2018 #26 Von Antwerpen in Richtung Maasbracht

Um von Antwerpen nach Maasbracht zu fahren, hat man mehrere Möglichkeiten:

  1. über die Schelde-Mündung
  2. über die Schelde – Rhein Verbindung und dann die Maas flußaufwärts
  3. über den Albert-Kanal nach Maastricht
  4. über den Dessel-Turnhout-Schoten Kanal

Um zum Ziel zu kommen, gibt es dann je nach Startpunkt  3 Möglichkeiten:

  1. Von Norden kommend über die Maas
  2. Von Westen kommend über den Zuid-Willemsvaart und den Wessem-Nederweert Kanal
  3. Von Süden über den Julianakanal

Antwerpen-Maasbracht

Bevor wir losfahren, fragen wir  noch bei unserem sehr erfahrenen Freund Aad nach der „besten“ Wahl. Wir sind mit ihm einverstanden. Wir haben Zeit und wollen die kleinen Kanäle im Nord-Osten Flanderns kennenlernen. Somit entscheiden wir uns für den Dessel-Turnhout-Schoten Kanal.

Um kurz vor 10, machen wir uns startklar wie auch einige andere Boote und warten auf das Signal zur Öffnung der Londenbrug.

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Anschließend müssen wir noch die Hebung der Sibiriabrug abwarten und können dann  auf dem Albertkanal in Richtung Osten fahren. Beim Verlassen des Hafenbereichs über den Albertkanal muß man sich über VHF 20 „abmelden“.  Was wir zunächst nicht tun, da wir denken, dies sei nur für Frachtschiffe notwendig. Nach 1 Stunde kommen wir an der Abzweigung zum Dessel-Turnhout-Schoten Kanal an und bitten über VHF 20 (wie es in unserer Karte angegeben ist) um das  Einfahren in die erste Schleuse. Die Funkzentrale fragt uns sogleich, wo wir genau sind, verlangt die FD-Nummer und weist und freundlich darauf hin, daß wir uns abmelden müssen. Was damit getan ist. Allerdings für das Schleusen brauchen wir etwas Zeit, bis wir verstehen, dass dies nur über das  Telefon möglich ist. Die Schleusen und Brücken werden auf diesem Kanal von Mitarbeitern des Kanalbetreibers bedient. Zum Ende des Kanals hin wird die Bedienung  wieder über Funk angefragt (VHF 20,…).

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Die Strecke führt zunächst an Industrie vorbei. Viele „Recycling-Firmen“ haben sich hier angesiedelt. Man findet aber auch noch bekannte Ziegelfabriken, wie Wienerberger.

2018-477Nach Osten hin geht die Landschaft langsam in Agrarland und Heide über.

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Der Kanal besitzt sehr viele Wendebecken. Viele von ihnen werden heute als Hafen genutzt.

2018-474Es sind meistens recht gut ausgestattete Klubhäfen mit einer netten Ambiente. Wir halten in Schoten, Brecht und Turnhout und im Hafen Aventura (Zilvermeer) in Dessel an der Kreuzung der Kanäle Dessel-Turnhout-Schloten / Bocholt-Herentals / Dessel-Kwaadmechelen. Der Hafen Aventura liegt in einem See. Er ist sehr gut ausgestattet, besitzt ein Restaurant und eine Tankstelle.

Turnhout ist DIE Stadt der Spielkarten. Hier werden seit Jahrhunderten Spielkarten gedruckt und heute noch ist hier der Hauptsitz der Firma Cartamundi. So kommt es, dass die Stadt auch das „Nationale Spielkartenmuseum“ beherbergt.  Wir nutzen unsere Zeit zu einem Besuch, der sich lohnt. Das nette Personal zeigt uns mit Stolz die alten Druckmaschinen. Zum Abschluss unseres Besuchs wird uns sogar die noch funktionstüchtige Dampfmaschine vorgeführt. Angetrieben wird sie allerdings nicht mehr mit Feuer und Dampf. Aber die mechanischen Teile und Schwungräder bewegen sich wie in alten Zeiten.

