Die Zahl der Besucher unseres Blogs ist von 294 im Jahre 2014 auf 9161 Ende 2024 stetig gewachsen. Dabei wurden im letzten Jahr 32 000 Seiten angeschaut. Im Jahr 2022, als die Maas Hochwasser fรผhrte, hatten wir sogar 39 000 Zugriffe. Diesen Erfolg hรคtten wir uns nie gedacht.
Zur Erinnerung und in Erwartung der in wenigen Tagen startenden neuen Saison hier ein paar Bilder von unseren Fahrten mit unserer LINSSEN YACHTS „New Classic Stundy 36 AC“ alias der VAGABOND.
Vor ein paar Wochen kam es in Belgien zu einem tragischen Unfall. Bei Bauarbeiten an einer Brรผcke, ist diese eingestรผrzt und blockiert seitdem den Canal du Centre Grand gabarit. Ein Arbeiter wurde dabei getรถtet und drei weitere verletzt.
In der Folge wurde der Kanal fรผr die Navigation gesperrt.
Quelle: Avenir.net 7.3.2025
Somit stellt sich fรผr uns die Frage, ob unser aktueller Reise-Plan noch machbar sein wird. Sicherlich bis Mitte Mai haben wir noch ein wenig Zeit. Allerdings sprechen die Umstรคnde des Unfalls eher fรผr eine lรคngere Sperrung: Unfallursache, Verantwortung, Beseitigung der Trรผmmer etc.
Nun sind wieder am Anfang unserer ursprรผnglichen รberlegungen zur Routenplanung angekommen. Vor ein paar Wochen hatten wir uns fรผr die „Sรผdtour“ entschieden.
Die Frage stellt sich somit: Wie kรถnnen wir unseren Plan anpassen, um weiterhin flexibel zu bleiben?
Wir kรถnnten beim Start die Hoffnung beibehalten, dass die Sperrung Anfang Mai aufgehoben wird, dann wรคren die Varianten (1) und (2) sinnvoll. In beiden Fรคllen starten wir auf der Maas und entscheiden in Charleroi je nach Situation, ob :
die ursprรผnglich geplante Route dann freigegeben ist und wir รผber den Canal du Centre fahren
es zunรคchst weiter รผber die Sambre und den Canal du Nord nach Frankreich geht
wir รผber Brรผssel Richtung Schelde fahren.
Im Falle der Variante (3) รคndern wir allerdings den Plan von Anfang an. Von Maasbracht geht es dann รผber den Zuid-Willemsvaart und Albert-Kanal in Richtung Nete. Das wรผrde dann in etwa der ursprรผnglichen Option [2] entsprechen.
Falls wir uns fรผr die Alternativen (2) oder (3) entscheiden sollten, hรคtte dies auch Konsequenzen fรผr die weitere Reise. Da unser Sommerziel „Antwerpen“ heisst (und wir nicht zwei Mal dort vorbei kommen wollen), kรถnnten wir dann zunรคchst entweder die Dender flussaufwรคrts fahren oder den Weg รผber Gent nach Dรผnkichen wรคhlen.
Aber mit wie es so schรถn heisst „Kommt Zeit, kommt Rat…“ Es bleiben uns ja noch 6 Wochen bis die Frage konkret wird.
Am 25. April geht es jetzt erst mal aufs Boot. Dann sehen wir weiter. Dort gibt es noch einiges zu tun, bevor es dann richtig losgeht. Dazu mehr, wenn es dann so weit ist ;-).
Wir haben uns entschieden, eine neue Informations-Seite auf unserem Blog hinzuzufรผgen.
Die Seite beschrรคnkt sich im wesentlichen auf Fahrwasser-Informationen aus Frankreich. Unser besonderes Interesse gilt Nord-Ostfrankreich. Viele unserer „Bootskollegen“ starten in Deutschland, Belgien oder den Niederlanden. Der Zustand der dortigen Wasserstrassen ist somit oft ein Thema, wenn man eine Reise nach Frankreich plant.
Oft erhalten wir zu diesem Thema Anfragen. Das war der Grund fรผr diese Erweiterung.
