass von Mitte Juni bis Mitte Juli einige Wegstrecken in Nord-West Frankreich gesperrt sind.

Grundsätzlich stellt sich uns eine Frage bezüglich der Westerschelde. Dieses Revier kenne wir nicht. Ist es sinnvoll oder gar „machbar“ mit einem kleinen Boot wie unserem (Länge 11 m, 75 PS Motor, kein Radar… )? Wind, Strömung, Tiede und Berufsverkehr sind zu beachten. Da zögern wir noch!

Es bleibt ja auch noch etwas Zeit. In einem nächsten Beitrag werden wir genauer auf die möglichen Streckenführungen eingehen.

2024 #20 10 Jahre (schon)!

Im April 2014 war es soweit.

VAGABOND ging ins Wasser. Die Nagelneue LINSSEN YACHTNew Classic Study 32 AC“ stand bereit.

Den Wunsch mit einem Boot, Europa vom Wasser aus zu erkunden, hatten wir schon lange. Oft bewunderten wir Segelboote und Motoryachten vom Lande. Das geschah auf den Reisen, die wir damals mit unseren VW – Campingbus unternahmen. So fuhren wir kreuz und quer durch Europa. Platz zum übernachten fanden wir oft am Wasser.

Jetzt, Ende 2024, schauen wir nun auf wunderbare 10 Boots-Saisons zurück. Gerne blättern wir im Winter, wenn unser Boot in der Halle liegt, in unseren 10 Foto-Büchern.

Wie viele, machten wir unsere ersten Erfahrungen bei der traditionellen „Ostertour“.

Sehr schnell merkten wir, dass wir nicht der einzige Anfänger waren. Damals hatten wir viele Fragen, das fing schon an mit der Registrierung des Schiffes. Sehr schnell sahen wir, dass wir nicht die Einzigen waren, für die das Bootsfahren auf den Kanälen, Flüssen und über die Küstengewässer Überraschungen barg.

Warum erzähle ich das ?

Ja, weil genau das die Idee zu dieser Webseite war. Wir hatten uns damals vorgenommen, unsere Erfahrungen auszutauschen. 10 Jahre später ermutigt uns der Erfolg weiterzumachen. Seit dem Start erweisen uns jedes Jahr mehr als 5000 Besucher Ihre Treue und sprechen ihr Interesse aus. Dabei rufen sie rund 20 000 Seiten auf, oft in der Hoffnung einen interessanten Hinweis zu finden, dabei stehen unsere Frankreich-Erfahrungen klar im Vordergrund.

Unsere erste grössere Fahrt führte uns 2014 nach Paris, in unsere Heimat.

Das schien gewagt für Neulinge wie uns. Der eigentliche Grund war ein anderer. Nach vielem Hin-und Her sollte unser in den Niederlanden gekauftes Schiff, in Frankreich zugelassen werden. Somit mussten wir das Boot für eine gewisse Zeit nach Frankreich bringen. Somit hiess unser Ziel Paris!

Seitdem ist unser Boot eine Firma!. Das ist kein Witz (oder Fake-News, wie man heute sagen würde). VAGABOND wiegt leer etwas mehr als 10 000 kg. Also ist es nach französischem Recht eine Firma. Den Papiergrams hätten wir auch per Post machen können, es galt allerdings auch dem Zoll, spricht der Steuerbehörde, zu beweisen, dass das Schiff mehr als 25 Motorstunden während des ersten Monates nach der Zulassung in Frankreich weilte.

10 Jahre später sind wir immer noch von Mitte April bis Ende September jedes Jahr unterwegs, mit VAGABOND wohlgemerkt ;-).

Jedes Jahr wählen wir uns ein neues Ziel für die nächste Saison. Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland… Aber oft kommt dann irgendwann etwas dazwischen und die Planung beginnt von vorne.

Bootsfahren bleibt also spannend.

Wie schon erwähnt, erstellen wir jedes Saison ein Fotobuch unserer Reise.

Hier ein Link zu den Büchern. Bitte nicht falsch verstehen: es soll keine Aufforderung zum Kauf sein. NEIN, einfach nur Spass beim Blättern bringen und Lust auf die nächste Saison 2025 geben. Viel Spass!

