Bevor wir den Hafen Arsenal in Paris verlassen, reservieren wir noch fรผr unsere Rรผckreise Ende Juni einen Platz fรผr 3 Tage. In den Sommermonaten sind die Liegeplรคtze gezรคhlt. Paris ist ein beliebtes Ziel und es gibt wenig verfรผgbare Plรคtze im Hafen. Deshalb mรผssen die dort „Ansรคssigen“ turnusmรครig fรผr jeweils 4 Wochen zwischen Juni und September den Hafen verlassen, um fรผr Passanten Anlegemรถglichkeiten zu schaffen.
Mit der Capitainerie vereinbaren wir, dass wir am Montag 5. Juni die Schleuse zur Seine um 8h15 benutzen wollen, um nach einer Woche unsere Weiterreise anzutreten. รber VHF 9 kรผndigen wir uns an und werden sofort zusammen mit BALU geschleust. Auf der Seine ist noch nicht viel Verkehr um diese Zeit. Nach einer knappen Stunden erreichen wir die Mรผndung der Marne.
Die Seine wird, wie es รผblich ist, in Oberlauf und Mittellauf aufgeteilt. In Frankreich ist es aber die Angewohnheit, von der Seine „Aval“ und „Amont“ zu reden. Dies bezieht sich auf die Lage zu Paris. Verwirrend erscheint einem daher auch der Ausdruck „Je monte ร Paris“, der im franzรถsischen Sprachgebrauch sich eingebรผrgert hat. So „steigt man zur Stadt Paris auf„, ob man seine Reise im Sรผden, Westen, Osten oder Norden von Frankreich beginnt.
Wir befinden uns jetzt auf der „Seine amont“ und fahren flussaufwรคrts in Richtung Sรผden.

Unser Plan ist es, in den nรคchsten Tagen bis zum Canal de Briare รผber den Loing vorzustossen.
Wie auch auf anderen schon erwรคhnten Strecken gibt es kaum oder gar keine brauchbaren Anlegemรถglichkeiten auf der Seine, mal abgesehen von ein paar Schleusen, wo es Poller im Oberwasser gibt. Diese kann man zum รbernachten nutzen, vorausgesetzt der Schleusenwรคrter erlaubt es.
Fรผr die 1. Etappe entscheiden wir uns, bis nach Melun zu fahren. 5 Schleusen liegen bis dorthin vor uns . Auf der Seine herrscht Berufsverkehr, der dem der Maas รคhnlich ist. So kann es vorkommen, dass es auch mal Wartezeiten gibt.

An mindestens 2 Schleusen gilt es besonders achtsam zu sein! Die grosse Kammer der Schleuse „Coudray“ wird sehr schnell gefรผllt!. Ein Warnschild weist den Freizeitschiffer darauf hin, NICHT weiter als das Warnschild festzumachen. Anders gesagt je weiter hinten um so besser. Die Schleuse „Vives Eaux“ besitzt Spundwรคnde. Um Schaden am Boot zu vermeiden, haben wir noch zusรคtzliche Fender angebracht.
Heute wird die Seine vor allem zum Transport von Sand, Gestein und Baumaterialien genutzt. Die alten Mรผhlen am Ufer zeugen noch von einer prachtvollen Vergangenheit.

Nach 16h kommen wir in Melun an. Von hier kommt der dort hergestellte Kรคse, le „Brie de Melun„. Bekannter ist allerdings der „Brie de Meaux„, von dem 30 mal mehr jedes Jahr hergestellt wird.

Am rechten Flussufer findet man hier Poller zum Anlegen und Stromanschlรผsse .
Der Platz ist sehr unruhig! Die hรคufig vorbeifahrenden Frachter verursachen starken Schwell! Die gezackte Kaimauer soll zwar die grossen Wellen etwas abschwรคchen, bewirken aber das Gegenteil. Von den am Ufer zurรผckgeworfenen kurzen Wellen werden wir krรคftig durchgeschรผttelt. Zusรคtzlich leistet die „Jugend“ auch noch bis spรคt in die Nacht ihren Beitrag, indem sie fรผr ausreichend Lรคrm sorgt….Der Platz ist wirklich nur im Notfall zu empfehlen.
An der letzten Schleuse „Vives eaux“ vor der Stadt hรคtte man sicherlich ruhiger liegen kรถnnen. Das werden wir vielleicht auf der Rรผckreise testen.