Zur Zeit gehen wir davon aus, dass der Tรถrn nach Nordfrankreich unsere erste Reise der Saison 2025 sen wird. Bevor es in die detaillierte Planung geht, machen wir uns jetzt erst mal ein paar Gedanken รผber unsere Reiseroute. Wie schon erwรคhnt im letzten Beitrag soll Dรผnkirchen unser Ziel sein. Vielleicht machen wir von dort auch noch einen Abstecher nach Calais. Aber diese Entscheidung hat noch Zeit. Ausserdem mรผssen wir uns Gedanken machen, wo wir unser Boot wรคhrend unseres „Sommerpause“ liegen lassen wollen.
Wie die Karte zeigt, haben wir uns fรผr den Start drei Varianten รผberlegt, von Maasbracht ausgehend, wo sich unser Winterlager befindet. Das Boot wird Mitte April ins Wasser kommen.
Die 3 Optionen:
[1] die Sรผdroute: Flussaufwรคrts รผber die Maas und Sambre Richtung Charleroi
[2]die Westroute: durch Belgien Richtung Antwerpen รผber die kleinen Kanรคle in Brabant [2.1] oder รผber den Albertkanal [2.2] Richtung Antwerpen
[3] die Nordroute: durch die Niederlande รผber die Maas [3.1] oder den Zuid-Willemsvaart Richtung Volkerak
Wir haben alle Strecken, teilweise schon mehrmals, befahren. Welche Kriterien sollen wir berรผcksichtigen fรผr die Wahl des Weges ?
Wichtig sind dabei eigentlich nur die folgenden Punkte:
Welche Weg bevorzugen wir, z.B. wegen der schรถnen Landschaft, des geringen Berufsverkehrs oder der Anzahl der Schleusen,…
Wo wollen wir das Boot wรคhrend unserer sommerlichen Unterbrechung lassen?
Wollen wir die „Nord-Frankreich“ Tour am Anfang oder in der zweiten Hรคlfte dieser Saison unternehmen?
Welche geplanten Wegsperrungen werden unsere Entscheidung beeinflussen?
Kurzfristig wird dann natรผrlich auch das Wetter eine Rolle spielen (zum Beispiel mรถgliches Hochwasser auf der Maas oder Sambre).
Da wir uns langsam aber sicher vorstellen mit Nordfrankreich die Saison zu starten, und da wir fรผr die zweite Reise Nordholland anpeilen, kann man schon mal die Nordroute [3] ausschliessen.
Die Entscheidung zwischen den beiden anderen Wegen ist schon schwieriger.
Option 1 : Sรผdroute
Option 2: Westroute
Option 3: Nordroute
Der Weg รผber Antwerpen ist direkter und weniger Hochwasser gefรคhrdet. Im Frรผhjahr haben wir auf der Meuse schon รถfters Schwierigkeiten bekommen.
Die Maasstrecke gefรคllt uns landschaftlich besser. Anderseits muss man dann die Sambre bis Charleroi flussaufwรคrts fahren, eine echte „Durststrecke“ mit viel Verkehr, einigen Schleusen und wenig Anlegemรถglichkeiten. Dieser Weg erleichtert allerdings die Mรถglichkeit die Route weiter sรผdlich nach Frankreich fortzufรผhren.
Im weiteren Verlauf unserer Reise wollen wir auf jeden Fall die Dender entdecken. Dort waren wir noch nicht! Als wir 2021 in Belgien unterwegs waren, gab es leider einige Wegsperrungen auf der Strecke. So wollten wir das Risiko nicht eingehen, dort blockiert zu sein. Die Sender (Denker) wird im sรผdlichen Teil von Wallonie und im nรถrdlichen Teil von Flandern verwaltet. Dies muss man berรผcksichtigen. Vignette fรผr Flandern, FD-Nummer fรผr Antwerpen (und AIS) sowie MET Nummer fรผr Wallonie!
Wie ich uns kenne, wird es dann letztlich entschieden, wenn wir im April auf dem Boot sind. Sicher scheint jetzt schon mal, dass wir nach Maastricht fragen. Dort fรผllen wir ins immer wohl, ob am Anfang oder am Ende der Saison. So, das wars fรผrs erste.
Langsam aber sicher, wird es Zeit sich mal ein paar Gedanken zur neuen Saison zu machen. Genaue Plรคne haben wir noch nicht. Eure Vorschlรคge sind immer gern gesehen!