2024 Berlin

2023 Sambre, Yonne und Meer

2022 Groningen und Emden

2021 Belgien

2020 Ardennen

2019 Zeeland und Randmeeren

2018 Seine, Somme und Schelde

2017 Niederlande

2016 Maas, Saar und Mosel

2015 Holland

2014 Paris

Ostertour

Was erwartet uns 2025?

2024 #19 Fin de saison

Der Kreis schliesst sich. So langsam geht für uns die Saison zu Ende. Jedes Mal wenn wir nach einer längeren Reise wieder in unserem Winterhafen ankommen, fühlen wir uns fast wie „zuhause“. Seit 10 Jahren spielt sich nun schon das gleiche Ritual ab. Sagen wir „fast“, denn entweder erreichen wir unser Ziel von Norden über Venlo oder von Süden von Maastricht kommend, wo wir die letzten Tage geniessen. Dieses Jahr gönnen wir uns uns noch einen Abstecher nach Roermond, in die neue „City Marina„.

Wie in Amsterdam (wo es ebenfalls eine „City-Marina“ gibt), muss man „City“ nicht ganz beim Wort nehmen. Auch hier sind es ein paar Kilometer bis zur Stadt. Um dieser Kritik vorzubeugen, stellt der Hafen kostenlos Fahrräder zur Verfügung, was die Entfernung zum Stadtzentrum zu ein paar Minuten schmelzen lässt.

Die Fahrt nach Maasbracht dauert 1h20.

Im Winterhafen angekommen, bleibt uns noch das Boot für den Winter vorzubereiten und sauber zu machen.

Dieses Jahr stehen etwas mehr Arbeiten an als gewöhnlich.

So wollen wir das Cabrio austauschen und die Vorhänge waschen lassen. Für das Cabrio haben wir uns für einen Austausch entschieden: gleicher Stoff, gleiche Farbe, gleiche Aufteilung. Nur für die „Fenster“ haben wir uns nach Beratung mit Herrn Gommans für eine bessere Qualität entschieden. Das gewählte Material ist dicker und soll trotzdem durchsichtiger sein. Warten wir es mal ab!

Auch das Schiff selbst braucht ein paar Wartungsarbeiten. Nichts Aussergewöhnliches nach 10 Jahren:

  • Steuerbordtür neu streichen
  • VAGABOND Namensschilder neu streichen
  • Neopren am Rand des Achterdecks ausbessern
  • Motorwartung 2500 h
  • Schwimmwesten prüfen
  • und einiges mehr.

So werden wir im April 2025 wieder ein startklares Boot vorfinden.

Auch dieses Jahr genießen wir die Stunden vor dem Sonnenuntergang. Nach einer gemütlichen Woche im Hafen, geht es jetzt entspannt zurück in „die Heimat“.

Für die Zeit „an Land“, gibt es dann noch einige Punkte nachzuarbeiten, wie z.B. die „Liegeplatz“ Seite, die aktualisiert werden muss. Dieses Jahr sind einige Häfen und Liegeplätze in Deutschland dazugekommen.

Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!

Vielleicht sehen wir auch im nächsten Jahr wieder einige unserer treuen Leser, die auch in dieser Saison auf uns zugekommen sind und uns ansprachen, wie in Leeuwarden, Bad Essen, und Maasbracht. „Sie sind doch „VAGABOND„. Ja das sind wir, und wir haben uns riesig gefreut, mit allen direkt sprechen zu können.

Eine Zusammenfassung der Saison 2024 findet ihr hier.

2024 #18 Vom Rhein zur Maas

Wir haben uns zwei Tage für die Rhein-Waal-Strecke bis zur Maas vorgenommen. Eine erste Etappe von Wesel bis nach Lobith, und am nächsten Tag bis nach Linden an der Maas. Es ist richtig, dass man den Weg auch an einem Tag bewältigen kann. Es liegen ja nur 45 Kilometer und eine Schleuse vor uns. Selbst für unser „Motörchen“ soll das kein Hindernis ein. Zumal wir mit der Strömung zu Tag unterwegs sind.

So machen wir es vom Verkehr und Wetter abhängig.