Die 2. Etappe fรผhrt uns am nรคchsten Tag nach Moret s/ Loing.
Zunรคchst gilt es, die Landschaft und die Ufer der Seine zu geniessen. War die Fahrt bis Melun noch sehr von der industriellen Umgebung um Paris geprรคgt, wird es jetzt lieblicher und ruhiger.
In der letzten Schleuse vor der Mรผndung des Loing, wird es dann noch einmal richtig eng. Ein Frachter und ein Schubschiff teilen sich die Schleuse mit uns. BALU bittet den Frachter, seine Schraube zu stoppen, was er zunรคchst einfach รผberhรถrt, bis die Schleusenwรคrterin einschreitet.






Bevor wir in den Loing einschwenken, machen wir noch einen Tankstopp am rechten Ufer in Saint Mammรจs. Hier mรผndet der Loing in die Seine.

Der Diesel kostet dort etwas mehr als 2 โฌ, was uns zunรคchst etwas abschreckt! Einfach Wucher! An einer „normalen“ Tankstelle bezahlt man zurzeit in Frankreich gerade mal 1,75โฌ/l.
Wir fahren zusammen mit BALU den Loing 1km hoch. รhnlich wie in Conflans Saint Honorine liegen hier viele ehemalige ausrangierte Frachter, die teilweise bewohnt sind.

Vor der 1. Schleuse im Unterwasser des Kanals befindet sich ein schรถn gelegener Anleger mit Wasser, Strom und Sanitรคranlagen fรผr 11โฌ pro Nacht (1โฌ pro Meter).
Vorsicht ist geboten fรผr Schiffe mit mehr als 1,20m Tiefgang. BALU lรคuft kurzzeitig auf Grund. Unter unserem Schiff sind es noch knapp 30 cm….

Nach den anstrengenden 2. Etappen geniessen wir nun die Ruhe. Wir bleiben 2 Tage.
Der Geschwindigkeitsmesser von BALU ist seit einigen Tagen blockiert. Das saubere Wasser in Stehhรถhe ist fast ideale Bedingung, um unter dem Rumpf nachzuschauen. Allerdings macht die geringe Hรถhe zwischen Grund und Rumpf es unmรถglich, gefahrlos komplett unter das Schiff zu tauchen. Mehrere Versuche sind notwendig.

Dann ist der Geschwindigkeitsgeber wieder frei. Heute haben wir das Feierabend-Bier verdient.

Die Stadt liegt wunderschรถn am Fluss. Fรผr einen Besuch und Rundgang durch die Gassen der Stadt und entlang des Flusses sollte man sich etwas Zeit nehmen. Es lohnt sich. Nicht umsonst, hat der Maler Alfred Sisley die schรถnen Perspektiven der Stadt in seinen Gemรคlden verewigt.

Wir nutzen die Zeit unseres Aufenthaltes auch zum Austausch mit anderen Freizeitkapitรคnen. VNF verรถffentlicht Informationen รผber Wassermangel im Canal de Briare, unserem Ziel. Von den aus dem Kanal ankommenden Booten erfahren wir, dass ab der 3. Schleuse zunehmend Wasserpflanzen das Vorankommen erschweren.
All das sind Informationen, an die man sich inzwischen etwas gewรถhnt hat. Da wir die Strecke von Briare aus aber wieder zurรผckfahren mรผssen, und BALU noch zusรคtzlich Schwierigkeiten wegen der geringen Wassertiefe sieht, entschliessen wir gemeinsam unseren Weg zu รคndern!
Das neue Ziel heisst Yonne und die Stadt Auxerre. Die Yonne ist ein offener Fluss; dort gibt es noch etwas Frachtverkehr und somit weniger Wasserpflanzen. Wir hoffen auf unbeeintrรคchtigtes Vorankommen. Der Plan ist gefasst und Morgen geht es wieder zurรผck zur Seine in Richtung Yonne.
Zusammenfassung:
- Paris > Melun: 52 km, 8h, 6 Schleusen
- Melun > Moiret s/ Moing : 34 km, 4h30 (inklusive Tankstopp),
2 Schleusen