Nachdem es uns 2024 nach Deutschland, genauer bis nach Berlin und Umgebung trieb, wollen wir dieses Jahr wieder in fรผr uns bekannteren Gewรคssern und Landschaften unterwegs sein. Das stimmt natรผrlich nicht ganz. Auch wenn die Reise mal wieder nach Belgien, Frankreich und Holland gehen soll, lassen wir uns noch etwas Zeit fรผr die detaillierte Planung. Natรผrlich werden wir auch eine gute Portion „Neuland“ befahren und entdecken.
Zwei mรถgliche Ziele haben wir uns fรผr diese Saison รผberlegt:
Dรผnkirchen in Nord-Frankreich
Den Helder in Nord-Holland.
Viele Fragen sind noch ungeklรคrt:
Fahren wir zunรคchst nach Frankreich (Mai – Juni) oder nach Nord-Holland (August – September) ?
Welche Strecke wรคhlen wir, um nach Nord-Frankreich zu kommen: รผber Belgien oder รผber Zeeland ? Beide Varianten bieten noch viele Mรถglichkeiten.
Wo lassen wir VAGABOND im Juli wรคhrend unseres „Sommer-Break“ ?
Welchen Weg wรคhlen wir nach der Unterbrechung, um auf mรถglichst neuen Wegen (das schliesst auch Umwege ein) zum 2. Tรถrn zu gelangen?
Als Entscheidungshilfen stehen uns zur Verfรผgung:
Karten und Fรผhrer. Fรผr Frankreich benutzen wir die praktischen Fรผhrer der Editions du Breil
die Informationen der belgischen, franzรถsischen und niederlรคndischen Wasserwegeverwaltungen zu den jeweiligen geplanten Sperrungen und Wartungsarbeiten:
Kurzfristiger sind auch die Wasserstandsinformationen und die Wetterberichte einzubeziehen. Vor allem die Maas und die Sambre kรถnnen sich schnell in reissende Strรถme verwandeln. (Siehe unsere Erfahrungen im Frรผhjahr 2020). Starker Wind kann bei offenem Wasser schnell zu Problemen fรผhren.
Ratschlรคge von Freunden und Bekannten, die die angedachten Reviere schon kennen.
Besonders mรผssen wir beachten, dass von Mitte Juni bis Mitte Juli einige Wegstrecken in Nord-West Frankreich gesperrt sind.
Grundsรคtzlich stellt sich uns eine Frage bezรผglich der Westerschelde. Dieses Revier kenne wir nicht. Ist es sinnvoll oder gar „machbar“ mit einem kleinen Boot wie unserem (Lรคnge 11 m, 75 PS Motor, kein Radar… )? Wind, Strรถmung, Tiede und Berufsverkehr sind zu beachten. Da zรถgern wir noch!
Es bleibt ja auch noch etwas Zeit. In einem nรคchsten Beitrag werden wir genauer auf die mรถglichen Streckenfรผhrungen eingehen.
VAGABOND ging ins Wasser. Die Nagelneue LINSSEN YACHT „New Classic Study 32 AC“ stand bereit.
Den Wunsch mit einem Boot, Europa vom Wasser aus zu erkunden, hatten wir schon lange. Oft bewunderten wir Segelboote und Motoryachten vom Lande. Das geschah auf den Reisen, die wir damals mit unseren VW – Campingbus unternahmen. So fuhren wir kreuz und quer durch Europa. Platz zum รผbernachten fanden wir oft am Wasser.
Jetzt, Ende 2024, schauen wir nun auf wunderbare 10 Boots-Saisons zurรผck. Gerne blรคttern wir im Winter, wenn unser Boot in der Halle liegt, in unseren 10 Foto-Bรผchern.
Wie viele, machten wir unsere ersten Erfahrungen bei der traditionellen „Ostertour“.
Sehr schnell merkten wir, dass wir nicht der einzige Anfรคnger waren. Damals hatten wir viele Fragen, das fing schon an mit der Registrierung des Schiffes. Sehr schnell sahen wir, dass wir nicht die Einzigen waren, fรผr die das Bootsfahren auf den Kanรคlen, Flรผssen und รผber die Kรผstengewรคsser รberraschungen barg.
Warum erzรคhle ich das ?
Ja, weil genau das die Idee zu dieser Webseite war. Wir hatten uns damals vorgenommen, unsere Erfahrungen auszutauschen. 10 Jahre spรคter ermutigt uns der Erfolg weiterzumachen. Seit dem Start erweisen uns jedes Jahr mehr als 5000 Besucher Ihre Treue und sprechen ihr Interesse aus. Dabei rufen sie rund 20 000 Seiten auf, oft in der Hoffnung einen interessanten Hinweis zu finden, dabei stehen unsere Frankreich-Erfahrungen klar im Vordergrund.