Vor der Abfahr machen wir unser Boot „hochseetauglich„: alles Bewegliche verstaut, der Tisch, Schubladen und Türen verriegelt, Fenster verschlossen, Schwimmwesten angelegt.

Obwohl Wochenende ist, bekommen wir sehr schnell einen drückenden Berufsverkehr in beide Richtungen zu spüren. Bei 5km/h Strömung weht uns ausserdem eine leichte Brise von 4 bft entgegen, die das Wasser noch zusätzlich aufwühlt.

Mit dem Fernglas und AIS überwachen wir den Verkehr. Worauf wir besonders achten, sind die Monsterschubschiffe VEERHAVEN, HERKULES und VEERLE. Seit 2018 wird in Deutschland keine Kohle mehr gefördert. Da aber weiterhin Kohle und Eisenerz für die Stahlerzeugung gebraucht wird, kommt die Kohle jetzt aus Übersee via Rotterdam und den Rhein ins Ruhrgebiet. Diese Riesen, die 24h/7 unterwegs sind, drücken bis zu 9 Frachtkähne, jeder 110x11m. Dabei entwickeln die 3 Motoren mit 5800 PS enorme Heckwellen (NB: auf Google findet man genügend Bilder zu dem Thema).

Ingesamt werden uns 5 dieser Monster mit dem „Drachenschwanz“ begegnen. Mehrmals haben wir Glück. Der starke Berufsverkehr führt dazu, dass uns überholende Frachter bei der Begegnung wie ein Schutzschild wirken.

Die Monsterwellen werden klein gehackt.

Da Glück aber nicht grenzenlos ist und statistisch gesehen nicht immer 2 oder mehr Frachter sich kreuzen, wenn gerade ein Drachen in der Nähe ist, kommt es zu der unvermeidlichen Begegnung. Um es kurz zu fassen, selbst das IJsselmeer bei schlechtem Wetter hat uns nicht so zugesetzt. Minutenlang kämpfen wir mit 2m hohen Wellen. Trotz allem können wir froh sein, dass uns das Schubschiff entgegenkommt. Der Wellenschlag kommt quer zum Bug. Auch wenn das Schiff mit dem Bug im Wasser mehrmals verschwindet, können wir die Richtung halten und somit das gefährliche Rollen vermeiden. (NB: von dieser Szene gibt es aus verständlichen Gründen keine Bilder).

Nach diesem Erlebnis steht fest, wir machen Etappe in Lobith.

Leicht gestresst begeben wir uns am nächsten Tag auf den Weg zur Maas. Um es vorwegzunehmen, die Fahrt verläuft sehr ruhig. Auch an diesem Tag sind wir auf der Lauer. Ein VEERLE nähert sich langsam. Auch er zu Tal unterwegs. Wir haben Glück. Von weitem schon sieht man die 9 Lastkähne. Sie sind leer. Auf Talfahrt wird wegen der geringeren Schubkraft eine weitaus kleinere Welle erzeugt.

Nach etwas weniger als 2 Stunden tauchen die Brücken von Nijmegen auf.

In Nijmegen gibt es zwar eine Anlegemöglichkeiten am linken Ufer nahe der Brücke, jedoch nur einen Kai ohne Service. So entscheiden wir uns, bis nach Linden zu fahren und die Stadt von dort aus zu besuchen.

Auf UKW Kanal 4 informieren wir den Verkehrsposten, dass wir zur Maas wollen. Frei Fahrt. Noch eine Schleuse, dann sind wir auf der Maas.

Wie gewohnt fahren wir zum Clubhafen WSV de Kraaijenbergse Plassen unweit der Stadt Cuijk.

Am nächsten Tag fahren wir mit den Rädern zur Zugstation „Mook-Molenhoek“. Von dort erreicht man Nijmegen in 10′.

In Hannover entdeckten wir die „Rote Linie“. Ein Wegweiser auf dem Boden, der durch die Stadt an den Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Hier treffen wir auf die „Grüne Linie“. Sie zeigt uns den Weg durch die Stadt. Der Weg ist abwechslungsreich und bietet interessante Perspektiven der sehenswerten Stadt.