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Auf dem Rückweg zum Boot erlauben wir uns einen kleinen Umweg. Auch hier wie in vielen Städten lohnt der Besuch des Begijnenhof. Vielleicht einer der schönsten, die wir besuchen konnten auf unserer Reise!!

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Nachdem wir den Dessel-Turnhout-Schotenkanal verlassen haben und im Hafen Aventura an der Kreuzung der verschiedenen Kanäle übernachtet haben, entscheiden wir uns für den Albertkanal   in Richtung Maastricht. Bevor wir den Hafen verlassen, machen wir noch einen Abstecher mit den Rädern zum Kloster in Postel.

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Am nächsten Morgen brechen wir, bei schlechtem Wetter, in Richtung Hasselt auf.  Wie erwartet ist auf dem Albertkanal viel Verkehr. An einigen Brücken ist der Kanal recht eng. Wir versuchen die Frachtschiffe bei diesen Verengungen zu kreuzen.  Die Frachtschiffe fahren hier nicht so schnell wie auf dem Rhein oder auf dem Amsterdam-Rhein-Kanal und stellen keine besonderen Schwierigkeiten dar.

Allerdings gibt es auf dem Kanal einige Schnellfahrstrecken. Auch wenn man vorsichtig ist, ist man den schnell fahrenden Booten ausgeliefert. So werden wir von einem „Speedboot“ überholt, zunächst verlangsamt es seine Geschwindigkeit. Aber als es gerade auf unserer Höhe ist, gibt es wieder Gas. Wir kämpfen gute 5 Minuten, um das Boot wieder zu stabilisieren und unter Kontrolle zu bringen. Letztendlich sorgt das uns überholende Frachtschiff für eine relative Wasserberuhigung. Der Frachter bricht die hohen Wellen und Turbulenzen des Schnellbootes.

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Als wir in Hasselt festmachen, sind wir erleichtert. Die Fahrt war anstrengend. Im netten Stadthafen angekommen, erklärt uns der Hafenmeister, dass wir beim Festmachen, darauf achten müssen, dass das Boot „Bewegungsfreiheit“ braucht. Der Hafen besitzt keine Schwimmstege. Der durch die Frachtschiffe und Schleusen hervorgerufene Schwell führt zu Pegelschwankungen bis zu 80cm. Nach dieser ersten Überraschung erfahren wir, dass die Schleusen auf diesem sehr befahrenen Kanal sonntags nicht bedient werden. Also buchen wir gleich für 2 Tage und nutzen die Zeit zu einem Besuch im Japanischen Garten. Auch wenn es nicht die Zeit der Kirschblüten ist, der Besuch lohnt auf jeden Fall,…

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Am nächsten Morgen gegen 8h brechen wir trotz starken Windes und leichtem Regen in Richtung Maastricht auf. Direkt ab Hasselt folgen 3 Schleusen in kurzem Abstand.  Wie zu erwarten, ist der Frachtverkehr während der Woche auf diesem Kanal besonders stark. Die jeweils 3 Schleusen (2 kleine Kammern und 1 große) sind stark gefragt. Alle besitzen die gleichen Dimensionen und Ausstattungen. Wir schleusen mit 3 niederländischen Kähnen.

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Dann folgt eine lange Kanalstrecke, die abwechselnd durch Industrie-, aber auch Naturlandschaft führt. Der an den Schleusen sehr dichte Verkehr verläuft sich recht schnell und wir fahren mehrere Kilometer  ganz allein durch die Natur über den sehr breiten Kanal.

Gegen 15h machen wir in der Maastricht Marina fest. Die Saison nähert sich so ihrem Ende. Hier sind wir Ende April losgefahren. Nun schließt sich der Kreis nach 1500 km durch Frankreich und Belgien.

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Antwerpen > Maastricht: 150 km / 24 Motorstunden / 7 Tage

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