Unsere erste grรถssere Fahrt fรผhrte uns 2014 nach Paris, in unsere Heimat.
Das schien gewagt fรผr Neulinge wie uns. Der eigentliche Grund war ein anderer. Nach vielem Hin-und Her sollte unser in den Niederlanden gekauftes Schiff, in Frankreich zugelassen werden. Somit mussten wir das Boot fรผr eine gewisse Zeit nach Frankreich bringen. Somit hiess unser Ziel Paris!
Seitdem ist unser Boot eine Firma!. Das ist kein Witz (oder Fake-News, wie man heute sagen wรผrde). VAGABOND wiegt leer etwas mehr als 10 000 kg. Also ist es nach franzรถsischem Recht eine Firma. Den Papiergrams hรคtten wir auch per Post machen kรถnnen, es galt allerdings auch dem Zoll, spricht der Steuerbehรถrde, zu beweisen, dass das Schiff mehr als 25 Motorstunden wรคhrend des ersten Monates nach der Zulassung in Frankreich weilte.
10 Jahre spรคter sind wir immer noch von Mitte April bis Ende September jedes Jahr unterwegs, mit VAGABOND wohlgemerkt ;-).
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Jedes Jahr wรคhlen wir uns ein neues Ziel fรผr die nรคchste Saison. Frankreich, Belgien, Niederlande, Deutschland… Aber oft kommt dann irgendwann etwas dazwischen und die Planung beginnt von vorne.
Bootsfahren bleibt also spannend.
Wie schon erwรคhnt, erstellen wir jedes Saison ein Fotobuch unserer Reise.
Hier ein Link zu den Bรผchern. Bitte nicht falsch verstehen: es soll keine Aufforderung zum Kauf sein. NEIN, einfach nur Spass beim Blรคttern bringen und Lust auf die nรคchste Saison 2025 geben. Viel Spass!
Der Kreis schliesst sich. So langsam geht fรผr uns die Saison zu Ende. Jedes Mal wenn wir nach einer lรคngeren Reise wieder in unserem Winterhafen ankommen, fรผhlen wir uns fast wie „zuhause“. Seit 10 Jahren spielt sich nun schon das gleiche Ritual ab. Sagen wir „fast“, denn entweder erreichen wir unser Ziel von Norden รผber Venlo oder von Sรผden von Maastricht kommend, wo wir die letzten Tage geniessen. Dieses Jahr gรถnnen wir uns uns noch einen Abstecher nach Roermond, in die neue „City Marina„.
Wie in Amsterdam (wo es ebenfalls eine „City-Marina“ gibt), muss man „City“ nicht ganz beim Wort nehmen. Auch hier sind es ein paar Kilometer bis zur Stadt. Um dieser Kritik vorzubeugen, stellt der Hafen kostenlos Fahrrรคder zur Verfรผgung, was die Entfernung zum Stadtzentrum zu ein paar Minuten schmelzen lรคsst.
Die Fahrt nach Maasbracht dauert 1h20.
Im Winterhafen angekommen, bleibt uns noch das Boot fรผr den Winter vorzubereiten und sauber zu machen.
Dieses Jahr stehen etwas mehr Arbeiten an als gewรถhnlich.
So wollen wir das Cabrio austauschen und die Vorhรคnge waschen lassen. Fรผr das Cabrio haben wir uns fรผr einen Austausch entschieden: gleicher Stoff, gleiche Farbe, gleiche Aufteilung. Nur fรผr die „Fenster“ haben wir uns nach Beratung mit Herrn Gommans fรผr eine bessere Qualitรคt entschieden. Das gewรคhlte Material ist dicker und soll trotzdem durchsichtiger sein. Warten wir es mal ab!
Auch das Schiff selbst braucht ein paar Wartungsarbeiten. Nichts Aussergewรถhnliches nach 10 Jahren:
Steuerbordtรผr neu streichen
VAGABOND Namensschilder neu streichen
Neopren am Rand des Achterdecks ausbessern
Motorwartung 2500 h
Schwimmwesten prรผfen
und einiges mehr.
So werden wir im April 2025 wieder ein startklares Boot vorfinden.
Auch dieses Jahr genieรen wir die Stunden vor dem Sonnenuntergang. Nach einer gemรผtlichen Woche im Hafen, geht es jetzt entspannt zurรผck in „die Heimat“.
Fรผr die Zeit „an Land“, gibt es dann noch einige Punkte nachzuarbeiten, wie z.B. die „Liegeplatz“ Seite, die aktualisiert werden muss. Dieses Jahr sind einige Hรคfen und Liegeplรคtze in Deutschland dazugekommen.
Auf ein Wiedersehen im nรคchsten Jahr!
Vielleicht sehen wir auch im nรคchsten Jahr wieder einige unserer treuen Leser, die auch in dieser Saison auf uns zugekommen sind und uns ansprachen, wie in Leeuwarden, Bad Essen, und Maasbracht. „Sie sind doch „VAGABOND„. Ja das sind wir, und wir haben uns riesig gefreut, mit allen direkt sprechen zu kรถnnen.
Eine Zusammenfassung der Saison 2024 findet ihr hier.
Wir haben uns zwei Tage fรผr die Rhein-Waal-Strecke bis zur Maas vorgenommen. Eine erste Etappe von Wesel bis nach Lobith, und am nรคchsten Tag bis nach Linden an der Maas. Es ist richtig, dass man den Weg auch an einem Tag bewรคltigen kann. Es liegen ja nur 45 Kilometer und eine Schleuse vor uns. Selbst fรผr unser „Motรถrchen“ soll das kein Hindernis ein. Zumal wir mit der Strรถmung zu Tag unterwegs sind.
So machen wir es vom Verkehr und Wetter abhรคngig.
Vor der Abfahr machen wir unser Boot „hochseetauglich„: alles Bewegliche verstaut, der Tisch, Schubladen und Tรผren verriegelt, Fenster verschlossen, Schwimmwesten angelegt.
Obwohl Wochenende ist, bekommen wir sehr schnell einen drรผckenden Berufsverkehr in beide Richtungen zu spรผren. Bei 5km/h Strรถmung weht uns ausserdem eine leichte Brise von 4 bft entgegen, die das Wasser noch zusรคtzlich aufwรผhlt.
Mit dem Fernglas und AIS รผberwachen wir den Verkehr. Worauf wir besonders achten, sind die Monsterschubschiffe VEERHAVEN, HERKULES und VEERLE. Seit 2018 wird in Deutschland keine Kohle mehr gefรถrdert. Da aber weiterhin Kohle und Eisenerz fรผr die Stahlerzeugung gebraucht wird, kommt die Kohle jetzt aus รbersee via Rotterdam und den Rhein ins Ruhrgebiet. Diese Riesen, die 24h/7 unterwegs sind, drรผcken bis zu 9 Frachtkรคhne, jeder 110x11m. Dabei entwickeln die 3 Motoren mit 5800 PS enorme Heckwellen (NB: auf Google findet man genรผgend Bilder zu dem Thema).
Ingesamt werden uns 5 dieser Monster mit dem „Drachenschwanz“ begegnen. Mehrmals haben wir Glรผck. Der starke Berufsverkehr fรผhrt dazu, dass uns รผberholende Frachter bei der Begegnung wie ein Schutzschild wirken.
Die Monsterwellen werden klein gehackt.
Da Glรผck aber nicht grenzenlos ist und statistisch gesehen nicht immer 2 oder mehr Frachter sich kreuzen, wenn gerade ein Drachen in der Nรคhe ist, kommt es zu der unvermeidlichen Begegnung. Um es kurz zu fassen, selbst das IJsselmeer bei schlechtem Wetter hat uns nicht so zugesetzt. Minutenlang kรคmpfen wir mit 2m hohen Wellen. Trotz allem kรถnnen wir froh sein, dass uns das Schubschiff entgegenkommt. Der Wellenschlag kommt quer zum Bug. Auch wenn das Schiff mit dem Bug im Wasser mehrmals verschwindet, kรถnnen wir die Richtung halten und somit das gefรคhrliche Rollen vermeiden. (NB: von dieser Szene gibt es aus verstรคndlichen Grรผnden keine Bilder).
Nach diesem Erlebnis steht fest, wir machen Etappe in Lobith.
Leicht gestresst begeben wir uns am nรคchsten Tag auf den Weg zur Maas. Um es vorwegzunehmen, die Fahrt verlรคuft sehr ruhig. Auch an diesem Tag sind wir auf der Lauer. Ein VEERLE nรคhert sich langsam. Auch er zu Tal unterwegs. Wir haben Glรผck. Von weitem schon sieht man die 9 Lastkรคhne. Sie sind leer. Auf Talfahrt wird wegen der geringeren Schubkraft eine weitaus kleinere Welle erzeugt.
Nach etwas weniger als 2 Stunden tauchen die Brรผcken von Nijmegen auf.
In Nijmegen gibt es zwar eine Anlegemรถglichkeiten am linken Ufer nahe der Brรผcke, jedoch nur einen Kai ohne Service. So entscheiden wir uns, bis nach Linden zu fahren und die Stadt von dort aus zu besuchen.
Auf UKW Kanal 4 informieren wir den Verkehrsposten, dass wir zur Maas wollen. Frei Fahrt. Noch eine Schleuse, dann sind wir auf der Maas.
Wie gewohnt fahren wir zum Clubhafen WSV de Kraaijenbergse Plassen unweit der Stadt Cuijk.
Am nรคchsten Tag fahren wir mit den Rรคdern zur Zugstation „Mook-Molenhoek“. Von dort erreicht man Nijmegen in 10′.
In Hannover entdeckten wir die „Rote Linie“. Ein Wegweiser auf dem Boden, der durch die Stadt an den Sehenswรผrdigkeiten vorbeifรผhrt.
Hier treffen wir auf die „Grรผne Linie“. Sie zeigt uns den Weg durch die Stadt. Der Weg ist abwechslungsreich und bietet interessante Perspektiven der sehenswerten Stadt.
Am 19. August verlassen wir Potsdam in Richtung Westen. Wie in frรผheren Beitrรคgen erwรคhnt, war unser Wunsch, รผber die Weser flussabwรคrts den Rรผckweg in die Niederlande anzutreten. Leider ist die Schleuse Dรถrpen auf dem Kรผstenkanal bis Ende August wegen Bauarbeiten gesperrt. Da wir vorhaben, spรคtestens Mitte September im Winterhafen einzulaufen, erscheint uns diese Route riskant. Die Sperrung kรถnnte verlรคngert werden und der Weg รผber Friesland ist lรคnger als die direkte Verbindung รผber den Rhein zur Maas.
Somit wรคhlen wir die schnellere und hoffentlich sicherere Alternative. Aber zunรคchst heisst unser „Programm“ wieder Elbe-Havel-Kanal und Mittellandkanal.
Nach 7 Tagen und 400 km erreichen wir ohne Schwierigkeiten bei gutem Wetter und mรครigem Berufsverkehr den Dortmund-Ems-Kanal am Nassen Dreieck. Auf der Hinfahrt sind wir den Mittellandkanal etwas gemรผtlicher angegangen. Da hatten wir 10 Tage gebraucht, was wir fรผr einen guten „Richtwert“ halten.
Wir wollen 2 Tage in Mรผnster verweilen. Die Stadt kennen wir noch nicht. Wir steuern den „Stadthafen“ an. Grundsรคtzlich mรถgen wir es, direkt in Stรคdten festzumachen.
Als wir dort ankommen, der Hafen wird inzwischen „Party-Meile“ genannt, ist die Enttรคuschung gross. Bei der Renovierung des alten Industriehafens haben die Stรคdteplaner wohl nicht daran gedacht, dass ein Hafenbecken auch fรผr Freizeitschiffer attraktiv sein kann. Das war wohl nicht das Ziel der Planer. Es fehlt an jeglicher, sonst รผblichen Infrastruktur. Nur ein paar alte weit auseinanderstehende Festmacher erinnern noch an einen Hafen.
Kein Boot, keine angepassten Festmacher, keine Stromanschlรผsse, nichts !
Dafรผr aber Partystimmung. Die Stรผhle der Restaurants und Bars gehen bis an den Wasserrand. Wir drehen eine Runde, auf der Suche nach einer mรถglichen Anlegestelle fรผr die Nacht. Die Blicke unzรคhliger Gaffer gibt uns den Rest, wir drehen ab. Spรคter bestรคtigen uns andere Freizeitschiffer, die wir unterwegs treffen, dass es richtig war, abzudrehen.
Etwa 10 km sรผdlich der Stadt finden wir bei km 59 dann einen guten und ruhigen Platz am Kanal, unweit einer Gaststรคdte mit Biergarten. Wir entscheiden uns 2 Tage dort zu bleiben. Denn ein Stadtbesuch steht weiterhin auf dem Programm!
Von unserem Liegeplatz aus erreichen wir am nรคchsten Morgen mit dem Rad in 20′ die Stadt. Kurz gesagt, der Besuch lohnt sich.
Am nรคchsten Tag fรผhrt uns der Weg weiter nach Datteln. Dort liegen wir in einem grossen Hafenbecken, wo fรผr Sportboote genรผgend Plรคtze zur Verfรผgung stehen. Hier gibt es die gleichen Stromanschlรผsse, wie man sie auch auf dem sรผdlichen Teil des Dortmund-Ems-Kanal hรคufig findet. Um sie benutzen zu kรถnnen, braucht man die „App“ Ease2pay / Walstroom. In unserem Fall reicht das aber leider nicht! Jeder Anschluss-Schrank kann normalerweise von 2 Verbrauchern genutzt werden. Jedoch an unserem Liegeplatz ist der einzig freie Anschluss „ausser Service„,…. Die Schrรคnke bieten im allgemeinen Anschlรผsse fรผr 16A und 32A und 64A an.
Mit dem Fahrrad kann man in 30′ zu den Henrichenburg Schleusen und den historischen Hebewerken fahren. Das alte Hebewerk wurde zu einem Industriemuseum umfunktioniert. Fรผr Technikinteressierte ein MUSS.
Jetzt trennt uns nur noch der Wesel-Datteln-Kanal vom Rhein. Der Berufsverkehr nimmt gegen Ende des Kanal stark zu. Fรผr den Kanal haben wir 2 Tage vorgesehen. Wir รผbernachten in Dorsten, wo wir 2 Tage bleiben, da wir einen Abstecher nach Essen ins Ruhrgebiet vorhaben.
Am Abend sind nicht nur Frachter unterwegs, sondern auch Standup Paddler, was manchmal auch Hupkonzerte zur Folge hat.
Die Stadt Essen ist mit dem Zug in 25′ zu erreichen. Wir nutzen die Gelegenheit zu einem Besuch in der ehemaligen Zeche „Zollverein“ aus. Ebenfalls ein MUSS, wenn man sich fรผr die Industriekultur des Ruhrgebietes interessiert. Lang ist’s her,…
An die letzte Schleuse vor dem Rhein werden wir uns noch lange erinnern. Wir erreichen sie gegen 12h45. Recht schnell merken wir, dass wir Zeit zu einem schnellen Mittagessen haben. Dass wir aber erst kurz nach 16h die Schleuse verlassen, hรคtten wir uns nicht vorstellen kรถnnen. Aber das ist nicht das einzige Aussergewรถhnliche an diesem Tag.
Wir sollen in der grossen Kammer mit zwei Frachtern und einem zweiten Sportboot schleusen. Wir machen uns wie รผblich hinter den Frachtern fest und warten auf das zweite Sportboot.
Die anscheinend unerfahrene Crew lรคsst sich von Wind und mรถglicherweise etwas Strรถmung รผberraschen. Ihr Boot stellt sich bei der Einfahrt quer und nimmt die ganze Breite der Schleuse ein. Es dauert eine Weile bis die Crew ihr Boot unter Kontrolle bekommt. Am Ende bleiben ein paar Kratzer am Rumpf. Das ist zwar รคrgerlich, aber es hรคtte schlimmer ausgehen kรถnnen.
30′ spรคter erreichen wir unser Tagesziel, den Hafen in Wesel am Rhein, wo uns eine weitere รberraschung erwartet. Unweit des Hafens findet das „Bulli-Fest“ statt. Als ehemalige VW-Campingbus Enthusiasten kann man eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Der Abend wurde dann lรคnger als geplant. Ein guter Abschluss. Morgen gehts zurรผck in die Niederlande.
Vor ein paar Tagen haben wir die Rรผckreise begonnen. Da wir den Mittellandkanal schon auf der Hinreise erwรคhnt haben, werden wir jetzt darauf verzichten, wieder im Detail darauf zurรผckzukommen.
Oder doch?
In diesem Beitrag geht es um Liegeplรคtze, denen wir auf unserem Weg in Deutschland begegnet sind, mit Schwerpunkt Mittellandkanal, Berlin und Umgebung.
Am Kanal:
Zunรคchst mal zu den Kanรคlen, hier findet man genรผgend „Liegeplรคtze fรผr Sportboote„. Nach Wolfsburg nimmt die Dichte allerdings ab. Sie bieten eine praktische und billige Alternative zu Hรคfen, vor allem, wenn diese rar sind, und falls man auf Strom und Wasser verzichten kann.
Unsere Erfahrung ist eher positiv. Die meisten (von uns aufgesuchten Plรคtze) liegen in ruhiger Umgebung. Der Berufsverkehr hรคlt sich in Grenzen. Der Schwell wirkt kaum stรถrend, da die Frachter hier mit gemรครigter Geschwindigkeit unterwegs sind. Die beschilderten Plรคtze sind auf den รผblichen Karten markiert. So kann man seine Etappen gut planen. Allerdings bieten die markierten Zonen im allgemeinen nur Platz fรผr maximal 3 Boote. An besonders gesuchten Stellen kann es dann an ein paar Metern Spundwand fehlen. An den markierten Liegeplรคtzen sind diese oft verkleidet, was das anlegen und festmachen sicherer gestaltet. Unterwegs trifft, man auch auf „Dauercampern„, die diese Stellen als Abstellplรคtze benutzen.
In Minden, am Wasserstrassenkreuz, ist es schwierig, eine freie Lรผcke zu ergattern. Weder auf der Hin- noch auf der Rรผckreise gab es einen Zentimeter Platz! Obwohl dort die Wasserschutzpolizei darauf achtet, dass die Schiffe nicht lรคnger als eine Nacht verweilen.
In Berlin
Hafen in der Innenstadt auf der Spree ? Fehlanzeige!!!
In der Nรคhe des Reichstags gibt es am rechten Ufer einen „Kai“ mit ein paar Festmachern und 4-5 Plรคtzen zum Anlegen. Die Liegedauer ist auf 24 Stunden begrenzt. Mit etwas Glรผck, kann man dort einen Platz ergattern.
Es gibt dort wenigstens einen Mรผllcontainer. Aber das wars dann auch fรผr die Bundeshauptstadt! Man findet noch Hรคfen an der Peripherie, z.B. auf dem Teltow-Kanal. Wenn man das Pech hat, keinen Platz in Berlin Mitte zu finden, bleibt nur die Rรผckfahrt nach Spandau oder weiter zu den Seen im Osten.
Auf den Flรผssen und Seen im Umfeld der Stadt
Auf den ersten Blick kรถnnte man sagen, SUPER! Soviel Hรคfen gibt es selbst in Friesland nicht pro Quadrat-Kilometer. Stimmt, ABER, es sind meistens Privat -oder Clubhรคfen, die den Begriff „Gast“ oder „Passant“ nicht kennen.Wenn Plรคtze vorhanden, so sind sie meistens von den unzรคhligen Charterbooten belegt.
Natรผrlich gibt es Ausnahmen, wie in Brandenburg, aber telefonische Voranmeldung ist geraten. „Meldestege“ sucht man im Allgemeinen vergeblich. Es bleibt das Ankern auf den wunderschรถnen Seen. Da ist die Auswahl schlicht endlos.
Zum Abschluss ein Beispiel: In Kรถpenick fanden wir in einem Hafen einen freien Platz. Wir fragen nach, „ja klar, Sie kรถnnen hier eine Nacht bleiben, die Charterboote sind gerade unterwegs,…“. SUPER! Dann die รberraschung beim Bezahlen: 40 โฌ (vierzig!) Festpreis. 40 ? „Ja, ich mache mir die Mรผhe nicht nach Grรถsse abzurechnen„.
In den wenigen Hรคfen, die Gastplรคtze anbieten, sind die Preise zwar „angemessener„, aber auch hier ist man vor รberraschungen nicht sicher: Preis = Bootslรคnge + Strom + Wasser + Anzahl der Personen (Kinder unter 4 Jahren kostenfrei) + Dusche + etc. Da kommt am Ende auch ein stattlicher Betrag zusammen.
Die von uns benutzten Hรคfen werden auf der Seite „Liegeplรคtz/Deutschland“ erwรคhnt und vorgestellt (z.Z. im Bau).